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Die Künstlerin Milo Moire protestiert nach den Silvesterübergriffen in Köln.  Bild: AP

Frauen sind entweder Huren oder Heilige – «Kaum reden wir über Vergewaltigung, ist es 1955»

Mithu Sanyal zeigt in ihrem Buch «Vergewaltigung», warum wir zu jahrhundertalten Geschlechterstereotypen neigen, wenn wir über sexualisierte Gewalt sprechen – sie bringt Aufklärung in einen irrationalen Diskurs.

12.09.16, 12:31 12.09.16, 12:47

Eva Thöne



Ein Artikel von

Fangen wir zur Abwechslung mal nicht mit Gina-Lisa Lohfink an. Roman Polanski konnte 2003 nicht zur Oscarverleihung reisen, weil er in den USA verhaftet worden wäre: Der Regisseur hatte 1977 die damals 13-jährige Samantha Geimer vergewaltigt. Larry King, gefeierter US-Moderator, lud Greimer deshalb in seine Talk-Show ein, um sie zu der Tat zu befragen: «Waren Sie noch Jungfrau?», fragte King. Sie antwortete: «Ich habe gerade nachgerechnet: Nein.»

«Kaum reden wir über Vergewaltigung, ist es 1955.»

Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin

King war verblüfft, fragte mehrfach nach («Sie hatten also schon vorher Sex?»). Für ihn war die Vorstellung einer sexuell aktiven Pubertierenden nicht vereinbar mit einem jungen Mädchen, das von einem 30 Jahre älteren Mann vergewaltigt wurde. Am Ende fragte er: «Aber Sie hatten schreckliche Schmerzen, nicht wahr?» Und Greimer antwortete: «Nein, die Situation war völlig anders.»

Gibt es ein Thema, bei dem Menschen weniger Ambivalenz ertragen können als Vergewaltigung? Sobald Frauen sich nicht glatt einfügen in das Schema zwischen Heiliger und Hure und Männer in das zwischen Monster und Unschuldsengel, sorgen sie für Irritation. Warum aber ist der Wunsch nach moralischer Eindeutigkeit und klarer Opfer- und Täterschreibung bei sexualisierter Gewalt so gross? Und was sagt es über unsere Geschlechterbilder aus, dass es so wenige Spielräume gibt?

Roman Polanski (M.) 2015 in Polen mit seinem Anwalt. Bild: EPA/PAP

«Kaum reden wir über Vergewaltigung, ist es 1955», sagt Mithu Sanyal. Die Kulturwissenschaftlerin zeichnet in ihrem Buch «Vergewaltigung» faktenreich, objektiv und plausibel nach, wie nicht nur Ideen aus der Nachkriegszeit, sondern gar jahrtausendealte Vorstellungen über männliche und weibliche Geschlechterrollen unterbewusst weiterwirken, sobald wir über sexualisierte Gewalt sprechen.

Bereits Aristoteles ging von einer grösseren inneren Hitze des Mannes aus, während die Frau für ihn in stets einem unfertigen Stadium blieb – intellektuell, aber auch sexuell. Ein Gedanke, der etwa bis ins 19. Jahrhundert fortwirkte in der Idee des galanten Gentlemans, der die Frau umwirbt, letztlich aber überwältigt. Und einer, der noch heute etwa in Frauenmagazinen zu finden ist, wenn diese ihren Leserinnen als Flirttechnik anraten, sich rar zu machen, um bloss nicht zu sexuell interessiert zu wirken.

In diesem Denkrahmen bedeutet Nein nicht Nein. Nein bedeutet Ja – wenn es der Mann nur lange genug probiert. Im Vergewaltigungsdiskurs schlug sich diese Idee noch bis in die Siebziger im deutschen Strafrecht nieder: Bei einem Strafprozess, so Sanyal, wurde nicht nur die sexuelle Vorgeschichte eines Opfers unter die Lupe genommen, sondern auch der Nachweis erwartet, dass die Frau sich gewehrt und den Widerstand die ganze Zeit aufrecht gehalten hatte – ihre Erregung hätte ja später noch einsetzen können.

