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Neandertaler-Schädel (vorn) und Schädel eines modernen Menschen: Der robuste Vetter starb aus. Bild: AP

Gewaltige Eruption in Italien: Gab ein Vulkanausbruch den Neandertalern den Rest?

Vor 40'000 Jahren neigte sich die Ära der Neandertaler allmählich ihrem Ende zu: Immer weniger von ihnen bevölkerten die eisfreien Gebiete Europas. Den Todesstoss gab unseren robusten Vettern der Ausbruch eines Supervulkans, vermuten Forscher. 

23.03.15, 19:50

Westlich von Neapel erstrecken sich über eine Fläche von mehr als 150 km² die Phlegräischen Felder, ein Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität. Tief unter den Thermalquellen und Schwefeldämpfen lauert einer der 20 Supervulkane unseres Planeten. Vor 40'000 Jahren brach das Monster aus – die gewaltige Eruption blies 80 bis 150 km³ Lava und Vulkanstaub in die Atmosphäre. Der Ascheregen reichte bis in die russische Steppe. 

Für die bereits stark zurückgegangene Population der Neandertaler könnte dieser katastrophale Vulkanausbruch den Todesstoss bedeutet haben. Das vermutet ein Forscherteam um Benjamin Black von der University of California in Berkeley, das seine Studie im Fachmagazin «Geology» veröffentlicht hat. 

Fortpflanzungsmuffel Neandertaler

Zwar gibt es noch weitere Faktoren, die zum Aussterben unserer Verwandten geführt haben. Einer der wichtigeren dürfte gewesen sein, dass unsere direkten Vorfahren sich fleissiger vermehrten als der Neandertaler. So verdrängte der moderne Mensch, der Homo sapiens, den Homo neandertalensis allmählich. 

Der Ausbruch des Supervulkans unter den Phlegräischen Feldern beschleunigte diesen Vorgang, wie Berechnungen der Wissenschaftler vermuten lassen. Gemäss ihren Computersimulationen wurden damals genügend Schwefelaerosole freigesetzt, um das Klima über mehrere Jahre hinweg deutlich abzukühlen. 

Fataler «vulkanischer Winter»

Die Abkühlung in diesem sogenannten «vulkanischen Winter» war zwar in Osteuropa und Asien am stärksten, doch auch in Westeuropa – damals die Heimat der grössten Neandertaler-Bevölkerung – gingen die Temperaturen während ein, zwei Jahren um zwei bis vier Grad zurück. Obwohl «die Zentren der frühmenschlichen Besiedelung damit der stärksten Abkühlung» entgingen, wie die Forscher schreiben, erschwerte der Kälteeinbruch den Frühmenschen das Leben erheblich – und zwar sowohl dem Neandertaler wie dem modernen Menschen. 

Die Folgen der Eruption reichten allein nicht aus, um das Verschwinden der Neandertaler in Europa zu erklären, räumen Black und sein Team ein. Doch während unsere Vorfahren die widrigen Verhältnisse überlebten – möglicherweise weil sie flexibler und anpassungsfähiger waren –, dezimierte diese Klimaverschlechterung die bereits stark zurückgegangenen kleinen Gruppen von Eiszeitmenschen weiter. Vor 35'000 Jahren gab es keine Neandertaler mehr. (dhr)

1.Der moderne Mensch – also wir – ist die einzige noch lebende Art der Gattung Homo. Was bedeutet sein wissenschaftlicher Name «Homo sapiens» auf Deutsch?
Shutterstock
Der denkende Mensch
Der weise Mensch
Der bauende Mensch
2.Wie alt ist das derzeit älteste Fossil eines Vertreters der Gattung Homo?
2,8 Millionen Jahre
2,1 Millionen Jahre
1,7 Millionen Jahre
3.Eines der bekanntesten Fossilien ist Lucy. Das weibliche Teilskelett wurde 1974 in Äthiopien gefunden. Zu welcher Art gehört Lucy?
Homo antecessor
Ardipithecus ramidus
Australopithecus afarensis
4.Wie kam Lucy zu ihrem Namen?
Sie wurde nach dem Beatles-Song «Lucy in the Sky with Diamonds» benannt.
Sie wurde nach ihrer Entdeckerin Lucy Leakey benannt.
Arizona State University
Sie wurde nach der Tochter ihres Entdeckers Donald Johanson benannt.
5.Was verstehen die Paläontologen unter dem Begriff «Hominini»?
Die Untergruppe der Affen in der Ordnung der Primaten.
Die Unterabteilung der Familie der Menschenaffen, die alle Arten der Gattung Homo umfasst.
Die Familie der Menschenaffen einschliesslich des Menschen.
6.Welche Art des Homo wanderte als erste aus Afrika aus und besiedelte Eurasien?
Homo habilis
Homo rudolfensis
Homo erectus
7.Die Olduvai-Schlucht gilt – neben dem Afar-Dreieck in Äthiopien und der südafrikanischen Provinz Gauteng – aufgrund der vielen Funde von homininen Fossilien als «Wiege der Menschheit». In welchem Land liegt diese bedeutende Fundstätte?
Wikipedia
Wikipedia
Somalia
Wikipedia
Kenia
Wikipedia
Tansania
8.2003 wurden auf der indonesischen Insel Flores Skelette einer ausgestorbenen Menschenart gefunden. Der Flores-Mensch, nach dem Fundort Homo floresiensis benannt, war auffallend klein, was ihm den Spitznamen «Hobbit» eintrug. Wann starb dieser Urmensch aus?
EPA
Etwa vor 13'000 Jahren
Etwa vor 150'000 Jahren
Etwa vor 1 Million Jahren
9.Als der moderne Mensch aus Afrika nach Europa wanderte, lebte dort bereits der Neandertaler. Vor rund 30'000 Jahren starb dieser Urmensch aus. Welche dieser Aussagen über den Homo neanderthalensis trifft zu?
AP
Vom Neandertaler zum Homo sapiens gab es keinen Gen-Fluss.
Der Neandertaler hatte im Schnitt ein etwas grösseres Gehirnvolumen als der Homo sapiens.
Neandertaler besassen ein deutlich vorspringendes Kinn.
10.Was versteht man unter einem Cro-Magnon-Menschen?
Es handelt sich um eine Kreuzung zwischen Neandertaler und Homo sapiens.
Cro-Magnon-Mensch ist eine andere Bezeichnung für den Homo ergaster.
Es ist der Homo sapiens in der Ära seit seiner Ankunft in Europa vor 40'000 Jahren bis vor ca. 12'000 Jahren.
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