Wirtschaft
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Blick auf die drei Grosswindraeder des am Freitag, 1. Oktober 2010, auf 2332 Meter ueber Meer auf dem Guetsch oberhalb Andermatt, UR, in Betrieb genommenen, hoechstgelegenen Windparks Europas. Die drei Grosswindraeder produzieren jaehrlich rund 3, 25 Millionen kW/h Oekostrom. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Windräder in Andermatt. Bild: KEYSTONE

Klimaziele

Weltweit lässt die Energiewende auf sich warten

Der globale Energiekonsum wuchs seit 1990 sogar stärker, als die IEA prophezeite. Die Klimapolitik bleibt auf der Strecke. 

12.07.14, 22:55 13.07.14, 16:32

Ein Artikel von Infosperber

Hanspeter Guggenbühl / Infosperber

Die Schere zwischen klimapolitischen Forderungen und Energieprognosen begann sich schon Ende des letzten Jahrhunderts zu öffnen. An der ersten internationalen Klimakonferenz 1988 in Toronto forderten die dort versammelten Wissenschafter aus 48 Ländern, der Ausstoss von CO2, das bei der Verbrennung von fossiler Energie entsteht, müsse bis zum Jahr 2005 um zwanzig und bis 2050 um fünfzig Prozent gesenkt werden. Damals konsumierte die Menschheit, umgerechnet in Erdöleinheiten (Öleq), pro Jahr rund sieben Milliarden Tonnen fossile Primärenergie. 

Die Internationale Energieagentur (IEA) prophezeite 1994, der weltweite Konsum von Primärenergie werde von 1990 bis 2010 um 45 Prozent zunehmen, der Ausstoss von CO2 sogar um 48 Prozent. Umwelt- und Klimaschützer beurteilten diese Prognose damals als Schreckensszenario. 

Die klimapolitischen Forderungen von 1988 und späteren Jahren blieben auf der Strecke.

Jetzt, zwei Jahrzehnte später, zeigt sich: Die klimapolitischen Forderungen von 1988 und späteren Jahren blieben auf der Strecke. Denn der weltweite Energiekonsum nahm in den letzten beiden Jahrzehnten und vor allem ab der Jahrtausendwende noch etwas stärker zu, als es die IEA voraussagte. 

Energieverbrauch stieg

This Sept. 9, 2012 photo, lights form the Laughlin Casino reflect off the Colorado River at sunset in Laughlin, Nev.  Laughlin, an unincorporated town of 7,300, is about 100 miles south of Las Vegas and popular with bargain-hunting retirees who drive in for sometimes months-long getaways to the region. The town, with nine casino-resorts clustered along the banks of the Colorado River, lured 2 million visitors last year and generated $455 million in gambling revenue.  But tourism, the only major industry in Laughlin, has been declining for years, even as Las Vegas bounces back and Mesquite, another small resort destination in the region, stabilized.  Laughlin’s annual visitor volume has fallen 60 percent from 5 million about 15 years ago. Gambling revenue rose to $631 million in 2007 but has dropped every year since.  (AP Photo/ Las Vegas Sun, Steve Marcus)

Der weltweite Energiekonsum stieg um 47 Prozent.  Bild: AP/The Las Vegas Sun

Der globale Konsum von Primärenergie stieg von 1990 bis 2010 um 47 Prozent und damit etwas stärker, als es die IEA 1994 voraussagte. Dieses Wachstum liess sich auch in den folgenden Jahren nicht stoppen: Im Jahr 2013 konsumierte die Menschheit 12'730 Millionen Tonnen Öleq Primärenergie. Dieser Verbrauch liegt um 2,3 Prozent über dem Wert des Vorjahres, um 36 Prozent über dem Stand im Jahr 2000 und um 57 Prozent über dem Stand von 1990. 

Fossile Energie

FILE - In this April, 1975 file photo, Syria opens its fourth oil field at Jbeissah, 19 miles west of the Iraq border in April 1975. The opening ceremony was attended by Syrian Oil Minister Adnan Mustafa and several Soviet oil experts and Diplomats.  Islamic militants seized an eastern Syrian oil field near Iraq and inched closer to the Turkish border on Friday, July 4, 2014 as they try to consolidate their control of an area along the length of the Euphrates river stretching through Syria and Iraq.(AP Photo/Harry Koundakjian, File

Ölfelder in Syrien. Bild: Harry Koundakjian/AP/KEYSTONE

Die fossilen Energieträger Erdöl, Kohle und Erdgas dominieren weiterhin. Ihr Anteil am globalen Verbrauch von Primärenergie betrug letztes Jahr 87 Prozent. Er blieb damit annähernd gleich hoch wie in den Jahren 1990 und 2000. Statt markant zu sinken, wie es die Klimakonferenz von Toronto verlangte, stieg der CO2-Ausstoss seit 1990 um mehr als 50 Prozent. 

