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Regisseur Damon Gameau wagt 60 Tage lang das Zucker-Experiment.
screenshot: youtube/Universum Film

Was passiert, wenn man jeden Tag 40 Teelöffel Zucker isst? Dieser Dok-Film verrät es

Für seinen Dokumentarfilm «Voll verzuckert – That Sugar Film» konsumiert Regisseur Damon Gameau täglich fast 160 Gramm Zucker. Er bekommt schlechte Leberwerte und nimmt zu – trotz unveränderter Kalorienaufnahme. Wie gefährlich ist Zucker? Eine Analyse in 6 Punkten.

05.11.15, 07:13

Rike Uhlenkamp / spiegel online



Ein Artikel von

Er steckt in Softdrinks, Gummibärchen und Schokolade – aber auch im vermeintlich gesunden Frühstücksmüsli und in vielen fettarmen Produkten lässt sich Zucker häufig in hohen Mengen finden.

Für seinen Kinofilm «Voll verzuckert – That Sugar Film», der am 26. November in den Schweizer Kinos startet, unterzieht sich der australische Schauspieler und Regisseur Damon Gameau einem Zucker-Selbstversuch und beobachtet die negativen Veränderungen auf seinen Körper. Die süsse Ausgabe von «Super Size Me», wenn man so will.

Was passiert im Dok-Film?

Die drei Jahre vor dem süssen Experiment hat Damon Gameau auf Zucker verzichtet. Nur Zucker, der in Früchten, Gemüse und Milchprodukten steckte, gönnte er sich. Für den Film nimmt er täglich das Äquivalent von 40 Teelöffeln Zucker zu sich. Das entspricht 160 Gramm und damit dem durchschnittlichen Zuckerverzehr eines australischen Jugendlichen. Der Regisseur verändert seinen Speiseplan so, dass sich seine Kalorienaufnahme trotz der grossen Zuckermenge nicht erhöht.

Interessant dabei: Gameau verzichtet auf klassische Zuckersünden wie Softdrinks oder Süssigkeiten und konzentriert sich stattdessen auf Lebensmittel mit versteckten Zuckern, wie Smoothies oder fettarmer Joghurt, die als gesund gelten.

60 Tage und 2400 Teelöffel Zucker später ist der Australier 8,5 Kilo schwerer, sein Bauchumfang um zehn Zentimeter gewachsen, sein Körperfett um sieben Prozent gestiegen und seine Leber- und Blutfettwerte verschlechtert. Besorgniserregende gesundheitliche Entwicklungen, die bei einer Fortführung des Experiments zur Fettleber, Insulinresistenz oder Diabetes führen könnten.

2400 Teelöffel Zucker in 60 Tagen.
screenshot: youtube/universum film

Sind die Ergebnisse allgemeingültig?

Die negativen Folgen ausschliesslich auf den Zuckerkonsum zurückzuführen, ist wissenschaftlich kaum haltbar. Es handelt sich letztlich um einen Einzelfall. Stichhaltige Ergebnisse können nur über strenge medizinische Studien gewonnen werden.

Auch wisse man nicht genau, was das australische Versuchskaninchen tatsächlich auf dem Teller hatte und wie sich seine bisherige Ernährung und sein Lebensstil auf die Ergebnisse ausgewirkt haben, merkt Isabelle Keller, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), an.

Der Filmemacher stürzt sich in seinem Experiment vor allem auf freien Zucker. Was ist das überhaupt?

Als freier Zucker gelten Monosaccharide wie Glukose oder Fruktose und Disaccharide wie Haushaltszucker die verarbeiteten Speisen und Getränken künstlich hinzugefügt werden. Ausserdem zählen auch Zucker dazu, die natürlicherweise in Sirup, Honig, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentrat vorhanden sind.

Zucker, der in Gemüse und Milchprodukten steckt, so der Filmautor Gameau, sei in Ordnung – ebenso wie Zucker aus Früchten, solange die Frucht gegessen werde. Bei freien Zuckern aber, die den Produkten als Süssstoff oder zur längeren Haltbarkeit zugefügt werden, müsse man vorsichtig sein. Als schwarzes Schaf kürt der Film den Fruchtzucker, der von seiner natürlichen Quelle befreit wurde, dem also die im Obst enthaltenen Ballaststoffe fehlen.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Frühjahr 2015 ihre Empfehlungen für den Anteil von freien Zuckern an den täglich verzehrten Kalorien halbiert, von zehn auf fünf Prozent, also höchstens 25 Gramm am Tag. Das entspricht etwa sechs Teelöffeln und ist somit deutlich weniger, als Gameau in seinem Experiment verspeist hat. Wer sich an die Empfehlungen hält, so die WHO, vermindert das Risiko von Übergewicht, Fettleibigkeit und Karies. Auch der Durchschnittsdeutsche liegt in seinem täglichen Zuckerkonsum von etwa hundert Gramm weit über der WHO-Vorgabe.

Hier der Trailer zum Dok-Film:

YouTube/Universum Film

Gameau nimmt trotz gleicher Kalorienanzahl zu. Wirkt Energie aus Zucker anders als aus Fett?


