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Vitaminpillen für das Training: Beliebt, aber scheinbar wirkungslos. bild: shutterstock

Ernährung und Sport

Sie wollen Muskeln aufbauen und fit werden? Kommen Sie bloss nicht auf die Idee, Vitaminpräparate zu schlucken!

Viele Sportler schlucken Vitamin C und E, um den Muskelaufbau zu fördern. Tatsächlich bewirken die Stoffe das Gegenteil: Neue Studien zeigen, dass sie Trainingseffekte sogar abschwächen können.

19.01.15, 12:01 30.03.15, 11:34

Gerlinde Gukelberger-Felix / spiegel online

Ein Artikel von

Wenn es draussen ungemütlich wird und überall gehustet und geniest wird, greifen manche lieber zu Vitamintabletten als zu Obst und Gemüse. Studien haben in den vergangenen Jahren jedoch gezeigt, dass die Präparate besser in der Schublade bleiben sollten. Die Pillen können weder den Körper stärken noch Herz und Gehirn schützen – im schlimmsten Fall schaden sie sogar.

Trotzdem sind Präparate mit den Vitaminen C und E insbesondere bei Sportlern beliebt. Die Mittel, so hoffen sie, sollen Trainingseffekte verbessern, indem sie schädliche Sauerstoffradikale beseitigen. Diese entstehen vermehrt, wenn Bewegung die energieproduzierenden Kraftwerke in den Muskelzellen, die Mitochondrien, stark beansprucht. Es kommt zu so genanntem oxidativen Stress, der – so war zumindest die Theorie – den Mitochondrien und damit dem Muskel schaden und Trainingseffekte verhindern kann.

Da Antioxidantien wie Vitamin C und E freie Sauerstoffradikale unschädlich machen, schlucken viele die Stoffe, um ihren Muskelaufbau zu unterstützen. Dies ist allerdings zu kurz gedacht, wie zwei Studien von Wissenschaftlern der Norwegischen Sporthochschule in Oslo zeigen.

Mehr Muskeln ohne Präparate

Die erste Studie zu Antioxidantien-Einnahme und Ausdauertraining veröffentlichten Goran Paulsen und sein Team Mitte 2014 im «Journal of Physiology», die zweite zu Antioxidantien und Gewichtheben erschien Mitte Dezember im selben Fachmagazin. Für beide Untersuchungen nahm jeweils die Hälfte der Probanden ein gängiges hochdosiertes Präparat, das 1000 Milligramm Vitamin C und 235 Milligramm Vitamin E enthielt, während die andere Hälfte ein Placebo schluckte.

Bei der jüngeren Studie besuchten 32 trainingserfahrene Männer und Frauen viermal pro Woche zehn Wochen lang ein Fitnessstudio, um Krafttraining zu machen. Die aufgelegten Gewichte wurden nach und nach erhöht. Zwischendurch entnahmen die Forscher kleine Proben Muskelgewebe, um herauszufinden, welchen Einfluss die Antioxidantien-Einnahme und das Training auf zellulärer Ebene haben.

Nach zehnwöchigem Training hatten sich die Muskeln in beiden Gruppen gleichermassen vergrössert. Bei der Muskelkraft schnitt die Placebogruppe sogar besser ab. Die Forscher überraschte das Ergebnis nicht gänzlich: Die Untersuchung des Muskelgewebes hatte zuvor bereits ergeben, dass die Muskelzellen von allen Probanden, die Vitamine schluckten, weniger Proteine produzierten. Diese sind jedoch notwendig, um nach dem Krafttraining die Muskeln zu reparieren und aufzubauen.

«Die Antioxidantien fangen zwar freie Sauerstoffradikale weg», sagt Martin Halle vom Zentrum für Prävention und Sportmedizin am Klinikum der TU München. Gerade diese seien aber für bestimmte physiologische Prozesse notwendig, die die Eiweissproduktion im Muskel steigern und damit zu einer Zunahme der Muskelstärke führten.

Sogar negative Effekte treten auf

Ähnlich scheinen die Verhältnisse beim Ausdauertraining zu sein. Bei dieser Studie absolvierten 54 junge Männer und Frauen drei- bis viermal pro Woche ein Lauftraining kombiniert mit Intervalltraining. Die Antioxidantien machten die Probanden nicht schneller, aber auch nicht langsamer. «Die Untersuchung von Muskelproben zeigte jedoch, dass Vitamin-C- und E-Supplemente den Anstieg an Mitochondrien-Proteinen durch die Bewegung lahmgelegt haben», sagt Erstautor Paulsen laut einer Pressemitteilung der US-amerikanischen Physiologischen Gesellschaft. «Diese sind nötig, um die muskuläre Ausdauer zu erhöhen.»

Paulsen schliesst aus den Studienergebnissen, dass Vitamin C und E bei Ausdauertraining und Krafttraining zurückhaltend und vorsichtig eingesetzt werden sollten. «Ambitionierte Freizeitsportler und Menschen, die versuchen, durch körperliche Aktivität abzunehmen, sollten auf die Einnahme von Antioxidantien verzichten», rät Halle. «Ansonsten machen sie Trainingseffekte von vornherein zunichte.»

Der Münchner Kardiologe und Sportmediziner schliesst dennoch nicht aus, dass Leistungssportler bei sehr intensivem Training von der Einnahme von Antioxidantien profitieren können, weil der dann entstehende oxidative Stress ungewöhnlich hoch ist. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Vermutung. Auch in dieser Angelegenheit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Daten weisen durchaus darauf hin, dass auch für diese Gruppe der Trainingseffekt ohne Vitamintabletten grösser ist.

Halles Fazit: Wer in seinem Fitnessplan auf einzelne Stoffe wie Vitamin E oder C setzt, wird damit nicht weit kommen. «Die Gesamtheit der in Obst und Gemüse enthaltenen Vitamine, Polyphenole, sekundären Pflanzenstoffe et cetera wirkt anders als einzelne Vitamine. Es ist deshalb wichtig und gesund, viel Obst und Gemüse zu essen, nicht nur, wenn man sportlich aktiv ist».



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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