Wirtschaft

50 von 400 Stellen in Zug sollen nach Griechenland verlegt werden. Bild: KEYSTONE

Landis+Gyr will jede vierte Stelle von Zug nach Griechenland verlagern

16.04.15, 15:49

Der Zuger Stromzählerproduzent Landis+Gyr leidet unter der Frankenstärke und plant daher die Verlagerung von 50 Stellen von Zug nach Korinth. Ausserdem soll nach den Vorstellungen des Unternehmens die wöchentliche Arbeitszeit befristet von 40 auf 43 Stunden erhöht werden.

Landis+Gyr will mit den Massnahmen den im internationalen Vergleich hohen Kosten am Standort Zug und dem weltweit verschärften Wettbewerbs- und Preisdruck begegnen, wie der Konzern, der 2011 von japanischen Toshiba-Konzern übernommen worden war, am Donnerstag mitteilte.

98 Prozent für den Export

Landis+Gyr fertigt seit bald 120 Jahren in Zug Elektrizitätszähler. Im vergangenen Jahr wurden rund 280'000 Messgeräte hergestellt, die zu rund 98 Prozent ins Ausland exportiert wurden. Der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt war dabei nach Unternehmensangaben der Euro-Raum.

In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen auch am Standort Zug kontinuierlich in die Optimierung von Prozessen und Abläufen investiert, schreibt Landis+Gyr. Die starke Aufwertung des Frankens aber belaste die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich und schränke die Planungssicherheit ein.

Verlagerung in der zweiten Jahreshälfte

Daher ziehe man eine Verlagerung der Zählermontage nach Griechenland in Betracht. Von der Verlagerung wären rund 50 der insgesamt 400 Beschäftigten in Zug betroffen.

Wie es auf Anfrage hiess, ist inzwischen ein Konsultationsverfahren eingeleitet worden. Es wird damit gerechnet, dass dieses rund drei Wochen dauern wird und die Geschäftsleitung dann Mitte Mai einen definitiven Entscheid fällt. Die Verlagerung würde dann vermutlich in der zweiten Jahreshälfte durchgeführt.

Im griechischen Korinth hat Landis+Gyr seit 1973 eine Zählerfertigung. Aktuell sind dort rund 480 Beschäftigte angestellt. Mit der Verschiebung der Zählermontage von Zug nach Korinth will Landis+Gyr von den dort signifikant tieferen Kosten profitieren.

Arbeitszeit-Verlängerung

Um die Kostenstruktur weiter zu verbessern, strebt das Unternehmen zudem eine Betriebsvereinbarung mit der Arbeitnehmervertretung am Standort Zug an. Ziel ist es, die wöchentliche Arbeitszeit befristet von 40 auf 43 Stunden zu erhöhen. Sollte eine solche Vereinbarung zustande kommen, würde die Arbeitszeit vermutlich per Juni/Juli erhöht, hiess es auf Anfrage.

Darüber hinaus sollen die Mitglieder des Managements auf fünf Kompensationstage für Überstunden, die Mitglieder des oberen Managements und der Geschäftsleitung zusätzlich auf durchschnittlich fünf Prozent ihres Jahreszielgehalts verzichten.

Kritik der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Syna zeigte sich in einer Mitteilung vom Donnerstag besorgt darüber, dass ein weiteres Schweizer Traditionsunternehmen, das durch den Verkauf an Toshiba seine Eigenständigkeit verloren habe, Arbeitsplätze ins Ausland verlagere. Einmal mehr sei fast die Hälfte der Betroffenen zwischen 51 und 60 Jahre alt. Syna appellierte an die soziale Verantwortung der Geschäftsleitung.

Es mache den Anschein, dass Landis+Gyr die aktuelle Euro-Turbulenz, genau wie zahlreiche andere Firmen, dazu benutze, den Standort Zug auf Kosten der Angestellten für die Aktionäre zu optimieren, kritisierte Syna. (whr/sda)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sambeat 16.04.2015 22:56
    Highlight Also mir tuts im Herzen weh: L&G ist eine Zuger Firma, seit jeher! Ein fester, währschafter Wert! Stein in der Brandung! Sozial und kompetent, und zwar sowas von!
    Auch wenn ich begreife, dass die heutige Wirtschaft und alles Drum und Dran anders tickt als früher: Es ist einfach falsch, eine bestehende Marke immer mehr optimieren zu wollen, koste es, was es wolle! Oder eben halt auch nicht...
    2 1 Melden
  • stadtzuercher 16.04.2015 21:57
    Highlight in dem fall scheint griechenland alles richtig gemacht zu haben in sachen wirtschaftsförderung.
    0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.04.2015 20:03
    Highlight Welch tendenziöser Artkel. Landis und Gier hat heute schon mehr als die Hälfte Mitarbeiter nach dem hoch stabilen Hightech Mekka Griechenland ausgelagert. Vermutlich sind die 50 die nun gehen müssen auch schon keine Schweizer.
    0 0 Melden
  • Jérôme 16.04.2015 19:03
    Highlight War leider absehbar. Der Titel ist aber falsch/missleitend. L+G hat 400 Mitarbeiter, 50 machen jeden 8. Was die gesamte Produktion ausmacht.
    1 0 Melden
  • Jay_Jay 16.04.2015 17:07
    Highlight Ja ja der starke Franken ist daran Schuld, wer's glaubt!!!
    3 1 Melden

Wir alle wollen pünktlich unsere Geschenke haben – doch die Paketboten leiden darunter

Die Rabattschlacht, die für die Online-Shops ein einträgliches Geschäft ist, bedeutet Hochsaison für die Paketlieferdienste – das bedeutet Überstunden.

Seit zwei Jahren tobt auch in der Schweiz der Black Friday, diese aus den USA importierte Rabattschlacht. Mit dem Cyber Monday, dem kleinen digitalen Bruder des Black Friday, wird der Start des Weihnachtsgeschäfts im Internet am Montag gestartet. Auch auf den digitalen Wühltischen beginnt dann die Schnäppchenjagd.

Die Rabattschlacht, die für die Online-Shops ein einträgliches Geschäft ist und zudem eine Möglichkeit, Restposten vor dem eigentlichen Weihnachtsgeschäft loszuwerden, bedeutet …

Artikel lesen