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Ein Betonklotz mitten in einem Park in Chicago markiert die Stelle, an der der erste Nuklearreaktor gebaut wurde. Es wird immer noch vor radioaktiven Rückständen gewarnt. Bild: DPA dpa

Sie veränderte die Welt: Vor 75 Jahren kam es zur ersten nuklearen Kettenreaktion

26.11.17, 12:03 26.11.17, 14:42

Das Experiment war so riskant, dass Enrico Fermi noch nicht einmal Universitätspräsident Robert Hutchins vorher darüber informierte. Auf einem Squash-Platz unter den Tribünen des Stadions der University of Chicago baute der Physiker Fermi abgeschirmt von Steinquadern den ersten Atommeiler und löste damit am 2. Dezember vor genau 75 Jahren die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion aus.

Knapp drei Dutzend Forscher wurden Zeugen, darunter der Physiker Samuel Allison. «Alle von uns wussten, dass mit dem Anbruch der Kettenreaktion die Welt nie wieder die selbe sein würde», schrieb er später. Heute erinnert Henry Moores Statue «Nuclear Energy» an der Stelle in Chicago, wo einst Fermis erster Meiler stand, an das historische Ereignis, das den Beginn des Atom-Zeitalters markierte.

Enrico Fermi war der Erste, der einen funktionierenden Nuklearreaktor gebaut hatte. Bild: DPA dpa

Wenn das Experiment schief gegangen wäre, wäre wohl ein grosser Teil Chicagos verstrahlt worden. Als Sicherheitsvorkehrung standen nur ein paar Wissenschaftler mit einer Axt und Eimern voller Kadmiumsulfat bereit. «Rennt so schnell ihr könnt hinter einen grossen Berg viele Meilen entfernt», hatte Fermi seinen Kollegen halb im Scherz als Notfallparole mit auf den Weg gegeben.

«In der neuen Welt gelandet»

Aber das Experiment am 2. Dezember 1942 klappte und der «Chicago Pile» produzierte Energie – allerdings so wenig, dass man davon noch nicht einmal eine einzige Glühbirne hätte leuchten lassen können. Trotzdem morsten die Forscher stolz nach Washington: «Der italienische Entdecker ist gerade in der neuen Welt gelandet. Alle sind gesund und froh.»

Hier entstand das erste US-Atomkraftwerk in Michigan, 1957. Die öffentliche Besichtigung der Baustelle führte zu einem grösseren Verkehrschaos. Bild: DPA dpa

Fermi hatte mit dem Experiment unter anderem beweisen wollen, dass sich der Kern von Uran unter dem Beschuss elektrisch neutraler Teilchen, den Neutronen, spalten lässt und dabei grosse Mengen Energie freisetzt. Ziel der Arbeiten im Rahmen des US-Atomprogramms «Manhattan Project» war die Gewinnung von Plutonium.

Der 1901 als Sohn eines Beamten und einer Lehrerin in Rom geborene Fermi war bereits weltberühmt, als er die erste nukleare Kettenreaktion auslöste. Nach der Ausbildung in Pisa hatte er unter anderem bei Max Born in Göttingen und Paul Ehrenreich im niederländischen Leiden weiterstudiert, in Florenz Mathematik gelehrt, und war in Rom zum Professor für Theoretische Physik ernannt worden.

Nobelpreisträger

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs floh Fermi mit seiner Frau, der jüdischen Schriftstellerin und Naturwissenschaftlerin Laura Capon, und den gemeinsamen zwei Kindern auf einem Unterseeboot der Alliierten vor den Faschisten in Italien nach Amerika. Die Entdeckung künstlich erzeugter Radioaktivität durch Neutronenbeschuss brachte ihm 1938 den Nobelpreis ein.

Nachdem er den Grundstein für Atomkraftwerke gelegt hatte, beteiligte sich Fermi im Rahmen des «Manhattan Project» am Bau der Atombombe. Rund zweieinhalb Jahre nach der Reaktor-Premiere in Chicago, am 16. Juli 1945, löste Fermi mit Robert Oppenheimer und anderen namhaften Physikern die erste Kernexplosion in der Wüste von New Mexico aus.

