Wirtschaft
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Republican U.S. presidential candidate businessman Donald Trump (L) reaches out to Senator Ted Cruz (R) as they talk during a commercial break during the Republican presidential debate in Las Vegas, Nevada December 15, 2015.    REUTERS/Mike Blake

Donald Trump (links) und Ted Cruz bei einer Pause der Debatte in Las Vegas.
Bild: MIKE BLAKE/REUTERS

Donald Trump macht Ted Cruz salonfähig – das macht ihn so gefährlich

Die Aufregung um den Immobilientycoon verkennt die wahre Gefahr. Trump wird nicht US-Präsident, aber vielleicht zum Türöffner für den Hardliner aus Texas.



Protofaschist und Populist sind noch die netteren Bezeichnungen, die derzeit für Donald Trump verwendet werden. Seit seinem umstrittenen Einreise-Verbot für Muslime herrscht weltweit helle Aufregung über das Verhalten des Milliardärs mit der eigenwilligen Frisur. Einer hingegen wird sich darüber freuen: Ted Cruz. Je wilder sich Trump gebärdet, desto grösser werden die Chancen von Cruz, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden.

«Selbst in Texas, ja selbst bei den Republikanern in Texas, wird Ted Cruz gleichzeitig verehrt und verachtet.»

New York Times

Trumps Saubannerzug ist für den Senator aus Texas ein Segen. Noch in diesem Sommer hatte Ted Cruz den Ruf eines unsympathischen Aufsteigers: Blitzgescheit zwar, aber viele mochten ihn nicht wirklich, auch innerhalb der eigenen Partei. «Mr. Cruz ist einer der am meisten geliebten und gehassten republikanischen Führer in Amerika», schrieb die «New York Times». «Selbst in Texas, ja selbst bei den Republikanern in Texas, wird er gleichzeitig verehrt und verachtet.»

Eigentlich müsste Cruz die Rolle des nützliche Idioten spielen

Die Elite der Grand Old Party (GOP) setzte auf Jeb Bush. Cruz hingegen hassten sie wie die Pest. «Sie fanden ihn ideologisch zu extrem, persönlich abstossend und strategisch unbesonnen», schreibt das Onlineportal «Vox». «Sie machten ihn dafür verantwortlich, dass 2013 die Regierung zeitweise lahmgelegt wurde (Cruz war der Anführer derjenigen, die Obamas Budget blockieren wollten, Anm d. Red.) und beklagten sich über seinen untrüglichen Instinkt, sich stets in die Schlagzeilen zu bringen.»

Jeb Bush speaks during the CNN Republican presidential debate at the Venetian Hotel & Casino on Tuesday, Dec. 15, 2015, in Las Vegas. (AP Photo/John Locher)

Politisch im Koma: Jeb Bush.
Bild: John Locher/AP/KEYSTONE

Cruz wurde deshalb die Rolle des nützlichen Idioten zugeschrieben. Er sollte die Hitzköpfe der Tea Party bei der Stange halten und dann irgendwann im Laufe der Vorwahlen möglichst ohne Wellen zu werfen ausscheiden. Jetzt führt er in den Umfragen zur ersten Ausmarchung in Iowa und liegt national fast auf gleicher Höhe wie Donald Trump. Aus der letzten Debatte der GOP-Kandidaten in Las Vegas ging er als der grosse Sieger hervor. «Cruz war herausragend», jubelte beispielsweise der konservative Radiomann und einflussreiche Meinungsbildner Rush Limbaugh.

Weshalb dieser überraschende Aufstieg? Anders als seine Konkurrenten bei den Republikanern spielt Cruz die Trump-Karte sehr geschickt. Im Wissen darum, dass der Milliardär letztlich irgendwann verglühen wird, greift er ihn nie an und vergrault so auch dessen Fans nicht. Auch gegen den nur für die Evangelikalen wählbaren – und inzwischen bereits wieder in der Versenkung verschwundenen Ben Carson – hält er sich zurück. «Sehr zur Frustration der Medien habe ich mich dafür entschieden, die beiden zu umarmen und zu streicheln», erklärt Cruz. «Ich gehe davon aus, dass das Gesetz der Schwerkraft die beiden zur Strecke bringen wird und ich dann den Löwenanteil ihrer Stimmen erben werde.»

«Die Republikaner werden bald realisieren, dass sie nicht zwischen Bushismus und Cruzismus wählen müssen, sondern zwischen Cruzismus und Trumpismus.»

Online-Portal «Vox»

Diese Strategie macht Sinn. Der ursprünglich als Favorit und Schützling des Parteiestablishments ins Rennen gegangene Jeb Bush gilt mittlerweile als klinisch tot. Seine Umfragewerte sind unterirdisch. Die anderen gemässigten Kandidaten sind nicht mehr als Staffage. Deshalb ist der junge Marco Rubio, Senator aus Florida, zum Hoffnungsträger der Gemässigten geworden, wenn man diese Bezeichnung im Zusammenhang mit den Republikanern überhaupt noch verwenden kann.

