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Bild: AP U.S. ARMY

Lost Art

Raubkunst – das sind die wertvollsten Kunstschätze, die sich die Nazis unter den Nagel gerissen haben

Wagonweise liessen die Nazis während dem Zweiten Weltkrieg Kunstschätze zusammentragen. Noch immer sind tausende Bilder verschollen. Hier eine Liste der vermutlich wertvollsten Raubkunst.  

20.02.14, 17:18 24.11.14, 11:22
Olaf Kunz, Daniel Huber

Von 1933 an mussten etliche jüdische Kunstbesitzer ihre Gemälde dem unter Druck der Nazis verkaufen oder wurden beraubt. Von den geschätzten 600'000 Werken, welche die Nazis bis 1945 den Besitzern gestohlen oder von Museen enteignet hatten, gelten heute rund 100'000 immer noch als vermisst. «Ein Grossteil der verschollenen NS-Raubkunst befindet sich in privaten Händen.» Davon ist Sabine Rudolph, auf NS-Raubkunst spezialisierte Anwältin in Dresden, überzeugt, wie sie in einem Interview mit der Zeit sagt. Doch wo, wird wohl in vielen Fällen im Dunkeln bleiben. Eine Auswahl der wertvollsten Schätze, die von den Nazis entwendet wurden, zeigt die nachfolgende Liste.

«Porträt eines jungen Mannes» von Raffael (1513/14)

Das Bild hat eine verworrene Geschichte: Sie beginnt 1798, als der polnische Grafensohn Prinz Adam Jerzy Czartoryski das Raffael-Gemälde auf einer Italienreise erwirbt. Der Fürst flieht 1830 mit seinen Kunstwerken aus Polen nach Paris. Sein Sohn Wladyslaw kommt 1871 wieder zurück nach Polen – samt dem Raffael-Gemälde. Als 1939 die Wehrmacht Polen überfällt, spürt die Gestapo Raffaels Bild in einem Versteck auf und der NS-Statthalter im polnischen Generalgouvernement, Hans Frank, bringt es zusammen mit anderen Bildern in seinen Besitz. 

Nach seiner Verhaftung am 4. Mai 1945 machen sich die US-Soldaten auf die Suche nach Kunstschätzen. Sie finden Leonardo da Vincis «Dame mit dem Hermelin» – aber der Raffael bleibt verschollen. Das Bild sei «lost, but not destroyed», sagte Cheffahnder Bernhard Taper, Angehöriger der Spezialeinheit «Art Intelligence Officer», im Jahr 2005. Frank wurde 1946 hingerichtet. Er schwieg sich stets über den Verbleib des wertvollen Gemäldes aus.

«Maler auf der Strasse zu Tarascon» von Vincent van Gogh (1888)

Das Selbstbildnis des Künstlers zählt zu den bislang unter ungeklärten Umständen verschwundenen Bildern mit dem höchsten Schätzwert. Experten vermuten, dass es 1945 bei einem Brand zerstört wurde. 

«Madonna mit Kind» von Giovanni Bellini

Das Bild wurde Anfang der 1940er Jahre aus einem Berliner Museum vor den Luftangriffen in Sicherheit gebracht. Vermutlich in ein Haus in Berlin-Friedrichshain, das später zum Russischen Sektor gehörte. Die meisten dort untergebrachten Kunstwerke wurden entweder geraubt oder zerstört. Auch die Madonna dürfte zu den zerstörten Kunstwerken zählen. Doch ein Beweis dafür wurde nie erbracht. 

«Bildnis Trude Steiner» von Gustav Klimt (1898) 

Dieses Porträt, das die Tochter der Wiener Kunstsammlerin Jenny Steiner zeigt, wurde von den Nazis entwendet, nachdem sie 1938 aus Österreich flüchtete. Die beauftragten Kunsthändler verkauften das Gemälde im Jahr 1941 an eine unbekannte Person. Bis heute konnte der Verbleib des Bildes nicht geklärt werden. 

«Titus mit den Zügen eines Engels» von Rembrandt van Rijn

Bis 1943 gehörte dieses Gemälde zur Sammlung Adolf Schloss in Frankreich. Die Nazis raubten es und brachten es nach Paris. Dort wurde es zusammen mit 332 weiteren Kunstwerken gelagert. Sie alle sollten einst das von Hitler geplante Super-Museum in Linz zieren. 162 Gemälde sind nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zum Vorschein gekommen. 2002 sind zwei der angeblichen Rembrandt-Gemälde aus der geraubten Sammlung aufgetaucht. Eines davon ist «Titus mit den Zügen eines Engels» – ob es sich aber tatsächlich um das Original handelt, wird von etlichen Experten noch angezweifelt. Im Lost-Art-Index wird das Bild deshalb immer noch gelistet. 

