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Regelmässiges Lüften beugt Schimmel vor. bild: shutterstock

Schimmel

Sauerstoff rein, Schadstoffe raus – warum tägliches Lüften so wichtig ist 

Wenn die Luft im Raum zu feucht wird, droht Schimmelwachstum. Tägliches Lüften kann helfen – und befördert auch andere Schadstoffe aus der Wohnung. Ein Überblick.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Der Braten räuchert im Ofen, am Tannenbaum brennen die Kerzen, die Grossfamilie drängelt sich um die Geschenke und Opa qualmt seine Pfeife. Wie gemütlich – und wie stickig! Zu wenig Sauerstoff, zu viel Feinstaub! Nicht nur zur Weihnachtszeit wird die Luft schlecht, wenn wir zu wenig lüften. Auch an den übrigen Tagen im Jahr ist frische Luft wichtig für das Raumklima und die Gesundheit

Wir verbringen fast unser ganzes Leben in Räumen. Vor allem, wenn viele Menschen in einem Raum sind, wird es stickig, ein Folgeproblem der schlechten Luft ist Schimmel. «Die meisten Anfragen zu Innenraumluft betreffen dieses Thema», berichtet Heinz-Jörn Moriske von seiner Arbeit beim deutschen Umweltbundesamt (UBA).

«Fenster schliessen heute immer dichter», erklärt Barbara Hoffmann vom Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf. «Wenn nicht gleichzeitig die Dämmung der Wände von aussen verbessert wird, bleiben die Wände kühl, und Feuchtigkeit aus der Raumluft kann sich daran niederschlagen.» Das ist der Nährboden für Schimmelpilze, die Asthma verschlimmern und die Atemwege reizen. Eleni Kontonasiou vom Buildings Performance Institute Europe in Brüssel betont daher: «Ein Passivhaus etwa sollte eine Lüftungsanlage haben.»

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Wenn Lösemittel ausdünsten

Morgens und abends zehn Minuten Stosslüften bei weit geöffnetem Fenster empfiehlt das UBA grundsätzlich. Wer die Fenster aufreisst, bringt damit aber nicht nur frische Luft in den Raum, sondern lässt auch Schadstoffe und Feuchtigkeit entweichen.

«Aus wissenschaftlicher Sicht ist Schimmel allerdings nur ein Problem unter vielen», sagt Moriske. Belastet werde die Luft in Innenräumen auch durch flüchtige organische Verbindungen (volatile organic compounds, VOC). «Diese Stoffe findet man heute fast überall», sagt Moriske. Sie können in Klebern, Lösemitteln, Farben, Möbeln und Reinigungsmitteln enthalten sein und dünsten im Wohnraum aus. Das bedeutet aber nicht, dass man davon sofort krank wird: «Die Konzentration und die Dauer der Einwirkung ist entscheidend.» Immerhin gasen VOC recht schnell aus, in der Regel verflüchtigen sie sich innerhalb weniger Wochen bis Monate.

Anders verhalten sich die schwerflüchtigen Verbindungen (SVOC), die als Weichmacher in Kunststoffen und als Ersatz für Lösemittel in Farben enthalten sind: «SVOC gasen sehr viel weniger aus, dafür aber über Jahre», sagt Moriske. «Der medizinische Nachteil ist, dass sie sich im Körper anreichern.» Einige von ihnen wirken wie Hormone und stehen im Verdacht, zu Unfruchtbarkeit und Frühgeburten beizutragen.

Manche, aber nicht alle VOC, kann man an einem chemischen Geruch erkennen. Wer den Verdacht hat, einer Belastung ausgesetzt zu sein, kann sich in der Apotheke oder im Internet sogenannte Sammler besorgen, die Schadstoffe in der Raumluft messen. Diese Tests gibt es für eine ganze Reihe von Verbindungen, allerdings zeigen sie kein exaktes Ergebnis an, sondern geben lediglich Hinweise, ob eine hohe oder geringe Schadstoffbelastung vorliegen könnte, betont Moriske. Eine Quelle für Schadstoffe sind Möbel, Bauprodukte wie Parkettkleber sowie Bodenbeläge.

Feinstaub im Wohnzimmer

Eine weitere Ursache von schlechter Luft in Innenräumen ist Feinstaub. Alle Partikel, die kleiner als ein hundertstel Millimeter sind, zählen dazu. Sie lagern sich in den Lungenbläschen ab, können Atemwegs- und Herzerkrankungen sowie Lungenkrebs verursachen. Nach Berechnungen des UBA gibt es in Deutschland jährlich 47'000 vorzeitige Todesfälle wegen zu hoher Feinstaubbelastung, vor allem aus dem Verkehr.

Durch Türen und Fenster gelangt die belastete Aussenluft auch in Innenräume. Zigarettenqualm, Rauch von Speisen im Ofen und auf dem Herd, angezündete Kerzen, Öfen und Kamine sind weitere Quellen von Feinstaub, erklärt Barbara Hoffmann. Auch Laserdrucker im Büro entlassen ihn in die Luft. Dank gesetzlicher Vorgaben sind die Werte laut UBA jedoch deutlich zurückgegangen.

Von einer «Mixtur von Schadstoffen» könne der Wohnraum belastet sein, die unterschiedliche Auswirkungen haben, fasst Barbara Hoffmann zusammen. Die Sensibilisierung der Verbraucher mag ein Grund dafür sein, dass mehr und mehr Geräte zur Luftreinigung auf den Markt kommen. Gegen Staub wirken sie recht gut, gegen Gase laut UBA aber weniger. Hier gelte einfach: Lüften ist immer noch die beste Art, Raumluft zu reinigen. (hei/dpa)



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