Wirtschaft
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Erklärbär

Warum die Banken bei der Vergabe von Hypotheken auf die Bremse treten

Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat hat antizyklische Kapitalpuffer verordnet. Die Nationalbank warnt vor einer Immobilienblase. Jetzt verordnen sich auch die Geschäftsbanken Massnahmen zur Selbstregulierung.

Wer Wohneigentum besitzt, lebt seit Jahren in den besten von allen Welten. Die Hypothekarzinsen sind rekordtief, während die Mieten für Neuwohnungen in Rekordhöhen klettern. Doch wie alles hat auch diese Medaille zwei Seiten: Weil immer mehr Menschen Wohneigentum erwerben wollen, sind die Preise explodiert. 

Ob eine Immobilienblase entsteht oder bereits da ist, darüber streiten sich die Experten seit Jahren. Tatsache ist, dass sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) bereits grosse Sorgen macht und in regelmässigen Abständen vor einem überhitzten Immobilienmarkt warnt.

Der Bundesrat hat im Februar 2013 antizyklische Kapitalpuffer in Kraft gesetzt. Und jetzt hat auch die Schweizerische Bankiervereinigung Massnahmen zur Selbstregulierung ergriffen. 

Die Bankiers glauben an eine sanfte Landung

Konkret hat die Bankiervereinigung beschlossen, dass:

Bei der Bankiervereinigung glaubt man jedoch nach wie vor nicht an eine Immobilienblase. «Wir sehen eine natürliche Abkühlung der Preise und gehen von einer sanften Landung aus», erklärt Sprecherin Daniela Flückiger. Die Massnahmen seien daher eine Anpassung an die Marktverhältnisse. 

Der Nationalbank sind die Hände gebunden

Betrachtet man einzig die Kernzahlen der Schweizer Wirtschaft, dann hätte die SNB längst ihre Leitzinsen erhöhen müssen. Das wäre die wirksamste Massnahme gegen eine Immobilienblase. Steigen die Hypozinsen, wird der Erwerb von Wohneigentum weniger attraktiv und die Nachfrage nimmt ab. 

Der SNB sind jedoch die Hände gebunden. Im derzeitigen Umfeld der Weltwirtschaft kann sie die Leitzinsen unmöglich erhöhen. Der Druck auf den ohnehin schon künstlich tief gehaltenen Franken würde damit noch grösser werden. Deshalb kann die SNB den Immobilienmarkt nicht über die Geldpolitik beeinflussen. Sie muss zu dem greifen, was im Jargon «Macroprudential Policy» genannt wird, will heissen: Sie müsste Massnahmen ergreifen wie Erhöhung des Eigenkapitals beim Häuserkauf, Verkürzung der Amortisation, etc. 

Die Gretchenfrage: Wann steigen die Zinsen wieder?

Die SNB ist dabei in bester Gesellschaft. Weil die Leitzinsen am Boden sind, greifen die Zentralbanken rund um den Globus auf die «Macroprudential Policy» zurück. Die Gretchenfrage bei den Ökonomen lautet deshalb: Wann werden die Leitzinsen wieder steigen? Wie meist fallen die Antworten darauf sehr unterschiedlich auf. 

Es gibt eine starke Ökonomen-Fraktion, die davon ausgeht, dass uns tiefe Zinsen noch lange erhalten bleiben. Der Grund liegt darin, dass sich ein paar Dinge grundsätzlich geändert haben: 

Wohneigentümer: Hütet euch vor der SNB

Die «tiefe Zinsen bis in alle Ewigkeit»-Theorie ist nicht unbestritten. So hat Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, kürzlich gewarnt, dass er die Leitzinsen sehr viel schneller erhöhen könnte, als allgemein erwartet werde. Stephen Roach, Chefökonom von Morgan Stanley Asia, macht darauf aufmerksam, dass der Westen bald nicht mehr mit billigem Geld aus dem Osten rechnen kann. China will künftig seine Exportüberschüsse vermehrt dazu verwenden, die Binnennachfrage anzukurbeln.

Auch in der Schweiz müssen die Besitzer von Häusern und Eigentumswohnungen auf der Hut sein. Bei der erstmöglichen Gelegenheit wird die SNB ihre Leitzinsen erhöhen. 



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