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9 Zuckermythen – doch was stimmt wirklich?

Zucker macht süchtig, dumm, hungrig, krank, Fruchtzucker hingegen ist gesund – wirklich? Wir sind den Gerüchten auf den Grund gegangen.

19.12.17, 18:52

Niklaus Salzmann / Nordwestschweiz



Das schlechte Gewissen sitzt uns im Gaumen. Wir wissen es: Zu viel Zucker ist ungesund, macht dick und schadet den Zähnen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt uns, maximal zehn Prozent des Energiebedarfs durch Zucker zu decken, besser wären fünf Prozent. Das entspricht bei Erwachsenen ungefähr 50 beziehungsweise 25 Gramm Zucker oder 17 beziehungsweise 12 Würfeln.

Einige Guetzli und Lebkuchen wollen wir uns trotzdem gönnen über die Festtage. Ist das wirklich so schlimm? Wir sind der Frage nachgegangen, wie böse Zucker tatsächlich ist.

sugar skull shutterstock.com

Zucker macht glücklich und ist fein. Aber leider auch ungesund Bild: shutterstock.com

Zucker macht zuckerkrank

Entgegen der weit verbreiteten Meinung löst Zuckerkonsum vermutlich nicht direkt Diabetes aus. Der Name dieser Krankheit ist nur insofern korrekt, als Menschen, die daran erkrankt sind, mit dem Konsum von Zucker besonders vorsichtig sein müssen. Allerdings kann übermässiger Zuckerkonsum zu Übergewicht führen, und dies ist wiederum ein Risikofaktor für Diabetes Typ 2. Indirekt kann der Zucker also nicht nur Diabetes begünstigen, sondern auch alle anderen Krankheiten, die mit Übergewicht zusammenhängen.

Zucker macht zuckerkrank: Halbwahr

Brauner Zucker ist gesünder als weisser Zucker

Weisser Zucker ist raffiniert, also gewaschen und gereinigt von all jenen Inhaltsstoffen, welche das Weiss trüben. Während wir ansonsten sauber mit gesund assoziieren, ist es hier umgekehrt: Weil der raffinierte Zucker maschinell bearbeitet wurde und die Mineralstoffe fehlen, gilt er als weniger gesund. Korrekt ist, dass dunkler Zucker mehr Mineralstoffe enthält. Allerdings fallen so geringe Mengen gesundheitlich nicht ins Gewicht. Brauner Zucker (Rohzucker) ist also nicht gesünder als weisser.

Brauner Zucker ist gesünder als weisser Zucker: Falsch

Fructose ist der bessere Zucker

Fruchtzucker (Fructose) wirkt sich weniger rasch auf den Blutzuckerspiegel aus als Kristallzucker (Saccharose) und Traubenzucker (Glucose). Deshalb wurde er lange Zeit Diabetikern empfohlen. Neuere Untersuchungen kommen aber zum Schluss, dass Fructose keine Vorteile für die Gesundheit hat. Diese Zuckerart bringt gar spezifische Gefahren mit sich; so kann sie zu Fettleber führen. Kalorien enthalten aber alle Zuckerarten und auch Karies wird durch jede ausgelöst. Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, ersetzt also nicht den einen durch den anderen Zucker, sondern reduziert die gesamte Menge. 

Fructose ist der bessere Zucker: Falsch

Der Zucker im Apfel zählt nicht

«Kein Zuckerzusatz», steht gross auf der Müeslipackung. Und im Kleingeschriebenen erfahren wir, dass auf hundert Gramm trotzdem acht Gramm Zucker enthalten sind. Er steckt in den Apfelstücken und Rosinen. Ja, sogar frische Äpfel enthalten Zucker – die Beschreibung «süsslich» auf der Verpackung der Gala-Äpfel ist korrekt. Es ist Fruchtzucker und Traubenzucker, der Apfel, Kirsche und Melone süss macht. Doch stimmt es, dass das Verdauen des Apfels mehr Kalorien verbraucht, als darin Zucker enthalten ist? Nein, das ist falsch. Doch dank der Ballaststoffe lindert der Apfel den Hunger für vergleichsweise lange Zeit und ist dadurch tatsächlich eine gute Wahl punkto Gesundheit. Das gilt aber nur für den frischen Apfel, nicht für Apfelsaft.

