Wirtschaft

Wertvolle Stückchen des angeblich besten Fleischs der Welt. bild: shutterstock

Fleischeslust

«Von einem anderen Planeten»: Das teuerste Fleisch der Welt kommt in die Schweiz

Endlich teilt Japan sein bestgehütetes Staatsgeheimnis mit dem Westen und lässt Fleischliebhabern das Wasser im Mund zusammenlaufen: Seit neustem gibt es echtes Kobe-Beef in der Schweiz zu kaufen. 

05.08.14, 06:38 05.08.14, 17:07

Sie haben schon mal Kobe-Beef ausserhalb Japans gegessen? Ja? Dann haben Sie leider noch nie Kobe-Beef gegessen. Das wahre Kobe gab es nämlich bis vor zwei Wochen in der Schweiz nicht. Es ist das Fleisch der reinrassigen Tajima-Rinder aus der japanischen Präfektur Hyogo mit Verwaltungssitz in Kobe. Das Gourmetstück muss von einem zertifizierten japanischen Züchter stammen, einem, der es irgendwie geschafft hat – sei es durch Beziehungen oder Geld – in den Verband der Wagyu-Züchter aufgenommen zu werden. 

Die Feinst-Marmorierung zeugt von echtem Kobe-Beef. Bild: Luma delikatessen

Was Sie gegessen haben, war wahrscheinlich Fleisch aus den USA oder Australien. Es stammte allenfalls von den 30 Tieren ab, die in den 70er Jahren den Weg in die USA schafften, bevor die japanische Regierung auf den Plan gerufen wurde. Vielleicht kam es aus einer dieser Zuchten, die nahe an die Qualität des Kobe herankommen. Oder aber Sie kamen in den Genuss eines echt geschmuggelten Kobe. Schlimmstenfalls haben Sie es selber geschmuggelt. Lassen wir das. 

Kobe-Beef kommt in die Schweiz

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Kobe-Beef – zu teuer oder jeden Rappen wert?

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187 Votes zu: Kobe-Beef – zu teuer oder jeden Rappen wert?

  • 32%Ich zahl doch nicht 540 Franken für ein Kilo Fleisch!
  • 8%Eine Köstlichkeit, die ihr Geld wert ist.
  • 59%Einmal probieren würd ich schon gerne.

Jetzt ist es definitiv in der Schweiz angekommen. Das teuerste Fleisch der Welt, Japans Staatsheiligtum. Jenes sagenumwobene Rindfleisch, für das Köche töten und Feinschmecker ihre Mütter verkaufen würden. Die Japaner witterten endlich das Geschäft und liessen 2013 drei Schlachthöfe nach EU-Sicherheits-und Qualitätsstandards zertifizieren, um es exportieren zu können.

Die ersten, die es jetzt geschafft haben, das wahre Kobe in die Schweiz zu bringen, sind Marco Tessaro und Lucas Oechslin von Luma Delikatessen. Die beiden Jungs aus Schaffhausen haben sich in Haute-Cuisine-Kreisen einen Namen gemacht mit ihrer Idee, Fleisch durch einen speziellen Schimmelpilz zu veredeln. In eben diesen Kreisen knüpften sie auch die Kontakte, die sie jetzt, ein paar Jahre nach der Gründung von Luma, brauchten, um an das wertvolle Fleisch vom Wagyu (Wa=Japan, gyu=Rind), heranzukommen. 

Und mit «wertvoll» ist vor allem «extrem teuer» gemeint. Ein Kilo des wahren Kobe-Beef-Striploin kostet 540 Franken, ein Steak davon 162. «Das lohnt sich!», sagt Marco Tessaro mit Inbrunst. Obwohl er persönlich die Qualität aus anderen Präfekturen bevorzugt, welche genauso gut wie Kobe, aber um einiges günstiger sind. 

Fleisch wie ein Stück Butter – dank Sake-Massagen?

«Das ist Fleisch von einem anderen Planeten», sagt Tessaro: «Kobe zerbeisst man nicht, Kobe zerdrückt man leicht auf der Zunge, während sein Fleischgeschmack im Mund explodiert.» Man könne nicht viel davon essen, so hoch sei sein Fettgehalt. Kobe zergehe auf der Zunge wie ein Stück Butter. 

