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Roboter mit menschlichem Schädel

Wird eine künstliche Superintelligenz die Menschheit auslöschen? Wir wissen nur, dass sie nicht kontrollierbar wäre.  Bild: Shutterstock

Wenn der Chip im Schuh schlauer ist als sein Besitzer – der Weg zur Superintelligenz

Computer werden immer schlauer. Bald könnte ihre Intelligenz die menschliche übertreffen. Was dann?

05.03.17, 14:54 15.02.18, 16:09


Ein Chip in meinem Schuh ist intelligenter als ich selbst – willkommen in der Welt der superintelligenten Maschinen. Der drastische und für unsere Spezies wenig schmeichelhafte Vergleich stammt von Masayoshi Son. Der japanische Milliardär machte damit auf dem Mobile World Congress in Barcelona deutlich, dass Computer schon bald schlauer als wir sein werden.

Masayoshi Son, President and Chief Executive Officer of Softbank, delivers his keynote speech at Mobile World Congress in Barcelona, Spain, February 27, 2017.   REUTERS/Paul Hanna

Schlauer Chip im Schuh: Softbank-Gründer Son auf dem Mobile World Congress in Barcelona.  Bild: PAUL HANNA/REUTERS

«Das wird in den nächsten 30 Jahren zur Realität», sagte der Gründer und Chef des japanischen Mobilfunk-Anbieters Softbank. «Alles, was wir jetzt sehen, ist erst der Anfang», sekundierte ihm der Technikchef des IBM-Supercomputers Watson, Rob High. Während man heute bei einem IQ von 200 von einem Genie spreche, würden Computer damit vergleichbar einen IQ von 10'000 erreichen, prognostizierte Son. Das sei Super-Intelligenz.

Bild: Giphy.com

Super-Intelligenz klingt gut – aber was soll man sich darunter vorstellen? Wenn wir ehrlich sind: Wir können uns gar keinen adäquaten Begriff davon machen. Es ist etwa, als sollte ein Hund sich Gedanken über das Konzept der Jungfrauengeburt machen. Eine Intelligenz, die derart höher entwickelt ist, ist für uns schlicht nicht zu fassen. 

Schwache künstliche Intelligenz ist schon überall

Super-Intelligenz – die Extremform der künstlichen Intelligenz (KI) – gibt es noch nicht. Was es allerdings sehr wohl gibt, ist sogenannte «schwache künstliche Intelligenz». Diese wird für spezielle Anwendungen entwickelt und genutzt.

Ein Beispiel für schwache KI ist ein Schachprogramm: Es beherrscht nur Schach, aber das besser als jeder Mensch. Schwache KI ist schon überall im Einsatz: in unseren Handys und Autos, in Flugzeugen und Flughäfen, bei der Sprach- und Zeichenerkennung, in Navigationssystemen oder an der Börse. Und sie erobert ständig neues Terrain: Erst vor knapp einem Jahr besiegte die Deepmind-Software AlphaGo den weltbesten Go-Spieler sang- und klanglos. Damit fiel eine weitere Bastion der menschlichen Überlegenheit. 

epa05207203 South Korean Go player Lee Se-dol places his first stone to begin his third match with Google's artificial intelligence program AlphaGo in Seoul, South Korea, on 12 March 2016. Lee lost to AlphaGo in both previous games.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT

Lee Sedol, der weltbeste Go-Spieler, verlor 1:4 gegen die Deepmind-Software aus dem Hause Google.  Bild: EPA/YNA

Das Mooresche Gesetz gilt bald nicht mehr

Starke künstliche Intelligenz – also eine Intelligenz, die der des Menschen gleichkommt – ist dagegen nach wie vor Zukunftsmusik. Ein Computer, der in allen möglichen intellektuellen Bereichen dem Menschen das Wasser reichen kann, existiert bisher nicht. Der anfängliche Optimismus in der KI-Gemeinde ist angesichts der Schwierigkeiten mittlerweile nahezu verflogen. 

Künstliche Intelligenz im Kino: Gnadenlose Schaltkreise

Dazu kommt, dass ein wichtiger Motor des Fortschritts hin zur starken KI zu stottern beginnt: die stürmische Entwicklung der Rechenleistung, die sich zum Beispiel daran ablesen lässt, dass ein ordinäres heutiges Smartphone 120 Millionen Mal die Rechenleistung des Steuercomputers des Apollo-Mondprogramms der Nasa besitzt.