Der Zucker im Apfel zählt nicht: Halbwahr

Künstliche Süssmittel machen hungrig

Cola Zero, Rivella blau, Fanta light – von jedem Getränk steht eine zuckerarme Variante im Angebot. Doch auch diese sind in Verruf geraten. Süssstoffe gaukeln eine Kalorienzufuhr vor, die nicht stattfindet. Der Körper allerdings fällt nicht darauf rein, registriert einen Kalorienmangel und reagiert mit Hunger, heisst es. Zumindest Ratten haben in Versuchen deshalb mehr gegessen, wenn sie künstliche Süssmittel statt echten Zuckers erhielten. Ob sich dies auf den Menschen übertragen lässt, ist aber fraglich. In einer gross angelegten Studie aus Holland haben Kinder jedenfalls weniger an Gewicht zugelegt, wenn sie während eineinhalb Jahren künstlich gesüsste Getränke statt zuckerhaltiger Softdrinks zu sich nahmen. 

Künstliche Süssmittel machen hungrig: Halbwahr

Zucker macht Kinder zappelig

Jede Mutter, jeder Vater hat es selbst beobachtet: Nach dem Kuchenschmaus am Kindergeburtstag sind die Kleinen aufgedreht. Das zweifelt niemand an – doch Studien, die das Zappeln auf den Zucker zurückführen wollten, fanden keinen Effekt. Das Zappeln ist nicht die Folge des Zuckerkonsums, vielmehr machen Partys per se zappelig – auch wenn kein Kuchen verfüttert wird. Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Die Mütter und Väter erwarten so sehr, dass die Kinder wegen des Zuckers unruhig werden, dass sie auf jede Bewegung ihres Nachwuchses achten und so zum Stress beitragen und letztlich das Zappeln verstärken. 

Zucker macht Kinder zappelig: Falsch

Zucker macht süchtig

Der Konsum von Zucker zeigt im Gehirn ähnliche Effekte wie Alkohol und Nikotin, nämlich eine Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin, was wir als Glücksgefühl spüren. In Versuchen mit Ratten liess sich denn auch Zuckersucht stoppen durch Vareniclin – ein Medikament, das bei Menschen zur Raucherentwöhnung eingesetzt wird. Manche Wissenschafter vergleichen das Suchtpotenzial von Zucker gar mit Kokain. Andere halten dies für absurd. Die Effekte seien an Ratten unter unnatürlichen Umständen gezeigt worden. Zudem würden Ratten für Suchtmittel wie Kokain Elektroschocks in Kauf nehmen, nicht aber für Zucker, argumentieren sie.

Zucker macht süchtig: Unklar

Zucker löst Krebs aus

Zellen brauchen Nahrung. Und da es sich bei Krebs um besonders schnell wachsende Zellen handelt, benötigen diese besonders viel Nahrung. Diese finden sie in Form von Zucker. Die Hinweise mehren sich, dass Zuckerkonsum das Wachstum von Tumoren beschleunigt. Er kann ruhende Krebszellen aufwecken und führt bei Lungenkrebs zu mehr Metastasen. Umgekehrt suchen Forscher nun nach Möglichkeiten, mit zuckerarmen Diäten Krebs zu bekämpfen.

Zucker löst Krebs aus: Wahr

Zucker macht dumm

Die Hälfte der Energie, die ein menschlicher Körper verbraucht, geht an die Gehirnleistung. Der wichtigste Energielieferant für das Hirn: Zucker. Aber bitte nicht zu viel! Denn eine zuckerreiche Ernährung schadet dem Hippocampus, jener Hirnregion also, die für diverse Formen des Gedächtnisses zuständig ist. Dies zeigte sich in Versuchen an Ratten, und es gilt wohl auch für Menschen. So konnten Wissenschafter nachweisen, dass Probanden, die viel Zucker zu sich nahmen, sich schlechter daran erinnerten, was sie gegessen hatten. Und wer sich nicht an den letzten süssen Snack erinnert, kann sich einen weiteren gönnen – es droht ein Teufelskreis.