Erneuerbare Energie

TO GO WITH AFP STORY BY RICHARD INGHAM
(FILES) -- A file photo taken on September 20, 2010 shows wind turbines standing next to a house near Husum, northern Germany. More than two dozen scientific institutes, in unprecedented advice to world leaders, on July 8, 2014 urged major economies to unleash an energy revolution for slashing carbon emissions to safer levels by 2050. In a report issued ahead of the September 23 world climate summit, they also warned time was short for meeting the UN's global-warming target but the goal must not be scrapped.   AFP PHOTO / JOHANNES EISELE

Bild: AFP

Neun Prozent des globalen Energiekonsums entfielen 2013 auf «Übrige» respektive erneuerbare Energie. Innerhalb dieser Gruppe dominiert weiterhin die Wasserkraft mit einem Anteil von drei Vierteln. Beim übrigen Viertel handelt es sich um Strom aus Solar-, Wind-, Geothermie-, Müll- und Biomasse-Kraftwerken sowie um Agrartreibstoffe. Diese neuen erneuerbaren Energien decken also erst zwei Prozent des globalen Energiekonsums. Allerdings vernachlässigt die BP-Weltenergiestatistik die nicht kommerziell genutzte Energie.

Dazu gehört etwa das Brennholz, das die Bevölkerung in Afrika, Asien oder Südamerika nutzt (oder übernutzt), um zu kochen, sowie die aus Solarkollektoren gewonnene Wärme. Diese nicht kommerzielle Energie partizipiert gemäss Schätzungen der IEA mit einem Anteil von fünf bis sieben Prozent am globalen Energiekonsum. 

Bild: Infosperber/Südostschweiz

Der Konsum der einzelnen Energieträger wuchs unterschiedlich. Besonders stark stieg die Verfeuerung von Kohle, die vor allem zur Erzeugung von Elektrizität genutzt wird, und – auf tieferem Niveau – die Nutzung von erneuerbarer Energie. Der Anteil des (weiterhin dominierenden) Erdöls hingegen ist seit dem Jahr 2000 geschrumpft, ebenso die Nutzung der Atomkraft. Der Anteil des Erdgases am gesamten Energieverbrauch blieb trotz Fracking etwa gleich hoch. 

Entwicklungs- und Schwellenländer holen auf 

Grössere Veränderungen gab es bei der regionalen Verteilung; dies vor allem zwischen den westlichen Industriestaaten (OECD) und den Schwellen- und Entwicklungsländern (Nicht-OECD): Im Jahr 2000 beanspruchten die OECD-Staaten (im Wesentlichen USA, EU und Japan) noch 58 Prozent der weltweiten Primärenergie. Bis zum Jahr 2008 zogen die Nicht-OECD-Staaten gleich, und 2013 sank der Anteil der OECD-Staaten am globalen Energiekonsum auf 43 Prozent. 

Die Gründe: Die Wirtschaft in Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien boomte. Die westlichen Industriestaaten verschoben einen Teil ihrer energieintensiven Produktion in die Dritte Welt. Zudem liess die Finanz- und Wirtschaftskrise den Energiekonsum in den Industriestaaten ab 2007 vorübergehend sinken; im Jahr 2013 nahm der Verbrauch von Primärenergie aber auch in den OECD-Staaten wieder zu.

Einen Beitrag leistete auch die Klimapolitik, die den fossilen Energieverbrauch vor allem in Europa etwas verminderte. Pro Kopf der Bevölkerung konsumieren die Industriestaaten allerdings immer noch deutlich mehr Energie als die aufholenden Schwellenländer. 



Die Schweiz im Vergleich 

Der Energiekonsum in der Schweiz entwickelte sich langfristig ähnlich wie in den übrigen OECD-Staaten: Er wuchs nach dem zweiten Weltkrieg stark bis zum Jahr 2000; seither hat er – bei jährlichen klima- und wirtschaftsbedingten Schwankungen – nur noch geringfügig zugenommen. Nach dem (kalten) Rekordjahr 2010 registrierte die Schweiz letztes Jahr den zweithöchsten Verbrauch von Endenergie.

Pro Person und gemessen an der wachsenden Wirtschaftsleistung hat der nationale Energiekonsum in den letzten Jahren aber deutlich abgenommen. Die Gründe: Verbrauchsvorschriften für neue Anlagen, Geräte und Gebäude erhöhten die Energieeffizienz. Zudem exportierte die Schweiz einen Teil ihrer energieintensiven Industrie (Aluminium, Zellulose, etc.). 

Die globale und die nationale Energiestatistik lassen sich allerdings nicht direkt vergleichen. So erfasst die BP-Weltenergiestatistik die fossile Primärenergie (Kohle, Rohöl und Erdgas) sowie die Strom- und Treibstoffproduktion aus Atom und erneuerbarer Energie.

Die Schweizer Gesamtenergie-Statistik  hingegen erfasst den Verbrauch der Endenergie (Benzin, Heizöl, Strom etc.) und errechnet daraus die Bruttoenergie (Rohöl, Atombrennstoffe) innerhalb der Landesgrenzen. Dieses Vorgehen drängt sich auf, weil ein Teil der Primärenergie, welche die Schweiz beansprucht, in ausländischen Raffinerien, Kohle- oder Gaskraftwerken in Endenergie umgewandelt wird. 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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