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Die Hochleistungsmaschine

Kennen Sie den Unterschied zwischen Ihrem Körper und dem eines Profi-Fussballers? Sie werden staunen

Sie haben mehr Blut als der Durchschnittsmensch, vertilgen Nudelberge, und in ihren Muskeln versteckt sich ein Effizienz-Geheimnis. Der Körper eines Profi-Kickers ist eine Hochleistungsmaschine. Wie sie arbeitet, zeigen diese eindrücklichen Grafiken. 

11.07.14, 07:34 11.07.14, 14:12

Irene Berres und Michael Niestedt / Spiegel Online

Ein Artikel von

Verstehen Sie die Zusammenhänge und lassen Sie sich von Fakten überraschen.

Das Herz – Der Motor

Blut – Alles für den Muskel

Muskeln – Dünne Teamplayer

Energie – Kohlenhydrate bitte

Lunge – Pumpen wie ein Blasebalg

Innere Organe – Im Energiesparmodus

Das Herz

Fußballer besitzen im Vergleich zu anderen Ballsportarten das größte Herzvolumen. Langstreckenläufer übertreffen aber alle bei weitem. Bild: Spiegel Online

Schwung um Schwung muss das Herz Blut zu den Muskeln schicken, um sie mit Sauerstoff zu versorgen. Es ist so austrainiert wie die restlichen Muskeln des Körpers – und deshalb auch deutlich vergrössert. 

Gut zu wissen: Vergrösserte Pumpe

Wie häufig das Herz pro Minute schlägt, ist beim Menschen von Natur aus begrenzt. Man kann noch so viel Sport treiben, die maximale Herzfrequenz nimmt nicht zu. Als grobe Faustformel gilt die Zahl 220 minus das Lebensalter. Trotzdem muss das Herz eines Fußballprofis den Körper beim Kampf um das WM-Finale mit deutlich mehr Blut versorgen als das eines Normalmenschen die Beine beim wöchentlichen Joggen. Um das zu ermöglichen, wächst es. 

«Während ein 80-Kilo-Durchschnittsmann ein Herz mit einem Volumen von etwa 800 Millilitern hat, kommt der gleich schwere Fussballer auf etwa einen Liter.»

Dies lässt sich einfach damit erklären, dass das Herz im Grunde nichts anderes ist als ein hohler Muskel. Wird der Herzmuskel ständig gefordert, verdickt er sich wie jeder andere Muskel auch, gleichzeitig wächst sein Hohlraum. Während ein 80-Kilo-Durchschnittsmann ein Herz mit einem Volumen von etwa 800 Millilitern hat, kommt der gleich schwere Fussballer auf etwa einen Liter. Stoppt der Sportler das harte Training, schrumpft der Herzmuskel wieder. Anders als lange vermutet, birgt das in der Regel keine Gefahr für den Körper. 

Im Spiel: Wanderung mit Sprints

Eine stramme Wanderung, bei der man immer wieder sprinten muss: So beschrieb der ehemalige DFB-Coach Oliver Schmidtlein die Leistung bei 90 Minuten Profifussball. Ein durchschnittlicher Spieler legt in dieser Zeit bis zu zehn Kilometer zurück, einen davon sprintet er, 2,5 Kilometer läuft er schnell und 6,5 Kilometer trabt er. Bei einem 90-minütigen Spiel kann er allerdings auch rund 30 Minuten pausieren.

Mit dem variierenden Tempo kann auch die Herzfrequenz der Spieler auf dem brasilianischen Acker stark schwanken. Im Mittel schlägt das Herz eines Fussballers während eines Spiels jedoch zwischen 165- und 175-mal pro Minute, schreibt der DFB-Arzt Wilfried Kindermann in einem Fachartikel über Gesundheit und Leistung im Profifussball. Das entspreche etwa 80 bis 90 Prozent der maximalen Herzfrequenz. 



Nach dem Spiel: Dem Stillstand nahe 

Können sich die Fussballer ausruhen, kann sich ihr Herz doppelt erholen. Liegen sie am Strand oder Pool, benötigt ihr Körper nicht mehr Blut als das eines Durchschnittsmannes. Da ihr Herz aber grösser ist, muss es weniger schlagen. Der Ruhepuls kann bei einem Profi deutlich unter 50 Schlägen pro Minute liegen, bei einem durchschnittlichen Erwachsenen schlägt das Herz in dieser Zeit 60- bis 80-mal. 

