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Biologisches Alter: Du glaubst, du bist 38? Vielleicht bist du schon 61!

Ein Forscherteam hat rund tausend 38-Jährige untersucht und festgestellt: Manche sind fit, als wären sie zehn Jahre jünger; andere haben die körperliche Verfassung von Senioren. Wie kann das sein?

07.07.15, 07:23 07.07.15, 09:43


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Falten oder graue Haare sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Gegenüber nicht mehr ganz jung ist. Dennoch spielt mancher Rentner aktiv Tennis, während ein anderer dazu nicht mehr in der Lage ist. Das biologische Alter der Menschen unterscheidet sich stark. Und das tut es bereits in jungen Jahren. «Wenn wir bestimmte altersbedingte Krankheiten verhindern wollen, müssen wir das Altern schon bei jungen Menschen untersuchen», sagt Dan Belsky von der Duke University.

Der Gerontologe und sein Team haben mit 18 verschiedenen Markern etwa zur Nieren- und Lungenfunktion das biologische Alter von rund 1000 38-jährigen Menschen bestimmt. Erstaunlich: Das biologische Alter der Untersuchten lag zwischen 28 und 61 Jahren. Die Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlicht.

Blutgefässe als Indikator

Grundlage der Analyse ist die sogenannte «Dunedin-Studie»: Im Rahmen dieser fortlaufenden Langzeit-Erhebung wurden 1037 Menschen aus der neuseeländischen Stadt Dunedin von ihrer Geburt bis zu ihrem 38. Lebensjahr regelmässig medizinisch und psychologisch untersucht.

Frauen aus drei Generationen sitzen nebeneinander auf einer Bank am Donnerstag, 6. September 2012, in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Treffen der Generationen: Mancher Mensch ist älter als er sich fühlt. Bild: KEYSTONE

Das internationale Forscherteam überprüfte 18 Biomarker, zu denen Werte der Leber und des Immunsystems gehörten. Zusätzlich wurden Cholesterin, Herzfitness und die Länge der Telomere gemessen, das sind die Chromosomenenden, die sich im Alter verkürzen. Die Studie erfasste auch die Zahngesundheit sowie den Zustand der kleinen Blutgefässe hinter dem Auge, die als Indikator für den Zustand der Blutgefässe im Hirn gelten.

Chronologisch ein Jahr älter, biologisch drei

Aus diesen Werten berechneten die Wissenschaftler das biologische Alter der 38-jährigen Probanden in der aktuellen Studie. Um die individuellen Altersprozesse bestimmen zu können, verglichen die Forscher die Daten dann mit den Untersuchungsergebnissen der Studienteilnehmer, als diese 26 und 32 Jahre alt waren. Es zeigte sich, dass die meisten Teilnehmer tatsächlich jedes Jahr um ein biologisches Jahr gealtert waren.

Einige aber waren jedes chronologische Jahr um drei Jahre gealtert, während andere gar nicht alterten und damit jünger blieben, als in ihrem Pass steht. Diejenigen, deren biologisches Alter über 38 Jahren lag, zeigten auch einen stärkeren IQ-Rückgang, Zeichen für ein erhöhtes Schlaganfall- und Demenzrisiko sowie verminderte motorische Fähigkeiten. Die Spuren des Alterns waren dabei schon mit 26 Jahren nachweisbar, sagt Belsky.

Die Probanden, die biologisch älter waren als tatsächlich, schnitten auch schlechter in Gleichgewichts- und Koordinationsübungen sowie bei kognitiven Tests ab. Zudem gaben sie selbst öfter an, physiologische Probleme etwa beim Treppensteigen zu haben. Die medizinisch erhobenen Daten wurden zusätzlich durch die Fremdwahrnehmung der Probanden gestützt: So schätzten Studenten der Duke University anhand von Fotos der 38-Jährigen deren Alter ein. Jene, die biologisch älter waren, wurden auch als älter eingestuft.

Schluss mit dem Blindekuh-Spielen

Insgesamt hoffen die Wissenschaftler, dass ihre Methode dabei hilft, in den Alterungsprozess im Ganzen einzugreifen, anstatt einzelne altersbedingte Krankheiten isoliert zu behandeln. Wertvoll dafür sind Erkenntnisse aus der Zwillingsforschung, die vermuten lassen, dass das Altern nur zu 20 Prozent genetisch bedingt ist. Der Rest geht auf Umwelteinflüsse zurück. Eben jene Umwelteinflüsse würden Raum für eine medizinische Beeinflussung des Alterungsprozesses lassen, schreiben die Forscher.

«Wenn wir älter werden, wächst unser Risiko für verschiedene Krankheiten», so Belsky. «Um mehrere Krankheiten gleichzeitig zu verhindern und nicht Blindekuh zu spielen, muss das Altern selbst unser Ziel sein.» Die Erkenntnisse von Belsky und seinen Kollegen sind vor allem vor dem Hintergrund einer alternden Weltbevölkerung relevant. So warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits vor den Herausforderungen für die Gesundheitssysteme

Im Jahr 2020 werde der Anteil derjenigen, die 60 Jahre und älter seien, erstmals über der Anzahl der unter Fünfjährigen liegen, so die WHO. Im Jahr 2050 sei mit zwei Milliarden Älteren zu rechnen, verglichen mit 841 Millionen heute. Für Deutschland prognostiziert das Statistische Bundesamt 2050 einen Anteil der über 65-Jährigen von fast einem Drittel an der Gesamtbevölkerung.

(nik/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • MediaEye 07.07.2015 08:53
    Highlight Nun ist es also klar, wir müssen auch das Leben von uns Menschen anders rechnen, wie bei Hunden und Katzen.
    Ich habe schon immer gesagt, dass es drei (3) versch. Alter gibt; 1. das kalendarische (chronologische) 2. das geistig gefühlte Alter und 3. das physische (körperliche)!
    Also z.B. man ist 60, fühlt sich geistig wie 50 und je nach Gesundheit wie 70
    7 1 Melden
    • saukaibli 07.07.2015 10:14
      Highlight Bei mir ändert sich das gefühlte Alter aber ständig. Morgens um 6:00 wenn der Wecker klingelt fühle ich mich wie 80, nach dem zweiten Kaffee wie 20, nach dem Mittagessen wie 50 und gegen Feierabend wie 120. Von da an senkt sich das gefühle Alter dann linear bis ich mich ins Bett lege wie ein Baby.
      28 0 Melden
    • droelfmalbumst 07.07.2015 15:47
      Highlight word.. morgens bin ich immer 80. :)
      1 1 Melden

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