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Lucrezia Borgia: Die päpstliche Bastardbrut der Renaissance

Mögliches Porträt von Lucrezia in ihren späteren Jahren, Gemälde von Bartolomeo Veneziano, um 1510. Bild: wikimedia

Heute reisen wir in die Renaissance – und zwar mitten in deren Herz, wo Lucrezia Borgia lebt, die Tochter des Papstes, der als der moralisch deformierteste aller Kirchenväter in die Geschichte einging. Musste darum nicht auch sie ein lasterhaftes Weib sein?

11.06.17, 19:54 13.06.17, 16:36

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Mit ihrem eigenen Vater, dem Papst Alexander VI., habe sie sich vergnügt – und auch nach ihren älteren Brüdern Cesare und Juan griffen ihre gierigen, verführerischen Hände. Die Borgias, eine «Familie von Teufeln» (Victor Hugo), die den Heiligen Stuhl mit ihren blutschänderischen Perversitäten besudelte. 

Lucrezia Borgia ist eine Gestalt, die längst zum Mythos geworden ist. Gewoben aus Fetzen tatsächlich gelebten Lebens, bösartigen Gerüchten und sittlich verletzter Empfindsamkeit. Zur Weiterverarbeitung den nachfolgenden Jahrhunderten übergeben, wo man je nach Geschmack des Zeitgeistes auch gern etwas Neues hinzufügte – so zum Beispiel einen Balkon am Borgia-Palast, von dem sie ihre Liebhaber in den Tod gestürzt haben soll. Nur wurde der erst gebaut, als Lucrezia schon längst nicht mehr unter den Lebenden weilte.

Ist dies wirklich das Bildnis Lucrezia Borgias oder hat Bartolomeo Veneto ca. 1520 schlicht ein weibliches Idealbildnis geschaffen? Heute wird die Zuschreibung bestritten. bild: wikimedia

Allein ihre Herkunft bietet genug Stoff, diese Frau mit wilden, verbrecherischen und leidenschaftlichen Zügen zu füllen. Sie war die Tochter eines Papstes, der lebendige und sehr öffentlich zur Schau gestellte Beweis des väterlichen Zölibatbruchs. Sie war aber längst nicht die einzige Frucht, die aus einer solch verbotenen Verbindung hervorging. Im freizügigen Rom der Renaissance war es keine Seltenheit, dass Priester, Kardinäle, Bischöfe und Päpste Kinder zeugten. Man nannte sie beschönigend «nipoti» (Neffen) – und betrieb mit ihnen Nepotismus in seiner reinsten Form: Die Geistlichen vergaben ihren Bastardsöhnen ertragreiche Pfründen, einen Teil des Kirchenstaates oder den Kardinalstitel. 

Papst Alexander VI., nach einem Gemälde von Cristoforo dell'Altissimo. bild: wikimedia

Diese kirchlichen Herren waren keine Vorbilder für das fromme Volk. Sie lasen nicht aus dem Evangelium, sondern verschacherten Ämter, verkauften den Himmel und die göttliche Gnade. Manch einer, an dem die Sorge um sein Seelenheil nagte, leerte angstvoll sein ganzes Erspartes in die Ablasskasse, um dem Fegefeuer zu entgehen. Die römische Kurie machte Gott zum Bürgen des Sündengeschäfts, schamlos verstrickte sie den Herrn in ihre vor Dreck strotzenden, irdischen Geschäfte. 

Bis einem Mann der Kragen platzte und er laut herausschrie, was sein Jahrhundert von diesem unheiligen Schacher hielt. Der Mann hiess Martin Luther und seine Empörung, 1517 in Wittenberg ausgestossen, sollte bald in ganz Europa widerhallen. 

37 Jahre zuvor, am 18. April 1480, wird Lucrezia mitten in diese sündige römische Welt hineingeboren. Sie ist das dritte Kind, das der Liebesbeziehung des Kardinals Rodrigo Borgias mit der verheirateten Vanozza de’ Cattanei entspringt. Ihre Brüder heissen Cesare und Juan, zwei Jahre nach Lucrezia folgt Jofré. Der Vater gibt seiner Tochter einen unchristlichen Namen, er denkt dabei an die antike Heldin Lucrezia, die sich nach einer Vergewaltigung eigenhändig einen Dolch in die Brust stösst, um ihrem nun ehrlos gewordenen Leben ein Ende zu bereiten. 

Der Selbstmord der antiken Sagenheldin Lucretia gemalt von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553). bild: wikimedia

Noch hält er sich im Verborgenen, besucht seine Geliebte durch den Hintereingang. Denn Rodrigo will nicht Kardinal bleiben. Er hat Grösseres im Sinn. 

Mit acht Jahren wird Lucrezia ins Haus von Adriana de Mila geschickt, einer Cousine ihres Vaters. Dort soll sie einen adligen Schliff bekommen, sie wird von Privatlehrern in Latein, Griechisch, Malen, Musik, Tanz und im Schmieden von Versen unterrichtet. Sie spricht Italienisch, Spanisch und Französisch. Doch bei aller Bildung, die den adligen Frauen zukommt, lautet auch in der Renaissance die Faustregel: Sie sollen mit ihrem Wissen niemals die Männer überflügeln. 

