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epa03692064 A photograph made available on 08 May 2013 shows a single car on the autobahn A14 near Leipzig, Germany, 07 May 2013. Politicians of the German parties Alliance '90/The Greens and the Social Democratic Party (SPD) support a speed limit of 120 kmh on German autobahns.  EPA/HENDRIK SCHMIDT

Ein Besuch in der Heimat könnte für mich nun etwas teurer werden. Bild: EPA

Pkw-Maut auch in Deutschland?

«Schade, Mama, ab 2016 komme ich nur noch zweimal im Jahr zu dir»

Deutschland will eine PKW-Maut einführen. Besonders ärgerlich ist dies für Deutsche, die im Ausland leben. watson-Redaktorin Viktoria Weber liefert ihr persönliches Rechen-Exempel.

07.07.14, 19:16 08.07.14, 11:25

Alle paar Wochen fahre ich ins Saarland, um meine Eltern und Freunde für ein paar Tage zu besuchen. Da die Deutsche Bahn keine wirklich gute und vor allem gleich schnelle Alternative bietet, fahre ich meistens mit dem Auto. Die 350 Kilometer pro Strecke und die damit verbundenen Spritkosten nehme ich gerne auf mich. Doch nun sollen diese Kurztrips nach Deutschland für mich deutlich teurer werden. Denn Verkehrsminister Alexander Dobrindt will in Deutschland eine Pkw-Maut einführen. 

Sollte er mit seinem Plan ans Ziel gelangen, würde das Gesetz am 1. Januar 2016 in Kraft treten. Bevor der deutsche Autofahrer anfängt, sich aufzuregen, gibt der Verkehrsminister Entwarnung: «Die Maut wird keinen deutschen Autofahrer zusätzlich belasten.» Der Grund: Die Vignette wird mit der Kfz-Steuer verrechnet.

Doch wie ist das mit mir? Ich bin auch eine «deutsche Autofahrerin». Bloss lebe ich in der Schweiz, zahle die Abgaben für mein Auto hier und werde somit – was die deutsche Vignette betrifft – wie eine Ausländerin behandelt. Das bedeutet, dass ich mir entweder auch eine Jahresvignette zulegen oder eines der zeitlich begrenzten Angebote nutzen muss: Eine Zehn-Tages-Vignette soll laut Dobrindts Plan 10 Euro kosten, für 20 Euro bekommt man eine Zwei-Monats-Vignette.

Der Preis der Jahresvignette variiert

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Peter Ramsauer plant Dobrindt keine Einheitsmaut von 100 Euro pro Vignette – der zu zahlende Betrag richtet sich viel mehr nach Motorgrösse, Modernität und Umweltfreundlichkeit des Wagens. Eine Jahresvignette würde im äussersten Fall 150 Euro kosten. Grundsätzlich gilt: Je grösser und älter der Pkw, umso höher fällt die Maut aus.

Wie wäre es mit einer Tagesgebühr?

Die beiden zeitlich begrenzten Angebote erscheinen mir wenig sinnvoll: Denn normalerweise besuche ich meine Freunde und Verwandte in Deutschland bis zu zehn Mal pro Jahr. Das würde bedeuten, dass ich zehn Mal zehn Euro, also insgesamt 100 Euro, bezahlen müsste. Mit jeder einzelnen Vignette könnte ich dann zehn Tage in Deutschland herumfahren, was mir herzlich wenig bringt, da ich selten länger als drei Tage am Stück in Deutschland verbringe und mindestens zehn Tage bis zu meinem nächsten Besuch vergehen.

Die Zwei-Monats-Vignette bringt mir genau so wenig, da meine Besuche so aufs Jahr verteilt sind, dass ich wahrscheinlich genau dann wieder nach Deutschland reisen würde, wenn meine alte Vignette gerade abgelaufen wäre. Ich müsste also fünf- oder im schlimmsten Fall sechsmal eine Zwei-Monats-Vignette kaufen. Damit würde ich dann bei 100 beziehungsweise 120 Euro liegen. In beiden Fällen könnte ich also ebenso gut eine Jahresvignette ausstellen lassen. Für meinen Geschmack wäre eine Tagesgebühr noch am sinnvollsten.

«Die beiden zeitlich begrenzten Angebote erscheinen mir wenig sinnvoll.»

