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Eine neue Tarnkappe macht Objekte unsichtbar: Das funktioniert sogar bei Menschen – unter gewissen Umständen

Forscher haben eine massgeschneiderte Tarnkappe entwickelt, die sich wie eine dünne Haut um einen Gegenstand schmiegt. Bisher macht die Technik nur winzige Objekte unsichtbar. Grössere wären aber möglich, sogar Menschen – sofern sie stillhalten.

18.09.15, 06:50 18.09.15, 08:24

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Unsichtbarkeitsforschung boomt – weltweit arbeiten zahlreiche Labore an verschiedenen Tarnkappen, die Gegenstände unsichtbar machen sollen. Die meisten Ansätze nutzen künstliche Materialien mit negativem Brechungsindex – auch als Metamaterial bezeichnet.

2006 gelang es Forschern der Duke University damit erstmals, elektromagnetische Wellen um ein Objekt herumzulenken. Seitdem wurde die Tarnkappentechnik immer weiter verbessert – allerdings funktioniert der Trick meist nur mit Licht einer bestimmten Farbe und nicht für grössere Gegenstände. Zwar hatten Karlsruher Forscher kürzlich auch grössere Objekte unsichtbar gemacht, ihre Technik lässt sich aber wiederum nur im Nebel oder in ähnlich optisch diffusen Umgebungen wie Milchglas anwenden.

Massgeschneidert: Tarnkappe schmiegt sich um zu versteckendes Objekt.
Bild: dpa

Nun haben Wissenschaftler aus dem kalifornischen Berkeley einen anderen Ansatz gewählt: Die Tarnkappe schmiegt sich wie eine dünne Haut um das zu verbergende Objekt. Statt Licht um einen Gegenstand herumzulenken, reflektiert die Hülle auftreffendes Licht.

Winzige Goldantennen strahlen Licht ab

Auf der Oberfläche der Tarnhaut sitzen zahlreiche winzige Goldantennen, die Licht aufnehmen und wieder abstrahlen. Form und Grösse der Antennen bestimmen dabei die genaue Weise, wie das Licht abgegeben wird. Die Abstrahlung wirkt, als sei das Licht von der Fläche reflektiert worden, auf der das nun unsichtbare Objekt liegt.

Die optischen Eigenschaften der Tarnhaut müssten für jeden Gegenstand sorgfältig massgeschneidert werden, wie die Entwickler um Xiang Zhang von der Universität von Kalifornien in Berkeley im Fachmagazin «Science» berichten.

Die Forscher demonstrierten die Funktion mit einem 0.036 Millimeter kleinen Plättchen, auf das runde Erhebungen von einem tausendstel Millimeter Höhe aufgebracht waren. Diese künstliche Mikro-Landschaft überzogen sie mit einer massgeschneiderten Tarnkappe, die mit einer Dicke von 80 Nanometern rund tausendmal dünner war als ein menschliches Haar. Tatsächlich blieb das Miniobjekt in Versuchen mit rotem Licht unsichtbar.

Nach Ansicht der Forscher lässt sich dieses Prinzip auch für grössere Objekte anwenden. Allerdings funktioniert es nicht für das komplette sichtbare Spektrum. Und ein Mensch dürfte sich mit seiner massgeschneiderten Tarnkappe nicht bewegen – durch die dabei unvermeidbare Veränderung seiner Form verlöre sie sofort ihre Wirkung.

khü/dpa

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 18.09.2015 07:03
    Highlight Harry Potters Unsichtbarkeitsumhang lässt grüssen.
    1 0 Melden
  • Luesae 18.09.2015 06:54
    Highlight So wie bei Harry Potter? 😍
    1 0 Melden

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