Rodrigo Borgia wird Papst

Am 11. August 1492 schleppt Adriana Lucrezia am frühen Morgen schon auf den Petersplatz. Ein paar Stunden später steht da hoch oben auf dem Balkon ihr Vater, stattlich und mächtig, mit seinen starken Händen segnet er das jubelnde Volk unter ihm. Rodrigo Borgia ist der neue Papst. Alexander VI. Er hat es geschafft – dank seinem Wahlhelfer Ascanio Sforza, der die Kardinäle mit Pfründen, Ämtern, Abteien und Bistümer von der Richtigkeit dieser Wahl überzeugte.

Der wohlgenährte Kardinal Ascanio Sforza. Seine Familie stellte von 1450 bis 1535 die Herzöge von Mailand. bild: wikimedia

Dass Alexander VI. als der verruchteste und moralisch deformierteste Vater in die Kirchengeschichte eingehen wird, weiss er nicht. Und selbst wenn er es gewusst hätte, hätte es ihn wahrscheinlich wenig gekümmert. Kritik kann diesem Mann nichts anhaben. Alles, was ihn interessiert, ist seine Familie. Seine Borgia-Bastarde. Um ihnen eine Karriere zu ermöglichen, lässt er sich als ihren Vater eintragen, führt seine Sprösslinge öffentlich und in masslosem Prunk ganz Rom vor. Er will ein Borgia-Imperium – und er wird es bekommen.

Irgendwo inmitten des tobenden Pöbels recken sich zwei Arme in Richtung Papst, sie halten ein zwölfjähriges Mädchen in die Höhe, es ist Lucrezia, und zum ersten Mal mag sie vielleicht das Ausmass der Mächtigkeit ihres Vaters im Herzen gespürt haben, das sich fortan immer mehr mit Stolz über ihre Herkunft anzufüllen beginnt.

Rom um 1490; Holzschnitt aus Hartmann Schedels Weltchronik. bild: wikimedia

Doch sie bleibt ein Mädchen. Ihre Rolle beschränkt sich auf das Gattinnensein. Nun, da ihr Vater Papst ist, hat sie eine Wertsteigerung auf dem Heiratsmarkt erfahren. Der fleissige Sforza hat durch seinen Wahleinsatz noch etwas gut bei Alexander VI. – und schlägt seinen Verwandten Giovanni Sforza als Gatte vor, den verwitweten Stadtherrn von Pesaro.

Lucrezia wird nicht gefragt. Obwohl der Papst dem Prinzip des Ehekonsenses verpflichtet wäre, hält er es wie ein typischer Adliger der Renaissance: Die Heirat sollte politischen Nutzen bringen, an Liebe war hier nicht zu denken.

Mit 13 Jahren kriegt Lucrezia also ihren ersten Ehemann. Geheiratet wird in der Peterskirche, der 27-jährige Giovanni kniet mit seiner Angetrauten auf silbernen Kissen zu Füssen Alexanders VI. Die Mutter ist nicht geladen, das Los einer Papstgeliebten.

Giovanni kehrt danach zurück nach Pesaro, wegen der Jugendlichkeit der Braut soll die Ehe erst später vollzogen werden. Aber offenbar wird sie in den ganzen vier Ehejahren nicht vollzogen. Nicht in Pesaro und auch nicht in Rom, wo die beiden gemeinsam im Palazzo Santa Maria di Portico wohnen. Dieser hat einen direkten Zutritt zur Peterskirche und damit auch zum Papstpalast. 

Der Vorgängerbau des Petersdoms, auch Alt-St.Peter genannt. Er wurde von Konstantin dem Grossen um 324 als Grabeskirche über dem vermuteten Grab des Apostels Simon Petrus errichtet. bild: wikimedia

Alexander VI. ist nicht zufrieden mit seinem Schwiegersohn. Er ist träge, sitzt untätig herum, während er aus der päpstlichen Kasse besoldet wird. Ein schneidiger Feldherr ist etwas anderes. 1497 beginnt Giovanni zu dämmern, dass die Borgia ihn loswerden wollen. In der Nacht flieht er auf seinem Pferd nach Pesaro, wo sein Pferd tot unter ihm zusammenbricht. 

Eine Scheidung war zu dieser Zeit ein grundsätzliches Tabu, doch man konnte eine Ehe für ungültig erklären. Ein Grund dafür war deren Nichtvollzug. Dafür musste sich Giovanni allerdings für impotent erklären. Wie peinlich für einen jungen Mann, der mitten in der Blüte seines Lebens steht. Zunächst weigert er sich. Ein Verwandter rät ihm, seine Potenz unter Beweis zu stellen. In mittelalterlichen Eheprozessen und vereinzelt auch noch in der Renaissance war dies eine gängige Praxis: Der Mann sollte in Gegenwart von Zeugen mit einer anderen Frau schlafen. Doch soweit kommt es nicht. Der Papst macht Druck und bietet ihm viel Geld, sodass der gekränkte Giovanni letztlich die Impotenz-Papiere unterschreibt.  