Gleichsam schwang hier auch stets der Gedanke mit, der Frau werde durch die Vergewaltigung das Wichtigste überhaupt geraubt: Ihre Ehre, die sie deshalb selbstverständlich mit Leib und Leben zu verteidigen hatte. Weil das Ansehen der Männer stets im öffentlichen Raum verhandelt wurde, die der Frau aber über ihren Körper im Privaten, war sie es, die bei einer Vergewaltigung etwas zu verlieren hatte.

Und weil der Mann halt plötzlich irrational wurde, sobald seine Triebe mit ihm durchgingen, war auch die Frau es, die die Verantwortung für diesen Verlust trug; sich etwa zu aufreizend kleidete und so den Mann erregte. Nach der Tat war ihre Ehre meist zerstört oder konnte nur durch Keuschheit wiederhergestellt werden. Im Christentum werden noch heute Frauen als Märtyrerinnen verehrt, die im Kampf gegen einen Vergewaltiger umkamen oder nach einer Vergewaltigung als Nonne lebten.

Aus «Nein heisst Ja» wird «Nein heisst Nein»

Gleichzeitig – Gott sei Dank – existiert diese Sichtweise heute nicht mehr alleine, sondern wird massiv infrage gestellt: Als Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker nach den Übergriffen an Silvester Frauen riet, eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten – die Verantwortung also abermals bei den Frauen verortete – erntete sie eine Welle von Empörung.

Proteste in Köln nach den Übergriffen der Silvesternacht.  Bild: Getty Images Europe

Eingebracht wurde diese neue Haltung durch die Frauenbewegung der Sechziger und Siebziger, die aus dem «Nein heisst Ja» das bekannte «Nein heisst Nein» machte. Das Stigma wurde so umgekehrt. Die Wendung «Alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger » brachte die neue Schuldverteilung auf den Punkt.

«Wir akzeptieren auch heute nur den totalen Zusammenbruch.»

Mithu Sanyal

Die überraschende, jedoch absolut plausible Pointe, die Sanyal aber hier identifiziert: Auch in der feministischen Bewegung wirkt die Formel der asexuellen, verletzlichen Frau und des dominanten Mannes weiter – nur soll der Mann halt seine Triebe nun mal bitte besser kontrollieren. Gerade weil die Situation zuvor verheerend gewesen war, schlug das Pendel jetzt umso heftiger zurück. Das führte zu dem Widerspruch, dass die Rechte der Frauen gestärkt werden sollten, indem ihr Opferstatus besonders vehement betont wurde – und häufig als unantastbar galt, es etwa zum Tabu wurde, Falschbeschuldigungen überhaupt in Betracht zu ziehen.

«Nein heisst Nein»-Aufkleber.

Für einen Mann, der einmal als Täter identifiziert wurde, war ein soziales Leben innerhalb der Gesellschaft kaum mehr möglich – so gross wurde das Stigma. Die Erwartungen an eine vergewaltigte Frau veränderten sich so, starr blieben sie aber dennoch: Von Vergewaltigten wird häufig nicht nur erwartet, das Geschehene zu kommunizieren, um es so zu verarbeiten – sondern auch, sich beschmutzt zu fühlen, sich sexuell zurückzuziehen, Kontakt zu meiden – alles Verhaltensweisen, die an die christlichen Märtyrerinnen erinnern.

Auch hier, merkt Sanyal an, wirkt der uralte Gedanke des Ehrverlusts ausgerechnet in der Emanzipationsbewegung noch weiter, er wird nur anders verpackt. «Wir akzeptieren auch heute nur den totalen Zusammenbruch», sagt Sanyal. «Vergewaltigte Frauen in Therapien erzählen zudem immer wieder, dass vom Umfeld jedes Problem, jede psychische Disposition automatisch auf die eine Tat zurückgeführt wird.» Unabhängig davon, ob hier ein Zusammenhang besteht – wäre es nicht ein Zeichen grösserer Selbstbestimmtheit, wenn die Frau individuell über den Einfluss des Verbrechens auf sich selbst entscheiden könnte?