Ungefähr 2300 Kalorien am Tag, so viel nimmt der Regisseur sowohl vor als auch während des Zuckerexperiments täglich zu sich, bei gleicher körperlicher Betätigung. Der Unterschied liegt in der Kalorienherkunft: der Australier ersetzt gesunde Fette, beispielsweise aus Avocados, durch zuckerhaltige Kost. Die Kalorien an sich, so das Fazit des Films, scheinen für die Gewichtszunahme und den verschlechterten körperlichen Zustand also keine Rolle zu spielen, sondern ihr Ursprung.

Zu dieser Schlussfolgerung kommt auch eine aktuelle Studie der University of California in San Francisco mit 43 fettleibigen Kindern und Jugendlichen, die an mindestens einer chronischen Stoffwechselerkrankung leiden. Der freie Zucker wurde in dem Ernährungsplan der jungen Probanden stark reduziert und mit anderen Kohlenhydraten, zum Beispiel aus Nudeln, ersetzt, um die aufgenommene Kalorienmenge und das Gewicht der Versuchspersonen zu halten. Bereits nach neun Tagen verbesserten sich alle Werte der metabolischen Gesundheit, wie der Bluthochdruck und der Insulinspiegel.

Die Ergebnisse würden, so Robert Lustig, Kinder-Endokrinologe und Autor der Studie, einen deutlichen Hinweis dafür liefern, dass Zucker zu Stoffwechselerkrankungen beitrage und dass dieser negative Effekt nicht vom Übergewicht und der konsumierten Kalorienmenge abhängt. Die geringe Probandenzahl schmälert jedoch die Ergebnisse der Studie.

Isabelle Keller von der DGE würde nicht so weit gehen: «Dass Zucker eine besonders böse Rolle spielt, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Wir wissen nur, dass man zunimmt, wenn man eine positive Energiebilanz hat, also mehr Kalorien verzehrt, als gebraucht werden. Dabei ist es egal, ob die Kalorien aus Fetten oder Zucker stammen.»

Im Prinzip kommen hier zwei Sachen zusammen. Übergewicht ist gesundheitlich kritisch, aber auch die Ernährung muss ausgewogen sein. Wer ausschliesslich zwei Tafeln Schokolade am Tag isst und sonst nichts, nimmt zwar aufgrund der Kalorienmenge nicht zwangsläufig zu, gesund ist das trotzdem sicher nicht.

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Warum steckt so viel Zucker in vermeintlich gesunden Lebensmitteln?

Würde man alle Lebensmittel, die Zucker enthalten, aus dem Supermarktregal räumen, blieben nur noch 20 Prozent übrig – das rechnet Gameau in seiner Doku vor. Auch in gesunden Produkten verstecken sich häufig viele freie Zucker.

Oliver Huizinga von Foodwatch erklärt: «In verarbeiteten Lebensmitteln ist meist ein Geschmacksträger, also Salz, Fett oder eben Zucker, um ein Produkt geschmacklich attraktiv zu machen. Wenn in einem fettarmen Lebensmittel kaum Fett enthalten ist, muss der Geschmack trotzdem irgendwo herkommen. Da hilft sich die Lebensmittelindustrie mit Zucker weiter.»

Dass Zucker dabei noch appetitanregend wirke und ein Produkt dadurch häufiger konsumiert werde, spiele den Profitinteressen der Lebensmittelindustrie in die Hände, so Huizinga.

Ist der Zuckeranteil bei Lebensmitteln immer klar erkennbar?

Die derzeitige Kennzeichnung auf den Verpackungen – Zahlenwerte, Prozentangaben und die unterschiedlichen Bezeichnungen für Zucker verwirrten den Konsumenten, meint Oliver Huizinga von Foodwatch. Laut Isabelle Keller von der DGE braucht es hier eine bessere Verbraucherbildung.

So könne der Konsument beim Blick auf das Etikett selbst besser entscheiden, welche Produkte gut für ihn sind. Für das Frühstück hat sie noch einen guten Tipp: Einfach einen frischen Apfel in das Müsli schneiden – das erhöht das Volumen und damit auch die Sättigung.