Doch seine Rache sollte die Borgias bis in die heutige Zeit verfolgen. Überall verbreitet er das Gerücht, dass seine Ehe nur aufgelöst worden sei, damit der Papst und sein Sohn Cesare ungestört Blutschande mit Lucrezia treiben könnten. 

Lucrezia – eine Schachfigur auf dem Brett der päpstlichen Schaukelpolitik

Es ist nicht das erste Mal, dass Alexander VI. die Kirche für seine Zwecke missbraucht. Lucrezias Bruder Cesare ist 18 Jahre alt, als ihm sein Vater den Kardinalshut übergibt. Papstneffen akzeptierte man bis anhin in der Kurie, aber einen Sohn?

Der zweitälteste Sohn Juan wird derweil zum Oberbefehlshaber der päpstlichen Armee ernannt. Unverholen verwandelt der mächtige Borgia den Heiligen Stuhl in ein Familienunternehmen, er, der spanische Emporkömmling, der von den alteingesessenen italienischen Adelsfamilien mit Neid und Hass beäugt wird.

Links: Cesare Borgia als Herzog von Valentinois, Porträt von Bartolomeo Veneto. Rechts: Traditionell für Juan Borgia gehaltenes Porträt, entstanden nach seinem Tod. bild: wikimediakleio

Das unschöne Resultat ist ein toter Juan, der im Jahr 1497 im Tiber treibt. Alexanders VI. Klageschreie über den Verlust seines Lieblingssohnes erfüllen nächtelang die Räume seines Palastes. Doch vorsichtiger macht es ihn nicht. Unerschrocken spielt er das gefährliche Spiel weiter.

Der denkbar unreligiöse Cesare will seinen roten Hut ablegen und die Rolle Juans als Kriegsherr übernehmen. Papa macht's möglich. Noch niemals zuvor besass ein Kardinal die Frechheit, von seinem Amt zurückzutreten. Kardinal blieb man bis an sein seeliges Ende. Cesare nicht. Er sollte sich in der Romagna – im norditalienischen Gebiet um Ravenna – ein neues Herzogtum für die Borgia zusammenerobern. 

Italien um 1494: Die grossen Fünf waren damals das Herzogtum Mailand, die Republik Venedig, die Republik Florenz, der Kirchenstaat und das Königreich Neapel. Mantua, Ferrara und Urbino waren wichtige kulturelle Zentren. bild: wikimedia

Nun, da er sich wieder gänzlich frei in der weltlichen Welt bewegen darf, sucht sich der Frauenheld und Draufgänger eine Ehefrau. Er wendet sich nach Spanien, an den Hof Friedrichs von Neapel, wo dessen angeblich ausnehmend hässliche Tochter Carlotta wohnte. Doch sie will den arroganten Borgia nicht. Also stöbert er auf französischer Seite, bei den Feinden Spaniens, und findet dort Charlotte d'Albert, die Schwester des Königs von Navarra. 

Diese Ehe strahlt fortan böse in Lucrezias Leben hinein. Denn Ferdinand der Katholische tobte über diese päpstliche Hinwendung zu Frankreich, und droht in grossmächtiger Manier, Alexander VI. abzusetzen. Der Papst zeigt sich davon unbeeindruckt. Sein Sohn Cesare kriegt für seinen Romagna-Feldzug französische Unterstützung – der Fall liegt klar. Die päpstlichen Interessen haben sich auf die andere Seite geschaukelt – und die Abkömmlinge des spanischen Hofes sind nicht mehr länger erwünscht. 

Der 7-jährige Alfonso von Aragón. Spanien und Frankreich meldeten dubiose Erbansprüche auf verschiedene italienische Gebiete an. Das Ganze endete im Chaos der italienischen Kriege. Mittendrin der Kirchenstaat, der mit seiner Schaukelpolitik das Gleichgewicht immer wieder empfindlich störte. bild: wikimedia

Zu diesen gehört auch Alfonso von Aragonien, der zweite Gatte Lucrezias, ein gut aussehender und sanfter Mann und der rechtmässige Erbe des napolitanischen Throns. Der Papst hatte ihn gemeinsam mit Cesare für Lucrezia ausgesucht, doch nun passt er nicht mehr in deren Politik. Die Franzosen erheben Anspruch auf Alfonsos Platz. Und mit der Papsttochter hat man bereits Grösseres im Sinne.

Mord im Vatikan

1500 – das heilige Jahr – wird für Lucrezia zum Schicksalsjahr. Ihr Sohn Rodrigo ist noch kein Jahr alt, sie ist inzwischen zu etwas wie der Pimera Donna Italiens aufgestiegen, stets herausgeputzt und mit golden glänzendem Haar empfängt sie Kardinäle in ihrem prächtigen Palast und nimmt sie mit ihrer fröhlichen Art für sich ein. Leben kann sie unbekümmert mit der Hand in der Papstkasse. Zuversichtlich und von Liebe erfüllt schaut sie in die Zukunft, die eines Nachts jäh in sich zusammenfällt.

