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Rollenmodell: Der Einfluss von Müttern auf ihre Töchter ist stark. Bild: Stone Sub

Mädchen bleiben länger Jungfrau, wenn sie gut mit der Mutter auskommen

04.12.16, 20:15 05.12.16, 06:53


Teenager-Mädchen, die ein gutes Verhältnis mit ihren Eltern – besonders mit der Mutter – haben, warten länger bis zu ihrem ersten Mal. Zu diesem Befund kommt ein Forschungsteam des Medizinischen Zentrums der Erasmus-Universität in Rotterdam. 

«Mädchen sehen ihre Mutter häufig als Rollenmodell. Das erklärt möglicherweise, warum der Einfluss von Müttern auf Töchter stärker ist.»

Raquel Nogueira Avelar e Silva

Bei Töchtern, die nach eigenen Angaben gut mit ihrer Mutter auskommen, liegt die Wahrscheinlichkeit etwa um die Hälfte niedriger, dass sie vor dem 16. Geburtstag mit Sex anfangen. Die Beziehung zum Vater spiele dagegen keine vergleichbare Rolle. 

«Mütter sind in den Niederlanden diejenigen, die sich am meisten um die Erziehung der Kinder kümmern», sagt Studienautorin Raquel Nogueira Avelar e Silva. «Und sie sind auch oft diejenigen, die sowohl ihre Töchter wie auch ihre Söhne sexuell aufklären. Mädchen sehen ihre Mutter häufig als Rollenmodell. Das erklärt möglicherweise, warum der Einfluss von Müttern auf Töchter stärker ist.» 

Kein Effekt bei den Söhnen

Bei den Söhnen sei der Effekt kaum feststellbar und jedenfalls statistisch nicht signifikant: Die Beziehung zu den Eltern habe nahezu keinen Einfluss auf den Zeitpunkt ihrer ersten sexuellen Erfahrung. Möglicherweise liege das daran, dass Söhne sich eher durch ihre Väter beeinflussen liessen, die aber oft durch Abwesenheit glänzten.  

Langzeit-Untersuchung

Die Studie beruht auf Daten aus dem «Jeugdmonitor Rotterdam», einer Langzeit-Untersuchung zu Gesundheit und Verhalten von Jugendlichen in Rotterdam und Umgebung. Jugendliche und Eltern füllten jeweils zweimal einen Fragebogen aus – einmal, als die Kinder 12 waren und dann nochmals zwei Jahre später. Insgesamt wurden rund 3000 Jugendliche an 76 Schulen befragt.

Die Studie ist unter dem Titel «Mother– and Father–Adolescent Relationships and Early Sexual Intercourse» im Fachblatt Pediatrics erschienen. Ein Pressebericht (engl./niederld.) ist auf der Website des Medizinischen Zentrums der Erasmus-Universität zu finden. 

«Wenn Eltern wissen, mit wem ihr Kind unterwegs ist und wo es sich aufhält, ist die Chance kleiner, dass es früh mit Sex anfängt.»

Raquel Nogueira Avelar e Silva

Der Zeitpunkt der ersten sexuellen Begegnung ist deshalb von Belang, weil Jugendliche, die ihr erstes Mal später erleben, in aller Regel eine gesündere sexuelle Entwicklung durchlaufen. Ihr Risiko, sich eine Geschlechtskrankheit zuzuziehen, ist geringer als bei frühreiferen Teenagern. Dasselbe gilt für ungewünschte Schwangerschaften. Der Grund dafür liegt unter anderem darin, dass diese Jugendlichen oft besser über die Risiken von ungeschütztem Sex informiert sind. 

Das erste Mal im Schnitt mit 16

Die Wahrscheinlichkeit für frühen Sex liege bei Kindern aus Ein-Eltern-Familien oder Scheidungsfamilien dreimal höher als bei jenen, die bei beiden biologischen Eltern wohnten, erklärt Nogueira. Wenn Eltern dagegen wüssten, «mit wem ihr Kind unterwegs ist und wo es sich aufhält, ist die Chance kleiner, dass es früh mit Sex anfängt.»

Umfrage

Wann war dein erstes Mal?

  • Abstimmen

2,379 Votes zu: Wann war dein erstes Mal?

  • 3%Ich war noch nicht 14.
  • 3%Mit 14.
  • 8%Mit 15.
  • 10%Mit 16.
  • 14%Mit 17.
  • 14%Mit 18.
  • 9%Mit 19.
  • 7%Mit 20.
  • 18%Mit 21 oder älter.
  • 14%Noch nicht.

Acht Prozent der untersuchten Jugendlichen hatten zwischen 12 und 14 ihren ersten Geschlechtsverkehr. Im Schnitt sind niederländische Jugendliche bei ihrem ersten Mal 16 Jahre alt, und zwar sowohl Mädchen wie Jungen. Dies sei ein Vorteil, stellt Nogueira fest.

