Wirtschaft
Former U.S. President Bill Clinton displays the thumbs up symbol during a visit to a kitchen run by Akshaya Patra Foundation, a non-governmental organization, in Jaipur, India, Wednesday, July 16, 2014. The kitchen feeds thousands of students in government schools under the Indian government’s mid-day meal scheme. Clinton will also visit Lucknow city during his current India tour. (AP Photo/ Deepak Sharma)

Bill Clinton, ehemaliger US-Präsident: Unter ihm boomte die US-Wirtschaft. Bild: Deepak Sharma/AP/KEYSTONE

Erklärbär

Warum es mit den USA aufwärts geht, wenn die Demokraten an der Macht sind

Eine Studie von zwei renommierten US-Ökonomen bringt es an den Tag: Unter demokratischen Präsidenten wächst die Wirtschaft schneller, werden mehr Jobs geschaffen und die Unternehmen verdienen mehr.

06.08.14, 12:14 07.08.14, 15:30

Staatsschulden sind die Folgen sozialistischer Misswirtschaft, und bald wird die Inflation unsere Vermögen vernichten, weil die Linken eine Politik des billigen Geldes verfolgen. Das behaupten Konservative und Neoliberale seit Jahr und Tag. Deshalb fordern sie im Namen einer gesunden Wirtschaft tiefere Steuern und härtere Sparprogramme. 

Doch stimmen diese Annahmen überhaupt? Zwei renommierte US-Ökonomen, Alan Blinder und Mark Watson, haben untersucht, wie sich die amerikanische Wirtschaft seit den 1940er Jahren unter demokratischen, respektiv republikanischen Präsidenten entwickelt hat. Das Resultat ist eindeutig: Die Demokraten gewinnen haushoch. 

Autor der Studie ist der ehemalige Vize des Fed

Alan Blinder war einst Vize-Präsident der US-Notenbank, lehrt an der renommierten Princeton University und schreibt regelmässig Kommentare im konservativen «Wall Street Journal». Seine Studie kann deshalb nicht damit abgetan werden, dass sie ideologisch voreingenommen ist. 

Zu den Resultaten: 

US-BIP-Wachstum während Präsidentschaft

bild:  Alan Blinder/Mark Watson

Demokraten produzierten weniger Defizite

Die Demokraten konnten jeweils von besseren Bedingungen profitieren, die ihnen ihre republikanischen Vorgänger hinterlassen haben, könnte man einwenden. Das Gegenteil trifft zu: Bill Clinton musste den riesigen Schuldenberg von Ronald Reagan und George H. Bush abbauen, Barack Obama das Schlammassel aufräumen, das ihm George W. Bush hinterlassen hat. Und so nebenbei: Die linken Demokraten haben generell weniger Defizite in der Staatskasse produziert als die rechten Republikaner. 

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Eine stringente Theorie für das bessere Abschneiden der Demokraten gibt es nicht, aber plausible Erklärungen: Die Grundlage der rechten Ideologie – Steuersenkungen für Reiche und harte Sparpolitik für alle anderen – ist ein gigantischer Irrtum, ebenso die Panik vor einer Inflation als Folge einer lockeren Geldpolitik der Nationalbank

Ronald Reagan hinterliess einen Schuldenberg. Bild: Dennis Cook/AP/KEYSTONE

Schwyz und St.Gallen: Schweizer Beispiele für eine verfehlte Politik 

Tiefere Steuern haben unter Ronald Reagan der US-Wirtschaft zu einem höchst durchschnittlichen BIP-Wachstum verholfen, aber ein gewaltiges Loch in der Staatskasse hinterlassen. Das gilt im übrigen auch für Schweizer Kantone, wie die Beispiele Schwyz, Luzern und St. Gallen zeigen.

Ebenso ist die Angst vor Inflation als Folge einer lockeren Geldpolitik unbegründet. Das US-Fed beispielsweise hat mit seinem viel geschmähten Quantitativen Easing viel mehr dazu beigetragen, dass die US-Wirtschaft wieder auf die Beine gekommen ist, als die vergleichsweise restriktive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Das von Barack Obama initiierte Konjunkturprogramm hat die US-Wirtschaft vor einem Absturz bewahrt, während die von Deutschland durchgeboxte Austeritätspolitik die europäische Wirtschaft ins Jammertal gestürzt hat.