Gerade bei Vergewaltigungsopfern, deren Fall in der Öffentlichkeit verhandelt wird, bekomme das Wiedererlangen der Autonomie so häufig einen Doppelcharakter: Natascha Kampusch rechnet in ihrem neuen Buch, indem sie die Zeit nach der Befreiung abhandelt, auch mit den Medien und Psychologen ab. Schon vorher hatte sie immer auf ihrer Privatsphäre beharrt, nicht über den sexuellen Missbrauch durch ihren Entführer gesprochen – ein Verhalten, das die Öffentlichkeit nicht einordnen konnte.

Natascha Kampusch 2013.  Bild: EPA

Sanyals Buch ist vor allem eine differenzierte Bestandsaufnahme – die eine grosse Alternative, wie ein besserer Umgang mit Vergewaltigung aussehen könnte, formuliert sie nicht. Aber sie hinterfragt unsere Wahrnehmung und befreit den verstellten Blick, indem sie präzise nachzeichnet, wann wir Annahmen mit Tatsachen gleichsetzen und so unser Handeln von Stereotypen lenken lassen.

Und ist es nicht eben dieser Ballast, der auch daran hindert, aktiv zu gestalten? Allein, mit der erstarrten Annahme des männlichen Täters und weiblichen Opfers zu brechen, würde den Diskurs schon erweitern: Vergewaltigung von Transmenschen etwa kommen in der öffentlichen Diskussion kaum vor – ebenso selten die Idee, dass auch Männer Opfer sein können. Aber liegt nicht gerade in dem Gedanken, dass auch ein Mann Opfer sexualisierter Gewalt sein kann, emanzipatorisches Potenzial, eben weil er am Konzept von dominierender Männlichkeit rührt?

Mithu M. Sanyal:
«Vergewaltigung: Aspekte eines Verbrechens.»
Edition Nautilus; 240 Seiten; 16 Euro.
>>> Bestellen bei Amazon