Es bedeute nämlich auch, «dass Jugendliche hier weniger Geschlechtskrankheiten haben und dass die Niederlande die tiefste Quote von Teenager-Schwangerschaften weltweit aufweisen.» Der Grund dafür sei allerdings nicht nur das enge Band zwischen Mutter und Tochter, sagt Nogueira, sondern auch die intensive sexuelle Aufklärung an den Schulen.

(dhr)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Einfache Meinung 12.12.2016 21:06
    Highlight Je später der erste Sex, umso mehr eigen Stolz empfindet ein Mädchen.
    3 0 Melden
  • lily.mcbean 05.12.2016 10:03
    Highlight Hatte kein allzugutes Verhältnis mit meiner mom aber hatte trotzdem erst mit 16 das erste mal sex. Die Aufklärung zählt und nicht das Verhältnis.
    6 14 Melden
  • JoJodeli 05.12.2016 09:55
    Highlight Die Befragungen der Jugendlichen Eltern fanden zwei Mal statt, mit 12 und zwei Jahre später.... aha. Meiner Meinung nach fehlt eine Befragung im Alter von 16 und 18. Aber diese Studien sind sowieso nicht immer sehr aussagekräftig. Aber immerhin ausnahmsweise mal eine Studie die über die Teilnehmerzahl von 1000 hinaus geht....
    8 1 Melden
  • Ms. Pond 05.12.2016 07:40
    Highlight Der Einfluss meines Vaters war wesentlich stärker und positiver, als der meiner Mutter. Er war es auch, der mich hauptsächlich aufgeklärt und mir ein positives Bild von Sexualität vermittelt hat. Noch heute, mir über 30ig, kann ich mit ihm entspannt über dieses Thema sprechen. In meiner Familie war Sex nie ein Tabuthema. Was mich allerdings geprägt hat, ist die Verknüpfung von Sex und Liebe. Ich hatte später Sex, als so manche Kolleginnen, die sehr konservativ erzogen wurden.
    8 2 Melden
  • Hugo Wottaupott 05.12.2016 00:36
    Highlight Genau diese Mütter suche ich.
    15 1 Melden
  • Karl33 05.12.2016 00:31
    Highlight "Die Beziehung zu den Eltern habe nahezu keinen Einfluss auf den Zeitpunkt ihrer ersten sexuellen Erfahrung. Möglicherweise liege das daran, dass Söhne sich eher durch ihre Väter beeinflussen liessen, die aber oft durch Abwesenheit glänzten."

    So ideologisch blind kann eine Studie sein. Kann man bei Söhnen keinen Einfluss der Bindung zu den Eltern feststellen, faselt man was von Abwesenheit der Väter. Dieselbe Abwesenheit der Mutter führe bei Töchtern jedoch zu früherer Entjungferung...
    Studien sind heutzutage halt vor allem da, um Ideologien zu propagieren.
    75 11 Melden
    • Theor 05.12.2016 07:19
      Highlight Natürlich. Denn man malt sich bereits vor Beginn der Studie im Kopf aus, wie das Ergebnis aussehen könnte. Und anschliessend hat man dank Deutungshoheit der eigenen Studie ein leichtes Spiel.
      4 2 Melden
  • Angelo C. 04.12.2016 23:10
    Highlight Was hätten wir bloss getan, wenn wir dies nicht erfahren hätten 😂?!
    55 6 Melden
  • Leon1 04.12.2016 22:58
    Highlight Sorry fürs Klugscheissen, aber ein Vorbild ist auf deutsch kein "Rollenmodell".
    Das Wort gibt's (in diesem Zusammenhang mindestens) nicht.
    70 4 Melden
    • EvilBetty 05.12.2016 06:50
      Highlight Danke! Nervt mich jedesmal wenn ich es höre/lese.
      17 0 Melden
  • Scaros_2 04.12.2016 20:24
    Highlight Ist ja irgendwie logisch, das Kinder die an der kurzen Leine bleiben eher keinen Mist machen. Rein rational ist das einfach nur die Vernunft. Trotzdem ist Sex mit dem richtigen Partner egal ob Beziehung oder nicht eine tolle Sache.
    39 14 Melden
    • Menel 05.12.2016 07:44
      Highlight Ein gutes Verhältnis haben, heisst nicht automatisch "an der kurzen Leine halten". Wenn man ein gutes Verhältnis zu seinen Kindern hat, dann ist da beidseitiges Vertrauen. Dann gesteht man seinen Kindern auch was zu, weiss, dass sie genug kompetent und selbständig sind und man nicht die Helikoptereltern raushängen lassen muss.
      15 0 Melden
    • Hecklemore 05.12.2016 10:17
      Highlight Es wird nicht von kurzer Leine gesprochen, sondern von einem guten Verhältnis. Das ist nicht dasselbe!
      8 1 Melden

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