Wirtschaft

Wird die CS entscheidend umbauen: Tidjane Thiam
Bild: KEYSTONE

Thiam baut die Credit Suisse im Eiltempo um: Die Bank wird weniger amerikanisch – Dougan-Gefolgsleute müssen zittern

Die Eckpunkte sind abgesteckt: Die Grossbank wird sich aus dem Private Banking in den USA verabschieden und das Investmentbanking massiv verkleinern. Dougan-Gefolgsleute müssen zittern.

13.09.15, 08:11

beat schmid / schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Keine drei Monate ist Tidjane Thiam bei der Credit Suisse als Konzernchef im Amt. Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» wird er bereits Anfang Oktober bekannt geben, wie es mit seiner Bank weitergehen soll. Ursprünglich sahen die internen Planungen vor, die Resultate der «tiefgreifenden strategischen Überprüfung», die Thiam Ende Juli ankündigte, im November zu präsentieren.

Jetzt hat es der gebürtige Ivorer plötzlich eilig. Gemäss mit den Vorgängen vertrauten Quellen hängt der vorgezogene Termin mit einer geplanten Kapitalerhöhung zusammen, die möglichst früh angekündigt werden muss, damit die Märkte genügend Zeit haben, sich darauf einzustellen. Die wichtigsten Eckpunkte der neuen Strategie sind ausgemacht. Überraschend ist, dass die Grossbank den Verkauf ihrer Private-Banking-Aktivitäten in den USA plant, wo die CS laut Insidern 100 Milliarden Franken von vermögenden Kunden verwaltet. Aber im Unterschied zur Konkurrentin UBS nicht recht vom Fleck kommt.

Kapitalintensität verringern – Überschusskapital generieren

Nicht verkauft, aber massiv verkleinert werden soll das sogenannte Prime-Brockerage-Geschäft. Dabei handelt es sich um eine Palette von kapitalintensiven Dienstleistungen für Grossanleger wie Hedge Funds, die von der Bank unter anderem Kredite erhalten, um im grossen Stil riskante Wetten auf den Finanzmärkten einzugehen. Ebenfalls deutlich zurechtgestutzt wird das Geschäft mit festverzinslichen Finanzanlagen. Mit beiden Massnahmen soll Kapital freigesetzt werden, um die Kapitaldecke zu stärken und in neue Geschäfte zu investieren.

Das passt zur Ankündigung, die Thiam anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende Juli machte. Damals sagte er, dass die Bank Optimierungen des Geschäftsportfolios prüfe, um die «Kapitalintensität zu verringern und Überschusskapital zu generieren».

Auch die Geschäftsleitung will Thiam umkrempeln. In der Grossbank herrscht bereits grosse Aufregung darüber, wer vom obersten Management abtreten wird. Auf Thiams Streichliste stehen offenbar zwei Namen von Vertrauten seines Vorgängers Brady Dougan. Robert Shafir, Co-Chef der Private-Banking-Abteilung und früherer Asset-Management-Chef, dürfte aus der Geschäftsleitung ausscheiden. Dass der langjährige Gefolgsmann von Dougan gehen muss, ist keine Überraschung.

Wird Mathers wegbefördert?

Brisant hingegen ist, dass Thiam sich offenbar auch von Finanzchef David Mathers trennen möchte. Dieser soll durch Gaël de Boissard ersetzt werden, der derzeit das Investmentbanking leitet. Mathers könnte auf seine zusätzliche Rolle als Leiter IT und Operations zurückgestuft werden.

David Mathers Sitz wackelt.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Eine CS-Sprecherin wollte sich zur neuen Strategie und zu anstehenden Personalveränderungen nicht äussern und verwies auf frühere Aussagen von Thiam. Die neuen Massnahmen müssen erst noch durch den Verwaltungsrat formell abgesegnet werden. Insbesondere die angedachte Umbesetzung wichtiger Geschäftsleitungsposten könnte für Widerstand im Verwaltungsrat sorgen. Das oberste Gremium dürfte voraussichtlich am ersten Oktober-Wochenende die neue Strategie definitiv beschliessen.

Thiam ist angetreten, die zweitgrösste Bank der Schweiz in eine bessere Zukunft zu führen. Bei der Ausformulierung der neuen Strategie setzte er auf die Unterstützung von zwei grossen Beratungsunternehmen, McKinsey und Boston Consulting Group. Was sich bis jetzt abzeichnet, ist keine Riesenüberraschung. Dass Thiam das US-lastige Investmentbanking zurechtstutzt, konnte erwartet werden. Die UBS hat das vor drei Jahren vorgemacht, als sie damals ihre neue und mittlerweile erfolgreiche Strategie ankündigte.

Ahnengalerie: Die Credit-Suisse-Chefs

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dracului 13.09.2015 09:42
    Highlight Endlich kommt die CS wieder auf Kurs! Die CS bräuchte jedoch wieder einen richtigen Leiter IT. Die IT wurde dem CFO angehängt und Mathers hat sich neben massiven Kostensenkungen nie um die IT gekümmert.
    15 1 Melden
    • E. Edward Grey 13.09.2015 10:21
      Highlight "Kostensenkungen" = 3000 Stellen in der Schweiz abgebaut und Projekte nach Polen und Indien outgesourced. Er hat sich schon um die IT gekümmert, jedoch nicht inhaltlich. Bin gespannt wie die CS mit dem massiven KnowHow-Verlust nun umgeht.
      11 0 Melden
  • Dä Brändon 13.09.2015 09:18
    Highlight Wenn es einem gelingen sollte die CS wieder auf Kurs zu bringen dann nur ihm. Weg mit den Scheuklappen und Global denken!
    10 1 Melden

Deal mit den USA

Credit Suisse gesteht Schuld ein und zahlt Rekordbusse von 2,6 Milliarden Dollar

Die Credit Suisse hat mit den US-Behörden im Steuerstreit eine Einigung gefunden. Allerdings kommt der Grossbank die Lösung teuer zu stehen. Sie muss sich nicht nur vor einem Gericht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig bekennen, sondern auch eine rekordhohe Strafe zahlen. 

Diese beläuft sich auf insgesamt 2,6 Mrd. Dollar und ist gemäss Mitteilung des US-Justizdepartementes die höchste je verhängte Strafe in einem Steuerverfahren. Damit kommen der Credit Suisse …

Artikel lesen