Wirtschaft

Vom Tellerwäscher zum Millionär – das war einmal

Es hat sich ausgeträumt: Die Amerikaner verlieren den Glauben an den American Dream

Vom Tellerwäscher zum Millionär – immer weniger Amerikaner halten einen solchen Aufstieg für möglich. Laut einer Umfrage ist der Glaube an den American Dream schwer erschüttert, trotz guter Wirtschaftsdaten. 

11.12.14, 15:19 11.12.14, 16:01

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321'000 neue Jobs in einem einzigen Monat, unerwartet starkes Wachstum, überdurchschnittliche Lohnsteigerungen – so gute Nachrichten hat die US-Wirtschaft seit Jahren nicht mehr produziert. Angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft wirkt das ökonomische Comeback der USA noch beeindruckender. Doch immer weniger Amerikaner glauben einer Umfrage zufolge daran, auch persönlich durch harte Arbeit am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben zu können.  

Detroit: Nach dem Zusammenbruch der Auto-Industrie verkommen grosse Teile der «Motor-City» zunehmend.  Bild: EPA

«Glauben Sie, dass es in diesem Land möglich ist, arm zu beginnen und dann durch harte Arbeit reich zu werden?», fragt die «New York Times» immer wieder einmal in ihren regelmässigen Umfragen – und verzeichnet normalerweise Zustimmungsraten von mindestens 70, manchmal auch über 80 Prozent. Kein Wunder, gilt doch eben jenes Versprechen vom Aufstieg durch eigene Kraft als uramerikanisch. 

In der vergangenen Woche antworteten jedoch nur noch 64 Prozent der befragten US-Bürger mit «Ja» . Lediglich 1983 – als die Frage zum ersten Mal gestellt wurde – lag die Zustimmung mit 57 Prozent noch niedriger. 

Besonders erstaunlich ist, dass selbst im April 2009 noch 72 Prozent, und damit ein deutlich höherer Anteil der US-Bürger, an den American Dream glaubten. In einer Zeit also, in der die Finanz- und Wirtschaftskrise wütete und Millionen Amerikaner ihre Arbeitsplätze oder Häuser verloren hatten und die Zukunft des US-amerikanischen Kapitalismus ungewiss schien. 

San Jose: Obdachlosensiedlung am Stadtrand. Bild: BECK DIEFENBACH/REUTERS

Ist das System fair oder unfair?

Selbst mit der relativ hohen Fehlertoleranz der Umfrage – bei 1006 Befragten beträgt diese jeweils vier Prozentpunkte nach oben und nach unten – lässt sich der Trend des schwindenden Vertrauens in die Möglichkeit des Aufstiegs nicht erklären. Zudem antworteten nur drei Prozent gar nicht oder gaben keine klare Einschätzung ab. 

Jeder dritte Befragte meinte sogar explizit, Reichtum durch harte Arbeit sei in Amerika «nicht möglich». Offenbar hinterlässt auch in den Vereinigten Staaten mit ihrer Tradition des Wirtschaftsliberalismus die wachsende Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen zunehmend ein ungutes Gefühl bei den Bürgern. 

New York: Obdachlose prägen das Stadtbild des «Big Apple» seit Menschengedenken. Bild: JUSTIN LANE/EPA/KEYSTONE

Freilich glauben immer noch zwei von drei Amerikanern an den American Dream. Dementsprechend finden potenzielle Lösungsansätze keine Mehrheit – etwa der, dass die Politik mit neuen Gesetzen für eine gerechte Verteilung des Wohlstandes sorgen solle. Vor die Wahl gestellt, halten 54 Prozent eine wachstumsgefährdende Überregulierung für ein grösseres Problem als fehlende Gesetze gegen die ungleiche Verteilung. 38 Prozent stufen hingegen den Mangel an staatlich organisierter Verteilung als schwerwiegender ein. 

Regelrecht gespalten zeigen sich die Amerikaner in der Frage, ob ihr Wirtschaftsystem grundsätzlich fair ist oder nicht. Denn mit 52 Prozent hält nur eine sehr knappe Mehrheit das US-System für prinzipiell gerecht. 45 Prozent sind hingegen der Ansicht, es sei grundsätzlich unfair, da es nicht allen Amerikanern die gleichen Chancen auf Erfolg biete. (fdi)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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