«Die Ankündigung» von Peter Paul Rubens

Dieses Bild wurde 1935 durch den Auktionator Paul Graupe in Berlin verkauft, der von der Reichskunstkammer eine Sondergenehmigung erhalten hatte, obwohl er Jude war. Seither ist der Verbleib des Bildes unbekannt. 

Das Bernsteinzimmer

Das legendäre Bernsteinzimmer wurde von einem deutschen Künstler geschaffen. Der preussische König Friedrich Wilhelm I. schenkte es 1716 dem russischen Zaren Peter dem Grossen. Bis 1941 befand sich das wertvolle Zimmer im Katharinenpalast in Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg, dann verschleppten es deutsche Soldaten ins damals deutsche Königsberg. Dort verlor sich in den Wirren des Kriegsendes seine Spur. Bis heute ist unbekannt, wo es sich befindet. In St. Petersburg ist heute eine mühevoll nachgebaute Kopie zu sehen.

«Piazza Santa Margherita» von Canaletto

Dieses Bild gehörte zur privaten Sammlung von Jacques Goudstikker. Schon dessen Grossvater war Kunsthändler. Die Familie besass mehrere grosse Sammlungen an verschiedenen Orten in den Niederlanden. Am 15. Mai floh die jüdische Familie an Bord der SS Bodegraven. Die Gemälde musste sie zurücklassen – insgesamt über 1400 Werke. Herman Göring, der zweite Mann im «Dritten Reich» und ein passionierter Kunstsammler, liess die Bilder beschlagnahmen. Darunter auch die «Piazza Santa Margherita» von Canaletto. Zahlreiche Bilder wurden in der Zwischenzeit an die Sammlung zurückgegeben, doch von diesem Gemälde fehlt immer noch jede Spur. 

«Fünf tanzende Frauen» von Edgar Degas

Dieses Bild von Degas konfiszierten die Nazis vom jüdischen Kunstsammler Baron Mór Lipót Herzog. Nach dem Krieg beauftragte er Kunstdetektive und Anwälte mit der Suche nach dem Gemälde. Gleichwohl ist es nicht wieder aufgetaucht. 

 «Sitzende Frau» von Henri Matisse 

Dieses Porträt war Jahrzehnte lang in der Privatwohnung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt in München versteckt – zusammen mit 1400 weiteren wertvollen Werken. Gurlitts Vater Hildebrandt war einer von vier Kunsthändlern, die von den Nazis damit beauftragt waren, Kunstwerke zu Geld zu machen, um damit den Krieg zu finanzieren. Im Herbst 2013 flog das Schatzlager in der heruntergekommenen Wohnung auf.  Ein Grossteil der Bilder galt als verschollen. Das Matisse-Bild soll dem jüdischen Kunstsammler Paul Rosenberg gehört haben, dem Grossvater der französischen Journalistin Anne Sinclair – der Ex-Frau von Dominique Strauss-Kahn. Sie hatte bis zu dem Fund nichts von dem Bild gewusst. Geschätzter Wert: 53 Millionen Franken. 

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 22.02.2014 23:12
    Highlight Rechtzeitig zum Monumental Man:-) ut (dp)
    Gibt das eigentlich auch Provision bei solchen Berichten?:-)
    4 1 Melden
    • Quool-Put 05.03.2014 22:52
      Highlight oben steht: "präsentiert von 20th Century Fox", zuunterst steht: "Dieser Inhalt wurde von der watson-Redaktion erstellt und ermöglicht durch 20th Century Fox"

      ja, der Artikel ist bezahlt.
      2 0 Melden

Und dann war das Model zu dick ... Der Zürcher Walter Pfeiffer lebt im Glamour-Himmel

Er fotografiert Cara Delevingne oder Clown Pennywise aus «It». Er jettet um die Welt und jobbt für Dior und die «Vogue». Mit 71. Zeit für eine kleine Liebeserklärung. Und einen Dokfilm!

Walti, was ist dein Trick? «Wenn die Leute schön sind, dann gibt’s auch schöne Fotos.» – «Das ist alles?» – «Ja.» Zu den schönen Leuten, mit denen Walter Pfeiffer an einem ganz normalen Tag arbeitet, gehören zum Beispiel Cara Delevingne oder Bill Skarsgard, der Mann unter der Maske von Pennywise in der neuen «It»-Verfilmung. Den hat er grad in London für «Dazed» geshootet. Mit vielen bunten Ballonen. Denn Walters Welt ist bunt, schön und leicht. Entspannte Bilder von happy people.

Und …

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