Zucker macht dumm: Wahr

Das Zucker-Ranking

Süss sind sie allesamt, die klassischen Leckereien der Weihnachtszeit. Hier einige typische Werte von Zuckergehalten pro 100 Gramm, die selbstverständlich zwischen den Produkten und Herstellern variieren.
1. Schokoherzen: 59 Gramm
2. Brunsli: 46 Gramm
3. Anis-Chräbeli: 42 Gramm
4. Lebkuchen: 38 Gramm
5. Christstollen: 33 Gramm
6. Honigtirggel: 31 Gramm
7. Panettone: 29 Gramm
8. Mailänderli: 24 Gramm
9. Schwarzwäldertorte: 19 Gramm
10. Gala-Apfel: 12 Gramm

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mietzekatze 20.12.2017 10:46
    Highlight 1. Schaut mal wer die Studien sponsert die keine negativen Folgen von Zucker diagnostizieren. Da wird euch ein Lämpchen aufgehen. 2. Fructose wird ausschliesslich über die Leber verarbeitet - anders als andere Zuckerarten. 3. Die Zuckerlobby ist unglaublich stark und versucht noch immer uns zu sagen dass Zucker okay ist. Dabei ist spätestens seit den 50ern klar, dass das nicht der Fall ist. 4. Schaut 'That Sugar Movie' und 'Die Zuckerlüge' danach seht ihr einiges anders! Und jetzt darf es Blitze regnen
    6 1 Melden
    • Haiderfroh 20.12.2017 13:50
      Highlight Zu 1.: Der Wahrheitsgehalt einer Studie ist unabhängig vom Auftraggeber. Eine Studie gilt solange, bis sie durch eine andere widerlegt wird.
      Zu 2.: Das sagt nichts über das Gesundheitsrisiko von Fructose aus.
      Zu 3.: Die Zuckerlobby man stark sein. Und Zucker mag gesund sein. Beide Aussagen sind gültig, weil keine widerlegt werden kann, mangels tauglicher Definition von "stark" und "gesund".
      Zu 4.: Warum sollten diese Filme nicht ebenso unwahre Propaganda sein, wie jene der Zuckerlobby?
      4 5 Melden
  • moedesty 20.12.2017 02:49
    Highlight als schoggiliebhaber (süchtigen) breites lächeln bis punkt sieben ... dann kommt punkt acht... SCHEISS KREBS!
    0 0 Melden
    • kleiner_Schurke 20.12.2017 07:25
      Highlight Und Punkt 8 ist eben auch wirklich falsch. Es wäre gut wen der Autor des Artikel sich zuerst über die Begriffe klar werden würde, die er hier verwendet.
      4 0 Melden
  • kleiner_Schurke 19.12.2017 21:47
    Highlight Würde Zucker Krebs auslösen wäre er als Kanzerogen eingestuft, das ist er aber nicht, insofern ist Punkt 8. Zucker löst Krebs aus, vollkommen falsch. Was Krebsauslösend heisst, könnt ihr hier lesen https://de.wikipedia.org/wiki/Karzinogen Es mag wohl sein, dass der schnelle Metabolismus von Tumorzellen viel Zucker umsetzt und das Tumorwachstum begünstigt, aber daraus zu schliessen, dass eine Diät das Tumorwachstum hemmt, ist etwas gar simpel gedacht. Krebs ist eine komplexe genetische Erkrankung von Signalwegen der Zelle. Diese lassen sich sicher NICHT durch Zuckerentzug heilen.

    8 5 Melden
    • Dharma Bum(s) 20.12.2017 09:09
      Highlight Zucker begünstigt das Krebswachstum aus durch Fettleibigkeit -> Oestrogene -> Tumorwachstum
      Auslösen nein, begünstigen ja.


      5 1 Melden
    • kleiner_Schurke 20.12.2017 10:41
      Highlight Also ist das Fazit von Punkt 8 "Zucker löst Krebs aus" sowas von falsch, dass es kracht. Man kann sich nur wundern über Leute die so etwas schreiben.