Wie wenig diese Option derzeit noch ernst genommen wird, merkt man etwa daran, dass sie die einzige ist, über die gelacht werden kann. Als Atze Schröder sich im Juni in einem Werbeclip für den Geflügelproduzenten Wiesenhof über Gina-Lisa Lohfink, Wurst- und Penislängen lustig machte, war die Empörung gross. Ein anderer Vergewaltigungswitz ist aber seit Jahren ein Renner in jedem Film und jeder Sitcom, die im Männergefängnis spielt. Er geht ganz einfach: Don't drop the soap.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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54Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • schnäderedätsch 12.09.2016 18:02
    Highlight Kaum sprechen wir über Vergewaltigung ist es 1955 - auch im Schweizer Strafgesetzbuch (STGB Art. 190).
    Dort wird eine Vergewaltigung explizit noch immer als Straftat gegen "eine Person weiblichen Geschlechts" definiert.
    Ein Hohn für alle anderen Opfer, bei denen man nicht von einer Vergewaltigung spricht!
    Auch da hat sich der Gesetzgeber wohl überlegt, dass nur Frauen/Mädchen in der Opferrolle stehen können...
    50 1 Melden
  • PuRpLE_KusH 12.09.2016 15:29
    Highlight Ein normaler denkender Mann sollte denn Unterschied, zwischen einem Nein, das Nein heisst und einem Nein, das nicht endgültig ist erkennen können. Meistens aufjedenfall...
    25 4 Melden
    • Menel 12.09.2016 15:38
      Highlight Im Zweifelsfall die Frau wörtlich nehmen!
      53 4 Melden
    • Str ant (Darkling) 12.09.2016 16:05
      Highlight @menel Gilt auch für "the fairer Sex" nur dann Nein sagen wenn auch wirklich Nein gemeint ist dann ist die Diskussion sofort hinfällig
      24 2 Melden
    • PuRpLE_KusH 12.09.2016 16:06
      Highlight Genau, dann darf sich die Frau später ärgern, dass sie nicht flach gelegt wurde, weil sie einmal zu viel Nein gesagt hat xP
      26 11 Melden
    • Spinoza 12.09.2016 17:42
      Highlight Auf jeden Fall sollte dies möglich sein. Das Problem ist, wenn der Fall eindeutig zugunsten des Ja ausfällt, aber die Frau am nächsten Tag den Sex bereut. In Nordamerika würde dieser Sachverhalt den Mann zum Vergewaltiger machen.
      13 4 Melden
    • sowhat 13.09.2016 21:22
      Highlight Stimmt eben nicht, ein Mensch hat immer nur seinen eigenen Blickwinkel. Alles andere ist Interpretation. Das ist ja die Krux. Darum wörtlich nehmen. Nein heisst nein. Wenn sie dann doch will, kann sie es auch wieder sagen.
      2 0 Melden
  • Menel 12.09.2016 13:41
    Highlight Darum Emanzipation und nicht Feminismus. Es geht um das Erwachsen beider Geschlechter aus alten, verstaubten Rollenbilder. Nur so kann was entstehen, das fair und wirklich gleichberechtigt ist.
    149 7 Melden
    • almlasdn 12.09.2016 15:08
      Highlight Das will doch der Feminismus?
      12 38 Melden
    • Eisenhorn 12.09.2016 15:29
      Highlight Toller Kommentar! Weiss nicht was ich mehr dazu sagen soll!
      13 1 Melden
    • Menel 12.09.2016 15:39
      Highlight Das eine Wort schliesst ein Geschlecht aus. Wir sind aber nur zusammen wirklich stark!
      53 1 Melden
    • Zerpheros 12.09.2016 15:43
      Highlight Das klingt vernünftig ...
      18 1 Melden
    • Lowend 12.09.2016 16:05
      Highlight Ähnliches sage ich seit Jahrzehnten!
      Emanzipation bedeutet eben nicht, dass die Frau auf einen neuen Sockel steigt, sondern würde bedeuten, dass der Mann endlich vom Sockel runterkommt, denn nur auf gleicher Augenhöhe kann man auch zusammen reden.
      Es ist wohl manchmal die schwierige Aufgabe der modernen Frauen, einigen weniger beweglichen Männern vom Sockel runter zu helfen.
      38 10 Melden
    • Bluetooth 12.09.2016 16:07
      Highlight Sind denn Rollenbilder so falsch? Zufällig sind sie nun auch nicht entstanden. Sie entstanden aufgrund der physischen und psychischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, die nun ganz einfach existieren. Diese Rollenbilder sind mittlerweile auch Teil unserer Moral. Sei es der Beschützerinstinkt bei einem Mann oder Beziehung zwischen Kind und Mutter, unsere moralische Vorstellungen stehen oft im Widerspruch mit dem Gedanke von Gleichberechtigung unter Geschlechter.
      25 54 Melden
    • almlasdn 12.09.2016 16:42
      Highlight Rollenbilder sind falsch, weil nicht jeder Mensch gleich ist. Geschlechterrollen führen zu "Schubladisierung" der Menschen. Es ist ja schön und gut wenn ein Mann seine Freundin beschützen will, aber darf denn nicht auch eine Frau ihren Freund beschützen? Das ist meiner Meinung nach das Problem.
      Ich hätte einfach Gerne eine Gesellschaft, in der nicht Dinge aufgrund des Geschlechts geduldet/nicht geduldet werden und das ist für mich Feminismus.
      37 7 Melden
    • almlasdn 12.09.2016 16:55
      Highlight Das ist für mich unter anderem Feminismus*
      6 4 Melden
    • Menel 12.09.2016 18:22
      Highlight amlasdn, "nomen est omen"...in dem Wort Feminismus ist eine Hälfte der Menschheit nicht erwähnt.
      Ich denke auch nicht, dass man Männer von einem Sockel holen "muss", denn sie stehen nicht wirklich auf einem. Das System ist zu ihnen genauso ungerecht wie zu den Frauen, nur auf eine andere Art und Weise. Was nun besser oder schlechter sein soll, darüber zu streiten ist nur Zeitverschwendung...es ist egal, wer das grössere "Opfer" ist, fangen wir doch einfach mal an es zu ändern. Sonst jammern wir noch in 100 Jahren rum.
      31 3 Melden
    • almlasdn 12.09.2016 18:41
      Highlight Habe auch etwas in der Art sagen wollen aber echt, wir müssen endlich etwas ändern! :)
