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Weizengraspulver wird auch in Smoothies gemischt. Bild: shutterstock

Superfood im Check: Wie gesund ist Weizengras wirklich?

Glutenfrei, grün und total im Trend: Weizengras erobert Bioläden und Saftbars. Wie gesund sind die Halme wirklich? Der Check.

26.04.16, 06:41

Bettina Levecke / Spiegel online



Ein Artikel von

Man muss nicht Teil der Vegan- oder Clean-Eating-Szene sein, um schon mal Weizengras gegessen oder getrunken zu haben. Jede Saftbar, jeder Bioladen, selbst Drogerieketten bieten mittlerweile Produkte mit dem grünen Naturstoff an. Weizengras ist im Trend. Aber was macht den Stoff so besonders? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist Weizengras?

Weizengras gehört botanisch zur Familie der Süssgräser und ist – im Gegensatz zum Weizenkorn – glutenfrei. Als Lebensmittel wurde es Überlieferungen zufolge bereits im antiken China und bei zahlreichen Volksstämmen, etwa in Mittelamerika, verzehrt. Verwendet werden die jungen, knallgrünen Halme des Weizens.

Hersteller ernten die Halme bereits vier bis zehn Tage nach der Keimung und damit lange, bevor sie die Ähre bilden. Im Handel erhältlich ist überwiegend Weizengraspulver, das aus getrockneten Halmen hergestellt wird. Frisches Weizengras oder frischen Weizengrassaft gibt es nur selten zu kaufen. In einigen Superfood-Ratgeberbüchern wird deshalb empfohlen, Weizengras auf der Fensterbank oder auf dem Balkon selbst anzubauen.

Was steckt drin?

weizengras

Bild: shutterstock

Eine offizielle Nährwerttabelle gibt es für Weizengras bislang nicht. Auf Nachfrage von Spiegel Online hat deshalb das Max-Rubner-Institut (MRI) aus Karlsruhe die Nährwerte von Weizengras aus verschiedenen Publikationen recherchiert. Frisches Weizengras enthält demnach reichlich Eisen, Vitamin C und auch Zink. Allerdings differieren die Angaben stark:

«Wie viele Nährstoffe Weizengras im Einzelfall enthält, ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren wie dem Standort, den Bodenbedingungen oder dem Erntezeitpunkt», erklärt Stephanie Seifert vom MRI.

Bei Pulverprodukten, die rund zehn Franken pro 100 Gramm kosten und vor dem Verzehr in Wasser aufgelöst werden, seien die Nährstoffgehalte zudem deutlich geringer als bei frischem Weizengras, ergänzt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. «Durch den Trocknungsprozess gehen hitzeempfindliche Vitamine verloren.» Die aufgenommene Nährstoffhöhe werde zudem durch die insgesamt eher geringe Verzehrmenge relativiert.

Wie schmeckt Weizengras und wie kocht man damit?

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Bild: shutterstock

Frisches Weizengras schmeckt leicht bitter und wird als ergänzende Zutat in der Küche verwendet. Ernährungswissenschaftlerin und Sachbuchautorin Dagmar von Cramm empfiehlt, frisches Weizengras wie Kräuter zu benutzen, beispielsweise kleingeschnitten über Salat oder Suppe zu geben oder eine Handvoll Gras im Grünen Smoothie zu verarbeiten.

Es in grösseren Mengen roh zu konsumieren, sei durch den hohen Anteil unverdaulicher Pflanzenfasern nicht für jeden empfehlenswert, erklärt Silke Schwartau. «Wenn man zu viel davon isst, kann man unter Umständen Magen- oder Darmprobleme bekommen.»

Eine Alternative ist Weizengrassaft, frisch gepresst oder aus Wasser und Pulver. In der Rohkostbewegung wird hierfür die Menge von einem grossen Schnapsglas (40 Milliliter) täglich empfohlen. «Durch den bitteren Geschmack sind grössere Mengen für die meisten Menschen eher nicht geniessbar», sagt Schwartau.

Sind Weizengrasprodukte sicher?

«Weizengras ist ein natürliches Lebensmittel und in normalen Verzehrmengen nicht problematisch», sagt Schwartau. Allerdings warnt die Expertin vor Pulverprodukten. «Viele Produkte, besonders aus dem Internetversandhandel, kommen aus China und sind nicht ausreichend kontrolliert.»

Aktuell hat «Öko-Test» zudem in einem Bio-Weizengraspulver Pestizide und Mineralölspuren gefunden und das Testurteil «mangelhaft» ausgesprochen. «Das zeigt leider, dass auch kontrollierte Produkte nicht immer sicher sind», warnt Schwartau. Wer regelmässig Weizengras konsumieren möchte, sollte deshalb versuchen, sich das Weizengras zu Hause selbst zu ziehen.

Wie gesund ist Weizengras?

Weizengras kann zu einer insgesamt gesunden Ernährung beitragen. Es kursieren jedoch auch dubiose Gesundheitsversprechen, die suggerieren, es könne vor Krankheiten schützen oder diese heilen. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. In einigen Bereichen gibt es allenfalls vorsichtige Hinweise auf einen positiven Effekt.

So liessen etwa Seifert und ihr Team vom MRI 55 übergewichtige Männer mittleren Alters mit erhöhtem Cholesterinspiegel vier Wochen lang zwei verschiedene Weizengras-Produkte (aus den Halmen gewonnenes Pulver und gefriergetrockneten Saft) verzehren. Die Blutfettwerte blieben allerdings bei allen Männern nahezu unverändert. «Doch dann sahen wir, dass der Luteinspiegel im Blutplasma deutlich gestiegen war», sagt Seifert.

Lutein ist ein pflanzliches Carotinoid, ähnlich dem Beta-Carotin. Ihm wird eine schützende Wirkung für das menschliche Auge nachgesagt. «Es gibt ein paar wissenschaftliche Studien, die andeuten, dass Lutein als Nahrungsergänzungsmittel der altersabhängigen Makuladegeneration des Auges vorbeugen könnte», sagt Seifert. Eine Studie in China deutet darauf hin, dass Lutein auch eine Rolle bei der Prävention von Arterienverkalkung spielen könnte.

Zudem wird eine unterstützende Wirkung von Weizengras bei der Therapie von Brustkrebs diskutiert. 2007 lieferte eine kleine israelische Studie mit 60 Brustkrebspatientinnen Hinweise, dass Weizengrassaft die knochenmarkschädigenden Nebenwirkungen während einer Chemotherapie möglicherweise verringern kann. Allerdings gab es auch Nebenwirkungen: Ein Fünftel der Patienten, die in der Studie Weizengras zu sich nahmen, musste die Einnahme wegen verstärkter Übelkeit frühzeitig abbrechen.

«Aussagekräftige Studien, die die genaue Wirkung auf den Menschen belegen, fehlen», sagt Seifert. Die Therapie ersetzen kann Weizengras auf keinen Fall. Auch sollten Betroffene immer erst mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie eine bestimmte Diät ausprobieren.

Allgemein gilt: «Die Studienlage ist einfach noch zu dünn, um klare gesundheitliche Empfehlungen auszusprechen», sagt Schwartau. Sie rät daher, auf teure Pulverprodukte zu verzichten und frische Alternativen zu essen. «Brokkoli und Möhren liefern auch viel Beta-Carotin.»

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