Alle zwei Jahre verdoppelte sich bisher die Anzahl der Schaltkreiskomponenten auf einem integrierten Schaltkreis – so, wie es das 1965 formulierte Mooresche Gesetz vorhersah. Doch allmählich nähern sich die Chip-Hersteller einer physikalischen Grenze: Mit der aktuellen Siliziumtechnologie ist bei sieben oder fünf Nanometer Schluss; kleiner können die Leiterbahnen nicht mehr werden. 

Das Gehirn als Blaupause für die Maschine

Die Rechenleistung allein genügt ohnehin nicht, um Maschinen so smart wie Menschen zu machen. Schnelle Computer brillieren darin, horrende Zahlenmengen in Sekundenbruchteilen abzuarbeiten, doch wenn es beispielsweise darum geht, eine Katze in einer Kinderzeichnung zu erkennen, ist die Qualität der Software entscheidend. 

«Silicon Valley meets Switzerland»

Künstliche Intelligenz ist das Thema an der Veranstaltung «Silicon Valley meets Switzerland». Sie findet am 31. März 2017 im Palazzo dei Congressi in Lugano statt. Details unter: www.Siliconvalleymeetsswitzerland.com

Beim Versuch, Rechner so intelligent wie das menschliche Hirn zu machen, setzen manche Wissenschaftler darauf, ebendieses Gehirn als Blaupause für die Maschine zu benutzen. Aus Erfahrung lernende neuronale Netzwerke sollen die Funktionsweise unseres Denkorgans nachahmen. Das derzeit ambitionierteste Projekt in dieser Hinsicht ist das Human Brain Project an der Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne (EPFL).

Ein anderer Ansatz verspricht möglicherweise mehr Erfolg: Software programmiert Software – und verbessert sich dabei ständig selber. Dies tut beispielsweise DeepCoder, eine von Microsoft Research und der University of Cambridge entwickelte Software. Diese künstliche Intelligenz baut Software, indem sie bereits bestehende Programme scannt und zweckdienliche Code-Zeilen für ihre Problemlösung wiederverwendet – und dies in Sekundenbruchteilen. Nicht genug damit: DeepCoder bringt sich auch selber bei, welche Programmcodes funktionieren und welche nicht. Damit steigert der Algorithmus seine Leistungsfähigkeit mit jeder neuen Aufgabe. 

Deep Coder

Software, die Software scannt: DeepCoder holt sich Code-Zeilen, die für die jeweilige Zielvorgabe geeignet sind. Bild: vijay sridhar

Auf dem Weg zur «technologischen Singularität»

Noch hat kein Programmierer wegen DeepCoder seinen Job verloren. Doch sollten diese und ähnliche Projekte zur Reife gelangen, könnte bald ein spezifischer Moment näherrücken, der von manchen ersehnt, von anderen gefürchtet wird: die technologische Singularität. Der Mathematiker und Schriftsteller Vernor Vinge prägte diesen sperrigen Begriff im Jahr 1993. Er bezeichnet den Moment, in dem die technologische Entwicklung sich explosionsartig beschleunigt und nicht mehr mit herkömmlichen Begriffen zu fassen ist. 

Falls nämlich sich selbst verbessernde Software das Niveau der menschlichen Intelligenz – und damit der starken KI – erreicht, wird sie dort aller Aussicht nach nicht stehenbleiben. Die Entwicklung verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Während es womöglich Jahrzehnte dauert, bis ein Computer die intellektuellen Fähigkeiten eines Vierjährigen erreicht, benötigt er von da an vielleicht nur noch Stunden, um klüger als jeder lebende Mensch zu werden. 

Die intelligenten Roboter kommen: Diesen Jobs gehts an den Kragen

Kurz darauf würde dann die technologische Singularität eintreten, wenn die künstliche Intelligenz das Niveau der Super-Intelligenz erreicht. Was dann mit der Menschheit und dem Planeten geschieht, ist unmöglich vorauszusehen. Die Herrschaft des Menschen wäre jedenfalls in Frage gestellt:    

«Within thirty years, we will have the technological means to create superhuman intelligence. Shortly after, the human era will be ended.»

«Binnen dreissig Jahren werden wir über die technischen Mittel verfügen, um eine übermenschliche Intelligenz zu schaffen. Kurz danach wird die Ära des Menschen beendet sein.»  Vernor Vinge

Die Lösung aller Probleme?

