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kinder geschwister

Laut dem Psychologen Frank Sulloway sind die jüngsten Geschwister am rebellischsten.
Bild: shutterstock

Von wegen rebellisches Nesthäkchen: Unser Charakter entwickelt sich unabhängig davon, ob wir das grosse oder kleine Geschwisterchen sind

Perfektionistische Erstgeborene, soziale Sandwichkinder, rebellische Nesthäkchen? Eine Studie mit 20'000 Teilnehmern hat untersucht, ob die Persönlichkeit von der Reihenfolge der Geburten bestimmt wird.

21.10.15, 10:00


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Wie emotional, extrovertiert oder gewissenhaft ein Mensch ist, ist völlig unabhängig von der Position als Erstgeborener, Sandwichkind oder Nesthäkchen. Das berichtet ein internationales Forscherteam. Die Persönlichkeit erwachsener Geschwister wird demnach nicht von der Reihenfolge ihrer Geburten bestimmt.

Lediglich «winzige Unterschiede beim Intellekt» habe sie zusammen mit Kollegen in einer Studie festgestellt, sagt die Psychologin Julia Rohrer von der Universität Leipzig. Dass Erstgeborene im Durchschnitt ein klein wenig schlauer sind als ihre jüngeren Geschwister, war bereits vorher gezeigt worden. Allerdings seien die ermittelten Unterschiede «verschwindend klein».

Der in der Laienpsychologie verbreitete Glaube, die Reihenfolge der Geburten forme den Charakter, gehe insbesondere auf den US-Psychologen Frank Sulloway zurück, erklärte Rohrer. Er publizierte 1996 mit «Born to Rebel» («Der Rebell der Familie») eine Theorie, derzufolge Kinder in der Familie verschiedene Nischen besetzen.

Erstgeborene sah Sulloway zum Beispiel als perfektionistisch an, mittlere Kinder als sozial, Nesthäkchen als Rebellen. In der Wissenschaft sei die Theorie aber umstritten gewesen, meint die Forscherin Rohrer.

Geschwisterpositionen für den Lebenslauf

Mit Kollegen aus Leipzig und Mainz wertete sie Daten dreier fundierter Untersuchungen mit insgesamt mehr als 20'000 Teilnehmern in den Vereinigten Staaten, Grossbritannien und Deutschland aus. Das Team wollte prüfen, ob die Geschwisterposition für den Lebenslauf einen Unterschied macht. Diese Frage beschäftigt Forscher schon seit dem 19. Jahrhundert.

Antworten waren jedoch oft widersprüchlich. Denn die Datenlage und Art der Auswertung beeinflussten die Ergebnisse massgeblich, so das Forscherteam. Dabei seien etwa Angaben über das Geschwistergefüge wenig belastbar, wenn sie lediglich von einem Kind pro Familie abgefragt wurden. Zudem müssten Familien mit gleich vielen Kindern verglichen werden, um Missdeutungen zu vermeiden, erläutert Julia Rohrer.

Mit Blick auf die – nach Angaben der Forscher – vier zentralen Eigenschaften Extraversion, emotionale Stabilität, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit zeigte sich bei der neuen Studie keinerlei Zusammenhang mit der Reihenfolge der Geburt, schreibt das Team im Wissenschaftsmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences». (boj/dpa)

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