Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Trump und Clinton als Halloween-Kostüme. Bild: ALEX HOFFORD/EPA/KEYSTONE

Was Clinton und Trump für die US-Wirtschaft bedeuten – und für unsere

Wall Street und die amerikanischen Multis halten nichts von Donald Trumps wirren Plänen und setzen auf Hillary Clinton – wenn auch zähneknirschend.

01.11.16, 15:39 01.11.16, 20:40

Donald Trumps Steuerpläne würden neue Billionenlöcher in die Staatskasse reissen. Seine Absicht, mehr als elf Millionen illegale Einwanderer auszuschaffen, würde grosse Teile der Landwirtschaft und der Gastrobetriebe lahmlegen; und würde er seine Ankündigung, internationale Handelsabkommen aufzukündigen, auch umsetzen, dann stünde auch die internationale Supply Chain still und geriete die Weltwirtschaft aus dem Tritt.  

«Ein Präsident Trump würde wahrscheinlich zu einem Crash an den Aktienmärkten führen und die Welt in eine Rezession stürzen».

Simon Johnson

Kein Wunder also, dass der Börsenindex Dow Jones heftig und negativ auf die Ankündigung des FBI reagierte, die Untersuchung in Sachen E-Mails von Hillary Clinton wieder aufzunehmen. Kein Wunder auch, dass die internationale Finanzpresse wie «Financial Times» und «Economist» offen für Clinton werben, und selbst das erzkonservative «Wall Street Journal» auf Distanz zu Trump geht.

Bankenkrise und unkontrollierte Kettenreaktion

Für Wall Street und grosse Teile der US-Wirtschaft wäre ein Sieg von Donald Trump ein Albtraum. Simon Johnson, Ex-Chefökonom des IWF und heute Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) geht so weit, dass er in der «New York Times» den Weltuntergang in Aussicht stellt. Ein Sieg Trumps würde «wahrscheinlich zu einem Crash an den Aktienmärkten führen und die Welt in eine Rezession stürzen».

Tatsächlich könnte ein Sieg Trumps eine unkontrollierte Kettenreaktion auslösen. Nochmals Professor Johnson: «Eine von Trump herbeigeführte Rezession (in den USA, Anm. d. Red.) würde Europa in eine ausgewachsene Rezession zurückwerfen, die höchstwahrscheinlich eine Bankenkrise zur Folge hätte.» Weil Europas Banken immer noch von der Finanzkrise angeschlagen sind, könnte es wie in den Dreissigerjahren zu einer Reihe von Bankenpleiten kommen. «Die Auswirkungen auf die Entwicklungs- und die Schwellenländer wären dramatisch», so Johnson.  

Samuel Johnson mag eine extreme Crash-Prophet-Position einnehmen, doch die meisten Ökonomen, auch konservative, können sich nicht für die wirtschaftlichen Pläne von Donald Trump erwärmen. Seine Absicht, gleichzeitig in grossem Umfang die Steuern zu senken und massiv in die Infrastruktur zu investieren, stossen auf Kopfschütteln – auch oder gerade in neoliberalen Kreisen, die zudem überhaupt kein Verständnis für seine protektionistischen Absichten aufbringen.  

Der einzige Trump-Fan im Silicon Valley: Peter Thiel. Bild: GARY CAMERON/REUTERS

Es gibt nur zwei Typen von Wirtschaftsvertretern, die sich mit Trump anfreunden können. Die einen gehen davon aus, dass Trump seine wilden Absichten von einer Mauer gegen Mexiko und der Aufkündigung der Freihandelsabkommen nie umsetzen, sondern nur die Steuern für Superreiche senken wird. Sie wiegen sich in der Hoffnung, dass ein Trump im Weissen Haus lieber Golf spielen, als sich über ökonomische Statistiken beugen will und deshalb das Geschäft den Chicago Boys überlassen wird.  

