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Keine Doppelbetten im Schlafzimmer! Wie Hollywood uns erziehen wollte und scheiterte

Sex und Gewalt verkaufen sich immer gut. Dass die Darstellung dieser Dinge einen schlechten Einfluss auf uns haben könnte, ist nicht erst seit Kurzem ein Thema. Hier sind 10 Regeln, mit denen uns Hollywood moralisches Verhalten beibringen wollte.

11.08.15, 11:17

Religiöse Kreise haben früher durch Boykott-Drohungen versucht, den moralischen Zerfall aus dem Kino fernzuhalten. Das ging so weit, dass Hollywood sich schliesslich 1930 mit einem internen Kodex, dem sogenannten Production-Code selbst zensiert hat. Dabei sind zum Teil absurde Regeln entstanden, die aber auch immer wieder auf originelle Weise umgangen wurden.

1. Die Fünf-Sekunden-Regel

Hier geht es nicht um das Aufheben von heruntergefallenen Speisen, sondern um die Knutscherei in Filmen: Küssen war in klassischen Hollywoodfilmen für höchstens fünf Sekunden erlaubt.

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Viel zu wenig, fand Alfred Hitchcock und drehte in «Notorious» eine zweieinhalb-Minütige Knutschszene, indem das Pärchen immer nach höchstens fünf Sekunden kurz eine Pause einlegt.

2. Die Abtörner-Regel

«Einige Szenen können nicht gezeigt werden, ohne gefährliche Gefühle in den Unreifen, den Jungen oder den Kriminellen zu wecken». Das ist natürlich zu vermeiden und hat zur Folge, dass jegliche Szenen gestrichen werden, die im Publikum mehr als freudige Erregung auslösen könnten.

Nope, das wäre nicht gegangen:

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3. Die reine Liebe

«Die gottgewollte Liebe zwischen Mann und Frau ist die einzige Liebe, die für Filmhandlungen geeignet ist. Allerdings nicht die Leidenschaft, die aus dieser Liebe entspringt». 

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«Unreine Liebe», wie zum Beispiel Ehebruch durfte nur angedeutet werden, wenn es essentiell für die Handlung war. Es durfte sich nicht einmal darüber lustig gemacht werden, weil so die traditionellen Familienwerte in den Dreck gezogen würden.

4. Gangster ohne Grund

Im klassischen Hollywood durften Verbrecher nicht aus gutem Grund handeln. Der Zuschauer durfte keinerlei Sympathien für den Bösewicht entwickeln.

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Leider spielte der Bösewicht im alten «Scarface»-Film zu charismatisch, um keine Sympathien auf sich zu ziehen. Der Film durfte nur gespielt werden, wenn vor jeder Vorführung darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er die Kriminalität nicht verherrlichen, sondern lediglich dokumentieren will.

5. Keine Doppelbetten im Schlafzimmer

Auch wenn ein Paar im Film verheiratet war, hiess das noch lange nicht, dass sie auch im selben Bett schlafen durften, denn das könnte ja unzüchtige Gedanken beim einen oder anderen Zuschauer wecken.

Deshalb:

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6. Keine obszönen Gesten

Noch heute werden in vielen amerikanischen TV-Sendern Fluchwörter und obszöne Gesten zensiert. Auch für das Kino waren solche Gesten lange Zeit verpönt. Erst, als sich das Kino vom TV abheben musste, um zu überleben, wurde diese Regel gelockert.

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7. Du sollst nicht töten!

Zumindest nicht in derselben Kameraeinstellung. Die Waffe und die erschossene Person durften nicht im selben Bild zu sehen sein. Das Resultat war, dass sämtliche Mordszenen zu dieser Zeit zuerst die Waffe und dann das Opfer zeigten.

8. Nationale Gefühle nicht verletzen

Mit der amerikanischen Nationalflagge musste respektvoll umgegangen werden.

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Um Exportschwierigkeiten zu vermeiden sollten auch andere Nationen nicht in einem negativen Licht erscheinen. Deshalb wurden zum Beispiel vor 1939 keine Filme über die Konzentrationslager in Deutschland zugelassen.

9. Keine drei Liter pro Tag

Alkoholkonsum ist ebenfalls etwas, was nicht gerne gesehen war. Ausser, es war für die Charakterbildung von grosser Bedeutung. Wohl mit ein Grund, wieso die depressiven Detektive im Film Noir so hemmungslose Säufer waren.

Trink, trink, trink, trink:

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10. Kein «explizites Tanzen»

In Filmen des klassischen Hollywoodkinos war Tanzen nur gestattet, wenn dadurch nicht unanständige Tätigkeiten symbolisiert wurden.

So voll ok:

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So nicht ok:

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1968 wurde der Production-Code schliesslich offiziell abgeschafft.

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Moralisch unbedenklich: So würde dein Lieblings-Film oder -Game als Kinderbuch aussehen

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