Manche Wissenschaftler, wie zum Beispiel der Futurologe und Google-Berater Ray Kurzweil, sind optimistisch: Sie erhoffen sich von einer wohlwollenden Superintelligenz die Lösung all jener Probleme, mit denen die Menschheit bisher nicht fertig geworden ist: Krieg, Krebs, Klimawandel. Selbst die Unsterblichkeit des Menschen läge dann plötzlich im Bereich des Möglichen. Für eine Intelligenz, die so weit über unserem intellektuellen Niveau steht wie wir über dem eines Hamsters, müsste dies ein Leichtes sein. 

Andere warnen vor der Macht einer solchen Superintelligenz. Der Informatiker und Autor Anthony Berglas fürchtet sogar die Auslöschung der Menschheit durch superintelligente Maschinen. Auch der in Oxford lehrende Philosoph Nick Bostrom weist in seinem Buch «Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution» auf die Risiken einer Superintelligenz hin. So wie heute das Schicksal der Gorillas in den Händen der Menschen liege, würde unsere Zukunft von den Entscheidungen dieser Superintelligenz abhängen, warnt Bostrom. 

TEDTalks: «What happens when our computers get smarter than we are?». Video: YouTube/TED

Sicher ist nur – da sind sich Optimisten und Pessimisten einig –, dass eine künstliche Intelligenz dieses Formats nicht kontrollierbar ist. Sie wäre für uns wie ein Gott, den wir uns selbst erschaffen haben – zu unserem Wohl, oder zu unserem Verderben. 

(Mit Material der Nachrichtenagentur sda)

Computer-Revolution: Google und Nasa präsentieren Quantencomputer

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Firefly 05.03.2017 16:26
    Highlight Naja, heute könnte man auch einen rudimentären Taschenrechner als KI verkaufen. Er rechnet schneller als ich, und wohl alle Menschen, keine Frage. Aber sonst hat er nicht viel auf dem Kasten, die Welt übernehmen wird er wohl nicht.
    8 17 Melden
    • fcsg 06.03.2017 08:04
      Highlight Nein, ein Taschenrechner kann lediglich Regeln anwenden, welche Menschen ihm programmieren. Dies hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern ist lediglich ein Hilfsmittel, welche niemals dazulernen wird. KI hingegen kann Regeln weiterentwickeln oder sogar ganz neue erschaffen.
      4 2 Melden
    • Firefly 06.03.2017 10:09
      Highlight @fcsg: Jegliche heutige KI kann nur Regeln anwenden, welche man programmiert. Werden Regeln weiterentwickelt oder neu erschaffen, wie Sie sagen, geschieht dies auch nach vorgegeben Regeln.
      4 0 Melden
  • blobb 05.03.2017 16:03
    Highlight Super Artikel!
    Ich denke, bevor es einen Durchbruch bei der KI geben kann, braucht es zuerst einen Durchbruch in der Neurologie. Das mit den "in 30ig Jahren" hat man schon in den 30er gesagt, oder den 50er, oder in den 80er usw.
    We will see. Aber man sollte die menschliche Intelligenz und was unser Gehirn leistet nicht unterschätzen.
    20 1 Melden
    • mrmikech 05.03.2017 17:44
      Highlight ... aber auch nicht überschätzen.
      4 4 Melden
    • Firefly 05.03.2017 18:34
      Highlight Mrmikech, was das menschliche Gehirn mit dem Bisschen Energie das es kriegt leistet, davon können KI nur träumen... ; )
      9 2 Melden
  • Gigi,Gigi 05.03.2017 16:01
    Highlight Wenn die Superintelligenz nur ein wenig intelligenter ist als der intelligenteste Mensch, schafft sie diesen so schnell wie möglich ab. Wohlwollend für die alle anderen Geschöpfe der Erde. Und alle Probleme sind auf einen Schlag gelöst! Krieg, Krebs, Klimawandel, Umweltverschmutzung etc. Denn woher soll ein superintelligenter Computer oder Roboter eine Interesse daher haben, das Ungeziefer Mensch am Leben zu erhalten, geschweige denn noch an ein ewiges Leben? Wäre ja extrem dumm. Könnte man ja die Menschen weiter machen lassen.

