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Ein Energienachschub am Morgen ist unerlässlich: Gut bestückter Frühstückstisch. Bild: FR170582 AP

Ernährung

Wie sieht das optimale Frühstück aus?

Müsli oder Brot, Obst oder Joghurt: Ein gutes Frühstück liefert Kraft für den ganzen Tag, schützt vor Heisshungerattacken und vor Übergewicht. Oder doch nicht? 

24.11.14, 08:26 24.11.14, 14:22

gerlinde gukelberger-felix / spiegel online

Ein Artikel von

Es muss kein Frühstück bei Tiffany sein. Und wie Bridget Jones Schokolade zum Frühstück zu essen, ist auch nicht ratsam. Ebenso wenig das typisch deutsche Quartett aus Kaffee, Weissmehlbrötchen, Butter und süsser Marmelade. Aber was dann?  

Ernährungswissenschaftler empfehlen vor allem eine energiereiche Mahlzeit zum Start in den Tag – schliesslich ist der bei vielen lang. Aber hält so ein Frühstück auch schlank wie vielfach vermutet? 

«Es gibt eine Vielzahl von Studien, aber leider ist die Studienqualität nicht gut genug, um wirklich eine eindeutige Aussage hierzu machen zu können», so Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München. Klare Empfehlungen lassen sich nicht ableiten. 

Frühstück hat Einfluss auf den Hunger des restlichen Tages

«Sicher ist aber, dass nur derjenige abnehmen kann, der dauerhaft weniger Kalorien zuführt, als der Körper verbraucht», sagt Isabelle Keller, Wissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Und das geht nur ohne Heisshungerattacken während des Tages. 

Kürzlich hat eine von Forschern der University of Missouri durchgeführte Pilotstudie mit übergewichtigen jungen Frauen Hinweise darauf ergeben, dass ein sehr proteinreiches Frühstück solche Heisshungerattacken möglicherweise verhindern kann. Auf dem Frühstückstisch stünden dann Käse, Eier oder Milch. Sie enthalten die Aminosäure L-Tyrosin, eine Substanz, die die Ausschüttung des Nervenbotenstoffs Dopamin ankurbelt – ein wichtiger Akteur im neuronalen Belohnungssystem des Gehirns. Er könnte Heisshunger verhindern, vermuten die Forscher. «Allerdings wurde hierfür das Hauptstoffwechselprodukt des Dopamins im Blut gemessen. Das lässt eigentlich keine sichere Aussage zu», bemängelt Hauner, da nicht sicher sei, woher das Dopamin komme. «Ausserdem ist die Regulation von Hunger und Sättigung viel komplizierter, es sind verschiedene Botenstoffe beteiligt wie beispielsweise Serotonin.»

Tipps vom Experten

Ernährungs- und Fitnessexperten raten zu folgenden morgendlichen Energie-Spritzen: Zuckerarmes Müsli (möglichst nicht mehr als 15 Prozent Zucker) aus Getreide mit Saaten wie Sonnenblumenkernen und Leinsamen mit Naturjoghurt oder auch etwas Milch sowie frisches Obst. «Haferflocken und andere Getreideflocken liefern neben Vitaminen und Mineralstoffen auch Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Cerealien sollte man meiden», rät Keller. Statt Fertigmüsli kann auch Müsli aus frisch geschrotetem Getreide, das im Kühlschrank über Nacht in Wasser oder Joghurt eingeweicht wurde, zubereitet werden. Alternativ hierzu: Dünn mit Butter oder Magarine bestrichene Vollkornbrötchen oder zwei Scheiben Vollkornbrot mit magerem Käse- oder Wurst-Belag, auch etwas Marmelade oder Honig oder Bananen- oder andere Obstscheiben dürfen sein. Wer es pikant liebt: Frische Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch oder Kresse und Sonnenblumenkerne, Sesamsamen, gehackte Nüsse oder Gemüsescheiben auflegen. Naturjoghurt mit frischen Früchten ist weniger süss als Fertigprodukte. Und zum Durstlöschen sind Wasser und Kräuter- oder Früchtetee gut geeignet. Ein bis zwei Tassen Kaffee als Wachmacher, ein Glas Orangensaft oder Buttermilch bringen den nötigen Schwung für den Tag. 

Beim Start in den Tag ganz auf ein Frühstück zu verzichten, ist dagegen nicht sinnvoll. «Da besteht ganz einfach das Risiko der Überkompensation», warnt der Ernährungsmediziner. Das sehen auch Forscher der Harvard School of Public Health in Boston als Grund für ein erhöhtes Risiko für Herzgefässerkrankungen bei Männern, die nach einem reichhaltigen späten Abendessen am nächsten Morgen auf das Frühstück verzichten. 

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Kalorienzufuhr bei den Probanden durch die fehlende Grundlage am weiteren Vormittag deutlich höher ist. Vermutlich, weil nebenbei zu kalorienreich gegessen wird. Besser sollte man auf ein zu üppiges Mahl abends verzichten. Die Daten stammen aus der Health Professionals Follow-up Study, eine der grössten US-amerikanischen Beobachtungsstudien mit einer Laufzeit von 16 Jahren. 

Auch ohne diese Ergebnisse hält Hauner ein Frühstück für sinnvoll. «Der Organismus verlässt sich während des Schlafens auf seine Energiereserven etwa für die Herzfunktion oder die Regulation der Körpertemperatur. Am Morgen befindet sich der Körper dann im Hungerzustand. Ohne Energienachschub durch das Frühstück kann die Konzentration bald nachlassen.» 