Unrealistische Argumente für Trump

Zu den anderen gehört Peter Thiel, Tech-Milliardär und Facebook-Verwaltungsrat. Er gehört zu den wenigen Trump-Fans im Silicon Valley. Thiel setzt darauf, dass Trump die bestehenden Strukturen in Washington zerschlagen wird, und dass dann aus den Trümmern endlich eine reine Marktwirtschaft im Sinn von Mises und Hayek entstehen wird.  

Beide Argumente für Trump sind unrealistisch. Weder die Wall Street noch die Manager der Multis glauben daran. Sie hoffen deshalb auf das kleinere Übel; einen Sieg von Hillary Clinton. Ihre Wirtschaftspolitik ist realistisch und ausgewogen. Auch sie will massiv in Infrastruktur und Bildung investieren und die Kinderkrankheiten von ObamaCare kurieren. Sie stellt diesen Mehrausgaben jedoch realistische Mehreinnahmen gegenüber und nicht wie Trump reines Wunschdenken.  

Selbst Walmart hat die Mindestlöhne angehoben. Bild: ADRIAN BRADSHAW/EPA/KEYSTONE

Die US-Wirtschaft hat wieder auf einen Wachstumspfad gefunden. Der Grund dafür liegt darin, dass erstmals seit langer Zeit die Löhne kräftig gestiegen sind und in verschiedenen Bundesstaaten massive Erhöhungen der Mindestlöhne eingeführt wurden. Selbst Walmart, lange als übler Lohndrücker berüchtigt, zahlt endlich anständige Löhne. Weil die Konsumenten mehr Geld in der Tasche haben, steigt die Nachfrage und wird die Binnenwirtschaft angekurbelt. Clinton will den Mindestlohn landesweit anheben, wahrscheinlich auf 15 Dollar pro Stunde.

Neigt sich der Konjunkturzyklus dem Ende zu?

Trotzdem sind viele Ökonomen überzeugt, dass die oder der nächste Präsident(-in) sich mit einer Rezession herumplagen muss. Der aktuelle Konjunkturzyklus neige sich dem Ende zu, so die Begründung, ein Einbrechen der Wirtschaft sei nur noch eine Frage der Zeit.  

Diese These steht auf wackligen Füssen. Zwar ist es richtig, dass die Wirtschaft sich in Zyklen bewegt, doch weiss niemand so genau, wie lange solche Zyklen dauern. Die Schweizer Volkswirtschaft beispielsweise ist seit Beginn dieses Jahrhunderts mit einem kurzen Unterbruch im Jahr 2009 immer gewachsen. Auch die US-Wirtschaft erfreute sich in den Neunzigerjahren an einem historischen Boom.  

Das könnte dich auch interessieren:

«Wirtschaftsaufschwünge sterben nicht an Altersschwäche», stellt Neil Irwin in der «New York Times» fest. «Sie sterben, weil sie von etwas ganz Bestimmten umgebracht werden.» Die Wahrscheinlichkeit, dass der aktuelle Aufschwung der US-Wirtschaft abgewürgt wird, ist bei Clinton sehr viel kleiner als bei Trump.  

Nur die Pharma verliert

Die USA sind nach der EU unser wichtigster Handelspartner. Was bedeutet der Ausgang der US-Wahlen für uns? Die kurze Antwort lautet: sehr viel. Ein Präsident Trump hätte für unsere Exportwirtschaft grosse Auswirkungen, nicht nur, weil sie neue Zollschranken zu befürchten hätte. Die Weltwirtschaft könnte mit Trump tatsächlich in eine gefährliche Abwärtsspirale geraten, von der auch das Exportland Schweiz stark betroffen wäre.

