Wirtschaft
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Kämpft gegen die Klimaerwärmung: UN-Friedensbotschafter Leonardo di Caprio mit Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Bild: AP

Wohlstand vs. Umweltschutz

Good News: Wir können beides – gut und umweltbewusst leben

Der Kampf gegen die Klimaerwärmung bedeutet nicht Verzicht. Im Gegenteil: Umweltschutz wird zum Treiber des Wirtschaftswachstums.

24.09.14, 19:30 25.09.14, 11:59

Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) kann man viel vorwerfen, aber sicher nicht, dass er ein Club von realitätsfremden Ökofreaks sei. Daher ist es nicht Wunschdenken, wenn die IWF-Ökonomen jetzt in einer soeben veröffentlichten Studie zum Ergebnis kommen, dass eine CO2-Abgabe das Wirtschaftswachstum kaum hemmen, sondern vielleicht sogar fördern würde.

Die IWF-Studie widerspricht damit einem weit verbreiteten Vorurteil, wonach Umweltschutz gut für das Gewissen, aber schlecht für die Wirtschaft sei. Nach wie vor sind nämlich viele Menschen davon überzeugt, dass Umweltschutz gleichbedeutend mit Wohlfahrtsverlust, und dass ein grüner Lebensstil gleichbedeutend mit Verzicht ist. 

Nur in unseren Köpfen schadet Umweltschutz dem Wirtschaftswachstum

Diese Ansicht ist überholt. Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist in der «New York Times», stellt fest: «Die Vorstellung, wonach Wirtschaftswachstum und der Kampf gegen die Klimaerwärmung sich gegenseitig ausschliessen, mag realistisch tönen, ist jedoch eine verschwommene Fehlkonstruktion. Wenn wir die speziellen Interessen und die Ideologie durchschauen, welche sich dagegen stemmen, dass wir versuchen, den Planeten zu retten, dann stellen wir fest, dass dies einfacher und billiger ist, als wir gedacht haben.»

Zum gleichen Schluss kommt auch Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times». Er schreibt: «Es ist möglich geworden, Wirtschaftswachstum zu haben, ohne zu riskieren, die Umwelt zu zerstören. So weiter zu fahren wie bisher ist hingegen irrational geworden. Die notwendigen Veränderungen müssen wir jetzt vornehmen.» 

«So weiter zu fahren wie bisher ist irrational geworden.»

Martin Wolf, Chefökonom «Financial Times»

In den letzten Jahren hat die Umwelttechnologie grosse Fortschritte gemacht. Allein die Kosten für Solarzellen haben sich seit 2010 halbiert. Billige Sonnen- und Windenergie sind zu einem existenziellen Problem der traditionellen Stromhersteller geworden. 

Vor allem jedoch entsteht derzeit das so genannte Internet of Things: Nicht nur Menschen knüpfen Verbindungen in sozialen Medien wie Facebook und Twitter, auch die Maschinen werden untereinander vernetzt und kommunizieren miteinander. Flugzeugtriebwerke und Rolltreppen signalisieren, wann sie gewartet werden müssen, Waschmaschinen nehmen selbstständig den Betrieb auf, wenn die Stromtarife am günstigsten sind, etc.

Das Internet of Things wird unseren Lebensstil verändern

Das Internet of Things ist im Begriff, unser Leben zu verändern. Wie, schildert Jeremy Rifkin in seinem jüngsten Buch «Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft», etwa am Beispiel des Autos. 

Für die Generation der Babyboomer war das Auto der Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit. Heute wird das Auto zunehmend vom Smartphone verdrängt. Wer sich im Stossverkehr über verstopfte Strassen quält, verspürt weder Freiheit noch Freude am Fahren, sondern nur noch Stress. 

Stressfrei fahren im Google Car. Bild: EPA/GOOGLE

Davon hat die Milleniums-Generation die Schnauze voll. Umfragen zeigen, dass rund die Hälfte der 20-Jährigen keinen Bock mehr auf ein eigenes Auto haben. Dafür kommt in der Sharing Economy das Teilen von Autos in Mode. Das ist dank dem Internet of Things möglich geworden und macht auch ökonomisch Sinn: Die meisten Autos stehen die meiste Zeit ungebraucht herum. 

Wer das Auto teilt, fährt auch mehr Velo

Zudem hat das Teilen Folgewirkungen. «Wenn Menschen beginnen, ihr Auto zu teilen, dann verändern sie auch ihr Verhalten, sie benützen öfters öffentliche Verkehrsmittel oder fahren mit dem Velo», stellt Rifkin fest. Das gilt auch für die Lastwagen. Sie können dank dem Internet of Things ebenfalls viel effizienter genutzt und Leerfahrten vermieden werden.

Fazit: Dank dem Internet of Things schliessen sich Wohlstand und Umweltschutz nicht mehr aus. Ökologie wird zum Gebot der wirtschaftlichen Vernunft. 



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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Hand-Solo 25.09.2014 09:09
    Highlight Ökologie HAT aber etwas mit Verzicht zu tun. Wenn man z. B. folgende Dinge gerne macht oder hat:
    An weit entfernte Orte reisen, Motorrad fahren oder sonst in irgend einer weise auf grosse Motoren steht, gerne in Altbauwohnungen oder Lofts wohnen möchte, wer immer die neusten Gadgets haben möchte.
    Auf all diese Sachen sollte man aus ökologischen Gründen verzichten. man hat zwar vielleicht nicht weniger Geld, aber weniger was man damit anfangen kann. kommt für mich unter dem Strich aufs gleiche raus...
    3 3 Melden
  • Zeit_Genosse 24.09.2014 21:13
    Highlight Bisher war die Kreditkarte meiner Frau der grosse Geldabfluss. Doch jetzt geht mein gesamter Habitus selbständig zur Reparatur, lässt den Sercetechniker holen, füllt selbständig meinen Kühlschrank und meine Socken haben ein Verfalldatum und werden dann bestellt. Ich muss nichts mehr denken, weil bereits gedacht wurde. So könnte es zumindest ökonomisch gehen, ob es ökologisch ist, wenn ständig Einzelbestellungen ausgelöst werden und die Logistik mich tröpfchenweise glücklich macht, ich lasse mich mal überraschen. Ich muss ja nichts mehr fürs Klima tun, das machen jetzt die Dinge.
    4 0 Melden

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