Das Blut

Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff in jeden Winkel des Körpers. Auch von ihnen besitzen Fußballprofis mehr als Sportlaien. Bild: Corbis

Sogar der rote Saft ist auf Ausdauer getrimmt. In den Adern der Fussballer zirkuliert mehr Blut als in denen eines Durchschnittmenschen. Ein Teil der Flüssigkeit geht beim Spiel in den Muskeln verloren. 

«Bei einem 80 Kilo schweren Profifussballer zirkulieren demnach um die 7,6 Liter Blut durch die Adern, bei einem gleichschweren Sportlaien sind es nur rund 6 Liter.» 

Gut zu wissen: Ein Bonusliter und noch mehr 

Es ist das Eiweiss im Blut, das Fussballern einen Teil ihrer Zusatzenergie liefert. Indem es Wasser bindet, verhilft es den Sportlern zu einem grösseren Blutvolumen. Das Plus an Flüssigkeit schützt sie davor, bei starkem Schwitzen zu dehydrieren - also zu sehr auszutrocknen – und sichert eine gute Durchblutung der Muskulatur. Zusätzlich haben Sportler mehr rote Blutkörperchen, die den Sauerstoff von der Lunge in jeden Winkel des Körpers transportieren. 

Während Untrainierte ein Blutvolumen von rund 76 Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht besitzen, liegt der Wert bei Ausdauertrainierten bei etwa 95 Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem 80 Kilo schweren Profifussballer zirkulieren demnach um die 7,6 Liter Blut durch die Adern, bei einem 80 Kilo schwerern Sportlaien sind es nur rund 6 Liter. 

Im Spiel: Flüssigkeitsraub

Hetzt der Fussballer über den Platz, nimmt die Durchblutung seiner Inneren Organe ab, stattdessen leitet der Körper das Blut in die Muskulatur um. Damit die Muskeln perfekt mit Sauerstoff versorgt werden, sind sie bei Leistungssportlern von einem besonders feinen Netzwerk winziger Blutgefässe durchzogen, den Kapillaren. Durch die dünnen Wände gelangt Sauerstoff in den Muskel. 

31 Oct 2007 --- Muscle blood supply. Coloured light micrograph of a section through a muscle bundle, showing blood vessels (turquoise). These vessels supply the muscle cells with oxygen and carry waste material, such as carbon dioxide, away from the cells, enabling them to function efficiently. The vessels have been injected with a dye to highlight them. Magnification: x800 when printed 10cm wide. --- Image by © PHOTO QUEST LTD/Science Photo Library/Corbis

Lichtmikroskopische Aufnahme der Kapillaren einer Muskelfaser. Bild: Corbis

Mit jedem Sprint steigt der Druck in den kleinen Gefässen an, mit einer fatalen Nebenwirkung: Während des Spiels wird die Flüssigkeit des Bluts zunehmend in den Muskel gedrückt. Abfallprodukte des Energiestoffwechsels, die sich mit der Zeit im Muskel sammeln, ziehen das Blut zusätzlich aus den Gefäßen. Dadurch können die Sportler während der Anstrengung zwischen fünf und zehn Prozent ihres Blutvolumens verlieren. Auch deshalb ist ihr Blutvolumen-Bonus so wichtig. 

Nach dem Spiel: Fragmente des Stresses 

Kommt der Muskel zur Ruhe, strömt die Flüssigkeit in die Blutbahn zurück. Nach ein bis zwei Stunden herrscht wieder der Normalzustand – zumindest beim Blutvolumen. Verschiedene Fragmente im Blut verraten allerdings, wie sehr sich der Fussballer verausgabt hat. 

Die Milchsäure, beziehungsweise ihre Salze, die sogenannten Laktate, entstehen im Muskel, wenn es an Sauerstoff für die Energiegewinnung mangelt. Ein ungünstiger Zustand: Ohne Sauerstoff kann der Muskel beim Zersetzen von Zucker deutlich weniger Energie gewinnen als mit. Je mehr Laktat im Blut zirkuliert, desto schlechter war also die Energieausbeute. 