Alfonso ist auf dem Weg zum Palast seiner Frau, als er von maskierten Männern überfallen wird, die ihm ihre Dolche in den Körper rammen. Lucrezia fällt beim Anblick ihres blutüberströmten Alfonso in Ohnmacht. Der Verletzte wird in den Gemächern des päpstlichen Apartamento gesund gepflegt, Lucrezia selbst versorgt ihn – und postiert Wachen vor seiner Tür. 

Am 18. August stehen die Männer ihres Bruders Cesare vor dem Krankenzimmer. Die Wachen haben sie verhaftet, ein Komplott sei aufgedeckt worden. Die fassungslose Lucrezia wird zum Papst geschickt, der sie über die Sache aufklären sollte. Als sie zurückkommt, ist ihr Mann tot. Erdrosselt von Cesares Hauptmann. Die vom Bruder brutal zur Witwe Gemachte bricht geräuschlos zusammen. Sie klagt nicht. Sie schweigt eisern, doch in ihr drin glüht die Wut auf ihre Familie. 

«Da Alfonso von Aragonien an seinen Wunden einfach nicht sterben wollte, wurde er um vier Uhr nachmittags erdrosselt.»

Johannes Burchard, päpstlicher Zeremonienmeister 

Die Botschafter verbreiten diesen ungeheuerlichen Skandal in ganz Europa. Nun ist auch der Papstpalast entweiht, der Vatikan zum blutbesudelten Tatort geworden. Nichts unterscheidet ihn mehr von einem weltlichen Fürstenhof. 

Lucrezia zieht sich mitsamt ihrem Schmerz zurück nach Nepi. Es ist ein Schmerz, der sie ganz bleich gemacht hat, fast schon durchsichtig. Über Nepi herrscht die Papsttochter seit zwei Jahren, den Titel hat ihr der Vater zugeschanzt. 

Traditionell für Lucrezia Borgia gehaltenes Porträt im Appartamento Borgia im Vatikan, dargestellt als Heilige Katharina. bild: wikimedia

Zwei Monate vergehen, 60 Tage in «Missmut und Verdruss», wie sie einem vertrauten Diener schreibt. Dann taucht unverhofft ihr Bruder Cesare in Nepi auf. Sein Feldzug in die Romagna führt ihn hier vorbei.

Und was macht Lucrezia? Sie verzeiht ihrem Bruder den Gattenmord. Er habe in Notwehr gehandelt, lügt er seiner Schwester dreist ins Gesicht. Cesare, der an der Hochzeit von Lucrezia und Alfonso als Einhorn verkleidet auf die Bühne trat – in der Verkörperung der jungfräulichen Reinheit –, während die Syphilis bereits an seinem Gesicht frass. Cesare, der den Geliebten hinterrücks erdrosseln liess. Hat Lucrezia ihm Glauben geschenkt? Oder wollte sie einfach Frieden schliessen? Wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass sie sich mit der Familie wiedervereint und nach Rom zurückkehrt. 

Die Heiterkeit kehrt ein Jahr nach dem Tod ihres Gatten wieder in ihr Herz und ihre Augen zurück. Lucrezia ist jetzt 21 Jahre alt.

Der dritte Gatte ziert sich: Der Poker mit Alfonso d'Este

Ein paar Mutige tauchen schon auf und wollen die von einer Aura der Gefahr umwitterten Papsttochter zur Frau. Doch Lucrezia wehrt sich einige Zeit erfolgreich gegen die Kandidaten. Über ihre Gatten käme ja doch nur das Unglück, sagt sie. 

Aber der Papst sucht weiter und sein kuppelndes Auge schielt gierig zum Herzogtum Ferrara herüber, zum Erbprinzen Alfonso aus der mächtigen Familie der Este. Doch dieser ist ganz und gar nicht willig, Alexanders VI. Wunsch nachzukommen. Eine rufgeschädigte Papstbrut, eine Borgia, ein Bastard sollte nicht das überall für seinen glänzenden Hof und sein kulturelles Leben hochgeschätzte Ferrara verschmutzen. Ferrara war indes nicht besser. Der Grossvater Alfonsos zeugte über zwanzig aussereheliche Kinder. 

Der zeugungsfreudige Grossvater Alfonsos: Niccolò III. d’Este. bild: lorettabweb

Lucrezia gefällt die Vorstellung nach Ferrara zu gehen. Sie selbst nimmt nun Verhandlungen auf, sie will nicht mehr länger passiv herumgeschoben werden auf dem Schachbrett der mächtigen Männer. Und nicht nur das. Der Papst will dem kleinen Ferrara zeigen, dass seine Tochter sehr wohl heiratswürdig ist. Dies sollte sie beweisen, indem sie während seiner Abwesenheit die gesamte Christenheit regiert. Eine Propagandaaktion des ausgefuchsten Papstes, die jedoch für helle Aufregung sorgt. Eine Frau leitet die Geschicke des Vatikans!