Die Wirtschaftspolitik einer Präsidentin Hillary Clinton hingegen ist berechenbar. Sie würde eine progressivere Version der Politik von Barack Obama bedeuten. Das hätte positive Auswirkungen auf unsere Wirtschaft – mit Ausnahme der Basler Pharmaindustrie. Sie müsste sich auf deutlich geschrumpfte Gewinnmargen ihrer Medikamente in den USA einstellen.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

Die Trumpisierung der Politik

Michael Moore zeigt, wie Trump zu schlagen ist – aber will der überhaupt Präsident werden?

Putin und Trump haben je einen Neuen – und mit denen wird's jetzt richtig gefährlich

Tötet Trump Tesla?

«Zerstörung ist mir sehr wichtig» – die Angst vor Trump und den Atomwaffen

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
18
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • _kokolorix 01.11.2016 20:28
    Highlight Wenn Hillary es wirklich schafft den Mindestlohn deutlich zu erhöhen kann die Wirtschaft in den USA nicht kurzfristig einbrechen. Allerdings werden das die dummen, reichen Neidhammel mit allen Mitteln zu verhindern suchen, obwohl sie vom Aufschwung jeweils überproportional profitieren. Aber eben, nichts ist so sicher wie die Dummheit der Menschen
    9 4 Melden
    • Klaus K. 01.11.2016 20:33
      Highlight Naja, wer zahlt befiehlt. Hätte sich Hilary vorher überlegen sollen, ob sie sich mit Millionen von Wallstreet und Co für ihren Wahlkampf kaufen lassen will. Glaubwürdigkeit=0.
      12 6 Melden
  • Typu 01.11.2016 19:33
    Highlight Hätte ich weiterlesen sollen nach dem ersten satz? Wird effektiv das wahlprogramm auf die künftige wirtschaftspolitik angewandt? Sinnloses unterfangen. Das sind zwei versch paar schuhe.
    11 1 Melden
  • Stefanie16 01.11.2016 18:51
    Highlight Also, ich lese nur, warum Trump angeblich schaden soll. Von Hillary lese ich wenig bis nichts bei L. Ist das nicht etwas einseitig, um nicht postfaktisch zu sagen? Oder verspricht der Lead nicht mehr Objektivität? Aber
    wahrscheinlich ist das zu wenig konvergent mit meiner Meinung.
    20 3 Melden
    • Klaus K. 01.11.2016 20:24
      Highlight Haha, postfaktisch.
      Made my day!
      6 0 Melden
  • koks 01.11.2016 17:46
    Highlight "Simon Johnson, Ex-Chefökonom des IWF und heute Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) geht so weit, dass er in der «New York Times» den Weltuntergang in Aussicht stellt"

