Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ostereier von «glücklichen» Hühnern: Die Tiere können sich zwar frei bewegen, leiden aber oft an Knochenschwund. Bild: KEYSTONE

Knochenschwund bei Schweizer Hühnern: Kann ich mit gutem Gewissen Ostereier kaufen?

Osterzeit ist Eierzeit. Eier von Hennen aus Käfighaltung sind schon fast verpönt. Doch auch die «glücklichen» Hühner haben ein Problem: Sie brechen sich die Knochen, weil sie zu wenig Kalzium haben. Hühnerforscherin Sabine Gebhardt erklärt, was dahinter steckt.

02.04.15, 13:56 02.04.15, 22:06

Frau Gebhardt, Sie forschen an Legehennen und zum Thema Tierschutz. Worauf achten Sie selber beim Kauf von Eiern?
Dr. Sabine G. Gebhardt-Henrich:
 Da ich selber Hühner habe, muss ich die Eier nicht immer im Laden kaufen – ausser, wenn meine Hennen zu wenig Eier legen. Das kann schon mal vorkommen. 

Zur Person

Dr. Sabine G. Gebhardt-Henrich 

ist Biologin. Sie forscht am Lehrstuhl für Tierschutz an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Bern. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Tierschutzvorschriften bei kleineren Nutztieren. «Im Moment untersuchen wir zum Beispiel, wie lang der Futtertrog pro Huhn sein muss», erklärt sie. (egg)

Und welche Eier kaufen Sie? 
Ich kaufe nur Eier aus der Schweiz. Dann weiss ich, dass die Legehennen nach den Vorschriften der Schweizer Tierschutzverordnung gehalten werden. Ausserdem achte ich darauf, dass sie entweder aus Freiland- oder aus Biohaltung sind. Die Schweiz erlaubt keine Käfig- oder Volierenhaltung und gibt genaue Vorschriften für die Haltung der Tiere.

Nämlich? 
Die Anzahl Quadratmeter pro Henne ist definiert, und die Einstreu ist vorgeschrieben. Hühner müssen gewisse Verhaltensweisen ausüben können, wie im Boden picken und scharren. Wenn sie in Käfigen oder Kleinvolieren mit Gitterböden gehalten werden, kann dies zu Verhaltensstörungen führen.

«Die Schweiz erlaubt keine Käfig- oder Volierenhaltung und gibt genaue Vorschriften für die Haltung der Tiere.»

Sabine Gebhardt, Tierschutzprofessorin

Nun gibt es ein weiteres Problem, das auch bei «gesunden» Schweizer Freiland- und Biohennen auftaucht: vermehrte Knochenbrüche. Erklären Sie uns das.
Es ist ein Problem, das bei Legehennen in der Schweiz, aber auch in anderen Ländern recht häufig auftritt. Laut unserer Forschung hat fast die Hälfte der Tiere Knochenbrüche am Brustbein. Das sieht man, wenn man die Hühner schlachtet. Auch Verformungen, die auf einen geheilten Bruch hinweisen, sind sehr häufig bei Legehennen.

Woher kommt das?
Die Tiere können Osteoporose – Knochenschwund – haben. Ein Huhn braucht viel Kalzium für die Produktion der Eierschale. Dadurch kann es zu einem Defizit kommen. Die Tiere verletzen sich leicht, wenn sie zum Beispiel im Gerangel von der Stange fallen. Auch ohne Käfighaltung gibt es noch Tierschutzprobleme und die Knochenbrüche sind eines davon. 

Leiden die Tiere wegen unserer Ernährungsgewohnheiten? Vielleicht sind Hühner einfach nicht dazu gemacht, so viele Eier zu legen? 
Es ist sehr schwierig zu sagen, was der Grund ist. Die Frequenz des Eierlegens ist sicher ein Grund. Das Problem der verformten Brustbeine ist aber bereits 1918 entdeckt worden, bevor die Hennen so viele Eier legten wie heute. Freilandhühner bewegen sich viel, und ihre Knochen sind stärker als die von Käfighennen. Trotzdem können sie sich das Brustbein brechen. Wir haben die Legehühner zwar aus den Käfigen befreit und somit ihr Tierwohl erhöht, aber wir konnten das Problem mit den Knochenbrüchen bisher noch nicht lösen.