In this Dec. 15, 2015, photo, Marco Rubio makes a point during the CNN Republican presidential debate at the Venetian Hotel & Casino in Las Vegas. If you want to see Rubio dance on hot coals, ask him about immigration. (AP Photo/John Locher)

Auf Marco Rubio liegen jetzt die Hoffnungen der Gemässigten.
Bild: John Locher/AP/KEYSTONE

Cruz ist bereits dabei, Rubio nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen. Er greift ihn dort an, wo es weh tut, bei der Immigrationsfrage. Beide, Cruz und Rubio, sind Abkömmlinge von kubanischen Einwanderern. Während Cruz wie Trump die amerikanische Grenze zu Mexiko mit einer Mauer abschotten will, hat Rubio sich zaghaft für die Einbürgerung der schon seit Jahrzehnten in den USA lebenden illegalen Einwanderer ausgesprochen. Damit wird er bei der zunehmend radikalisierten Basis der GOP grosse Mühe bekommen.

Ted Cruz gefällt sich in der Rolle des Kämpfers

 «Die Republikaner werden bald realisieren, dass sie nicht zwischen Bushismus und Cruzismus wählen müssen, sondern zwischen Cruzismus und Trumpismus», stellt «Vox» fest. Tatsächlich haben sich durch den unerwarteten Triumph von Trump die Gewichte verschoben. Ted Cruz ist salonfähig geworden. Anders als Trump ist er berechenbar, und anders als Trump hat er in der Vergangenheit nie Positionen vertreten, die für die Parteibasis nicht tragbar sind. Im Gegenteil. Mit seiner Lahmlegung der Regierung hat er zwar der Parteiführung geschadet, bei der Basis hingegen an Glaubwürdigkeit gewonnen und seinen Ruf als «Kämpfer» gefestigt.  

Allmählich dämmert es auch in der GOP-Zentrale in Washington, dass man den Texaner gewaltig unterschätzt hat. Vorsichtig nimmt man nun Tuchfühlung auf und stellt sich darauf ein, die Kröte zu schlucken. «Ted Cruz wird niemals die erste Wahl des GOP Establishments sein», stellt «Vox» fest. «Aber Trump hat allen klar gemacht, dass Ted Cruz bei weiten nicht die schlimmste Option für die Republikaner ist.» Möge Hillary Clinton verhindern, dass Cruz es auch ins Weisse Haus schafft.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kronrod 19.12.2015 22:49
    Highlight Highlight Wer sich ob Trump's Beliebtheit die Augen reibt, sollte mal einen Blick auf Scott Adams Blog werfen. Der bietet die bislang beste Erklärung für "clown genius" Trump: http://blog.dilbert.com/post/135324448866/the-lucky-hitler-hypothesis-trump-persuasion
  • koks 19.12.2015 18:11
    Highlight Highlight ob die rechtswähler realisieren, dass ihre kandidaten alle zynische demokratiefeindliche milliardäre sind? die ködern die depperten bildungsfernen wähler einzig damit, dass sie auch weiss sind: nützliche idioten, die den milliardären zu noch mehr wirtschaftlicher macht verhelfen.
    ps. allfällige ähnlichkeiten mit der situation in der schweiz wären natürlich rein zufällig.
  • Luca Brasi 19.12.2015 17:31
    Highlight Highlight Mal eine kurze Frage: Kann Cruz überhaupt Präsident werden? Der ist doch in Kanada geboren und ich habe gedacht, dass nur Menschen, die in den USA geboren wurden, Präsident werden können (z.B. kann Schwarzenegger deshalb nie US-Präsident werden). Trump hat Obama auch vorgeworfen gar nicht in den USA geboren zu sein. Wieso wird der kubanisch-stämmige Cruz von der GOP in diesem Punkt verschont? Etwa Doppelmoral? :)
    • chregu 19.12.2015 17:39
      Highlight Highlight Man scheint sich da nicht so einig zu sein. Jedenfalls laut Wikipedia (gekürzt):

      "Since Cruz was born in Canada, commentators speculated about Cruz's legal status as a natural-born citizen. Because he was a U.S. citizen at birth, many commentators believe Cruz is eligible to serve as President of the United States. Despite many legal experts opinions to the contrary, conservative legal activist have stated that Cruz is not a natural born citizen and thus not eligible to run for president."
    • Schreihals 19.12.2015 18:29
      Highlight Highlight Die gleiche Diskussion gab es schon als der nicht in den Vereinigten Staaten geborene John McCain sich, um das Amt bewarb. Nach der herrschenden Lehre ist ein natural born citizen, wer die US Staatsbürgerschaft mit der Geburt erlangt. Dieses Kriterium erfüllt Ted Cruz ja.
    • Luca Brasi 19.12.2015 18:50
      Highlight Highlight Erstaunlich ist einfach, dass Trump monatelang Präsident Obama, dessen Mutter ganz klar US-Bürgerin ist, deswegen die Präsidentschaft abgesprochen hatte. Er redet doch sonst immer "Tacheles", aber schont seinen Konkurrenten Cruz? Doch nicht so gradlinig, seine Politik? Oder wusste der Präsident in spe Trump über Monate hinweg nicht, was geltendes Recht ist? Gute Voraussetzungen für einen zukünftigen Präsident Trump? ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Aberbitterschön 19.12.2015 15:45
    Highlight Highlight Sorry aber der US-Wahlkampf ist einfach nur peinlich und einem grossen Staat unwürdig. Hoffentlich exportieren sie diesen bullshit nicht auch in die Welt hinaus.
    • gjonkastrioti 19.12.2015 16:06
      Highlight Highlight Haben sie schon. Siehe CH.

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

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