    Unterdessen weiss man ja, dass ein Papagei bessere Wirtschaftsprognosen macht als die sogenannten Chefökonomen.
    25 2 Melden
  • stadtzuercher 01.11.2016 17:33
    Highlight Trillary Dump 2016
    26 2 Melden
  • zombie woof 01.11.2016 16:33
    Highlight Lange Zeit dachte ich, die Amis hätten mit Tschortsch Dabbelju den dämlichsten Präsidenten aller Zeiten hinter sich und gewisse Lehren daraus gezogen.....
    24 5 Melden
  • Posersalami 01.11.2016 15:45
    Highlight Wieso sollte es die Land- und Gastwirtschaft in die Krise stürzen, wenn man ihnen 11 mio Illegale Einwandere wegnimmt? Es gibt doch genügend US Amerikaner ohne Job?
    Nicht, dass ich es den Menschen wünschr ausgewiesen zu werden. Aber den Zusammenhang verstehe ich nicht.
    14 13 Melden
    • phreko 01.11.2016 17:46
      Highlight Vielleicht sollte mal für dich eine Statistik erstellt werden, wie dick durchschnittliche Einwanderer und wie Fettleibig durchschnittliche US-Arbeitslose sind. Die möchte ich mal auf dem Feld arbeiten sehen...
      18 6 Melden
    • Posersalami 01.11.2016 17:58
      Highlight Ach komm was soll die Polemik? Als wären die Amis alle so unfassbar fett 🙈
      7 8 Melden
    • Philipp Löpfe 01.11.2016 18:27
      Highlight Es ist wie bei uns: Es gibt Jobs, die Schweizer nicht mehr machen, auch wenn sie arbeitslos sind.
      23 7 Melden
    • FrancoL 01.11.2016 19:32
      Highlight @Philipp Löpfe; Es ist wie bei vielen Politikern und x Kommentaren in Netz . Man geht auch in der Schweiz davon aus dass bei einer restriktiveren Einwanderung dann die Einheimischen diese Tieflohnarbeiten übernehmen. Eine Fehlannahme und zwar durchs Band! Eine Illusion die immer wieder hochgehalten wird, allerdings nicht von den Beteiligten!
      11 3 Melden
    • FrancoL 02.11.2016 07:40
      Highlight @ChristianSchmid26; Diese Tieflohnjobs sind Jobs mit tiefen Löhnen weil der Endkunde NICHT mehr dafür bezahlt und mitunter gehörst vielleicht gerade Du zu den Endkunden.
      Abbrucharbeiten in Staub und Dreck, Handlanger auf den Baustellen bei jeder misslichen Witterung, oder andere einfache Dienstleistungen werden nun mal nicht höher bezahlt.
      Dass man nicht mehr bezahlen kann liegt nicht NUR an den UN die sich gerne bereichern sondern an der Sicht vieler Marktteilnehmer (also wir) dass diese Arbeiten nicht mehr Wert sind und das zu ändern ist nicht einfach bzw teilweise fast unmöglich.
      4 1 Melden
    • Posersalami 02.11.2016 07:40
      Highlight Tja, dann müssen eben die untersten Einkommen wieder steigen, damit sich jemand dafür findet! Für neoliberale Quatschköpfe geht das natürlich nicht, klar.
      6 0 Melden
    • FrancoL 02.11.2016 11:44
      Highlight @Posersalami; Habe festgestellt dass es nicht nur die neoliberalen Quatschköpfe sind die nicht mehr bezahlen mögen sondern fast alle quer Beet durch die Gesellschaft die nicht mehr bezahlen wollen. ES ist ein Irrglauben dass alle brav die Mehrkosten für höhere Löhne tragen mögen: Wachen Sie auch und schauen sie was wirklich ab geht wenn Produkte teurer werden.
      2 0 Melden
    • FrancoL 02.11.2016 12:03
      Highlight @Posersalami; Vielleicht ist Dir auch schon aufgefallen dass fast jeder der etwas in der Hierarchie aufsteigt von oben die Welt zu betrachten pflegt und es ganz gerne sieht wenn da unten Arbeiten zu Tiefstpreisen erledigt werden. Offensichtlich ist nur ein kleiner Teil der Menschen bereit für die Tieflohnarbeiter auch tiefer in den Geldbeutel zu langen oder hast Du da eine andere Welt kennen gelernt?
      0 0 Melden

«Das Bitcoin-System verbraucht mehr Strom als die Schweizer Volkswirtschaft»

Bei der Produktion eines Bitcoins geht so viel Strom drauf, wie eine Familie in zwölf Jahren verbraucht - Tendenz steigend. Ökonom Alex de Vries über die verheerenden Folgen der Kryptowährung für das Klima.

Der niederländische Ökonom und Blockchain-Experte Alex de Vries sorgt für Furore in der Energie- und Umweltszene. Seine Studie, die gerade im Fachmagazin «Joule» erschienen ist und von unabhängigen Gutachtern geprüft wurde, zeigt, welch gigantische Mengen Energie die Produktion und Verwaltung der Digitalwährung Bitcoin verschlingt. Laut de Vries hat das Bitcoin-System schon jetzt einen höheren Energiebedarf als viele Staaten.

Beim «Schürfen», dem Erzeugen von Bitcoins, lösen Rechner …

Artikel lesen