Wirtschaft
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Headquarters of the Bank for International Settlements BIS, pictured on March 23, 2010 in Basel, Switzerland.  (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Der Hauptsitz der Bank fuer Internationalen Zahlungsausgleich BIZ in Basel, aufgenommen am 23. Maerz 2010. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Der BIZ-Turm in Basel. Bild: KEYSTONE

«Möglicherweise zerstörerischer Umschwung»

BIZ sieht grosse Risiken bei Europas Geldhäusern

Europas Banken befinden sich weiter in einer kritischen Situation. Davor warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem Jahresbericht. Ihr Chefökonom fürchtet, konservative Grossanleger könnten neue Finanzmarktturbulenzen auslösen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Auch fast sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise befindet sich insbesondere Europas Bankensektor nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weiter in einer kritischen Situation. Weltweit habe die Branche zwar wieder recht gut Tritt gefasst, allerdings bleibe die Lage gerade in Europa angespannt, heisst es im am Sonntag in Basel veröffentlichten Jahresbericht der «Bank der Zentralbanken». 

Der Handlungsbedarf sei weiter gross, um die Banken widerstandsfähiger und ihre Geschäftsmodelle langfristig tragfähig zu machen. Gerade in Europa sei die hohe Verschuldung der Institute weiter ein Risiko. Allerdings räumt die BIZ ein, dass die Institute in der Eurozone zuletzt im Zusammenhang mit dem laufenden Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank diese Probleme verstärkt angingen. Die Institute machten nun anscheinend Ernst damit, in ihren Bilanzen aufzuräumen und Problemanlagen abzuschreiben. 

Chefökonom warnt vor Risiken bei Grossinvestoren

Die BIZ dient als Plattform für den Austausch von Notenbankern in aller Welt und war eine der wenigen Institutionen, die vor der schweren Finanzkrise der Jahre 2007/08 gewarnt hatten. Ihr Jahresbericht gilt unter Fachleuten als eine bedeutende Analyse von Weltwirtschaft, Geldpolitik und Finanzwirtschaft. Darin heisst es, ausserhalb des Euroraums - vor allem in den USA - hätten sich die Gewinne der Banken im vergangenen Jahr wieder deutlich verbessert. Dagegen sei in der Eurozone angesichts von Staatsschuldenkrise und der verbreitet schwierigen Konjunktur die Ertragslage trüb geblieben. 

Insgesamt habe der Sektor weltweit seit der Krise seine Puffer verstärkt, indem Gewinne einbehalten wurden. Zugleich senkten die Banken ihren Bestand an Risikopositionen. Allerdings bemängelt die BIZ dabei, dass dies auch daran lag, dass die Institute einfach optimistischere Risikomodelle anwendeten. Bei der Berechnung dieser Werte forderte die Notenbanker-Institution nun erneut mehr Transparenz, um das Vertrauen in die Stabilität der Banken zu stärken.

Neue Turbulenzen auf den Finanzmärkten könnten durch eigentlich als eher konservativ geltende Grossinvestoren wie Pensionsfonds oder Vermögensverwalter ausgelöst werden. Während viele Banken immer noch ihre Wunden nach der jüngsten Krise leckten, gingen diese angesichts der weltweit niedrigen Zinsen immer höhere Risiken ein, unter Druck teils garantierte Erträge erwirtschaften zu müssen, sagte der neue Chefvolkswirt der BIZ, Hyun Song Shin, der Nachrichtenagentur Reuters. «Aktuell sieht alles zwar sehr gut aus, aber es baut sich möglicherweise ein schmerzhafter und sehr zerstörerischer Umschwung auf.» 

Für den südkoreanischen Ökonomieprofessor sind insbesondere die geringen Schwankungen der Notierungen an den Weltmärkten ein Warnsignal. Durch die aus seiner Sicht trügerische Ruhe werde verdeckt, dass einzelne Investoren schon heute immense Risiken aufgebaut hätten. (fab/dpa/Reuters)



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