Ein zweiter Wert, an dem sich die Anstrengung ablesen lässt, ist der Harnstoff. Er entsteht, wenn die Kohlenhydratspeicher geleert wurden. Dann muss der Körper statt seinem Lieblingsenergielieferanten unter anderem Eiweiss verbrennen - und Harnstoff bleibt als Abfallprodukt. 

Auch der Spiegel der Kreatinkinase im Blut zeugt von der Anstregung. Eigentlich sorgt das Enzym im Muskel für einen schnellen Energienachschub. Verausgabt sich ein Sportler extrem, können jedoch kleine Risse in den Muskelfasern entstehen und es gelangt unter anderem die Kreatinkinase ins Blut. 

Die Muskeln

Eine Muskelfaser ist dasselbe wie eine Muskelzelle. Bei Fussballern besitzen die Zellen mehr Mitochondrien und verzweigtere Kapillaren. SPIEGEL ONLINE, Corbis

«Er hat keine Muskeln», sagte Diego Maradona nach dem Spiel gegen Portugal über Thomas Müller. Tatsächlich verbergen sich in dessen Waden keine Muskelhaufen, sondern auf andere Weise hochspezialisierte Zellen. 

Gut zu wissen 

Ein ausdauernder Muskel unterscheidet sich grundsätzlich von einem auf Kraft getrimmten Muskel. Während sich die Muskelfasern beim Krafttraining verdicken, um einen möglichst grossen Widerstand zu überwinden, verändert Ausdauertraining die Muskelzellen auf einer ganz anderen Ebene: Es perfektioniert ihre Energieausbeute. 

Dafür steigert der Muskel die Zahl und die Grösse seiner Mitochondrien. In den als Kraftwerke der Zelle bezeichneten Gebilden befindet sich ein komplexes Enzymsystem, das Zucker oder Fettsäuren mithilfe von Sauerstoff zerlegt - und dadurch den Zellen Energie zur Verfügung stellt. Daneben besitzen ausdauertrainierte Muskelzellen deutlich größere Glykogenspeicher, in denen sie Kohlenhydratvorräte anlegen können. 

Im Spiel 

Kann nicht mehr entspannen: Die Wadenmuskulatur bei einem Krampf Bild: Corbis

Alles für den Muskel, so lautet die Blutverteilungsdevise während des Spiels. In Ruhe entnehmen Muskelzellen dem vorbeiströmenden Blut etwa 15 Prozent des Sauerstoffs, beim Spiel nutzen sie fast allen. Zusätzlich steigt die Durchblutung enorm an: In Extremsituationen fliessen bis zu 90 Prozent des kompletten Bluts, das das Herz durch den Körper pumpt, in die Skelettmuskeln. In Ruhe sind es nur etwa 20 Prozent. 

Trotzdem krümmen sich am Ende vieler Spiele die Fussballer am Boden - ihre Muskeln gehorchen ihnen nicht mehr. Bei Krämpfen ziehen sich die Muskeln extrem zusammen und verlieren für kurze Zeit ihre Fähigkeit, sich zu entspannen. Das Rätsel, wie genau Krämpfe entstehen, konnten Forscher noch nicht lösen. Klar ist nur, dass sie Folge totaler Überanstrengung sind. Der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen hat dabei keinen Einfluss, ein grundsätzlich heisses und schwüles Klima hingegen schon. 

Nach dem Spiel 

19 May 1997 --- Striated muscle. Coloured transmission electron micrograph (TEM) of a longitudinal section through striated skeletal muscle. The striated banding- pattern of the muscle fibrils is seen. The fibrils run in parallel (from left to right) and between them runs sarcoplasmic reticulum that transmits nerve impulses to the fibrils. At top is a cell nucleus (purple). Within each fibril are contractile units called sarcomeres, separated by black lines. A sarcomere has protein filaments of myosin (red) and actin (green) that slide over each other, thereby causing the whole muscle to contract. Skeletal muscle is responsible for voluntary muscle movement in the body. --- Image by © Photo Quest Ltd/ /Science Photo Library/Corbis

