Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
tier ratte nagetier shutterstock

Ratte in einem Käfig: Reue nach falscher Futterentscheidung. Bild: Shutterstock

Suche nach Futter

Auch Ratten kennen Reue

Ein sehnsüchtiger Blick zurück zum Futter – entscheiden Ratten sich auf Nahrungssuche falsch, empfinden sie anschliessend Reue. Messungen im Gehirn legen nahe, dass die Tiere eigene Fehleinschätzungen bemerken und aus diesen lernen.

10.06.14, 18:34 11.06.14, 11:42

Ein Artikel von

Reue ist ein wichtiges Gefühl: Es beeinflusst zukünftige Entscheidungen. Inwiefern Tiere ihre Entschlüsse bedauern können, ist vielfach unklar. Prinzipiell sei es wichtig, Reue und Enttäuschung voneinander zu unterscheiden, berichten Forscher. «Enttäuschung ist die Erkenntnis, dass das Ergebnis schlechter ist als erwartet; Bedauern ist die Erkenntnis, dass das schlechtere Ergebnis die Folge der eigenen Fehlentscheidung ist.» 

Ratten haben offenbar die Fähigkeit, Letzteres zu erkennen, zumindest, wenn sie bei der Futtersuche nicht die lohnendste Entscheidung getroffen haben. Darauf weise ihre Hirnaktivität hin, berichten Adam Steiner und David Redish von der University of Minnesota in Minneapolis im Fachmagazin Nature Neuroscience.

Blick zurück zur verpassten Chance

Um zu ergründen, ob Ratten Entschlüsse bedauern können, entwickelten die Forscher einen mit Leckereien gespickten Suchparkour. In diesem durchliefen die Tiere in einem Rundlauf immer wieder vier Zonen. In jeder befand sich ein Futterspender, der Nahrung einer bestimmten Geschmacksrichtung austeilte. Die Sortenzuteilung änderte sich nicht, die jeweilige Ratte wusste während des gesamten Experiments, wo mit welchem Futter zu rechnen war. 

Betrat die Ratte eine Zone, signalisierte ihr ein Ton, wie lange sie auf Nahrung warten müsste: je höher der Ton, desto länger die Wartezeit. Die Ratte musste jedes Mal aufs Neue abwägen, wie lange sie auf Futter der jeweiligen Geschmacksrichtung warten wollte. Alternativ konnte sie direkt zur nächsten Zone weiterlaufen. Der Entschluss fiel abhängig davon, wie sehr die Ratte das jeweilige Futter mochte und wie lange sie darauf warten musste. Jeder Durchlauf dauerte insgesamt 60 Minuten. 

In einigen Fällen schlugen die Ratten eine eigentlich recht attraktive Kombination aus Geschmack und Wartezeit aus – und mussten dann damit klarkommen, dass das nächste Angebot ein deutlich schlechteres war. In diesen Fällen warfen die Tiere häufig einen Blick zurück auf die verpasste Chance. An der nächsten Station waren sie zu längerem Warten auf das Futter bereit, das sie zudem hastiger frassen. 

Erfahrung macht klug

Schon dieses Verhalten weise auf Bedauern hin, schreiben die Forscher. Die neuronalen Reaktionen im Hirn der Ratten hätten dies bestätigt. Berücksichtigt wurden Nervenbahnen in Hirnregionen, die für das Gedächtnis und die emotionale Bewertung von Situationen sowie für das Zusammenspiel von Motivation, Emotion, Kognition und Bewegungsverhalten mitverantwortlich sind. 

Die Wissenschaftler entdeckten bestimmte Reaktionen im Gehirn, die ausgelöst wurden, wenn die Ratten ihre Lieblingsgeschmacksrichtung erwarteten. Solche Aktivitätsmuster gab es auch, wenn die Tiere zu einer Zone zurückschauten, deren Futter sie verpasst hatten. Offenbar war ihnen klar, was sie durch ihre Entscheidung verpassten. Die Wissenschaftler schliessen, dass Empfindungen ähnlich dem menschlichen Bedauern die künftigen Entscheidungen von Nagetieren beeinflussen. (jme/dpa)

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

«So sieht es aus, wenn man verhungert»

Ein Video aus der Arktis zeigt drastisch die Folgen des Klimawandels für Eisbären: Ein junges Tier schleppt sich abgemagert durch die Landschaft. Vermutlich waren es seine letzten Stunden, schreibt der Fotograf.

Er probiert aufzustehen und ein paar Meter zu gehen - doch jeder Schritt fällt dem völlig abgemagerten Tier schwer, es kann kaum die Hinterläufe bewegen. Dann sucht es in einer Mülltonne am Rande einer Inuit-Siedlung nach etwas Essbarem und kaut auf irgendeinem Stück Müll herum. Am Ende des Clips liegt der Eisbär entkräftet da und schaut mit leerem Blick in die Kamera.

«So sieht es aus, wenn man verhungert. Der Muskelschwund, keine Energie. Es ist ein …

Artikel lesen