      Wie beinflusst denn Östrogenen z.b. ein Glioblastom oder Leukämie?
      4 3 Melden
    • Dharma Bum(s) 20.12.2017 16:53
      Highlight Viele Krebszellen wachsen stark unter dem Einfluss von Hormonen. Je dicker du bist umso mehr Oestrogene scheiden deine Fettzellen aus. Diese begünstigen:
      Brustkrebs (nicht alle Formen)
      Prostatakrebs
      Gebärmutterhalskrebs
      Eierstockkrebs
      Schilddrüsenkrebs
      Bie Glioblastomen oder Leukämie, haben Hormone nur einen untergeordneten Einfluss. Da hilft nur Mike Shiva.
      1 1 Melden
    • kleiner_Schurke 20.12.2017 20:47
      Highlight Bei Männern ist es Testosteron und bei Frauen Östrogen bei allen dafür empfänglichen Organen. Sonst haben Hormon nichts mit Krebs zu Tun.
      0 2 Melden
    • Dharma Bum(s) 21.12.2017 08:26
      Highlight Bei Männern ist es auch Oestrogen bei Fettleibigkeit. Ich habe in Toxikologie abgeschlossen an der ETH. Hormone haben sehr viel mit Krebs zu tun. Erzähl hier nicht so einen Ramsch.
      1 0 Melden
  • bueggi 19.12.2017 20:22
    Highlight Der erste Abschnitt ist etwas verwirrend. Sind es gemäss WHO nun 50g/17W oder 25g/12W ?
    Wieso beziehungsweise?
    1 3 Melden
  • Karl Müller 19.12.2017 20:19
    Highlight Diesen Artikel sollten alle lesen, die ihre Mitmenschen täglich mit ihren Zucker-"Weisheiten" nerven, all diejenigen, die Anti-Raffinerie und Anti-Süssstoff-Predigten halten, während sie ihren "supergesunden" und direkt aus Kuba eingeflogenen Rohrzucker löffelweise in den Kaffee schaufeln. (Ja, ich bin traumatisiert ...)
    42 14 Melden
  • Haiderfroh 19.12.2017 19:48
    Highlight Wenn Zucker ungesund ist. Dann sind sehrwahrscheinlich alle Kohlenhydrate auch ungesund. Denn Kohlenhydrate sind aus Zucker aufgebaut, und der Körper baut alle Kohlenhydrate zu Zucker, bzw. zu Glucose ab, bzw. um. Letztendlich ist es ein zu hoher Glukosespiegel im Blut, der Fettleibigkeit und Diabetes verursacht, oder begünstigt. Fette hingegen werden zu Ketosen abgbebaut (Treibstoff für Muskeln und Hirn).
    Das würde heissen, dass man Getreideprodukte, Gemüse und Früchte mit äusserster zurückhaltung geniessen sollte, und sich vorwiegend (z. B. über 75 %) von Fleisch und Fett ernähren.
    13 45 Melden
    • Pixie13 20.12.2017 00:16
      Highlight Vorsicht...die Ketose findet „nur“ bei einer starken KH-Reduktion statt und diese muss auch über eine „längere“ Zeit bestehen...
      2 1 Melden
    • moedesty 20.12.2017 02:54
      Highlight fette können aber nur beschränkt abgebaut werden. überflüssiges fett verstopft deine blutgefässe somit kann zb. kein zucker mer durch die gefässe aufgenommene werden (da das fett wie eine wand wirkt) und somit bilden sich vetstopfungen die zu herzversagen führen.
      0 2 Melden
    • Haiderfroh 20.12.2017 09:00
      Highlight @Pixie13: Falsch, sie findet parallel statt zur Verwertung der Glukose, bloss auf tieferem Nievau. Es stimmt, dass je höher der Glukosespiegel ist, desto geringer der Ketosespiegel ist. Das liegt schlicht an der entsprechenden Nahrungsaufnahme. Die Ketose ist entgegen des verbreiteten Irrtums kein "Hungerregime" des Körpers.
      @moedesty
      Fette werden vollständig und effizient abgebaut. Überschüssiger Zucker wird zu Fett umgebaut und dann in Fettzellen eingelagert. Fett verstopft keine Blutgefässe. Bei Arteriosklerose ist Bluttfett nicht ursächlich.
      4 0 Melden
  • VERIFIED FVLXIN 19.12.2017 19:28
    Highlight "9 Zuckermythen" von Herr. "SALZMANN"...kommt sehr gut, like it! 😂😂👌
    62 1 Melden
  • chnobli1896 19.12.2017 19:20
    Highlight [...] Zucker macht süchtig [...]

    Ja, wenn ich die Leute (und ihre Stimmung) beobachte welche zuckerfreie Monate einlegen 😂😂
    14 2 Melden
  • DocM 19.12.2017 18:59
    Highlight Wie verhält es sich mit Isomaltulose / Palatinose?? Gleich viel Kalorien wie Zucker, baut sich viel langsamer ab, geeignet für gewisse Diabetiker, wird für bestimmte Diäten und von Sportlern verwendet...
    2 2 Melden

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