«Vor der Abreise aus Rom übergab er seine Kammer, den ganzen Palast und die laufenden Geschäfte seiner Tochter Lucrezia, die während seiner Abwesenheit die päpstlichen Gemächer bewohnte.»

Johannes Burchard, päpstlicher Zeremonienmeister

Noch immer zögert das Haus Este, stellt am Ende unerhörte Forderungen an den Papst, der diese zähneknirschend erfüllt. Der Pontifex wird geradezu erpresst, am Ende fliessen unzählige Juwelen und eine Mitgift von 100'000 Dukaten nach Ferrara, wertvolle Stoffe und päpstliche Kastelle wechseln ihren Besitzer. Schliesslich ist da noch Cesare, der in der benachbarten Romagna wütet und der jederzeit einen Abstecher in die unbeugsame Stadt unternehmen könnte, um das Haus Este zum Teufel zu jagen.

Am 16. August 1501 wird der Ehevertrag im Vatikan unterzeichnet. Doch es sollte nochmals fast ein halbes Jahr verstreichen, bis die Eheleute in Ferrara endlich aufeinandertreffen. Ihr Sohn Rodrigo muss sie in Rom zurücklassen – so steht es im Vertrag.

Liebschaften und Mäzenatentum – Eine verwöhnte Papsttochter in einer pragmatischen Ehe 

Mögliches Porträt von Lucrezia als Herzogin von Ferrara, Gemälde von Dosso Dossi um 1518. bild: wikimedia

Lucrezia fasziniert die Menschen, die strahlende Schönheit lächelt sich direkt in die Herzen der Ferraresen. Bei ihrem Einzug in die Stadt trägt sie ein Kleid aus goldgewirktem Tuch und dunkler Seide, darüber hat sie einen Hermelinmantel geworfen. Sie sieht aus wie eine Königin – doch dann plötzlich scheut ihr Maultier, aufgeschreckt von dem Getöse – und wirft seine Reiterin unsanft zu Boden. Lucrezia steht auf, grinst den Schmerz weg und setzt ihren Weg fort. Die Menge jubelt in voller Bewunderung der unkomplizierten Papsttochter zu. 

«Die Braut ist sehr schön von Antlitz, mit lebhaften fröhlichen Augen, schlank von Gestalt, scharfsinnig,  sehr klug und weise. Ihr ganzes Wesen atmet stets lachende Heiterkeit.»

Chronist Bernardino Zambotti

Liebe ist es nicht, was die beiden Eheleute verbindet. Wie könnte sie es auch sein, der Leim ihres Bündnisses ist die Politik. Und doch entwickeln Lucrezia und Alfonso Respekt füreinander, sie werden schwere Jahre durchzustehen haben und erfahren, dass sie sich aufeinander verlassen können. 

Alfonso d'Este wird 1505 nach dem Tod seines Vaters Ercole I. d'Este Herzog von Ferrara. bild: wikimedia

Lucrezia muss sich allerdings erst an das Leben in Ferrara gewöhnen. Ihr Schwiegervater Ercole I., der amtierende Herzog, gestattet ihr kein derart luxuriöses Leben mehr, er hat keine Kirchenkasse wie der Papst, aus der sie sich bedenkenlos bedienen könnte. Sie fordert mehr Geld, andernfalls würde sie lieber mit ihren Hofdamen Hungers sterben, droht sie. Der Herzog bleibt ungerührt.

Ihre ersten Jahre am Hof sind von vielen oberflächlichen Festivitäten bestimmt. Lucrezia ist eitel, verwendet Stunden auf ein glanzvolles Auftreten. Sie kleidet sich stets nach der neusten Mode, ein eigener Alchemist liefert ihr Puder. Sie besitzt über 1300 Schmuckstücke, darunter Ketten und Ohrringe aus Diamanten, Perlen Rubinen und Smaragden, auch ein Fächer mit einem Griff aus purem Gold findet sich in ihrem Inventar.

Lucrezia als Herzogin von Ferrara mit ihrem ältesten Sohn Ercole, Silberstich 1512. bild: wikimedia

Und sie liebt die Poesie. Die Papsttochter ist stets umgeben von Dichtern, Malern und Philosophen. Sie hört sich die Vorträge von Erasmus von Rotterdam an, Tizian malt das Venusfest für Alfonsos Studio. Sie lässt sich verehren in schmeichelnden Zeilen – und einmal verliebt sie sich auch. In Pietro Bembo, den schneidigen Kardinal und humanistischen Gelehrten, der ihr so feurige Briefe schreibt. Als Lucrezia ihm ihre goldene Haarlocke zuschickt, ist der Absender ganz trunken vor Freude:

«Ich bin entzückt, dass Ihr täglich ein neues Mittel findet, um meine Liebesflamme auflodern zu lassen.»