Warnt seit langem: Nobelpreisträger Paul Krugman. Bild: AP

Es wird wahrscheinlich nichts nützen

Die Studie von Blinder und Watson ist eine wissenschaftliche Bestätigung dessen, was Ökonomen wie die Nobelpreisträger Paul Krugman und Joseph Stiglitz seit langem verkünden. Es wird wahrscheinlich nichts nützen: Konservative und Neoliberale werden weiter nach Steuersenkungen und Sparpaketen schreien, obwohl sie wissen müssten, dass sie damit der Wirtschaft schaden und obwohl klar ist, dass sowohl der viel beschworene Staatsbankrott als auch die Hyperinflation Hirngespinste sind. Das Leid, dass ihre falsche Wirtschaftspolitik beim breiten Mittelstand verursacht, ist jedoch sehr real. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bonifatius 01.09.2014 11:10
    Highlight Wirtschafts-/Finanzkrise, Staatspleite, steigende Arbeitslosigkeit - und das nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Man könnte meinen das neoliberale Wirtschaftssystem hätte nach seinem eindeutigen Versagen mittlerweile ausgedient. Das dem nicht so ist und mittlerweile leider auch demokratische oder "linke" Staatsleute danach wirtschaften/politisieren (Beispiel Schröder) liegt in der zunehmenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Die heutige Wirtschaftselite (z.B. Kadersschmiede HSG) lehrt nur noch die neoliberale Doktrin. There is no alternative (Thatcher)! Gilt leider immer noch!
    1 0 Melden
  • Abel Emini 06.08.2014 18:31
    Highlight Darum Hillary Clinton ab 2016! #readyforHillary!
    5 8 Melden
  • hanswurst 06.08.2014 16:13
    Highlight Also der Autor des Artikels hat das Paper vermutlich nie geöffnet: http://www.princeton.edu/~mwatson/papers/Presidents_Blinder_Watson_Nov2013.pdf

    Denn nur schon im Abstract könnte man folgendes lesen:
    "We find that the answer is not found in technical time series matters (such as differential trends or mean reversion), nor in systematically more expansionary monetary or fiscal policy under Democrats. Rather, it appears that the Democratic edge stems mainly from more benign oil shocks, superior TFP performance, and more optimistic consumer expectations about the near-term future."
    6 6 Melden
    • Philipp Löpfe 06.08.2014 16:54
      Highlight Die Studie ist ja verlinkt...
      Zudem: Die Schlussfolgerungen stammen von mir.
      1 0 Melden
    • hanswurst 06.08.2014 17:09
      Highlight Anscheinend bin ich es der ein Problem mit dem Lesen hat :)

      Merkwürdig ist es aber trotzdem, dass die Schlussfolgerungen der Autoren nicht aufgeführt sind. Denn die Studie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Erklärung wie der Wachstumsunterschied zustande kommt und nicht, dass er existiert.
      1 0 Melden
    • ranna 09.08.2014 20:55
      Highlight Ja, das ist halt der Löpfe: Er weiss seit jeher, was er sagen will. Und wenn er glaubt, dass er was gefunden hat, braucht er es so, wie er es brauchen will. Nicht zu sehr in die Details; es geht nicht um das Richtige. Er weiss sich ja auf der richtigen Seite. Schulden sind gut: Zahlen sollen die Gläubiger.
      0 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 06.08.2014 15:18
    Highlight Spassverderber ;) us demokraten als die "linken" im europaeischen sinn ?. Da muesste ich als schweizer die SVP als marxisten bezeichnen, aber wapt-wup schon ist der titel geaendert.
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  • The Destiny 06.08.2014 15:16
    Highlight Ich würde gerne dazu Paralell die Statsverschuldung sehen, ich denke das wäre noch sehr Interessant.

    Zudem in der Statistik was für ein Wachstum ist das ? (% oder mio. oder mia. ??)
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    • Philipp Löpfe 06.08.2014 15:44
      Highlight Es wird im Text ausdrücklich erwähnt, dass die Staatsverschuldung bei den Linken deutlich niedriger war. Die meisten Schulden haben Reagan und George W. gemacht.
      11 1 Melden
    • The Destiny 06.08.2014 16:02
      Highlight Sry, muss ich übersehen haben, wäre grafisch aber dennoch ansprechend gewesen.

      Obama liegt mit 3.6% for Reagen (statista.com) hat aber auch noch Zeit das wieder zu verbessern. Vermutlich komt es auch darauf an welche quelle man benuzt.

      Krass ist schon Gorge. W. Bush hat ca. 42% aller Schulden der USA produziert.
      1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 06.08.2014 15:12
    Highlight das ist schon so, Linke zetteln keine Kriege an, machen keine Steuergeschenke für Superreiche, sind meist eher jünger und die Frauen sind besser vertreten.
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  • Christian Denzler 06.08.2014 14:42
    Highlight Endlich mal eine objektive Sicht der Dinge. Linke haben den Staat und die Bevölkerung noch nie soviel gekostet wie Rechts-konservative. Steuergeschenke an Reiche machen und diese auf dem Buckel der Bevölkerung abfedern ist ein typisches neoliberales Vogehen und wird von der FDP und vor allem der SVP stark praktiziert. Wenn dann alles in die Hosen geht, sind die Ausländer schuld (wie praktisch). Zürich ist ein gutes Beispiel für starke linke Führung: Wirtschaftshauptstadt, hohe Löhne und unter den Top 5 der besten Lebensqualität in einer Stadt. Hoffentlich wachen die Menschen einestages auf.
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