Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Löcher haben einen Durchmessen von bis zu 2 Meter. Bild: NASA

Mysteriöse Entdeckung: Graben Robben grosse Löcher ins Arktis-Eis?

«So etwas habe ich noch nie gesehen»: Im Eis der Arktis haben Wissenschaftler seltsame Öffnungen entdeckt – und spekulieren über ihre Herkunft. Zwei Theorien gibt es.

27.04.18, 15:09

Julia Merlot



Ein Artikel von

Bei Erkundungsflügen in der Arktis haben Wissenschaftler eine seltsame Entdeckung gemacht: Als sie am 14. April rund 80 Kilometer nordwestlich des kanadischen Mackenzie-Flussdeltas in der östlichen Beaufortsee unterwegs waren, beobachteten sie seltsame ovale Formationen mit je einem Loch im Meereis.

«Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon mal gesehen zu haben», berichtete Arktisforscher John Sonntag, der die Löcher fotografiert hatte, anschliessend. Eigentlich war das Ziel der Forscher, den Zustand des Meereises in der Region zu dokumentieren.

Woher die Löcher kommen, konnten die Forscher zunächst nicht erklären. Die Nasa liess deshalb sogar Internetnutzer über die Herkunft spekulieren. Inzwischen gibt es immerhin zumindest zwei plausible Theorien.

Handelt es sich um Robbenlöcher?

So vermuten einige Wissenschaftler, dass Tiere die Strukturen geschaffen haben. So könnten etwa Seehunde oder andere grosse Meeressäuger die offenen Stellen als Atemlöcher nutzen. Von Ringelrobben und Sattelrobben weiss man, dass sie sich beim Tauchen unterm Eis Möglichkeiten zum Luftholen schaffen. Spekuliert wird auch, ob Wale die Unebenheiten ins Eis gebrochen haben könnten.

«Die Ringe um die Löcher herum könnten durch Wellen entstanden sein, als die Robben aus dem Wasser sprangen», sagt Walt Meier vom National Snow and Ice Data Center in den USA. Sicher ist aber auch er sich nicht.

Ähnliche Phänomene in der Barentssee

Lars Kaleschke, Meereisexperte der Universität Hamburg, berichtet, Kollegen hätten ihm nach einer Expedition in die arktische Barentssee im März 2014 von ähnlichen Erscheinungen berichtet. Fast kreisrunde Löcher mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern hätten die Forscher damals gesehen. Von Robben stammten sie aber wohl eher nicht.

Kaleschke erinnern die Löcher ein wenig an Erscheinungen, die mitunter auf eisbedeckten Seen zu finden sind. Dort stammten die Löcher allerdings von Methanquellen. Letztlich ist aber auch das reine Spekulation: «Bezüglich der Löcher kann ich nur sagen: Ich weiss es nicht!», schreibt Kaleschke.

Auch Chris Polashenski vom Cold Regions Research and Engineering Laboratory des US-Militärs kommen die Löcher bekannt vor. Er hält die Robbentheorie für ähnlich wahrscheinlich wie die Idee, dass die Strukturen durch warme Strömungen entstanden sind.

Wellenförmige Zeichnungen auf der Oberfläche

«Das Wasser in dem fotografierten Gebiet ist eher flach. Es ist also gut möglich, dass schlicht warme unterirdische Quellen oder ein Leck, durch das Grundwasserströme ins Meer fliessen, für die Formen verantwortlich sind», sagt auch Chris Shuman, Glaziologie der University of Maryland und Mitarbeiter des Goddard Space Flight Center der Nasa. Er kann sich auch vorstellen, dass vom Wind angetriebene Strömungen mit wärmerem Wasser an den fraglichen Stellen an die Oberfläche drängen.

Besser als die Löcher im Eis können sich die Forscher die wellenförmigen Zeichnungen auf der Oberfläche erklären. Das Eis auf dem Foto sei recht jung und in einem Gebiet gewachsen, auf dem es zuvor offenes Wasser gab, berichtet die Nasa. «Das Eis ist wahrscheinlich dünn, weich und breiig, gewissermassen biegsam», sagt Don Perovich, Geophysiker am Dartmouth College. «Das kann man an den wellenähnlichen Formationen erkennen.»

Die hellere Eisschneise am rechten Bildrand könnte durch Bewegungen des Eises von links nach rechts entstanden sein, glaubt Perovich. Solche Formen entstünden, wenn zwei dünne Eisschichten aufeinandertreffen. Dadurch schlidderten Eisblöcke über- und untereinander, und es entstehe eine Struktur, die an einen Reisverschluss oder ineinander fassende Finger erinnere.

Mitarbeit: Christoph Seidler

Vom Ende der Ewigkeit – eine Reise durch bedrohte Polarwelten

Das könnte dich auch interessieren:

5 Mal, in denen Sacha Baron Cohen in seiner neuen Show definitiv zu weit gegangen ist 😂

Fox-Moderatorin lästert über Dänemark – die dänische Antwort ist genial 👊

Das Mädchen von der Babyfarm

«Kein Leben, kein Geld und einen kaputten Körper» – so hart ist es, eine Ballerina zu sein

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • San Doro 27.04.2018 21:39
    Highlight Böse Robben die machen unser ewiges Eis kaputt! Sofort niederknüppeln!! ;-)
    5 1 Melden
  • Pana 27.04.2018 19:02
    Highlight Ein Wal mit Platzangst, oder finnische Touristen beim Eisfischen.
    1 2 Melden
  • seuchengaul 27.04.2018 17:40
    Highlight Meine gut fundierte Vermutung: Die Robben rufen ihre ausserirdischen Verwandten. Die sollen sie nach Hause holen!
    4 1 Melden

Deshalb solltest du dein Handy nicht ans rechte Ohr halten

Hochfrequente elektromagnetische Felder können sich bei der Nutzung von Mobiltelefonen nachteilig auf die Entwicklung der Gedächtnisleistung von bestimmten Gehirnregionen auswirken. Das ergab eine Studie mit fast 700 Jugendlichen.

Die wichtigste Expositionsquelle für hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) für das Gehirn ist die Verwendung eines Mobiltelefons in der Nähe des Kopfes. Studien, welche die gesundheitlichen Auswirkungen solcher Felder analysierten, konnten bisher jedoch keine eindeutigen Ergebnisse liefern, wie aus einer Mitteilung des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) vom Donnerstag hervorgeht.

Ein Forschungsteam um Martin Röösli vom Swiss TPH hat nun den Zusammenhang …

Artikel lesen