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Bild: shutterstock.com

Wie geht es eigentlich dem analogen Film?

Das Warten, bis ein Foto entwickelt ist, das umständliche Fummeln, bis der Film eingelegt ist, all das ist für die meisten längst vorbei. Noch lebt die analoge Fotografie – allerdings in einer Nische. 

01.09.15, 08:02 01.09.15, 10:36


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Bei Europas grösstem Fotodienstleister Cewe passt die analoge Welt inzwischen in eine kleine Ecke der riesigen Firmenhallen. Wie eh und je werden dort die Filmdosen aus den Versandtaschen geholt. Die kleinen bunten Metallgehäuse landen in der Sammeltonne. Ein bisschen abseits werden Plastik-Einweg-Kameras in Handarbeit geknackt. Es riecht nach Chemikalien. Hier werden Negative entwickelt.

«Wir werden die letzte Firma sein, die das macht. Aber wir ziehen das durch», sagt Olaf Holzkämper, der als Cewe-Finanzvorstand weiss, dass der Analog-Welt nicht die Zukunft gehört. 2014 produzierte das Unternehmen 2,29 Milliarden Fotos. Nur noch 3,9 Prozent davon stammten von Foto-Filmen. Der Rest kam digital vom Chip. Dazu passt, dass der Verkauf von Filmen in Deutschland von 2000 bis 2013 um 97 Prozent zurückgegangen ist.

Der Siegeszug der Digitalkameras und Smartphones hat den Analog-Markt binnen einer Dekade praktisch implodieren lassen. Auch Cewe geriet unter Druck. Die Oldenburger mussten von 2004 bis 2010 elf Betriebe mit 1200 Mitarbeitern schliessen. Der Umstieg von analog auf digital hat 55 Millionen Euro gekostet.

Ein kleine Gruppe stellt sich gegen den Trend

Auf Konsumentenseite trotzt eine kleine Analog-Gemeinde dem Trend. Primär sind es ältere Kunden, die nicht umstellen wollen oder können. Aber auch Kunstschaffende schätzen die Technik, einige weil sie kein Ad-hoc-Ergebnis sehen, sondern den Spannungsbogen bis zur Entwicklung halten wollen. «Vor allem geht's dabei aber um Authentizität. Ein Negativ kann nicht verfälscht werden», sagt Dagmar Göthel, die als Einzelhandelskauffrau seit 30 Jahren in der Fotobranche ist. Sie arbeitet im Bremer Fachgeschäft Foto Bischoff, das eine fast 90-jährige Firmentradition hat. Die Kameras in den Schaufenstern sind alle digital – mit Ausnahme der kleinen Minolta-Kamera Freedom. «Ein Restposten», heisst es.

Die Zahlen sind eindeutig. Wurden 2000 in Deutschland noch vier Millionen analoge Kameras und nur 580'000 digitale verkauft, war das schon 2010 ganz anders: Von den 8,65 Millionen Kameras waren in jenem Jahr 8,62 Millionen digital und nur noch 30'000 analog. Inzwischen haben Smartphones auch das Geschäft mit Digitalkameras geschrumpft: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nur noch 4,61 Millionen Geräte verkauft – inklusive der boomenden Action-Kameras.

Der bekannteste Verlierer des digitalen Wandels der Branche ist der US-Konzern Kodak, bei dem nicht nur die Weichen für analoge Fotografie gestellt, sondern auch die Digitalkamera erfunden wurde. Doch die Manager wollten das Kerngeschäft nicht gefährden und hielten die Innovation zurück. Am Ende musste Kodak 2012 Insolvenz anmelden und versucht nun sein Glück als Spezialist für digitalen Druck.

Auch analoge Bilder werden digitalisiert

Die Grenzen verschwimmen aber, wenn man weiss, dass auch bei Cewe die Negative analoger Filme gescannt, digitalisiert und dann gedruckt werden. Ob analog oder digital – das Foto auf Papier ist dann doch sehr traditionell. «Es geht letztlich um die Emotion, die man in einem Foto festhalten will», sagt Holzkämper. «Und Emotionalität bleibt als physisch fassbares Produkt einfach besser erhalten.»

Zugleich ist es so, dass die Menschen so viele Bilder wie nie zuvor machen – aber deutlich weniger als früher auf Papier drucken lassen. Die Aufnahmen landen oft bei Facebook oder werden per Kurznachricht verschickt. Bei Cewe wurden 2004 noch über 3,5 Milliarden Farbfotos gedruckt – vergangenes Jahr waren es über ein Drittel weniger. Der Umsatz war mit 524 Millionen Euro aber um rund 100 Millionen höher als damals – weil die digitalen Bilder die Tür zu einem Geschäft mit Fotobüchern oder Geschenkartikeln geöffnet haben. (dpa/spiegel online)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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