Wirtschaft
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Eine Person nimmt am 24. Oktober 2005 in einem Restaurant im Hauptbahnhof Zuerich einen Zweifraenkler aus dem Portemonnaie. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

A person takes out a 2-franc-coin off a purse in a restaurant in the main railroad station in Zurich, Switzerland, pictured on October 24, 2005. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Der starke Schweizer Franken wird zahlreiche Produkte vergünstigen. Bild: KEYSTONE

Was jetzt alles billiger wird

Starker Franken: Jetzt purzeln die Preise

Nach dem Nationalbank-Entscheid werden Früchte, Gemüse, Möbel und Kleider billiger. 

Peter Burkhardt / Schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Wer heute mit dem Zug von Zürich nach München fährt, zahlt für die einfache Fahrt mit dem Eurocity 98 Franken. Ab dem 1. Februar wird die gleiche Reise wesentlich günstiger sein. Dann senken die SBB die Billettpreise im internationalen Verkehr, damit die Kunden von der markanten Aufwertung des Frankens profitieren. 

Die rasche Preissenkung mag überraschen, denn normalerweise gleichen die SBB die Kurse für Bahnreisen ins Ausland nur alle drei Monate an. Der ausserordentliche Schritt geschehe in Absprache mit den Partnerbahnen, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Wie stark die Preise sinken, ist noch offen. Der bis heute gültige Umrechnungskurs der Billette liegt bei 1.23, der neue Kurs wird im Verlauf dieser Woche festgelegt. 

Auf breiter Front sinken nun die Preise für Importgüter. Coop-Sprecherin Nadja Ruch sagt, Früchte und Gemüse aus dem Ausland würden bereits am Montag und Dienstag um bis zu 20 Prozent günstiger. Das betrifft mehr als 200 Artikel. Auch andere Produkte, welche Coop in Euro einkauft, werden günstiger, darunter Blumen, Weine und Schaumweine, Importbier, Konserven, tiefgekühlter Fisch, Babynahrung und Backwaren. Die Migros verspricht, sie werde Einsparungen in der Beschaffung sofort an die Kunden weitergeben. Erste Preissenkungen wird es laut Sprecherin Monika Weibel bei importierten Früchten und Gemüsen aus dem Euroraum geben. Die Migros-Tochter Globus startet Anfang dieser Woche erste Verhandlungen mit den Lieferanten. Weil der Einkauf etwa sechs Monate im Voraus geschieht, sind erste Preissenkungen im Non-Food-Bereich auf den Herbst zu erwarten. 

Rasch gehandelt hat das Möbelhaus Pfister. Es gibt bereits seit Freitag auf das gesamte Möbelsortiment aus dem Euroraum den vollständigen Währungsausgleich an die Kunden weiter. Bei der aktuellen Franken-Euro-Parität bedeutet das 16,6 Prozent Preisnachlass. 40 Prozent des gesamten Möbelsortiments von Pfister kommen aus dem Euroraum. 

Beim Online-Reiseportal Ebookers sind Reisen ab sofort 18 Prozent günstiger. In der Modebranche kommen die Preise ebenfalls ins Rutschen. Bei Esprit gab es gestern 15 Prozent Euro-Rabatt, bei Tally Weijl erhalten die Kundinnen laut Verwaltungsratspräsident Beat Grüring spätestens ab Mittwoch auf allen neuen Kollektionen einen währungsbedingten Sonderrabatt von 15 Prozent. 

Mediamarkt, Interdiscount, Möbel Hubacher, Aldi und Denner versprechen, Druck auf die Preise importierter Güter zu machen und jede Preissenkung der Hersteller und Lieferanten sofort an die Kunden weiterzugeben. Denner ist bereits in Gesprächen mit den Lieferanten.

Vorerst abwarten wollen dagegen der Autoimporteur Amag, die Möbelkette IKEA, der Bücherhändler Orell Füssli Thalia, der Computer-Onlineshop Digitec und der Kioskbetreiber Valora. Dies gilt selbst bei internationalen Zeitschriften, die in der Schweiz gemäss Untersuchungen schon vor der jüngsten Frankenaufwertung deutlich teurer waren als in den Ursprungsländern. 