Pietro Bembo

Pietro Bembo, Gemälde von Tizian, ca. 1539. bild: wikimedia

Vielleicht haben sich die Lippen der leidenschaftlich Liebenden mal berührt, mehr aber wohl nicht. Denn Lucrezia wird von ihrem oft abwesenden Mann überwacht. Und sie weiss, was mit Frauen passiert, die einen Mann aus der Familie der Este hintergeht. Noch immer ist das Gesetz von Alfonsos Grossvater in Kraft, dem Mann mit den zwanzig Bastarden: Ehebrecherische Gattinnen werden hingerichtet, auf der Richtstätte hinter dem Schloss. Die Este sind rachsüchtige und unerbittliche Fürsten. 

Das bedenkt sie sicher auch, als sie sich ein paar Jahre später in Francesco Gonzaga verliebt, den Markgrafen von Mantua – den Mann ihrer Schwägerin Isabella d'Este, mit der sie einen sehr untergründigen Rivalitätskampf in den Gebieten des Kunstsammelns, des Mäzenatentums und der Schönheit ausficht. Isabella wird ihrer Zeit gefeiert als die gebildeteste Frau der Renaissance, als «prima donna del mondo».

Isabella d'Este gilt auch als eine der Kandidatinnen bei der Frage, wen Leonardo da Vincis «Mona Lisa» darstellt. Links: Isabella d’Este, Zeichnung von Leonardo da Vinci (1499), Mitte: Mona Lisa im Prado (vermutlich eine Kopie), rechts: Mona Lisa im Louvre (1502–06). bild: wikimedia

Lucrezia ist jung, in ihr tobt eine stürmische Seele und sicher ist sie hungrig nach Zärtlichkeit und Anerkennung. Ihr Mann ist oft weg, und selbst wenn er da ist, lodert nicht die Leidenschaft zwischen den beiden, sie sind ein sehr pragmatisches Paar.

Auch diese Liebschaft hat Lucrezia ziemlich sicher nicht gänzlich ausgelebt, das Feuer blieb in den Briefen drin, in denen Francesco schreibt, er habe mit ihr «einen grossen Schatz gefunden». 

Der Tod Alexanders VI. – Das Borgia-Imperium fällt zusammen

Immer wieder erleidet die junge Frau Fehl- und sogar Totgeburten. Und einmal liegt sie danach sterbenskrank für längere Zeit im Bett. Als die Mönche schon Totengebete an ihrem Bett murmeln, kämpft sich die 22-Jährige erschrocken ins Leben zurück. Womöglich hängen die amourösen Abenteuer ihres Gatten mit ihren schwierigen Geburten zusammen. Er vergnügte sich mit Hofdamen genauso wie mit Dirnen und vollbusigen Schankmädchen und brachte so die Syphilis ins Ehebett. 

Der Sohn von Alfonso und Lucrezia: Ercole II. d’Este, gemalt von Nicolò dell’Abbate. bild: wikimedia

Erst nach sechs Ehejahren, im Jahr 1508,  kommt erstmals ein Sohn zur Welt, der das Kindesalter überlebt. Ercole mit der platten Nase, der seinem Vater auf den Thron folgen wird.

1505 stirbt Alfonsos Vater und er muss den Thron in einer Zeit besteigen, die von ihm viel Klugheit und Kraft fordert. Auch Lucrezia ist bereits vaterlos, der Papst erlag zwei Jahre zuvor der Malaria. Der Borgia, der ein Leben lang alles für seine Familie tat, stirbt einen einsamen Tod. Und während Lucrezia trauert, feiern nicht wenige das Ableben des verdorbenen Pontifex mit diabolischen Gerüchten:

«Es gibt auch Menschen, welche versichern, dass sie im Augenblick, da er seinen Geist aufgab, sieben Teufel in seiner Kammer gesehen haben. Als er tot war, begann sein Körper in Gärung zu geraten und sein Mund zu schäumen wie ein Kessel über Feuer. Ein Lastträger schleifte ihn vom Totenbette mit einem Strick am Fuss zu dem Orte hin, wo man ihn begrub, denn niemand wollte ihn berühren.»

Kardinal Francesco II. Gonzaga von Mantua, Geliebter Lucrezias, in einem Brief an seine Frau Isabella d'Este

Mit Alexanders Tod fällt auch das Borgia-Imperium in sich zusammen. Der neue Papst, Julius II., ein Erzfeind der Borgias, sorgt dafür, dass Cesare seine eroberten Städte in der Romagna abgeben muss, er wird verhaftet und an Spanien ausgeliefert. Dort gelingt es ihm, aus der obersten Spitze des Turmes mit Hilfe einer seidenen Schnur zu fliehen, doch war dies sein letztes Husarenstück. Der einst so erfolgreiche Condottiere, den Machiavelli als idealen Prototypen eines «Principe» hält, findet sein Ende im Dienste seines Schwagers, dem König von Navarra. 1507 gerät er während einer Belagerung in einen Hinterhalt und wird von zwanzig bewaffneten Reitern getötet.