      2 1 Melden
    • Macke 12.09.2016 20:49
      Highlight @Menel: Feminismus will die die Emanzipation der Geschlechter. Ich verwende lieber einen historisch gewachsenen Begriff um auf die Tradition zu verweisen anstatt einen neuen, schwammigen zu verwenden wie Emanzipation (der auch im Bereich Rassismus, Kolonialismus etc. verwendet werden kann). Auch geht es für mich darum, meinen Vorgängergenerationen Respekt für ihre Verdienste zu zollen.
      10 10 Melden
    • Bluetooth 12.09.2016 22:45
      Highlight Ich sehe eben den Sinn von Feminismus/Emanzipation nicht, diese Rollenbilder so zu verteufen, als dienten diese nur zum Zweck eine Gruppe zu diskriminieren. Z.B. der Beschützerinstinkt eines Mann wiederspiegelt nur unsere Moral, dass Stärkere Schwache beschützen sollen. Im Normalfall ist der Mann auch körperlich stärker ist. Natürlich gibt es Ausnahmen, doch diese Annahme an sich ist nicht falsch, sondern sogar wissenschaftlich nachweisbar. Warum soll man dann dieses Wissen aufgeben und uns gegenseitig vorgaukeln, dass Mann und Frau gleich stark sind, nur damit beide gleich behandelt werden?
      6 6 Melden
    • Bluetooth 12.09.2016 23:10
      Highlight Die Unterschiede zwischen den Geschlechter sind nun mal nicht nur ästethisch wie beim Rassismus, weshalb man meiner Meinung nach diese totale Gleichbehandlung doch kritischer betrachten sollte.
      Was Vorurteile und Klischees habt ihr völlig Recht, doch diesen Kampf hab ich aufgegeben. Der Mensch wird nie aufhören zu schubladisieren. Unser Gehirn funktioniert so, dass er alles gerne kategorisiert und verallgemeinert. Entscheidend für mich ist, dass wir trotz unserer Vorurteile offen sind, Menschen, die nicht in unser Bild passen zu akzeptieren und vor allem diese nicht deswegen schaden.
      5 5 Melden
    • Bluetooth 13.09.2016 23:28
      Highlight Gross anderer Meinung bin ich nicht. Mein Punkt ist, dass diese Rollenbilder erstens nicht komplett falsch sind und zweitens wohl nie verschwinden werden.
      Egal wie aufgeklärt und selbstkritisch du auch bist, nachts allein fühlst du dich sicherer, wenn hinter dich eine Frau läuft anstatt ein Mann. Es gehört einfach zu unser Bild, dass Männer z.B. eine grössere Bedrohung darstellen. Solche Gedanken/Vorurteile sind kaum kontrollierbar. Denn ganz idiotisch sind sie eben nicht. Dieses Denken zu verteufeln ändert genau nichts. Entscheidend ist, wie du sagst, wie man damit umgeht (das Verhalten).
      1 1 Melden
  • Malu 81 12.09.2016 13:36
    Highlight Wenn ein Erwachsener Mann eine Minderjährige missbraucht, egal ob Polanski
    oder nicht, gehört dieser bestraft.
    Die Kleine wurde mit Alkohol und Drogen
    gefügig gemacht.
    Mich wundert, dass der Fall erst nach so langer Zeit wieder aufgerollt wurde.
    57 6 Melden
    • Zerpheros 12.09.2016 17:51
      Highlight Mir scheinen die 70er eine extrem gewalttätige Zeit gewesen zu sein. Das fängt mit der Diskussion über die Legalisierung von Pädosexualität an und hört bei Vergewaltigung in Institutionen auf.
      Und dazwischen wurde Polanskis hochschwangere Frau von der Manson-Bande zerfleischt und Polanski selbst setzt eine Minderjährige unter Drogen. Wie soll man das heute beurteilen? Gab es überhaupt schon ein Bewusstsein dafür, was sich Menschen unter dem Deckmantel der sexuellen Revolution so alles angetan haben? Und
      12 1 Melden
    • dä dingsbums 13.09.2016 22:02
      Highlight @Zerpheros: Egal was in den 70er Jahren abging und was für schreckliche Erlebnisse Polanski durchmachen musste. Eine 13 Jährige zum Sex zu zwingen war und ist auf jeden Fall strafbar.
      1 0 Melden
    • Zerpheros 14.09.2016 08:32
      Highlight Ich stelle mir nur die Frage, wie praktikabel ein solcher Prozess nach fast einem halben Jahrhundert ist. Es gibt ja kein Urteil, das einfach nur vollstreckt werden müsste.
      1 0 Melden
  • Ylene 12.09.2016 12:58
    Highlight Guter Artikel! Mies ist auch die doch noch häufige Meinung, dass Frauen anscheinend etwas 'verlieren', wenn sie mit einem Mann schlafen, der Mann aber etwas 'gewinnt'. Auch eklig wird es, wenn bspw. Lehrpersonen mit Teenies Sex haben. Ist es ein Mann mit einem Mädchen, dann kommt gleich der Ruf nach Lynchjustiz, egal die Umstände. Wird ein Junge von einer Frau (besonders wenn sie hübsch ist) missbraucht, dann ist er irgendwie ein 'Glückskind' und 'er musste es ja wollen' - und es wird häufig völlig ignoriert, dass die Frau den Jungen auch auf genauso üble Weise manipuliert und 'gegroomt' hat.
    153 5 Melden
    • Lialice 12.09.2016 13:26
      Highlight Sehr relevant zu deinem Kommentar:
      13 2 Melden
    • Ylene 12.09.2016 14:24
      Highlight Danke Lialice! Auch lesenswert ist das Interview mit einem Mann, der ein Buch darüber geschrieben hat, wie er als 18-jähriger von einem Mann vergewaltigt wurde. https://www.insidehighered.com/news/2016/03/29/professor-discusses-his-book-being-raped Es ist tragisch für die Opfer, dass bei einer Vergewaltigung fast implizit davon ausgegangen wurde, dass das Opfer weiblich, der Täter männlich sein muss und es keine 'richtige' Vergewaltigung war, wenn das Opfer sich nicht massiv körperlich gewehrt hat. Bei Bedrohung reagieren Menschen gleich wie Tiere, nämlich fight, flee oder halt auch freeze.
      24 1 Melden
    • who cares? 12.09.2016 15:09
      Highlight Ich warte nun auf die obligate "lustige" Schlüssel und Schloss Analogie, die mich dazu bringt demjenigen Kommentarschreiber 20 IQ-Punkte abzuerkennen.