Und dennoch soll es gesund sein. Ernährungswissenschaftler sagen ihm einen der höchsten Anteile an ungesättigten Fettsäuren nach. Kobe lässt den Cholesterinwert im Blut sogar sinken. 

Das ist aber lange nicht alles, was die Legendenbildung um das sagenhafte Fleisch über die Jahrhunderte nährte: Die Wagyus würden täglich mit Sake einmassiert, mit Bier getränkt, im Stall würden sie mit klassischer Musik berieselt und jedes Tier habe einen eigenen Physiotherapeuten, hört man. Davon stimmt: «Nur wenig bis fast gar nichts», sagt Tessaro. 

Die unbezahlbaren Gene eines Edel-Rindes

«Das Tajima-Rind besitzt eine ganz besondere Genetik», sagt er. Das seit Jahrhunderten unverändert gebliebene Erbgut der Rinder macht es ihnen möglich, so viel Fett anzulegen, dass dieses unvergleichliche Fleisch entsteht. Jedes Tier verfügt über einen dokumentierten Stammbaum, der eine lückenlose Rückverfolgung vom Händler bis zum Züchter ermöglicht. 

Rinder wie alle anderen: Tajimas. Bild: AP The Post-Standard

Trinken tun die Rinder denn auch kein Bier, sondern sie kriegen Nahrung wie jede Kuh: Mais, Heu, Kraftfutter. Dass der eine oder andere japanische Bauer noch sein spezielles Getreide einfliegen lässt, möchte Tessaro aber nicht ausschliessen. Klar ist: «Fleisch wird gut, wenn sich das Tier wohl fühlt», sagt Tessaro. Regelmässige Duschen, viel Auslauf und wenig Stress gehört zum Alltag der Tajima-Rinder. Sie werden zwischen 600 und 1000 Kilogramm schwer und zwischen 30 und 32 Monaten alt. Ein Schweizer Rind lebt meist nur zwischen 11 und 18 Monaten. Zum Kobe wird das Beef aber erst, wenn es in der Region Kobe gelebt hat und auch da geschlachtet wurde.

Das erste Schweizer Kobe gibt es im Online-Shop von Luma Delikatessen zu kaufen: «Nur salzen!» beim Zubereiten, betont Tessaro.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kastigator 05.08.2014 15:50
    Highlight «Von einem anderen Planeten»: Das teuerste Fleisch der Welt kommt in die Schweiz --- Ja, ist das Fleisch jetzt von einem anderen Planeten oder doch von dieser Welt? Man kommt nicht so recht draus - der/die titelsetzende RedaktorIn allerdings auch nicht. Bizli Sprachgefühl bitte.
    2 17 Melden
  • Brunewald 05.08.2014 13:02
    Highlight Ich war geschäftlich schon mehrere Male in Japan und hatte das Vergnügen in exklusive Restaurants eingeladen zu werden und auch mehrmals "Kobe" Fleisch zu geniessen. Allerdings wurde mir gesagt, dass ein japanischer Feinschmecker das selbe Fleisch aus andern Präfekturen als aus Kobe vorziehen, da es weit besser und günstiger sei. Ich ziehe ein gutes Stück hiesiges Bio Rindfleisch, richtig abgehangen und sorgfältig zubereitet für einen Zehntel des Preises jedem Kobe Steak vor!
    8 10 Melden
  • Tomlate 05.08.2014 12:09
    Highlight Jeden Tag verhungern unzählige Menschen auf diesem Planeten und wir diskutieren darüber, ob wir 540 Franken für ein Stück Fleisch zahlen würden.
    13 16 Melden
    • goschi 05.08.2014 13:58
      Highlight Wieso liest du den Artikel, statt die Zeit zu nutzen, Reis für hungernde Menschen anzubauen?
      Hast du etwa auch noch ein teures Smartphone, statt das Geld an arme Menschen zu spenden und mit einem Billighandy auszukommen?

      Tust du das alles nicht?
      Wieso?

      Oder könnte es doch sein, dass das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat und teures Essen keinen Hungernden noch mehr hungern lässt?
      20 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.08.2014 15:04
      Highlight Leere worte - die verhungern genauso ob sie nun im luxus oder im konsumverzicht leben. Nur selbst direkt etwas bewirken fuehrt zu veraenderungen.

