Wirtschaft
People walk past a Primark shop in London, Wednesday, April 14, 2010. Discount retailer Primark hastily withdraws a padded bikini bra aimed at 7-year-olds after a tabloid newspaper made a front-page splash of complaints from children's advocates, who quickly get support from candidates in the upcoming national election. Primark's swift retreat is the latest victory for campaigners against the premature sexualization of children. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)

Bild: AP

Billig-Modekette Primark 

«Die eingenähten Hilferufe sind eine Fälschung aus Grossbritannien»

In Kleidungsstücken von Primark waren angebliche Hilferufe von Nähern gefunden worden. Laut Untersuchungen der Billig-Modekette sind sie gefälscht. 

27.06.14, 23:48 28.06.14, 06:22

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Die irische Billigtextilkette Primark reagiert: Nach dem Fund von Hilferufen in einer Hose, einem Kleid und einem Top hat das Unternehmen die Kleidungsstücke und Labels untersucht. Nun habe man herausgefunden, dass es Fälschungen seien: «Unsere Untersuchungen zu den in zwei Kleidungsstücke eingenähten Etiketten haben uns zur Schlussfolgerung kommen lassen, dass es sich dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung in Grossbritannien handelt.»

Die Etiketten in den Kleidungsstücke, die separat in einer Filiale in Swansea im Jahr 2013 gekauft worden waren, würden eindeutig aus derselben Quelle stammen. Es sei «nur sehr schwer vorstellbar», dass die beiden gleichen Etiketten in den jeweiligen Fabriken auf die Kleidungsstücke genäht worden sein könnten, in denen sie auch produziert worden sind. Die Kleidungstücke seien durch verschiedene Zulieferer in verschiedenen Fabriken in Rumänien und in Indien, also tausende Kilometer voneinander entfernt, hergestellt worden. 

Primark weist ausserdem darauf hin, dass es ebenfalls im Jahr 2013 in Swansea eine Ausstellung solcher Etiketten gegeben habe, bei der Besucher ermutigt worden seien, sie in Kleidung einzunähen. 

Bild: JAVIER BARBANCHO/REUTERS

2011 gekaufte Hose gab es nur bis 2009 

Auch in Belfast wurde ein Hilferuf entdeckt: Eine Nordirin entdeckte in einer Hose einen Gefangenenausweis und einen Zettel mit den Worten: «Wir sind Gefangene im Xiangnan-Gefängnis in Hubei, China.» Der Schreiber fährt fort, sie stellten Kleidung für den Export her und müssten 15 Stunden am Tag arbeiten. «Was wir essen, ist schlimmer als Schweine- und Hundefutter.» Die Arbeit sei so hart wie die Arbeit von Ochsen und Pferden. «Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, China für diese unmenschliche Behandlung zu verurteilen.»

Auch in diesem Fall hatte das Unternehmen Zweifel an der Echtheit der Hilferufe angemeldet: Die Hose aus Belfast sei zuletzt im Oktober 2009 im Angebot gewesen. Das werfe die Frage auf, wie eine Kundin, die den Hilferuf postete, sie 2011 erstanden haben kann. 

Die Billigmodekette ist schon oft wegen unmenschlicher Arbeitsbedingungen ins Visier geraten. Die Firma verweist darauf, dass sie regelmässig Inspektionen in allen Zuliefererbetrieben durchführe. Doch sind diese offensichtlich nicht rigoros genug, um Missstände zu verhindern: Primark war einer der Auftraggeber jener Fabrik in Bangladesch, die im April 2013 eingestürzt war. Das Unglück hatte mehr als 1100 Arbeiter das Leben gekostet. (mia/dpa)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 28.06.2014 13:40
    Highlight Wer schon mal in einem solchen Markt war, sieht unglaubliche Szenen. Hier werden Kleider in vollen Einkaufswagen gekauft und die Schlange vor den Umziehkabinen ist gigantisch. Die Preise sind der Wahnsinn (da darf man gar nicht darüber nachdenken). Es Leute wie an einem Grossevent und Sicherheitspersonal. Das ist Dschungel-Shopping. Nur der schnellere gewinnt, der Preis ist ja Nebensache. Aus dem Geschäft kommt Frau/Mann mit mehreren grossen Papiertüten(mind. 4/P.) und die U-Bahn ist voll Menschen damit. Da war ich mit einer (guten) Hose für 13€ ein Exot.
    1 0 Melden
  • sonwat 28.06.2014 12:50
    Highlight Ob gefälscht oder nicht, die eigentliche Tragik ist, dass jeder Konsument von den miesen Arbeitsbedingungen bei Zulieferern von H&M, Primark, Zara, WE, etc. weiss aber schlussendlich trotzdem den günstigsten Preisen nachläuft.
    Und dass Primark in diesem Fall eine riesige Aktion startet um die Fälscher ausfindig zu machen anstatt der Welt zu erklären wie ihre Arbeiter bei den Dumpingpreisen (T-Shirts >5€, Hosen >20€ als Bsp.) nicht ausgebeutet werden ist ein Hohn..
    1 1 Melden
  • hpm 28.06.2014 11:03
    Highlight Wir gehen ja davon aus, dass so was nicht erlaubt ist. Wäre ja interessant to erfahren was die Folgen für die sind die das gemacht haben?
    1 0 Melden

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