Mein kluger Einfall hilft mir auch nicht weiter

«In meinem Fall wäre es auch noch möglich, die Maut gänzlich zu umgehen», dachte ich im ersten Moment, als ich von den Plänen einer deutschen Kfz-Maut gehört habe. Denn meine Eltern wohnen ganz nah an der französischen Grenze. Begebe ich mich also auf den Heimweg, fahre ich ab Basel auf französischen Autobahnen – wo ich ebenfalls Maut zahle, die jedes Jahr leicht angehoben wird – und erst die letzten zehn Kilometer bin ich auf deutschen Strassen unterwegs. 

«Da kann ich dann ja die Autobahn vermeiden», dachte ich für mich. Tja, das würde mir nur leider nichts bringen, denn die geplante Maut in Deutschland soll nicht – wie in der Schweiz, in Frankreich und in Österreich – nur für Autobahnen, sondern auch für alle Bundes-, Landes- und Kommunalstrassen gelten. Um eine Vignette käme ich ab 2016 bei einem Besuch meiner Eltern also nicht mehr rum.

«In meinem Fall wäre es auch noch möglich, die Maut gänzlich zu umgehen» – falsch gedacht.

Ein Luxusproblem, das dennoch ärgerlich ist

Dass ich mir eine jährliche Gebühr zwischen 100 und 150 Euro durchaus leisten können sollte, da ich hier in der Schweiz deutlich mehr Geld verdiene als ich es in Deutschland würde, ist mir völlig klar. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Deutschen aber aufregen, wenn sie eine Jahresvignette für 40 Franken kaufen müssen, wenn sie in der Schweiz Ski fahren wollen, finde ich, dass ich mich ebenso gut darüber aufregen darf, dass ich nun deutlich tiefer in die Tasche greifen muss, wenn ich ab und zu meine Eltern besuchen möchte.