Papst Julius II., ewiger Rivale der Borgias und Begründer der päpstlichen Schweizergarde. Porträt von Raffael. bild: wikimedia

Die Zeichen stehen auf Krieg – Die Rache Julius II. an Ferrara

1509 bis 1512 sind Schicksalsjahre für Ferrara. Es herrscht Krieg, der wieder einmal von den Expansionsträumen und der Schaukelpolitik des Papstes ausgelöst wird. Am Ende schmiedet Julius II. die Heilige Liga, verbündet sich plötzlich mit Spanien und Venedig gegen Frankreich, weil ihm Ludwigs XII. Macht in Italien zu viel wird. Alfonso, gerade noch Heeresführer der päpstlichen Armee, wird nun exkommuniziert, weil er sich nicht gegen Frankreich stellen will. 

Lucrezia regiert Ferrara gemeinsam mit dem Rat von zehn Bürgern. Sie versucht, in der Stadt Ruhe zu bewahren und treibt Geld ein für den Krieg. Sogar Teile ihrer so lieben Schmucksammlung versetzt sie. Ihre Welt besteht nun nicht mehr länger aus Glanz, Prunk und Schmeicheleien, aus Gedichten und Liebschaften. Jetzt geht es um ihr Leben, das Leben ihrer Familie. Und sie bewährt sich in dieser schwierigen Zeit. 

Julius II. Rachegelüste gegen Ferrara müssen immens gewesen sein, denn er selbst zieht eine Rüstung an und stolziert durchs Heereslager. Eines Nachts schlägt gar eine Kanone in sein Zimmer ein, sodass nun der Wunsch umso mehr in seinem Herzen brennt, Ferrara mitsamt den schlagkräftigen Geschützen seinem Kirchenstaat einzuverleiben.

Doch Ferrara bekommt Hilfe vom «Ritter ohne Furcht und Tadel», vom französischen Chevalier de Bayard und seinen Truppen. 

Der französische Feldherr Pierre du Terrail, auch Ritter Bayard genannt, kämpft gegen die päpstlichen Truppen. bild: histoiredusoir

«Ich kann wirklich sagen, dass es zu dieser Zeit und lange früher niemals eine hervorragendere Prinzessin gegeben hat. Es ist ganz sicher, dass ebenso wie ihr Gatte ein weiser und tapferer Fürst, so die besagte Prinzessin ihm eine grosse loyale Hilfe gewesen ist durch ihre guten Ratschläge.»

Ritter Bayard über Lucrezia

An einem Ostersonntag, dem 11. April 1512, wird die Entscheidungsschlacht ausgetragen. Ein fürchterliches Gemetzel tobt, während Julius II. seinen «Urbi et orbi»-Segen erteilt. Ritter Bayard schlägt die päpstliche Armee und der Pontifex schliesst Frieden mit Ludwig XII.

Die Schlacht bei Ravenna vom 11. April 1512. bild: wikimedia

Ferrara atmet erst auf, als der Papst am 21. Februar 1513 seine Seele aushaucht. Nachfolger wird Leo X., ein Medici, den Lucrezia noch als jungen Kardinal aus ihrer Zeit in Rom kennt.

Lucrezias letzte Jahre

Die harten Kriegsjahre haben Lucrezia sehr verändert. Ihre in jungen Jahren so freudig ausgelebte Oberflächlichkeit scheint wie ausradiert. Mit 39 Jahren lässt sie sich ihr goldenes Haar abschneiden. Ihr ganzer Stolz hing ein Leben lang daran. Gerade hat sie ihr Kind verloren, ein kleines Mädchen, das nur noch die Nottaufe erfahren durfte, dann holte es Gott zu sich. Was will sie mit ihren schönen Locken auch, wo sie doch nicht mehr aus dem Bett aufstehen wird. Lucrezia spürt, dass es dem Ende zugeht. Ihre Eitelkeit hat sie bereits abgestreift, es fehlt nur noch die päpstliche Benediktion, um vor den Herrn zu treten. Papst Leo X. erteilt sie ihr.

Alfonso kümmert sich bis zum Schluss rührend um seine Gattin. Die Kinder sollen sie jetzt nicht mehr besuchen, sie will nicht, dass sie dem mütterlichen Zerfall beiwohnen. 

In der Nacht des 24. Juni 1519 halten die Ärzte ein letztes Mal eine Kerze vor den Mund der Herzogin. Die Flamme bleibt still.