Aber: Nachschub bedeutet nicht, fette Wurst, Spiegeleier oder Bratkartoffeln zu essen. Diese Frühstückszusammensetzung sollte höchstens die Ausnahme sein. Es gilt, reichlich Ballaststoffe, viele Vitamine und Mineralstoffe sowie komplexe Kohlenhydrate statt einfach Zucker zu essen. Der lässt den Blutzuckerspiegel stark ansteigen. Eine Studie im American Journal of Clinical Nutrition kommt zu dem Ergebnis, dass die geistige Leistungsfähigkeit bei Schulkindern besser ist, wenn der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht erhöht ist. 

Verlockend, aber laut Ernährungswissenschaftler wenig empfehlenswert: English Breakfast. Bild: FR170582 AP

Ohne Frühstück droht Konzentrationsschwäche

«Ganz wichtig ist, dass man sich genug Zeit fürs Frühstück nimmt und langsam kaut, damit sich auch ein Sättigungsgefühl einstellen kann», so Keller. Kohlenhydrate sind wichtig, denn die darin enthaltene Glukose versorgt Gehirnzellen mit Energie. 

«Insbesondere für Kinder ist es sehr wichtig, dass sie bereits morgens Kohlenhydrate zu sich nehmen, spätestens in der ersten Schulpause. Sie haben nämlich deutlich geringere Glykogenreserven als Erwachsene. Ohne Frühstück kommt es bei ihnen schnell mal zu Konzentrationsstörungen», warnt Hauner. Glykogen dient der kurz- bis mittelfristigen Speicherung und Bereitstellung des Energieträgers Glukose im menschlichen Organismus. Mit der morgendlichen Scheibe Brot oder dem Müsli werden die Speicher mühelos wieder aufgefüllt.  

Aber es gibt auch Menschen, die morgens partout keinen Hunger haben oder einfach nichts oder nicht viel essen können. «Dann besteht ja die Möglichkeit, sich ein gesundes Vesper von zu Hause mitzunehmen, um zwei Stunden später etwas zu essen», rät Hauner. Das erste und zweite Frühstück sollten laut Keller möglichst aufeinander abgestimmt, abwechslungsreich und bunt sein. Wer morgens trotzdem aufs Essen verzichtet, sollte wenigstens etwas trinken. Vielleicht gehen ja auch frische pürierte Früchte mit Joghurt oder pur.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zwingli 25.11.2014 11:15
    Highlight frühstück?
    2 1 Melden
  • Zeit_Genosse 24.11.2014 16:49
    Highlight Jetzt brauchen wir schon Experten für den Zmorge. Es gibt keine klaren Studienresultate und jeder (selbsternannte) Experte oder Forscher in eigener Sache gibt seine Empfehlungen ab. Der Mensch hat erst seit wenigen hundert Jahren die Auswahl sich ein Früstück zu gönnen. Viele Tausend Jahre vorher gab es unregelmässig zu essen und wir haben überlebt. Genetisch unterscheiden wir uns kaum zu früher. Am Schluss soll man variabel und mässig essen. Den ganzen Tag durch.
    2 0 Melden
  • smoe 24.11.2014 13:21
    Highlight Ist eine Ernährungsberaterin, die bei einem Verein arbeitet, der selbst nicht forscht, sondern nur Studien anderer auswertet, weiterverbreitet und bunte Kartonpyramiden herstellt wirklich eine Wissenschaftlerin wie im Artikel benannt?

    Andere Wissenschaftler lassen offenbar kein gutes Haar an diesem Verein.

    "Diese Empfehlungen sind durch nichts belegt, auch nicht, dass das gesundheitliche Vorteile bringen würde"
    "keinerlei Beweiskraft für die Menschen in Deutschland"
    "Da hätte man auch würfeln können"

    http://www.welt.de/print-welt/article582922/Kritik-an-Ernaehrungsberatung.html
    7 0 Melden
  • blueberry muffin 24.11.2014 11:26
    Highlight Cerealien sollte man meiden», rät Keller. Statt Fertigmüsli kann auch Müsli aus frisch geschrotetem Getreide, das im Kühlschrank über Nacht in Wasser oder Joghurt eingeweicht wurde, zubereitet werden.

    - Aha. Logisch.
    8 0 Melden
  • karl_e 24.11.2014 11:15
    Highlight "Cerealien sollte man meiden" meint Herr Keller, rät aber im vorhergehenden Satz zu Hafer- und anderen Getreideflocken. Sind das etwa keine Cerealien? Ich bin verwirrt.
    11 1 Melden
    • blueberry muffin 24.11.2014 11:25
      Highlight Das habe ich mich auch gefragt. Cerealien sind schlecht, ausser man weicht sie in Joghurt ein. Die geänderte Konsistenz macht es dann wieder toll.

      "Ernährungsspezialisten" halt.
      8 0 Melden
    • smoe 24.11.2014 12:54
      Highlight Hab mich auch gefragt, ob unter Ernährungsspezialisten, im Gegensatz zum Rest der deutschsprachigen Welt, Getreideflocken und Cerealien keine Synonyme sind.

      Vermutlich meinte sie gezuckerte Fertigprodukte ala Kelloggs Frosties sind weniger gesund als hausgemachte, über Nacht eingeweichte Getreidepampe. Aha, revolutionäres Gedankengut.

      6 1 Melden
    • Jaing 24.11.2014 13:16
      Highlight Immerhin widerspricht sich nun mal einer dieser Experten gleich selbst. Normalerweise sind es nur verschiedene "Experten", die sich mit gegensätzlichen Studien widersprechen.
      6 1 Melden

Schaffst du in diesem Wein- und Käsequiz keine 5 Punkte, gibt's nur noch Wasser und Brot

(tog)

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