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Vater postet Bild von seinem Sohn und zeigt damit, wie gefährlich Herpesviren für Babys sein können

Ein Vater postet ein Bild von seinem schwer kranken Sohn auf Facebook, Zehntausende Menschen teilen es. Der Säugling leidet unter einer Hirnentzündung. Verursacht hat sie ein Virus, das fast jeder Mensch in sich trägt.

24.05.16, 14:43

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Mit seinem Facebook-Post bewegt er Zehntausende: Thorsten S. warnt mit einem Foto seines Sohnes John in dem sozialen Netzwerk vor Herpesinfektionen bei Babys. Der erst zwei Monate alte Säugling hatte sich kurz nach der Geburt mit dem Virus infiziert – nun kämpft er ums Überleben. Bisher haben mehr als 43'000 Menschen den Facebook-Beitrag des Hamburgers geteilt, zahlreiche Medien berichten über den Fall.

«Wir hätten nie mit so einer enormen Resonanz gerechnet und sind absolut überwältigt davon», sagt der 34-jährige Vater. Er und seine Frau hätten eigentlich nur Freunde und Bekannte über den Zustand ihres Sohnes informieren wollen. «Dabei war uns auch wichtig, über die tückischen Folgen einer Infektion aufzuklären», sagt Thorsten S.

Hirnentzündung durch Herpesvirus

Das Virus hat bei John eine Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns verursacht. «Diese schwere und glücklicherweise eher seltene Verlaufsform wird meistens durch das Herpes-Simplex-Virus 1 ausgelöst», erklärt die Chefärztin der Kinderstation der Asklepios Klinik Pasewalk, Antje Vogler.

Herpes-Simplex-Virus 1 verursache auch die typischen Lippenbläschen und werde durch Küssen oder engen Hautkontakt übertragen. Typ 2, der Genitalherpes, sei seltener und breche nur bei wenigen Menschen aus.

Für die meisten Erwachsenen ist die Infektion mit Herpesviren zwar unangenehm, aber in der Regel harmlos. Ganz anders bei Neugeborenen und Säuglingen. «Ihr Immunsystem ist noch nicht stark genug, um gegen die Viren anzukämpfen», sagt die Kinderärztin. Die dann auftretenden Symptome ähneln zunächst einer Grippe. «Der Säugling wirkt blass, teilnahmslos, und es treten meistens Krampfanfälle auf, manchmal Fieber.» In Europa erkranken jedes Jahr ungefähr 0,3 Menschen pro 100'000 Einwohner an einer Herpes-Enzephalitis.

Er krampfte, zitterte, überstreckte sich

Bei John zeigte sich die Erkrankung durch die üblichen Symptome: «Er schrie, krampfte, zitterte mit den Armen, später überstreckte er sich – seine Augen rollten nach hinten – wir fuhren mit ihm gleich ins Krankenhaus», sagt sein Vater. Dort habe es dann die Diagnose, eine fünfwöchige Behandlung mit antiviralen Mitteln und schliesslich die Gewissheit gegeben. «Die Ärzte können nichts mehr für ihn tun, der Herpes hat grossen Schaden angerichtet. Jetzt muss er es selbst schaffen.» Mit «es» meint der Vater den Kampf ums Überleben.

Wann und wo sich John mit dem Herpes angesteckt hat, wissen seine Eltern nicht. Kinder können sich beispielsweise bei der Mutter während der Geburt im Geburtskanal infizieren oder aber auch später etwa durch Lippenherpes von Menschen in der Klinik oder daheim. Herpes wird über Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen.

Bei Lippenherpes Distanz zum Säugling

«Eltern sollten, solange sie Lippenherpes haben, einen Mundschutz tragen, wenn sie sich in der Nähe des Kindes aufhalten», rät Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Düsseldorf. Zudem sollten Erkrankte sich regelmässig die Hände desinfizieren, ergänzt Asklepios-Ärztin Vogler. Essgeschirr und Waschlappen, die mit den Lippenbläschen in Kontakt gekommen sind, sollten nicht geteilt werden.

«Bei Lippenbläschen lieber das Baby nicht knuddeln oder küssen», sagt die Kinderärztin. Grundsätzlich rät Vogler, das ganze erste Lebensjahr achtsam bei Herpesinfektionen zu sein.

«Bevor wir davon betroffen waren, hatten wir keine Ahnung, dass Herpes bei Babys so gefährlich sein kann», sagt Thorsten S. «Wenn durch den Post auf Facebook oder die Medien nur ein Kind gerettet wird, hätte Johns schwerer Weg einen Sinn bekommen.»

jme/dpa

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