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Verblüffende Hirn-Aufnahme: Da fehlt doch was?!

Eigentlich sucht ein 84-Jähriger nur Hilfe bei seinem Hausarzt, weil er ab und zu die Balance verliert und seine linke Körperseite schwach ist. Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, was sich in seinem Kopf verbirgt.

14.03.18, 07:05

Irene Berres

Ein Artikel von

Die Beschwerden des 84-Jährigen sind für sein Alter nicht ungewöhnlich. In den vergangenen Monaten habe er immer mal wieder sein Gleichgewicht verloren, schildert der Mann seinem Hausarzt in Nordirland. Ausserdem fühlten sich sein linker Arm und sein linkes Bein seit drei Tagen etwas schwach an.

Röntgenbild des Kopfes Bild: BMJ Case Reports 2018

Die Probleme auf seiner linken Seite könnten für einen Schlaganfall sprechen, ansonsten geht es dem Mann aber gut. Er ist weder verwirrt, noch hat er Lähmungserscheinungen im Gesicht, Sehprobleme oder Schwierigkeiten beim Sprechen. Sicherheitshalber schickt der Hausarzt seinen Patienten trotzdem in die Notaufnahme, um die Beschwerden weiter abklären zu lassen.

Der 84-Jährige hat einen Grünen Star und ist vor 25 Jahren mal an einer Hirnhautentzündung erkrankt, ansonsten ist seine Krankenakte unauffällig. Für sein Alter ist der Patient sehr fit, er kann sich selbst versorgen und lebt zusammen mit seiner Frau und zwei Söhnen in einem eigenen Zuhause, schreibt der Hausarzt Finlay Brown im Fachblatt «BMJ Case Reports».

Luft ins Gehirn gedrückt

Die Ärzte machen eine Blutuntersuchung, doch die Werte sind in Ordnung. Auch neurologische Tests, etwa der Augenbewegungen oder des Sprachvermögens, zeigen nichts Auffälliges. Als die Ärzte ihren Patienten jedoch ins CT schieben, um sein Gehirn zu untersuchen, entdecken sie Verblüffendes: Ein Teil seiner rechten Hirnhälfte scheint verschwunden zu sein.

Als Hausarzt Brown sich die Aufnahme ansieht, während er auf die Deutung der Röntgenspezialisten wartet, mutmasst er sogar, dass der Patient ihm etwas verheimlicht hat. «Ich habe mich im ersten Moment gefragt, ob er vergessen hat, von einer früheren Gehirnoperation zu erzählen oder ob er mit einer Gehirn-Fehlbildung geboren wurde», schildert Brown dem Portal «Life Sciences» seine Gedanken.

Dann aber stossen die Ärzte auf eine andere Erklärung. Es muss Luft ins Gehirn des Mannes eingedrungen sein. Bei dem dunklen Fleck auf dem Bild handelt es sich um eine neun Zentimeter grosse Luftkammer, die das Gehirn verdrängt und zusammendrückt.

Um den Bereich genauer betrachten zu können, machen die Ärzte noch eine MRT-Aufnahme des Kopfes. Die Bilder bestätigen nicht nur den Luft-Verdacht, sie zeigen auch die Ursache. An den Nasennebenhöhlen des Mannes wuchert ein gutartiger, langsam wachsender Knochentumor, der über die Zeit den Knochen zwischen Nasennebenhöhlen und dem Gehirn zermürbt hat. Das Ergebnis: Bei hohem Druck, etwa beim Niesen, wird Luft in das Gehirn gedrückt.

MRT-Aufnahme der Kammer. Bild: BMJ Case Reports 2018

Operation abgelehnt

Damit ist die Diagnose klar. Der Mann leidet unter einem Pneumatozel, einer durch Verletzungen im Schädelinneren auftretenden Luftansammlung. Pneumatozele sind sehr selten, oft entstehen sie wie bei dem Mann durch gutartige Knochentumoren. Noch seltener kann es auch passieren, dass die Knochen etwa bei einem Niesanfall verletzt werden. Während manche Betroffenen gar nichts davon bemerken, kann es bei anderen zu Kopfschmerzen, Unruhe oder mentalen Problemen kommen - abhängig vom Ort der Luftkammer.