«Laut unserer Forschung hat fast die Hälfte der Tiere Knochenbrüche am Brustbein.»

Sabine Gebhardt, Tierschutzforscherin

Was wird dagegen unternommen?
Wir forschen an der Genetik, geben neue Empfehlungen für die Zucht ab. Wir machen aber auch neue Fütterungsversuche und entwickeln bessere Ställe mit Rampen, damit die Hennen nicht fliegen müssen und abstürzen können. 

Kann ich trotzdem mit gutem Gewissen Ostereier kaufen?
Das mit dem Gewissen ist immer so eine Sache. Das muss jeder selber mit sich ausmachen. Was ich aber sagen kann: Schweizer Eier stammen von Tieren, die nie in Käfigen gehalten werden. Unsere Tierschutzrichtlinien sind in dieser Hinsicht die strengsten weit und breit. Die Legehennen-Betriebe sind regelmässigen Kontrollen ausgesetzt. Zusätzlich erfolgen die Kontrollen von vielen Labels unangemeldet. Wenn ein Betrieb sich nicht an die Vorschriften hält, wird er verwarnt. Das Label kann ihm entzogen werden.

Das interessiert dich bestimmt auch:

12 Fakten, die dir beim grossen Eierfressen ein besseres Gefühl geben

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • runner 03.04.2015 08:59
    Highlight Zum Einbauen von Calcium in die Knochen gehören Spurenelemente, Mineralstoffe und Vitamine. Also: Vielleicht mangelt es an Vitamin K, D, C, Chondroitin, Magnesium, Zink, Bor, Silicium, Kupfer, Eisen, Vit. B1, B2 und B6, Mangan und der Aminosäure L-Arginin. Da muss man weiter forschen. Calcium ist nicht das Nadeloer. Im Endeffekt liegt es am Futter.
    2 0 Melden
  • Raphael Bühlmann 02.04.2015 16:23
    Highlight Problematischer ist für mich etwas, das viele nicht wissen: Egal ob "normale" oder Bioproduktion oder Freilandhaltung – die männlichen Küken der Legehennen werden grundsätzlich und systematisch nach dem Schlüpfen getötet. Entweder vergast oder gehäckselt. Logisch, denn sie können keine Eier legen und für den gluschtigen Poulet-Genuss liefern sie leider zu wenig Fleisch ...

    http://vegan.ch/warum-vegan/warum-keine-eier/
    15 3 Melden
    • Luca Andrea 03.04.2015 08:13
      Highlight Was man sich auch nicht bewusst ist: Auch Hühner haben die Regel. Das Ei, welches wir essen ist das Endprodukt der Periode des Huhns.
      1 0 Melden
  • Hugo Wottaupott 02.04.2015 16:19
    Highlight Hühner! Die ANTI-emanzen der Tierwelt! Sie produzieren EIER!
    3 3 Melden

Der Fleischkonsum in der Schweiz ist auf ein Rekordtief gesunken – das sind die Gründe

Seit 49 Jahren haben die Schweizer nicht mehr so wenig Fleisch gegessen. Die Branche rechnet nicht mit einer Trendwende – und richtet nun ihre Kommunikation neu aus.

1969 war die Welt noch eine andere. Erstmals setzte ein Mensch seinen Fuss auf den Mond. In Vietnam tobte der Krieg. Und die Schweiz war noch zwei Jahre von der Einführung des Frauenstimmrechts entfernt.

Damals, vor fast einem halben Jahrhundert, hat die Schweizer Bevölkerung letztmals so wenig Fleisch gegessen wie heute. Der Fleischkonsum pro Kopf befindet sich aktuell auf einem Rekordtief, wie eine Statistik der Branchenorga­ni­sa­tion Proviande zeigt, die watson vorliegt.

50,01 Kilogramm …

Artikel lesen