Ein Teil einer Muskelfaser, aufgenommen mit einem Transmissionselektronen-Mikroskop: Lila zeigt sich ein Zellkern, bei den dunklen Linien, die von oben nach unten verlaufen, handelt es sich um die Z-Scheiben. Sie trennen winzige Einheiten voneinander, die sich im Muskel zusammenziehen und so den ganzen Muskel verkürzen. Bei Muskelkater sind rund 30 Prozent dieser Z-Scheiben beschädigt.  Bild: Corbis

Nach der Anstrengung kommt der Muskelkater, so kennen es Freizeitathleten. Bei Profis sind die Muskeln so gut trainiert, dass Muskelkater selten sein dürfte. Wenn es mit den Spielen in die Verlängerung geht, wenn die Fussballer über 120 Minuten über das Feld hetzen müssen, sind aber auch sie wahrscheinlich nicht gefeiht. 

Muskelkater entsteht durch winzige Risse in den Muskelfasern. Er lässt sich nicht nur an den Schmerzen messen, sondern auch an Eiweissen, die sich eigentlich im Muskel befinden und durch verletzte Zellmembranen nach außen dringen. Nach dem Training bleibt der Skelettmuskel in der Regel 12 bis 48 Stunden gereizt, bei Muskelkater aber können die typischen Schmerzen bis zu eine Woche andauern.  

Energie

Der tägliche Kalorienbedarf eines Profifussballers, verglichen mit nicht mäßig sportlichen Männern und Frauen mit Bürojob.  Bild: SPIEGEL ONLINE, Corbis

Kohlenhydrate, das ist das Zauberwort in der Fussballer-Ernährung. Die deutschen Spieler bekommen vor allem Vollkornprodukte auf den Teller - zubereitet vom eigens eingeflogenen Koch Holger Stromberg. 

Gut zu wissen: Kohlenhydrate bitte, und zwar viel! 

Rund 3500 Kilokalorien braucht ein Profifussballer täglich, so viel wie in fast sechs Tafeln Schokolade stecken oder in etwa 35 Bananen. Die optimale Ernährung würden beide freilich nicht darstellen: Etwa 60 Prozent der Energie sollten Fussballer in Form von Kohlenhydraten zu sich nehmen, zu denen Zucker und Stärke gehören. Die Stoffe sind die idealen Energielieferanten für Muskeln und Gehirn und deshalb das Wichtigste auf dem Speiseplan von Ausdauersportlern. 

Allerdings dürfen es nicht irgendwelche Kohlenhydrate sein. Zucker etwa treibt den Blutzuckerspiegel zu schnell in die Höhe und hält nur kurz fit. Besser sind komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, die der Körper nur langsam aufspalten kann und die nach und nach ins Blut gelangen. So verleihen sie lange Zeit Energie und machen nachhaltig satt. 

Im Spiel: Nudeln, Energieriegel, Nudeln 

«Eine gute Ernährung erhöht die Zweikampfstärke sowie die mentale Wachheit und schützt vor Verletzungen», schreibt der DFB auf einer Homepage mit Trainingswissen

Am Abend vorm Spiel müssen die Profis ihre Kohlenhydratspeicher mit Nudeln oder Kartoffeln füllen – Reis ist tabu, da er den Körper entwässern kann. Als Beilagen stehen oft Meeresfrüchte oder mageres Fleisch auf dem Speiseplan, da sie dem Körper wertvolle Eiweissbausteine liefern. Spätestens 3,5 Stunden vor dem Spiel gibt es nur noch eine leichte Mahlzeit, besonders beliebt sind Nudeln mit Tomatensosse. 

Trotzdem reicht die gespeicherte Energie nicht aus, um die Spieler über 90 oder gar 120 Minuten zu versorgen. Ohne Nachschub leeren sich die Kohlenhydrat-Depots beim Spiel nach etwa 60 bis 70 Minuten. Dann kann die Versorgung des Gehirns stocken, die Aufmerksamkeit schwinden, das Verletzungsrisiko steigen. Um das zu verhindern, gibt es in der Halbzeitpause – na was wohl? Kohlenhydrate! Und zwar meist in Form von Energieriegeln oder speziellen Sportgetränken. 