Dr. J. Robert Oppenheimer, Direktor des Manhattan Projekts. Bild: DPA dpa

Dem Test folgte nicht einmal drei Wochen danach der Abwurf von Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Da war längst allen klar geworden, welche Konsequenzen das Experiment auf dem Squash-Court unter den Tribünen des Stadions der University of Chicago gehabt hatte.

Der Gefahr bewusst

Inzwischen gibt es weltweit Hunderte Atomkraftwerke, die so gewonnene Energie macht unabhängiger von fossilen Brennstoffen. Aber der Prozess kann auch dramatisch schiefgehen, wie 1986 in Tschernobyl und 2011 in Fukushima. Die nukleare Bewaffnung ist zwar offiziell seit 1970 durch den Atomwaffensperrvertrag geregelt, führt aber trotzdem immer wieder zu gefährlichen Konflikten wie aktuell mit Nordkorea.

Kernphysiker Fermi, schon zu Lebzeiten berühmt für seine Intuition, war sich dessen stets bewusst. Schon vor dem Test der ersten Atombombe sah er es als «extrem wahrscheinlich» an, dass eines Tages in der Zukunft Nuklearwaffen «von kleinen Nationen oder sogar Gruppen gebaut werden».

Als der Wissenschaftler einmal von einem Fenster der Columbia University über die Dächer Manhattans blickte, soll er die Hände zu einer Kugel zusammengelegt und zu einem Kollegen gesagt haben: «So eine kleine Bombe – und all das hier würde verschwinden.» (leo/sda/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DonaldTrump_ 26.11.2017 16:09
    Highlight Googelt mal die Schweizer Kernschmelze aus dem Jahre 1969. Sehr interessant...und beängstigend zugleich.
    18 4 Melden
    • leu84 26.11.2017 18:52
      Highlight Lucens
      11 1 Melden
  • Toerpe Zwerg 26.11.2017 14:19
    Highlight Die Atomspaltung ist vermutlich die grösste Entdeckung der Menschheit. Nicht wegen ihren bisherigen Anwendungen und nicht wegen ihrem bisherigen Nutzen (oder Schaden), sondern weil sich die Menschheit damit eine Türe aufgestossen hat, welche über das blosse Überleben unter den natürlichen Bedingungen ihres Heimatplaneten hinausführen kann. Kernspaltung und Zerfallswärme (selbstredend auch eine Kernfusion) haben das Potential, theoretisch unabhängig von natürlichen Bedingungen, gar unabhängig von einer Sonne zu überleben.

    Kernreaktionen sind die Energiequellen des Universums.
    74 6 Melden
  • derEchteElch 26.11.2017 12:21
    Highlight Eigentlich müssten diese Herren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt werden.

    Die wissenschaftliche Entdeckung mag zwar bahnbrechend gewesen zu sein, doch das Leid, das alle erleiden mussten, ist unermesslich;

    Experimente in der Pazifik und der Nevada-Wüste, Atombomben, Fukushima, Tschernobyl und deren Folgeschäden, die Umweltverschmutzungen, das Endlager-Lösung immer noch nicht gelöst..
    30 111 Melden
    • Paganapana 26.11.2017 13:16
      Highlight Wissenschaftler entdecken und erforschen Dinge. Was daraus gemacht wird liegt dann nicht mehr un ihrer Verantwortung.
      67 5 Melden
    • Toerpe Zwerg 26.11.2017 13:30
      Highlight Und mit den Entwickern der Bronze oder den Erfindern des Schwarzpulver müsste ähnlich verfahren werden ...

      Vermutlich aber müsste die Menschheit wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt werden ... oh wait ...
      74 2 Melden
    • loquito 26.11.2017 13:41
      Highlight Erstes Herz ever an Elch...
      6 55 Melden
    • Sheez Gagoo 27.11.2017 03:22
      Highlight Schade das mwn nur einen Blitz verteilen kann.
      1 5 Melden

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