      Im uebrigen , von den gleichen leuten, die sich den luxus solchen fleisches leisten (oder koennten) erhalten viele soziale projekte ebenso regelmaessig grosszuegige beihilfen.
      16 0 Melden
  • grogi 05.08.2014 10:03
    Highlight Das ist nur eine Frage des Marketings. Ich hätte auch noch einen verschimmelten Schinken im Kühlschrank, aber leider bin ich ein schlechter Verkäufer.
    13 16 Melden
  • chrigel60 05.08.2014 09:28
    Highlight ich durfte einmal in einem Menü ein kleines Stück Wagyū-Rind kosten, es schmeckte mir gut doch würde ich selber den Preis im Laden dafür nie bezahlen!
    8 2 Melden
  • goschi 05.08.2014 09:08
    Highlight Irgendwann mal ausprobieren will ich dies definitiv, man soll ja immer nur über Dinge urteilen, die man kennt und gutes Fleisch ist immer ein Hit.
    Ich gebe DPME aber Recht, dass bisher Bisonfleisch aus dem Jura etwas vom besten ist, was man an Fleisch essen kann, sehr, sehr lecker, da muss Kobe-Rindlfeisch sich wirklich anstrengen um das zu toppen.
    4 4 Melden
  • Tobias K. 05.08.2014 09:03
    Highlight Ich liebe Fleisch. Aber bei 540.- / Kg hörts dann bei mir auch auf. Bei Japanischem Fleisch würde mich interessieren, ob der Geigerzähler ausschlägt. :-)
    14 11 Melden
  • Elias Herum 05.08.2014 08:07
    Highlight Mich würde mal wunder nehmen wieviel der 540.-/kg an den Bauern geht? Das steht nähmlich an keiner Stelle geschrieben!! Wahrscheinlich wird es noch weniger sein als die 7 bis 8.- die eine schweizer Bauer im durschnitt für ein Kilo bekommt! Hier wird wie überall nur der kleine Mann ausgenutzt und der Handel / Importeur kassiert ab. Ich könnt kotzen wenn ich so was lese!!!
    9 28 Melden
    • goschi 05.08.2014 09:03
      Highlight Mach dir keine Sorge, die Kobe-Bauern leben gut davon, sehr gut sogar deswegen ist die Lizenz Wagyu zu züchten auch so begehrt (und beschränkt).
      Aber schön, dass man den Klassenkampf auch auf gutes Essen ausdehnen kann, wenn man nur will ;-)
      25 2 Melden
    • Zappenduster 05.08.2014 09:28
      Highlight ...und das obwohl du nicht die geringste Ahnung hast. Wenn ma sonst keine Sorgen hat.
      14 0 Melden
  • DPME 05.08.2014 07:28
    Highlight Was neues für die Zürcher Cervelat Promis, die kaufen es bestimmt. An der Goldküste gibt es nun auch noch Kobe Beef beim Grillfest.
    Ich habe das Fleisch erstmals vor 20 Jahren im Londoner Stadtviertel St James gekostet. Schmacksache, aber mir gefiel es nicht.
    Lieber ein feines Bison Steak aus der Romandie :)
    16 7 Melden
  • MediaEye 05.08.2014 07:09
    Highlight Und wieder ein reisserischer und auch beleidigender Texthead, diskriminierend zudem; was soll das ???
    1 27 Melden
    • goschi 05.08.2014 09:05
      Highlight Was ist an dem beleidigend?
      "«Von einem anderen Planeten»: Das teuerste Fleisch der Welt kommt in die Schweiz"
      Also das ist noch nichtmal reisserisch, da müssen Sie mir jetzt aber genauer erläutern, was Sie daran beleidigt.

      Noch kein Frühstück gehabt? Hunger drückt auf das Textverständnis. ;-)
      18 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 05.08.2014 06:59
    Highlight Dekadent. Was anderes fällt mir dazu nicht ein. Oder doch... widerlich sieht es auch aus.
    10 25 Melden
  • Hugo Wottaupott 05.08.2014 06:47
    Highlight Das teuerste Fett der Welt!
    19 9 Melden

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