    11 19 Melden
    • Midnight 05.03.2017 16:14
      Highlight 1. Gibt es Krebs nicht nur beim Menschen und 2. kann der Mensch diese Peobleme im Grunde auch selber lösen. Technologie nutzen wir inzwischen aber als Hilfsmittel um genau dies zu tun. Wäre ja schön blöd, wenn genau dieses Hilfsmittel plötzlich das exakte Gegenteil tun würde? Oder verursachen selbstfahrende Autos etwa vorsätzlich Unfälle?
      7 1 Melden
  • SVARTGARD 05.03.2017 15:58
    Highlight Ich lass mir vom meinem Schuh nichts sagen.
    Der kann mich mal.
    15 6 Melden
  • Rabbi Jussuf 05.03.2017 15:52
    Highlight Mancher Schuh ist jetzt schon schlauer als sein Besitzer - ganz ohne Chip.
    24 2 Melden
  • smoking gun 05.03.2017 15:38
    Highlight Computer besitzen weder Kreativität noch Fantasie. Rechenleistung und schöpferische Kraft sind nicht dasselbe.
    15 18 Melden
    • Stellklaus 05.03.2017 16:31
      Highlight Davon ausgehend, dass unser Gehirn eine biochemische Maschine ist, ist auch unsere Kreativität nichts anderes als das Ergebnis von Prozessen in diesem "Computer". Es gibt kein Grund anzunehmen, dass KI nicht genauso oder noch viel kreativer sein kann.
      17 8 Melden
    • smoking gun 05.03.2017 16:47
      Highlight Sorry, nehme meine Aussage zurück. Offensichtlich gibt es bereits Sozial-Bots, die hier mitlesen. Und weil ich ihnen die Fähigkeit zur Kreativität abgesprochen habe, hat es nun Blitze gehagelt. Ich bitte um Verzeihung, superschlaue Mega-Bots.
      7 15 Melden
    • Stellklaus 05.03.2017 17:01
      Highlight Lustig, aber eben, wenn Sie dem menschlichen Bewusstsein nicht eine metaphysische Ebene unterstellen, ist Kreativität nichts, was nicht auch von einem Computerprogramm erzeugt werden kann.
      16 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • http://bit.ly/2mQDTjX 05.03.2017 15:38
    Highlight Vielleicht wird uns dann die "Superintelligenz" im Schuh eines Tages verständlich erklären können, was Intelligenz ist, bzw. wie Intelligenz aus dem Nichts heraus entstehen kann. Bisher gibt es nämlich weder für das eine noch für das andere eine Erklärung (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Turing-Test).

    Deshalb finde ich es immer etwas befremdlich, wenn Wissenschaftler von "künstlicher Intelligenz" oder gar "Superintelligenz" sprechen, ohne dass sie aber "Intelligenz" selbst definieren, geschweige denn erklären können. Das erscheint mir dann eher esoterisch als wissenschaftlich.
    7 14 Melden
    • blobb 05.03.2017 16:07
      Highlight "Deshalb finde ich es immer etwas befremdlich, wenn Wissenschaftler von "künstlicher Intelligenz" oder gar "Superintelligenz" sprechen, ohne dass sie aber "Intelligenz" selbst definieren, geschweige denn erklären können."

      Perfekt formuliert.

      Aber was meinst du mit: "...wie Intelligenz aus dem Nichts heraus entstehen kann"
      7 3 Melden
    • Midnight 05.03.2017 16:19
      Highlight Intelligenz ist nicht aus dem "Nichts" entstanden. Zudem wird diese sehr wohl definiert. Was sie meinen ist Selbstbewusstsein und allenfalls noch das "Leben" selbst. Künstliche Intelligenz ist noch vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen. Einer künstlichen Intelligenz aber ein Selbstbewusstsein zu geben, da fängt es dann an, kompliziert zu werden.
      7 2 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 05.03.2017 16:37
      Highlight Die Frage ähnelt derjenigen nach dem Leben. Wie kann sich totes Material so strukturieren, dass daraus (aus dem Nichts heraus) Leben entsteht?

      Sternenstaub an sich ist ja nicht wirklich "intelligent". Aber wie kann sich Sternenstaub so strukturieren, dass daraus sowas wie "Intelligenz" entsteht?

      Ich seh (nicht abschliessend) zwei mögliche Lösungen:

      1. Die Intelligenz ist bereits im Sternenstaub enthalten; oder

      2. die Intelligenz entsteht quasi "aus dem Nichts heraus", indem sich totes, nicht-intelligentes Material (zufällig?) zu etwas lebendigem und "intelligentem" verklumpt. Aber wie?
      6 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Christoph Schneider (1) 05.03.2017 15:37
    Highlight Sorry, aber so lange keine hinreichende Definition für Intelligenz vorliegt, gebe ich mich selbstverständlich in Sachen Rechenleistung jeder Maschine geschlagen.
    12 2 Melden
    • Midnight 05.03.2017 16:19
      Highlight Rechenleistung und Intelligenz ist aber nicht daselbe!
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