Das für den Artikel verwendete Buch

Alois Uhl, Lucrezia Borgia. Biographie, 2008.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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23
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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Electric Elephant 13.06.2017 08:46
    Highlight Guter Artikel, Anna! Respekt! Einen kleinen Fehler habe ich noch gesehen... Carlotta war die Tochter von Friedrich von Neapel und nicht von Ferdinand... Ferdinand, hießen sein Vater (Ferdinand I von Neapel) bzw. sein Cousin Ferdinand von Aragon (der Katholische)....
    10 0 Melden
    • Anna Rothenfluh 13.06.2017 09:15
      Highlight Oh danke,Electric Elephant, für die netten Worte und die Korrektur. Hab's berichtigt. Diese elenden F-Könige haha.
      8 0 Melden
  • coronado71 12.06.2017 18:06
    Highlight Wirklich toll geschrieben! Ich mag diese History-Sachen bei Watson sehr. Ihr scheint einige Leute auf der Redaktion zu haben, die sich in solche Recherchen wirklich reinknien. Danke! :-)
    29 3 Melden
  • Dingsda 12.06.2017 15:05
    Highlight Ein toller Artikel! Danke!
    Wie lange brauchten sie ungefähr dafür Frau Rothenfluh?
    17 2 Melden
    • Anna Rothenfluh 12.06.2017 16:14
      Highlight Vielen Dank, Dingsda! Nun ja, ich hab "zu lange" gebraucht haha. Mit Lesen und Recherchieren und allem waren es dann doch fast vier Tage (Sonntag inbegriffen). Aber ich liebe diese Arbeit ja, daher ist es halb so wild.
      31 2 Melden
  • Wilhelm Dingo 12.06.2017 09:00
    Highlight Ein spannender Einblick! Ich bin immer wieder erstaunt wie es Watson schafft, trotz Werbefinazierung solche Artikel zu machen. Das ist der Unterscheid zum sonstigen Gratismüll.
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  • Rabbi Jussuf 11.06.2017 22:34
    Highlight Vielleicht nebenbei noch zu erwähnen, dass Alexander VI. die Welt bis heute geprägt hat. Soweit ich weiss, war er es, der Südamerika in einen portugiesischen und einen spanischen Sektor teilte.
    Der Ausdruck "Reyes Catolicos" für Isabella und Ferdinand (Reconquista und Kapitulation von Granada) stammt von ihm.


    Ich hatte auch einst das Privileg eine Haarlocke von Lukrezia in der Hand zu halten. :-)
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  • dä dingsbums 11.06.2017 22:23
    Highlight Sehr interessanter Artikel, danke.

    Das verkürzt mir die Wartezeit auf das nächste GEO Epoche.
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  • macwat 11.06.2017 22:14
    Highlight Oh nein... wär das eine Seminararbeit, wäre ein FX garantiert. Twitter History: Bunt, gefällig, leicht verdaulich... sorry. Aber ok. Mehr darf man nicht mehr erwarten.
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    • Sapere Aude 11.06.2017 22:38
      Highlight Wusste nicht, dass Watson eine Plattform für das Veröffentlichen von Seminararbeit ist.

      Deine Kritik verdient übrigens das Prädikat ungenügend, sowohl formal wie inhaltlich substanzlos.
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    • olmabrotwurschtmitbürli 12.06.2017 02:24
      Highlight Ich schliesse mich Sapere Aude an:

      Ich fand den Artikel interessant; wer mehr wissen will, soll Bücher lesen.

      Abgesehen davon: @macwat: Legen Sie doch einmal dar, was sie derart unerträglich oberflächlich finden? Finden Sie einfach alles doof oder hat Ihr Kommentar einen zu beachtbaren Grund?

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  • Luca Brasi 11.06.2017 21:10
    Highlight Ah, was für eine Zeit! Familiengeschichten und -feindschaften, Condottieri, die Städte belagerten und Geld auspressten, politisch geschmiedete Ehen, Prunk und Reichtum.
    Besten Dank für diesen Einblick, Signorina Rothenfluh. ;)
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    • Anna Rothenfluh 11.06.2017 21:49
      Highlight Herr Brasi! Immer wieder gern. Haben Sie keinen Fehler erspäht? 😉
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    • Luca Brasi 11.06.2017 22:09
      Highlight Entweder war ich heut Abend unvorsichtig oder Sie haben vergessen einen einzubauen, Signorina. ;)
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    • The oder ich 11.06.2017 23:11
      Highlight Also bei der Story an ein paar Rechtschreibfehlern rumzumäkeln wäre jetzt völlig verfehlt.

      Dank für die Geschichte.
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  • Saltimbanca 11.06.2017 20:48
    Highlight Sehr schön erzählt! Vielen Dank dafür.
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    • Anna Rothenfluh 11.06.2017 21:48
      Highlight Danke für die lieben Worte.
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    • Spooky 12.06.2017 00:33
      Highlight Wenn mir jemand 100 Franken schickt, werde ich Anna auch noch "Sehr schön erzählt" schreiben ;-)))
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    • Anna Rothenfluh 12.06.2017 08:55
      Highlight @Spooky: Hahaha. Wie charmant von dir.
      6 0 Melden
    • Spooky 12.06.2017 19:54
      Highlight @Anna
      "Wie charmant von dir."
      Danke dir! So, jetzt muss ich aber deinen Artikel lesen. Ist sicher spannend :-)))
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  • EmMa42 11.06.2017 20:26
    Highlight Wieder einmal ein sehr interessanter Artikel! Danke Anna!
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    • Makatitom 11.06.2017 20:57
      Highlight Da kann ich mich nur anschliessen!
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    • Anna Rothenfluh 11.06.2017 21:48
      Highlight Vielen Dank und sehr gern geschehen!
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In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus …

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