Trotzdem zeichnet sich ab, dass die Importeure diesmal den Währungsvorteil rascher an die Kunden weitergeben als bei der letzten markanten Frankenaufwertung im August 2011. Damals weigerten sich viele Unternehmen, die Preise auf importierte Güter zu senken. Das führt zu Proteststürmen und heizte den Einkaufstourismus an. Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt forderte damals die Detailhändler auf, überteuerte Importprodukte aus den Gestellen zu nehmen. Bundesrat Johann Schneider-Ammann redete den Währungsgewinnlern an einem Krisengipfel ins Gewissen. 



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    Alle Leser-Kommentare
  • Stefan aus ZH meint 18.01.2015 10:56
    Highlight Highlight Der Preis allein genügt nicht - das dürftige Angebot muss ausgeweitet werden. Mein Paradebeispiel ist die Dr. Oetker TK-Pizza "Ristorante". Der Preis für eine solche Pizza beträgt in DE ca. 2.40-2.70, wenn im Agebot bis zu 1.88. Beim Grossverteiler, nicht beim Discounter. Der Coop verlangt für so eine Pizza fast 6.-!
    Dabei ist das Angebot (die verfügbaren Sorten) in einem grossen Coop viel kleiner als in einem EDEKA oder REWE. Es ist oft so, dass man ausserhalb der Schweiz ein reichhaltigeres Angebot findet, und das ist mit ein Grund für den Einkauf jenseits der Grenze.
    • Kaiserin 18.01.2015 11:17
      Highlight Highlight 222 Jogurt- und Quarkbecherli, 55 Mehlvarianten, 111 Käsesorten, 77 Teepakete, 33 tiefgekühlte Pommes Frites-Beutel und von jedem Nahrungsmittel jeweils die FineFood/Luxus-Variante, die Durschnittsvariante, 5 Markenvarianten, die billigere Hausmarkenvariante und dann noch die superbillige Budget/PrixGarantie-Variante - und das reicht nicht aus?!
    • Stefan aus ZH meint 18.01.2015 12:01
      Highlight Highlight Wer die Vielfalt der Angebote vergleichen möchte, hier ein paar Tips: Beim Carrefour in Mulhouse die Dessert-Abteilung oder die Fertiggerichte (haltbar, nicht in Dosen) anschauen. Es gibt dort Dinge, die uns in der Schweiz nicht angeboten werden. Und die Butter!
      Was für mich in erster Linie zählt ist meine persönliche Wahrnehmung. Über statistische Angaben werde ich nicht diskutieren.
    • blueberry muffin 18.01.2015 13:57
      Highlight Highlight Ist schön das man nicht über Statistiken diskutiert - Fakten sind ja auch Wurst, nicht?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Matthias Studer 18.01.2015 10:12
    Highlight Highlight Wie im Bericht geschrieben steht. 2011 kamen in der Lebensmittel und Konsumgüterbranche keine Preise währungsbedingt runter. Von daher rechne ich auch nicht, dass es diesmal dazu kommt. Ich gehe weiterhin 1-2 mal im Monat nach Deutschland einkaufen bis die Preise fallen. Die Politik muss endlich Parallelimporte zulassen um die Zwischenhändler unter Druck zu setzen.
    • Matthias Studer 18.01.2015 18:37
      Highlight Highlight @Grufti. In meiner Branche wurde und wird der günstigere Einkauf auch weitergegeben. Konsumgüter sind unter anderem Produkte die nicht zum Verzehr gedacht sind, aber zum täglichen Leben braucht wie Hygieneprodukte oder Schreibwaren.
      Man sollte sich schon überlegen, wo der Euro bei der Einführung stand und wo er heute liegt. Diese Differenz ging nie an den Konsumenten. Den hat man in der Schweiz schön im Griff. Das was er täglich benötigt, wird nicht korrigiert und Luxusgüter werden günstiger. Aber was ist mit den Menschen die sich keinen Luxus leisten können?

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