      Stimme dir absolut zu Ylene.
      20 2 Melden
    • Yonni Meyer 12.09.2016 15:50
      Highlight Danke, who cares, genau diesen Kommentar wollte ich auch gerade schreiben.
      13 2 Melden
    • Sprudli 12.09.2016 15:57
      Highlight @who cares? Wenn man einen Schlüssel hat, der jedes Schloss öffnet, hat man einen Masterschlüssel. Hat man aber ein Schloss welches sich durch jeden Schlüssel öffnen lässt, hat man ein billiges Schloss.
      20 39 Melden
    • Zerpheros 12.09.2016 17:39
      Highlight - 20.
      23 4 Melden
    • DerTaran 14.09.2016 08:25
      Highlight Ich kannte die Analogie nicht, allerdings scheint sie mir sehr treffend.
      Solange die Gesellschaft so denkt (und sie tut das) wird das nichts mit der (sexuellen) Emanzipation. Allerdings müssen sich die Frauen mal überlegen, wer mehr vom Fortbestand dieser Denkweise hat? Die Männer, denen es dadurch schwerer gemacht wird Sex zu haben, oder den Frauen, die eine Machtposition aufgeben müssten (die über den Zugang zu Sex).
      Billig hat immer etwas mit Bezahlung zu tun, der Umkehrschluss ist nicht sehr schmeichelhaft: Frauen sollen Sex nicht ohne Gegenleistung gewähren, das hat was von Prostitution.
      1 2 Melden
    • Sprudli 14.09.2016 10:45
      Highlight Danke für die Blitze:-) Ich habe diese Analogie nur hingeschrieben, für die Leute die diese nicht kennen. Heisse dies weder gut, noch finde ich sie witzig.
      1 0 Melden

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