Nach dem Spiel: Noch mehr Nudeln 

Und schon wieder: Kohlenhydrate. Rund 1500 Kilokalorien verbrennt ein Profifussballer im Schnitt in einem Spiel. Am besten sollten die Fussballer anschließend sofort wieder essen, um die Speicher zu füllen. In der ersten Stunde nach dem Training bildet der Muskel am schnellsten den Speicherstoff Glykogen, wer dann isst, unterstützt seinen Körper bei der Erholung. Manche Mannschaften sollen schon in der Kabine wieder die ersten Portionen Nudeln verspeisen.  

Die Lunge

In Ruhe erschlafft die Lungenmuskulatur beim Ausatmen einfach, bei Anstrengung drückt sie die Luft aktiv aus der Lunge. Bild: SPIEGEL ONLINE

Atmen kann Teamwork sein. Damit bei Anstrengung möglichst viel Luft in die Lunge gelangt, müssen die Muskeln gemeinsam an den Rippen ziehen. Sie wirken ähnlich wie ein Blasebalg 

Gut zu wissen: Erschlaffen auf dem Sofa 

Atmen gehört zu den Selbstverständlichkeiten, die unser Körper ohne Befehle des Gehirns ausführt. Zug um Zug saugen wir Luft in die Lunge, um jede Zelle von Hirn bis Fuss mit Sauerstoff zu versorgen. Beim Einatmen zieht die Atemmuskulatur mit ihrem wichtigsten Muskel, dem Zwerchfell, die Rippen nach oben und vergrössert den Innenraum des Brustkorbs. Beim Ausatmen kann sie einfach erschlaffen - zumindest, solange der Spieler noch am Strand liegt und sich entspannt. Dann beansprucht das Atmen gerade einmal etwa einen Prozent des gesamten Energieaufwands des Körpers. 

Bild: Spiegel Online

Im Spiel: Pumpen wie ein Blasebalg 

Damit die Muskeln genug Sauerstoff erhalten, muss die Lunge pumpen. Um sich möglichst schnell mit Luft zu füllen und diese wieder aus dem Körper zu pressen, ist Teamarbeit gefragt: Alle Muskeln, die am Schultergürtel, am Kopf oder an den Halswirbeln ansetzen und die Rippen heben können, helfen mit. Beim Ausatmen senken Muskeln, die zwischen den Rippen liegen, die Knochen wieder und verkleinern den Raum im Brustkorb. Einatmen und Ausatmen funktionieren dabei ähnlich wie bei einem Blasebalg. 

Bei normaltrainierten Menschen vergrössert sich das Volumen pro Atemzug von etwa einem halben Liter auf 2,5 Liter, wenn sie sich anstrengen. Hochausdauertrainierte Sportler schaffen mehr als vier Liter pro Atemzug. Der Anteil der Atmung am gesamten Energieaufwand des Körpers kann dann auf bis zu zehn Prozent steigen. 

Nach dem Spiel: Die Arme in der Seite 

Der Sprint ist vorbei, doch das Ringen um Luft lässt noch nicht nach? Dann nehmen Fußballer wie Durchschnittssportler instinktiv eine Pose ein, die wohl jeder kennt: Die Arme in die Seite gestemmt mit nach hinten gestreckten Kopf ringen sie um Luft. Klug, denn in dieser Position können die Rippenhebenden Muskeln am besten arbeiten und die Luft gelangt am einfachsten in den Körper.  

Innere Organe

Muss sich der Körper extrem anstrengen, schickt er fast alles Blut zu den Muskeln. Die Durchblutung der inneren Organe sinkt.  Bild: Spiegel Online

Die Muskeln, das Hirn, die Lunge, alle bringen Höchstleistungen, während die Spieler grätschen und stürmen. Und die inneren Organe, der Darm, die Blase? Wechseln in den Energiesparmodus. 

Gut zu wissen: Kampf oder Flucht? 

So komplex unser Nervensystem auch ist, es lässt sich leicht in zwei einfache Zustände einteilen: Den Ruhezustand, in dem der Parasympatikus regiert, die Atmung entspannt und der Stoffwechsel Reserven anlegt. Und die Kampf-oder-Flucht-Reaktion, bei der der Sympatikus die Herrschaft über das Nervensystem übernimmt. Er konzentriert einen Grossteil der Energie auf die Muskeln – und vieles, was sich im Bauchraum befindet, wechselt in den Energiesparmodus. 