Oder ich muss sagen: «Schade Mama, ab 2016 komme ich leider nur noch zweimal im Jahr zu Besuch.» Zwar würde diese dann sofort einen Einzahlungsschein zücken, um mir die Kosten zu ersparen und mich doch häufiger nach Deutschland zu locken – meinen Ärger über die deutsche Vignetten-Politik würde das aber auch nicht besänftigen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • snare 09.07.2014 02:16
    Highlight Liebe Frau Weber, bevor Sie schreiben sollten Sie Ihre Info fertiglesen : Zitat bz vom 8.7.2014
    " ......Man sollte sich also im Internet informieren, wie hoch der Preis ist und dann die Jahresvignette bestellen, die im Schnitt 88 Euro kostet. Es geht aber auch einfacher: Deutsche Tankstellen werden Jahresvignetten parat halten. Zehn Jahre lang sollen diese laut Dobrindt «um die 100 Euro» kosten. Die Tankstellen-Variante lohnt sich also für Schweizer mit alten, nicht umweltfreundlichen Autos. Wer unter 100 Euro liegt, kauft im Internet seine individuelle Plakette. "
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  • Zeit_Genosse 08.07.2014 17:39
    Highlight Es ist schon ein Unterschied, ob ein Staat für seine Autobahnen Zusatzsteuern von Ausländern einfordert (Schweiz, Deutschland), weil der Staat ja eine Infrastruktur mit dem Budget des Landes zu finanzieren hat und auch diese für die einheimische Bevölkerung aufbaut, oder ob das Private tun (Frankreich, Italien). Die Privaten rechnen nach Nutzern ab, die Ihr Produkt, die Autobahn, nutzen. Sie tragen ein unternehmerisches Risiko, welches ein Staat nicht trägt, wenn er mit den Steuern sorgsam umgeht. Oder ist das an den Haaren herbeigezogen? Muss ich bald im Ausland eine Wssersteuer für sauberes Wasser zahlen, oder eine Umweltvignette kaufen, die meinen Abfall in dem entsprechenden Land finanziert?
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    • Armando 10.07.2014 12:53
      Highlight Die Schweiz fordert von Ausländern keine Zusatzsteuern ein, die Autobahnvignette ist ja auch für Schweizer Pflicht. Bitte zuerst denken und dann schreiben. Und was ist mit Österreich, das nicht nur vor jedem grösseren Mauseloch ein Mauthäuschen aufstellt, sondern auch noch abkassiert, wenn man über den Berg fährt?
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  • Peter Wolf 08.07.2014 14:30
    Highlight Und für eine solches Nicht-Problem einer in der Schweiz - wie sie selbst zugibt - sehr gut verdienenden Deutschen werden auf dem ach so innovativen Newsportal Watson über 5000 Zeichen vergeudet. Wo bleibt da der journalistische Filter genannt Relevanz? Existiert wohl gar nicht.
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  • Gelöschter Benutzer 08.07.2014 13:56
    Highlight Angela Merkel anlässlich eines Fernseh-Interviews im September 2013:
    "Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben".
    Dies zur Glaubwürdigkeit der europäischen Politiker!!!
    Kein weiterer Kommentar nötig.
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  • Armando 08.07.2014 12:06
    Highlight Wenn Deutschland die Maut auf allen Strassen nur für Ausländer einführt, muss die Schweiz subito am Gotthard eine Maut nur für Deutsche erheben, pro Durchfahrt 50 €, denn schliesslich ist das der längste Strassentunnel Europas, der von Deutschen rege benutzt wird und deshalb regelmässig überlastet ist.
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  • Martin1961 08.07.2014 04:47
    Highlight Dieses Geklönewegen ein paar Euro's iist einfach nur peinlich! Schon mal was von Verursacherprinzip oder Mutterliebe gehört? Für letzteres gibts übrigens keine Preisliste ....
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  • Buri Erich 08.07.2014 00:41
    Highlight BTW: Wie wird die Maut umgesetzt?
    Folgt da eine flächendeckende Überwachung der Autos auf allen Strassen in D?
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  • Maria Cecilia Keller 07.07.2014 23:28
    Highlight Vermutlich wäre Mami plus Mischpoke ganz froh, dass ihre nölende Tochter nur noch zweimal im Jahr an ihren Nerven nagt :-)
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  • Gelöschter Benutzer 07.07.2014 21:10
    Highlight Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau!
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  • Gelöschter Benutzer 07.07.2014 20:16
    Highlight Sie zahlen in Deutschland auch keine Steuern für die Instandhaltung der Strassen. Wie kommen Sie darauf, dass Sie deshalb für Ihre Fahrten nach Hause nichts bezahlen sollten? War mir noch nie klar, warum man in D kostenlos auf der Autobahn herumrasen kann und ich kenne persönlich auch niemanden, der sich über die Schweizer Vignette beschwert hätte. Was ist das überhaupt für ein Niveau? Andere beschweren sich, also will ich auch ein bisschen rumnölen, obwohl ich es mir ja locker leisten kann? Ist das ein Leserbrief oder ein Zeitungsartikel? Wenn ich meine Eltern besuchen will, muss ich tatsächlich auch eine Zugfahrkarte lösen und dann hab ich je nachdem noch nicht einmal einen Sitzplatz. Sauerei, oder?
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  • Timo (1) 07.07.2014 20:10
    Highlight Aber das ist ja entsetzlich! Was für ein Verkehrsminister würde seine Schutzbefohlenen einer solchen Zumutung preisgeben!
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  • Mith 07.07.2014 19:46
    Highlight Maut in Frankreich gibt's schon, aber gerade die A35 von Basel nach Lauterbourg (an der Grenze zu Rheinland-Pfalz) ist ja mautfrei! Da könnte man ja fast sagen: Glück gehabt! Du kannst Mama trotzdem weiterhin besuchen.
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    • amei 08.07.2014 12:45
      Highlight Sobald in Deutschland die Maut eingeführt wird, werden die Franzosen gleich nachziehen und diese Ausnahme beseitigen.
      1 1 Melden
  • MediaEye 07.07.2014 19:30
    Highlight Gemach, gemach, nicht alles wird so heiss gegessen wie es gekocht wird.
    Die Phantastereien dieses #Dobrint werden so ganz sicher nicht durchkommen und/oder von Brüssel akzeptiert werden, schon gar nicht für Bundes- und Landstrassen, denn dies sind keine Abgaben sondern Wegelagerei und Abzocke von Ausländern.
    2 5 Melden
    • Azrag 08.07.2014 08:06
      Highlight Genau, die EU wird dies wegen Diskriminierung nicht zulassen, auch wenn die Deutschen den Trick über die Kfz-Steuer versuchen. Es ist und bleibt eine Diskriminierung von anderen EU-Staaten, da die Deutschen de facto nichts bezahlen.
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