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nor 06.11.2015 09:20
    Highlight Birkenzucker ist eine tolle Sache. Nur leider ist er etwas gar teuer um ungeniert damit zu backen.... :(
    3 0 Melden
    • Propellerli 07.11.2015 12:48
      Highlight Wir beziehen Xylit 8 so heisst der Zucker) aus der Eu. ist um einiges günstiger als in der Schweiz.
      Mit Xylit kann man aber keine Hefegebäcke machen, da Xylit Pilze abtötet.
      Es enthält halb soviel Kalorien und ist Zahn-reinigend.
      3 0 Melden
    • dmark 13.10.2016 10:36
      Highlight Naja, wenn ein Lebensmittel mit Hilfe von Schwefelsäure oder Natronlauge "gewonnen" wird, dann bin ich damit schon etwas vorsichtig. Außerdem ist Xylit für so manches Tier unverträglich.
      0 0 Melden
  • nicetoknow 05.11.2015 21:10
    Highlight Zucker wird in der Leber (Krebs Cycle) in Energie umgewandelt. Dabei wandelt der Körper bei übermässigem Fruktosekonsum zuerst Fruktose um, da Fruktose schädlich für den Körper ist (Leberfett etc.). Bei normalem Zuckerkonsum (Glukose und Fruktose) sagt der Körper dem Gehirn mit der Zeit dass er genug Zucker hatte und es stellt sich ein Sättigungsgefühl ein (durch Leptinausschüttung). Fruktose hat aber die Fähigkeit, das Ausschütten von Leptin zu verhindern. Das heisst bei übermässigem Fruktosekonsum stellt sich kein Sättigungsgefühl ein und man isst immer mehr Zucker.
    3 0 Melden
  • rööni 05.11.2015 16:46
    Highlight waas der film kommt erst jezt in die schweiz?? hab den schon vor mind 2 monateb gesehn..!
    0 4 Melden
  • Don Huber 05.11.2015 09:38
    Highlight Ich schau schon recht stark wegen dem Zucker. Aber es ist verdammt schwer. In jedem Mist hat es Zucker drin, wo eigentlich gar kein Zucker nötig ist. Zu Hause gibt es nur Wasser ab dem Hahnen und selten mal eine Cola oder süsses. Bin süss genug. Jöööö.
    16 0 Melden
    • Louie König 05.11.2015 10:43
      Highlight Haha XD Du bist so süss, da kriegt man Karies davon ;-)
      8 0 Melden
  • muchosfaboss 05.11.2015 09:25
    Highlight Ich habe über etwa 2 Jahre weg immer zu viel Cola getrunken, ich würde etwa einen Schnitt von 2 Liter pro Tag sagen. Das entspricht in etwa 200 Gramm Zucker pro Tag nur vom Trinken.

    Seit zwei Monaten trinke ich nun kein Cola mehr (bzw. nur noch in Restaurants usw.). Gewicht verloren habe ich aber dadurch nicht.
    8 2 Melden
    • conszul 05.11.2015 09:38
      Highlight Warum solltest du einfach so Gewicht verlieren? Dein Verzicht auf Cola hilft dir höchstens nicht noch mehr Gewicht zuzulegen.
      21 2 Melden
    • Hayek1902 05.11.2015 09:39
      Highlight deine zähne, deine knochen und deine leber werden gelitten haben
      15 1 Melden
    • muchosfaboss 05.11.2015 14:12
      Highlight @consul Ich wollte auch nicht darüber jammern, dass ich dadurch kein Gewicht verloren habe. Da der Artikel aber von einem Experiment einer einzelnen Person handelt, dachte ich meine Erfahrung könnte hier ein paar Leute interessieren.
      11 0 Melden
  • Jugendinfo Zürich 05.11.2015 09:12
    Highlight
    Das ewige wichtige Thema! Wenn ich mir das bildlich vor Augen führe: jeden Tag 40 Teelöffel Zucker! Brrrr.... Hier gibts weitere Infos...

    http://www.info-shop.ch/directory/categories/koerper-und-ernaehrung/
    1 9 Melden
  • Baba 05.11.2015 07:59
    Highlight Ich koche alles selbst und in meiner Küche gibt's keinen "Convenience Food". Dann weiss ich, was in meinen Gerichten drin ist. Zucker kann wunderbar mit anderen Produkten (zB Honig, Agavendicksaft oder Birkenzucker) ersetzt oder sogar ganz weggelassen werden.

    Und bevor hier jemand erzählt, er hätte keine Zeit zu kochen: Kochen heisst, Nahrung herstellen für seinen Körper. Ins Fitnessstudio gehen ja ganz viele, drücken sich dann aber vorverarbeites Essen rein. Einmal weniger Ausgang, mehrfache Menge kochen, portionieren, einfrieren und voilà - gesundes (und erst noch günstigeres) Essen :-)
    29 7 Melden
    • demokrit 05.11.2015 08:39
      Highlight Gerade Honig enthält praktisch nur Zucker.
      24 0 Melden
    • Louie König 05.11.2015 08:55
      Highlight @demokrit: Ja aber der Zucker im Honig ist, so weit ich weiss, eben "guter" Zucker.

      @Baba: Das sehe ich ebenso. Kochen ist keine Hexerei und wenn man nicht so viel Zeit hat, um zu kochen, gibt es ganz viele Rezepte, die innerhalb von 20 Minuten bereit sind und dazu noch gesund. Das Beispiel mit dem Fitnesscenter finde ich sehr passend. Viele gehen dahin, trainieren, wie die Wahnsinnigen, hauen sich Ihre Protein- und was weiss ich -Shakes rein, gehen danach aber zuhause Fertigmenue aus der Mikrowelle "fressen". Dann lieber weniger Fitness, mehr Kochen, bringt auf die Dauer viel mehr.
      9 3 Melden
    • Asha 05.11.2015 09:14
      Highlight Und Agavendicksaft ist reine Fruktose.
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