Wirtschaft
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Umstrittenes Pflanzenschutzmittel: EU-Kommission will Glyphosat-Zulassung verlängern

Alle formalen Schritte wurden bereits in die Wege geleitet: Die EU-Kommission hat angekündigt, das Pflanzenschutzmittel Glyphosat weiter zuzulassen – wahrscheinlich für 18 Monate.

29.06.16, 10:38 29.06.16, 11:09


Umstrittener Unkrautvernichter: Glyphosat. 
Bild: EPA DPA

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Die Brüsseler EU-Kommission will die Europa-Zulassung für den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat verlängern. Das kündigte der zuständige EU-Kommissar, Vytenis Andriukaitis, am Rande eines Treffens der EU-Agrarminister in Luxemburg an. Seine Behörde werde eine Verlängerung der Glyphosat-Genehmigung um bis zu 18 Monate annehmen, sagte er. Die aktuelle Zulassung läuft zum Monatsende aus.

Eigentlich wollte die Behörde die Entscheidung bereits am Montag im Kreis der EU-Kommissare treffen. Wegen Beratungen über das britische Brexit-Votum kam es aber nicht dazu.

Offiziell entschieden ist die Zulassungsfrage nach Angaben der EU-Kommission mit der Ankündigung aber nicht. Ein Sprecher bestätigte, dass ein so genanntes schriftliches Verfahren gestartet wurde. Dabei kann die Behörde einen Entschluss fassen, ohne dass die EU-Kommissare zusammensitzen. Die Entscheidung könnte am Mittwoch fallen und mitgeteilt werden, so der Sprecher.

EU-Mitgliedstaaten konnten sich nicht einigen

Die Mitgliedstaaten hatten sich am vergangenen Freitag auch im Berufungsausschuss nicht auf eine Mehrheitsposition zum Kommissions-Vorschlag einigen können, die Zulassung von Glyphosat um bis zu eineinhalb Jahre zu verlängern. Deshalb lag die Zukunft des umstrittenen Mittels nun in den Händen der EU-Kommission.

In den kommenden 18 Monaten soll die europäische Chemikalienagentur Echa ihre Bewertung über die Sicherheit des umstrittenen Pflanzenschutzmittels vorlegen. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

Verschiedene Behörden sind sich bei der Bewertung allerdings uneins. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) kam zum Schluss, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend beim Menschen ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie die Arbeitsgruppe Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) urteilten dagegen, dass Glyphosat kein Risiko darstellt, wenn es sachgemäss verwendet wird.

Die Gremien beschäftigen sich dabei mit unterschiedlichen Fragen: Bei der IARC geht es – unabhängig von Einsatzszenarien oder Dosierung – um mögliche Krebsgefahren. Bei JMPR und EFSA geht es um praktische Fragen: In welchen Konzentrationen oder bei welchen Aufnahmeformen könnte ein Stoff gesundheitsschädlich sein?

Glyphosat ist das weltweit am meisten verwendete Herbizid, in Deutschland wird es auf knapp 40 Prozent der Ackerfläche eingesetzt. Experten warnen, dass Landwirte nach einem Verbot auf eine Mischung verschiedener Herbizide ausweichen werden, die sie als problematischer als Glyphosat einschätzen.

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • saukaibli 29.06.2016 11:18
    Highlight Es geht doch dabei nicht nur um die Schädlichkeit für den Menschen. Glyphosat zerstört die Böden auf denen es versprüht wird bis mehrere Meter in die Tiefe, da wächst auf Jahrzehnte nichts mehr, das nicht genmanipuliert ist oder eine Resistenz entwickelt hat. Aber die Leute, die darübr entscheiden, können sich garantiert alle täglich Bio leisten, das verseuchte Zeug sollen die Armen fressen, die sind ja in unserer schönen kapitalistisch-neoliberalen Welt sowieso nicht willkommen (weil schlechte Konsumenten). Ich liebe die EU von Tag zu Tag mehr.
    34 5 Melden
    • Soli Dar 29.06.2016 13:43
      Highlight Absolut einverstanden. Die EU macht sich so ausser bei der Aggrochemie-Lobby bestimmt keine Freunde. Nur ist die Schweiz mit ihrer Pharma- und Agrochemieindustrie und der starken "konventionellen" Landwirtschaftslobby so viel besser als die EU?
      22 2 Melden
    • kEINKOmmEnTAR 29.06.2016 22:58
      Highlight Nein, aber gegen aussen müssen wir eine Einheit demonstrieren. Intern können wir ja dann immer noch die SVP und ihre verdammte Lobby davonjagen.
      5 2 Melden
    • rodolofo 01.07.2016 08:31
      Highlight Wir müssen überhaupt niemandem etwas vorgaukeln!
      Aber wir können mit unseren Europäischen FreundInnen gegen die (heute noch) übermächtig scheinende Agro-Industrie kämpfen und gleichzeitig eine nachhaltige Alternative (Bio-Fairtrade) entwickeln!
      Vom belächelten Aussenseiter-Dasein hat sich Bio-Fairtrade zu einer anerkannten Sparte in der Landwirtschaft entwickelt, die mehr und mehr auch in Grossverteilern vermarktet wird.
      Aber mit neuen Gentech-Methoden versucht die Agro-Industrie, vollendete Tatsachen zu schaffen für den Verkauf ihrer Kombi-Sets aus Saatgut, Pestiziden und Kunstdüngern...
      4 1 Melden
    • Döst 01.07.2016 08:32
      Highlight Meines Wissens wird Glyphosat auch für das "Umpflügen" von Ackerböden verwendet, wenn das Saatgut gewechselt wird (z.B. von Mais auf Weizen). Von wegen da wächst Jahrzehnte nichts mehr. Da wächst jedes Jahr was. Die Bauern würden ihr Ackerland ja kaum freiwillig unfruchtbar machen.
      Wie schon im Artikel angedeutet: die Menge macht den Unterschied (IARC befasst sich nicht mit der Menge). IARC stufte 1991 auch Kaffee als "möglicherweise krebserregend" ein.
      Man soll die 18 Mt. nun sinnvoll nutzen und die Sache seriös und neutral abklären. Sodann kann ein Entscheid gefällt werden.
      1 3 Melden

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