Wirtschaft

Trump als Frosch Pepe, das Maskottchen der Alt-right-Bewegung.

Pivot, bigot und alt-right: Diese drei Begriffe müsst Ihr kennen, wenn ihr die US-Wahlen verstehen wollt

Mit der Ernennung von Stephen K. Bannon zum Wahlkampf-Manager haben die weissen Suprematisten die politische Bühne Amerikas betreten. Ein Blick hinter die Kulissen der faschistischen Bewegung.

30.08.16, 08:22 30.08.16, 11:47

In ihrer Rede in Reno vor ein paar Tagen hat Hillary Clinton ihrem Gegenspieler Donald Trump vorgeworfen, er hätte einen «pivot» vollzogen, will heissen, er sei auf einen neuen Kurs eingeschwenkt. Er würde nun mit seiner «dog whistle» (Hundepfeife) Signale an die weissen Suprematisten aussenden, dass auch er einer der ihren sei. Trump sei deshalb ein «bigot», ein frömmlerischer Heuchler, der die Faschisten des 21. Jahrhunderts – die Alt-right-Bewegung – salonfähig gemacht habe.  

Wir sind die Ketzer gegen die Staatsreligion, und die Staatsreligion ist eine ewige Gleichmacherei.»

Jared Taylor

Die ersten beiden Begriffe – pivot und bigot – sind schnell erklärt. Der Vorwurf, Trump würde sich mit der Alt-right-Bewegung ins Bett legen, ist hingegen schwer wiegend. The Donald hat denn auch umgehend reagiert und Hillary Clinton seinerseits als «bigot» bezeichnet, die mit ihrer Rassismus-Attacke nur von ihrem E-mail-Skandal ablenken wolle.

Was seine Beziehung zur Alt-right-Bewegung betreffe, so habe er keine Ahnung. Er kenne diesen Ausdruck nicht – wie übrigens die meisten Amerikaner auch.

Hillary Clinton bei ihrer Brandrede in Reno. Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

In diesem Punkt mag Trump Recht haben. «Alt-right» ist ein für die Öffentlichkeit neuer Ausdruck. Dass Trump hingegen nicht weiss, was dahinter steckt, ist sehr unwahrscheinlich. Mit Stephen K. Bannon hat er nämlich einen der führenden Köpfe der Alt-right-Bewegung in sein Wahlkampf-Team geholt. Bannon ist Chef des Online-Portals «Breitbart», dem wichtigsten Medium der weissen Suprematisten.

Was unterscheidet die Alt-right-Bewegung von den Neofaschisten und den traditionellen Rassisten? Eigentlich nichts. Es handelt sich dabei um junge weisse Männer, die Schwarze, Muslime, Juden und Frauen hassen und über einen vermeintlichen Genozid an den Weissen jammern. Sie pöbeln jedoch nicht mit Nazi-Uniformen und klobigen Schuhen auf Strassen und Fussballstadien herum, sie verbreiten ihre Hassbotschaften im Internet und in den Sozialen Medien.

Faschistisch, schwul und frauenfeindlich: Milo Yiannopoulos. Bild: google+/Milo Yiannopoulos

Feminismus ist Krebs

Die Alt-righter haben keine Berührungsängste zu Schwulen. Einer der bekanntesten Vertreter ist Milo Yiannopoulos, ein homosexueller Redaktor bei Breitbart. Er hätte gerne mit Trump Sex und schreibt Artikel wie «Feminismus ist Krebs».

Eine Video, das die Alt-Right-Bewegung erklärt. YouTube/American Renaissance

Jared Taylor ist einer der wenigen Vertreter der Alt-right-Bewegung, die ihr Gesicht auch in der Öffentlichkeit zeigen. In einem Interview wendet er sich entschieden gegen jegliche Form von politischer Korrektheit. «Ausgerechnet im Land der Freien und Mutigen gibt es Schlussfolgerungen über Rasse, Immigration und Nationalität, die nicht gezogen werden dürfen. Wir sind die Ketzer gegen die Staatsreligion, und die Staatsreligion ist eine ewige Gleichmacherei.»

Keine tumben Nazis

Alt-righter sind jedoch mehr als tumbe Neonazis. Wie das linke Online-Portal «Alternet» schreibt, gibt es auch die intellektuelle Variante, die sich beim National Policy Institute trifft und geschliffene Videos wie «Who are We» produziert.  

Die Welt aus der Sicht der Alt-righter. YouTube/NPI / Radix

Als George W. Bush ins Weisse Haus einzog, geriet er unter den Einfluss der Neocons, einer Gruppe von einst linken Intellektuellen, welche die Seiten gewechselt hatten. Die Neocons waren eifrige Anhänger des «regime change», dem gewaltsamen Absetzen US-feindlicher Regierungen und haben George W. die ideologische Begleitmusik zu seinem Irak-Feldzug geliefert.

