Wirtschaft
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Men work at a makeshift oil refinery site in the Kurdish town of al-Qahtaniya of al-Hasaka Governorate, in this file picture taken May 11, 2014. Islamic State has taken oil fields from Western-backed Syrian rebels and the government in recent months and is believed to control hundreds of wells, depriving Syrian President Bashar al-Assad's government of a major source of income. Half of Syria's estimated pre-war production of 380,000 bpd in 2011 was located in Hasaka province, which the Kurds took control of in mid-2012 as Assad's forces relocated westwards to fight Sunni Muslim rebels in Aleppo. If Hasaka were eventually to fall to Islamic State, the group will have control of nearly all of the country's installations.    REUTERS/Rodi Said/Files (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST ENERGY CONFLICT BUSINESS)

Syrische Ölraffinerie in Hassaka: Mit einfachen Mitteln wird der Rohstoff gefördert und aufbereitet Bild: STRINGER/REUTERS

Schmuggelkanäle des IS

Das Öl-Imperium der Islamisten

Die USA haben jetzt auch Ölfelder bombardiert, die der «Islamische Staat» kontrolliert. Die Terrororganisation verdient Millionen mit dem Rohstoff aus Syrien und dem Irak. Dafür nutzen sie alte Schmuggelkanäle des Diktators Saddam Hussein. 

raniah salloum / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Anführer des «Islamischen Staats» (IS) sprechen zwar gern über Gott und das Jenseits. Doch sie haben auch fest im Blick, was sich im Hier und Jetzt auf Erden lohnt. Bei ihren Eroberungszügen im Irak und in Syrien brachten sie dort gleich die Öl- und Gasquellen unter ihre Kontrolle und paktierten auch mit den verhassten Andersgläubigen. Hauptsache, die Produktion floriert. 

Mindestens 14 Öl- und Gasfelder im Irak und in Syrien mit ihren Förderanlagen und Raffinerien kontrolliert der IS nach Einschätzungen von Analysten, manche von ihnen bereits seit knapp zwei Jahren. Auf täglich zwischen ein bis fünf Millionen Dollar wurden die Öleinnahmen des IS zuletzt geschätzt.

In der Nacht zum Donnerstag bombardierten die USA die Ölfelder und Raffinerieanlagen in den ostsyrischen Provinzen Hassaka und Deir al-Sor. Dabei wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte auch mindestens fünf Zivilisten getötet.

Die amerikanischen Luftangriffe werden die Ölproduktion des IS zwar reduzieren, aber wohl nicht ganz stoppen können. Denn bei der Förderung handelt es sich weniger um hochmoderne, riesige Anlagen. Es sind vielmehr unzählige kleine Quellen, die von Familien und Clans betrieben werden. 

Syriens Luftwaffe greift die IS-Ölproduktion nicht an 

Syriens Ölfelder waren in dem jetzt seit mehr als drei Jahren dauernden Bürgerkrieg schon häufiger umkämpft. Doch mit der Förderung ging es stets schnell wieder weiter. Denn die Arbeiter vor Ort blieben meist dieselben: Vorher waren sie syrische Staatsangestellte, zwischenzeitlich bekamen sie ihr Gehalt von der radikalislamistischen Nusra-Front - und nun sind sie Mitarbeiter des «Islamischen Staats».

Die Arbeiter versuchen auf diese Weise, in dem zerstörten und verelendeten Land ihre Familien durchzubringen. Doch das Risiko ist gross, dass die US-Luftschläge auch sie treffen und nicht nur die IS-Krieger, die die Ölfelder bewachen.

A man walks at a makeshift oil refinery site in al-Mansoura village in Raqqa's countryside, in this file picture taken May 5, 2013. Islamic State has its strongholds in the provinces of Raqqa and Deir al-Zor, which borders Iraq. Islamic State has taken oil fields from Western-backed Syrian rebels and the government in recent months and is believed to control hundreds of wells, depriving Syrian President Bashar al-Assad's government of a major source of income.         REUTERS/Hamid Khatib/Files (SYRIA - Tags: CONFLICT ENERGY CIVIL UNREST)

Eine weitere Öl-Raffinerie in den Händen vom IS, hier ausserhalb Raqqa Bild: HAMID KHATIB/REUTERS

Das geförderte Öl wird in kleinen Raffinerien aufbereitet – zum Beispiel zu Masut-Heizöl oder Diesel. Versteckt in Landwirtschaftsfahrzeugen oder heimlich auf Eselsfuhren und Booten gelangt es dann über die Grenze in die Türkei. Dort wird die geschmuggelte Ware dann billiger im Vergleich zur legalen verkauft.

Syriens Regime hat bisher nicht versucht, das Ölgeschäft der IS-Arbeiter zu unterbinden – im Gegenteil. Die Islamisten dürfen sogar die staatlichen Pipelines benutzen und verkaufen Damaskus im Gegenzug dafür Öl. Syrien wie auch der Irak sind Länder, die seit Jahrzehnten von Mafia-ähnlichen Strukturen regiert werden. 

Im Irak nutzt der IS Saddam Husseins alte Netzwerke 

Seitdem der IS die Grenzposten zwischen Syrien und dem Irak kontrolliert, können die Radikalen auch bequem syrisches Öl ins Nachbarland bringen und dort in die etablierten Netzwerke einspeisen, die auf grössere Mengen ausgelegt sind. Der Irak hat über 50-mal so große Ölreserven wie Syrien.

Schon zu Zeiten Saddam Husseins, als der Irak unter strengen Sanktionen stand, war Ölschmuggel ein gut laufendes Geschäft. Eine unabhängige Untersuchungskommission der Uno kam zu dem Ergebnis, dass Saddams Regime allein zwischen 1997 und 2003 über acht Milliarden Dollar mit illegal gehandeltem Öl verdiente. 

Diese Schmuggelnetze blieben nach dem Sturz des Diktators erhalten. Während der US-Besatzung finanzierte der illegale Handel mit Öl die irakische Qaida, aus der jetzt der IS entstand. Nach Erkenntnissen des Wissenschaftlers Bilal Wahab, der über den illegalen Ölhandel im Irak forscht, sind allein dem irakischen Ölministerium im Jahre 2005 über 60 Millionen Barrel Erdöl abhanden gekommen. Das entspricht mehr als sieben Milliarden Litern. 

Bagdads bestochene Beamte

Wie in Syrien funktioniert auch im Irak der Ölschmuggel über ideologische Grenzen hinweg: Der IS kontrolliert die Felder, auf denen seine Krieger gemeinsam mit örtlichen Clans das Öl fördern. In kleinen illegalen kurdischen Raffinerien wird es aufbereitet und günstig verkauft- obwohl die Kurden eigentlich gegen die Islamisten Krieg führen. 

Ein Teil des Öls wird dann über die Berge nach Iran oder in die Türkei geschmuggelt und dort in der Grenzregion verkauft. Bagdads Beamte, die eigentlich Gegner des IS sind, werden bestochen und verdienen dadurch an den illegalen Deals. 

Bisher scheiterten sämtliche Versuche, das Schattensystem zu bekämpfen. Unter den Amerikanern wurde eine unabhängige Untersuchungskommission eingerichtet, die sich vor allem um Korruptionsfälle im Ölsektor kümmern sollte. Innerhalb von zwei Jahren wurden jedoch 15 ihrer Richter ermordet. Ihr damaliger Chef, der Richter Radhi Hamsa al-Radhi, bekam 2008 Asyl in den USA. 



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