Im Spiel: Verdauungspause 

Pipi? Später! Der Sympatikus bremst die Harnausscheidung, schließlich schwitzt der Fussballer schon wichtige Flüssigkeit aus, um seine Körpertemperatur im Lot zu halten. Durch die brasilianische Schwüle steigt diese auch ohne starke Anstrengung an, hinzu kommt die Hitze der arbeitenden Skelettmuskeln: Durch die Bewegung kann ihre Temperatur von 34 Grad auf bis zu 41 Grad in die Höhe klettern. 

An kalten Orten hält nur der Rumpf die Körperkerntemperatur (links). An warmen Orten hingegen und mit Bewegung kann sich der komplette Körper aufheizen. Bild: Spiegel Online

Daneben klaubt der Körper seine Flüssigkeit zusammen, um sich auf eine eventuell drohende Blutung vorzubereiten - wer weiss schon, was passieren wird? Eine Platzwunde, wie sie Thomas Müller im Spiel gegen Ghana davontrug, ist in dieser Planung wohl das kleinere Übel. Auch die Verdauung und der Sexualtrieb stocken mit dem Sympathikus. Auf der Flucht sollte auch die schönste Frau nicht ablenken. Genausowenig wie beim Weg zum Tor. 

Nach dem Spiel: Schutz fürs Immunsystem 

Ruhe bitte! Der Blutdruck sinkt, die Verdauung nimmt wieder ihre Arbeit auf und die Muskeln bekommen einen Teil des Blutes abgezwackt. Pausen wie diese sind extrem wichtig. Wer sehr lange nur seinen Sympathikus fordert und Dauerstress erlebt, schadet seiner Verdauung, unterdrückt sein Immunsystem und riskiert dadurch Infekte. Das kann auch Profifußballer treffen. 

Es sei denkbar, dass bei unzureichender Regeneration und weiteren ungünstigen Faktoren wie Schlafdefizit, Reisestrapazen und Wettkampfstress ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe, schrieb der Mannschaftsarzt der Nationalelf, Wilfried Kindermann, 2006 im Deutschen Ärzteblatt. Vielleicht war auch der Stress ein Grund für die Erkältungswelle im deutschen Camp. Vor dem Viertelfinale der deutschen Elf gegen Frankreich mussten gleich sieben deutsche Spieler mit einer Schniefnase und anderen Erkältungsproblemen das Bett hüten. 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 11.07.2014 09:09
    Highlight Als Ausdauer-Lauf-Sportler habe ich diesen Bericht gerne gelesen. Wichtig beim trainierten Fussballer (Sportler) ist auch, dass er über einen längeren Zeitraum die Konzentration im Hirn halten kann. Bei allen koordinativen und taktischen Sportarten mit langer Spieldauer (z.B. auch Tennis od. Intervallsport) ist das Hirn extrem gefordert und anfällig. Das Hirm benötigt viel Energie. Ist die Energie nicht mehr vorhanden oder muss im Körper zu Gunsten der Muskulatur Energie bereitgestellt werden, reduziert sich die Blutzufuhr in den Organen und damit auch im Hirn. Das führt zu Konzentrationsschwächen und damit zu Fehlern im taktischen Spiel. Den Gegner oder die gegnerische Mannschaft in diese Falle der körperlichen Abnützung zu treiben, kann man taktisch nutzen, wenn man besser trainiert ist. So erklären sich auch die mentalen Stärken (müssen auch trainiert sein). Der trainierte Sportler verfügt da einfach über viele Vorteile und Reserven. Ein Grund für alle mit angepasstem Ausdauersport und leichtem Krafttraining (kombiniert) regelmässig zu trainieren. Man lebt (wenn man Glück hat) 10 Jahre länger und 20 Jahre besser. Und alles was man tut, macht man entspannter und genussvoller mit besserem Körpergefühl. Und am Schluss: Es ist alles eine Frage des Masses (auch beim trainieren gehört die Regeneration zwingend in den Trainingsplan dazu).
    3 1 Melden
  • droelfmalbumst 11.07.2014 08:28
    Highlight sehr geil! extrem spannend zum lesen!! gerne mehr solche berichte!!!!!
    8 0 Melden
  • don röhrer 11.07.2014 08:14
    Highlight Schon beeindruckend, wie die "menschliche Maschine" arbeitet. Toller Bericht!
    5 1 Melden

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