Der Frosch Pepe in Nazi-Montur.

Könnten die Alt-righter eine ähnliche Funktion bei Trump spielen? Die Gefahr besteht durchaus. Die Bewegung ist längst über das Stadium von durchgeknallten Möchtegerns hinausgewachsen. Breitbart wird inzwischen täglich von rund elf Millionen Usern angeklickt.

Als glühende Nationalisten setzen die Alt-righter auf Protektionismus und sind entschiedene Gegner von Freihandel und Globalisierung. Deshalb stehen sie auf Kriegsfuss mit dem Establishment der republikanischen Partei. In Anlehnung an «cuckold» (gehörnter Ehemann) bezeichnen sie traditionelle Konservative als «cuckservative». Die «cucks» werden mit der gleichen Vehemenz bekämpft wie Linke und Liberale.  

Der Albtraum der weissen Suprematisten:  Allein Im Pool mit Schwarzen. 

Die Alt-righter legen schonungslos offen, wie zersplittert die Grand Old Party heute ist. «Cucks» wie Jeb Bush werden als lahme Enten verspottet. Die Neocons sind nach dem Irak-Debakel wieder in der Versenkung verschwunden. Selbst die Tea Party ist heute zerstritten. Einer ihrer wichtigsten Anführer, der TV-Moderator Glenn Beck, ist ein erklärter Gegner von Trump.

Extrem rechte Seelenverwandtschaften.  YouTube/NPI / Radix

Die Alt-right-Bewegung ist nicht auf die USA beschränkt. Wie das schon erwähnte Video «Who are We» zeigt, bezieht sie sich explizit auf ihre europäischen Wurzeln. Auf dem alten Kontinent gibt es ähnliche Gruppierungen, die «Anonymous»-Bewegung – nicht die Hacker, sondern die Online-Hetzer –, beispielsweise, oder die russische Spielart des Faschismus, der Eurasianismus. So gesehen ist es vielleicht kein Zufall, dass sich Putin und Trump so mögen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Neokrat 31.08.2016 00:17
    Highlight "Suprematisten"
    Was Herr Löpfe gemeint hat: (warnung: Viele Idioten)
    http://www.bytownpost.com/wp-content/uploads/2015/11/neonazis.jpg
    Was ich verstanden habe:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Suprematismus#/media/File:Malevici06.jpg

    Ich bin nicht per se gegen englische Begriffe in der deutschen Sprache, aber bitte keine Begriffe falsch einsetzen. In der deutschen Sprache ist ein Suprematist, ein Anhänger des Suprematismus, einer Kunstrichtung.

    Sonst ist der Artikel in Ordnung.
    6 0 Melden
  • stookie 30.08.2016 14:57
    Highlight Who are we? Humans. Nothing more and nothing less.
    7 3 Melden
  • Pana 30.08.2016 14:17
    Highlight "Er hätte gerne mit Trump Sex."

    Seems legit.
    10 0 Melden
    • äti 30.08.2016 20:24
      Highlight omg. Bloss nicht öffentlich. 😂😂😂
      5 0 Melden
    • DocM 23.02.2017 19:38
      Highlight ich warte nur auf sein Russentape, hehe
      1 0 Melden
  • BYOKN 30.08.2016 12:13
    Highlight Dem Autor würde ein bisschen journalistische Neugierde sehr gut anstehen. Weniger oberflächlich betrachtet steht einiges mehr dahinter.

    Die "Kulturmarxisten", wie sie von der Alt-Right bezeichnet werden, haben die Colleges der USA wie Heuschrecken überzogen. Intersectionaler Feminismus erfindet die Erbsünde neu und stellt in wüster kollektivistischer Manier insbesondere weisse Männer als die Ursache aller Probleme der Welt dar.

    Viele Alt Right wären eigentliche Leistungsträger, haben aber ihr Land aufgegeben, und machen sich nur noch über die Politk mit Memes lustig. Sollte zu denken geben.
    13 37 Melden
    • Neokrat 31.08.2016 00:04
      Highlight 1."Viele Alt-Right wären Leistungsträger"
      Na dann gute Nacht!

      2. Das Problem ist nicht Intersektionaler Feminismus, sondern das keine akademische Diskussion statt finden kann. Schlechte Ideen können auf dem freien Markt der Ideen nicht überleben.
      8 2 Melden
  • BertholdHeisterkamp 30.08.2016 11:18
    Highlight Mit dem Aufschwung von PC, "safe spaces" und SJW vor allem unter den jüngeren Bevölkerungsschichten der USA in den letzten Jahren, fühlen sich die weissen Verlierer der Globalisierung immer mehr vernachlässigt.
    Ihre Probleme werden nicht ernst genommen, da sie als Weisse ja "privilegiert" sind. Sie können keinen Rassismus erfahren, da sie ja weiss sind etc.. Was entsteht ist ein Wutbürger der aus Protest handelt. Das nicht weniger wahnsinnige schwarze Pendant, über welches hier kaum berichtet wird, nennt sich die BLM (black lives matter) Bewegung.
    23 19 Melden
    • Daniel Caduff 30.08.2016 13:54
      Highlight Die Black Lives Matter - Bewegung entstand als Reaktion auf die verschiedenen Fälle, bei denen schwarze, männliche Jugendliche durch Polizisten erschossen wurden, ohne dass von diesen Jugendlichen eine unmittelbare Gefahr ausgegangen wäre. Sie finden die Videos online.