Die Ärzte bieten dem Patienten an, ihn zu operieren. Dafür müssten sie allerdings den Schädelknochen öffnen, um die Luftkammer sowie den Tumor zu entfernen. Dem Mann sind die Risiken zu gross, er entscheidet sich gegen den Eingriff. Weil er sich auch noch eine Infektion der unteren Atemwege zugezogen hat, muss der 84-Jährige trotzdem eine Weile im Krankenhaus bleiben. Anschliessend aber darf er nach Hause - mit der Anweisung, wiederzukommen, falls sich sein Zustand verschlechtert.

Doch der Patient hat gute Nachrichten: Die Schwäche in seiner linken Körperhälfte, die auf Durchblutungsstörungen durch die Luftkammer zurückgeht, verschwindet innerhalb der folgenden zwölf Wochen. Es geht ihm gut. Es sind mehrere Fälle bekannt, bei denen sich die Beschwerden durch Abwarten verbesserten. Andere Patienten hingegen hatten weniger Glück, bei ihnen verschlimmerten sich die Probleme. Manche entwickelten auch Infektionen des Gehirns, schreibt der Hausarzt am Ende seines Fallberichts.

Tesla-CEO tüftelt am Hirn 2.0

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Cerberus 14.03.2018 14:00
    Highlight Also bei uns in der Firma laufen auch ganz viele rum mit halbem Hirn.
    19 1 Melden
  • lilie 14.03.2018 07:48
    Highlight Sehr spannend.

    In der Neuropsychologie hatten wir mal einen ähnlichen Fall, in dem ein Mann mit ziemlich harmlosen Beschwerden einem Hirnscan unterzogen wurde - und festgestellt wurde, dass die obere Hälfte des Hirns einfach fehlte!

    Das Hirn scheint eine verblüffende Fähigkeit zu haben, sich bei langsamen Prozessen ganz einfach anzupassen, so dass selbst grössere Veränderungen kaum Symptome verursachen.

    Nur plötzliche Veränderungen verkraftet es nicht gut (Hirnschlag, Hirnblutung, Verletzungen).
    55 0 Melden
    • The Origin Gra 14.03.2018 10:17
      Highlight Lilie: Habe auch schon gehört das dass Hirn die Aufgaben einer Hirnregion auch andernorts ausführen kann, gelingt nicht immer
      9 1 Melden
    • lilie 14.03.2018 13:16
      Highlight @The Origin Gra: Das stimmt. Es gibt da allerdings einen ausgeprägten Geschlechtsunterschied: Bei Männern scheinen die verschiedenen Hirnareale recht spezialisiert zu sein und sind klar gegen andere Areale abgegrenzt. Bei Frauen hingegen scheint das viel weniger spezialisiert und definiert zu sein, alle Hirnareale machen irgendwie ein bisschen alles.

      Auch die Hemisphärenspezialisierung ist bei Männern ausgeprägter als bei Frauen.

      In der Konsequenz ist es viel einschneidender für einen Mann, wenn ein Areal ausfällt. Oft erholen sich Männer deshalb weniger gut von einem Hirninfarkt als Frauen.
      3 2 Melden
    • 〰️ empty 14.03.2018 14:53
      Highlight Männer und Frauen haben nicht dieselben Gehirne? Interessant.
      4 0 Melden
    • lilie 15.03.2018 18:15
      Highlight @empty: Das ist so! Tatsächlich verändert sich das Gehirn der Frau sogar geringfügig (aber nachweisbar) im Laufe des Zyklus'. Es ist am "männlichsten" um den Zyklus herum und am "weiblichsten" um den Eisprung herum.

      Das ist mit ein Grund, warum wir immer noch die meisten Erkenntnisse über das Hirn von rechtshändigen, gesunden, weissen Studenten zwischen 20 und 35 haben.

      Repräsentativität sieht anders aus...
      3 0 Melden

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