      Den White Supremacists passiert das nicht. Es macht einen Unterschied, ob ich einer Gruppe angehöre, die davon ausgeht, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe und Abstammung grundsätzlich Vorrechte verdient hat, oder ob ich wegen meiner Hautfarbe eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit habe, von der Polizei erschossen zu werden.
      21 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 17:46
      Highlight BLM ist ja sowieso rassistisch motiviert. es wäre ein Einfaches deren Theorien zu durchleuchten. es werden tatsächlich in den USA % mässig mehr weisse erschossen als Schwarze.
      AN EMPIRICAL ANALYSIS OF RACIAL DIFFERENCES IN POLICE USE OF FORCE
      Roland G. Fryer, Jr
      Working Paper 22399 http://www.nber.org/papers/w22399
      Verfasser selbst ein Schwarzer Prof. aus Harvard.
      7 8 Melden
    • Daniel Caduff 30.08.2016 18:33
      Highlight Hab nur das Abstract gelesen. Die Daten in der Studie beziehen sich nur auf Vorfälle bis 2012. - BLM wurde aber erst 2013 in Form eines Hashtags erstmals benutzt, nach dem Tod von Trayvor Martin. Der Begriff wollte Anteilname ausdrücken. Auch viele Weisse sehen sich als Teil von BLM. Auch ist mir kein Fall bekannt, wo ein White Supremacist von einem schwarzen Cop erschossen worden wäre.

      Selbst wenn die Zahl der Erschossenen über den ganzen Untersuchungszeitraum ausgeglichen sein sollte, sehe ich immer noch keinen Rassismus. Einen BLM-Klan oder eine BLM-Militia gibt es auf jeden Fall nicht.
      9 3 Melden
    • karl_e 30.08.2016 23:41
      Highlight J-P: es gibt in den USA immer noch prozentual viel weniger Schwarze als Weisse. Also werden prozentual viel mehr Schwarze als Weisse erschossen.
      9 3 Melden
  • Gulli 30.08.2016 10:58
    Highlight Wie sich diese Rassisten auch immer nennen mögen, die Gruppe ist nicht neu, sondern kommt wohl erst jetzt so richtig an die Oberfläche.
    Es scheint mir, sie haben nicht umsonst den Frosch als Erkennungsmerkmal gewählt. In den einschlägigen Foren auf 4chan, 8chan und Co. tummeln sich diese Spinner schon lange und verbreiten ihre kruden und völkischen Ideen ungehemmt.
    Die Zeit scheint reif, dass sie sich nicht mehr in solchen Foren verstecken müssen.
    Trump als Steigbügelhalter der neuen Nazibewegung. Wahrlich traurig und eklig, dass wir das nochmals erleben müssen.
    22 15 Melden
  • FrancoL 30.08.2016 10:03
    Highlight ES spielt immer wieder die gleiche Musik: Trump kennt den Ausdruck nicht, deren Exponenten stehen aber auch in seinen Wahlkampfteam. Offensichtlich spielt dass bei seinen Anhängern gar keine Rolle und es spielt auch keine Rolle dass er immer wieder "die Dumpfbacke" spielt.
    Ich halte von Politik nicht sehr viel, für mich sind die meisten Politiker wirklich nur am Gängelnd der Wirtschaft und nur wenige sorgen sich um das gros der Bürger, aber was da Trump an "Tieffliegerkraft" aufbringt ist schon mehr als bedenklich.
    20 4 Melden
  • kaiser 30.08.2016 09:45
    Highlight Das Who Are We Video ist Rassistisch ("We arn't just White") und wirkt ein bisschen wie der Aufruf zu einer Herrenrasse wie damals die Nazis. Und das erschreckende dabei - es bekommt über 90% upvotes. Wie ist sowas möglich?
    24 7 Melden
  • Luca Brasi 30.08.2016 09:06
    Highlight Was ich einfach nicht ganz verstehe ist, warum diese rechten Hetzer einen Kandidaten unterstützen, dessen Tochter zum Judentum konvertierte und mit Jared Kushner verheiratet ist.
    Mich würde ja mal dessen Meinung zu Trumps "neuen Freunden" interessieren. Wenn der Schwiegervater mit white supremacists zusamenarbeitet...*schauder*
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