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Das regelmässige Abtasten der Brüste ist ein wichtiger Schritt zur Früherkennung von Brustkrebs. Bild: shutterstock

Bei Brustkrebs gilt: Je früher erkannt, desto besser – aber welches Verfahren kann was?

Weltweit trifft Brustkrebs inzwischen jede neunte Frau, zehn Prozent der Betroffenen sind unter 45 Jahre alt. Was können Ultraschall, Röntgen-Mammografie und Brust-MRT zur Früherkennung beitragen? Der Vergleich.

01.04.17, 17:28 02.04.17, 08:32

Gerlinde Gukelberger-Felix / spiegel online

Ein Artikel von

Brusttumoren sind gefürchtet. Immerhin handelt es sich um die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Insgesamt etwa 5900 Erstdiagnosen gibt es jährlich in der Schweiz, rund 1400 Frauen sterben jedes Jahr an der Krankheit.

Was können Frauen tun, damit Tumoren rechtzeitig erkannt werden? Das regelmässige Abtasten der Brüste und insbesondere ihre Betrachtung vorm Spiegel mit den Armen überm Kopf sind gut und wichtig. Allerdings werden etwaige Knoten damit nicht früh genug erkannt, sagt die Radiologin Christiane Kuhl vom Universitätsklinikum Aachen.

Dafür braucht man bildgebende Verfahren wie Röntgen-Mammografie, Ultraschall und Magnetresonanztomografie (Brust-MRT). Sie können Brustkrebsherde entdecken, wenn sie noch sehr klein und noch nicht zu ertasten sind. Doch jedes dieser Verfahren hat seine Stärken und Schwächen. Bei der Mammografie beispielsweise gibt es häufig falschen Alarm.

Gewebedichte variiert

Wie gut welches Verfahren funktioniert, hängt auch von der Dichte des Brustgewebes ab. Je höher der Anteil des Drüsengewebes ist, umso weniger können Mediziner beispielsweise auf Röntgenaufnahmen erkennen. Denn Drüsengewebe ist anders als Fettgewebe wenig durchlässig für Röntgenwellen.

Das häufig propagierte Mammografie-Screening mit Röntgenstrahlen liefert deshalb bei einem Teil der Frauen keine brauchbaren Ergebnisse, weil womöglich vorhandene Tumoren nicht zu erkennen sind. «Über die Hälfte der Frauen haben aber auch jenseits der Menopause immer noch viel Brustdrüsengewebe», sagt Kuhl.

In den USA ist es gesetzlich vorgeschrieben, Frauen ihre Brustdichte mitzuteilen. Hierzulande wird das beim Mammografie-Screening nur in Einzelfällen gemacht. Die Folge: Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe wiegen sich in falscher Sicherheit.

Mikrokalk und DCIS

Gleichzeitig haben sie wegen des Drüsengewebes ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Die meisten der Brustkrebserkrankungen – rund 70 bis 80 Prozent – entstehen aus den Zellen, die die zum Drüsengewebe gehörenden Milchgänge von innen wie eine Tapete auskleiden. Wer eine erste Röntgen-Mammografie machen lässt, sollte deshalb unbedingt gezielt nach der Dichte seines Brustdrüsengewebes fragen.

Für die Früherkennung sind auch kleine Kalkablagerungen wichtig. «In den allermeisten Fällen hat dieser Mikrokalk ganz harmlose Ursachen, zum Beispiel eingedickte Flüssigkeit in den Milchdrüsen», sagt Kuhl. Manchmal aber könne er ein Hinweis auf das Vorliegen von Brustkrebs oder einer Vorstufe von Brustkrebs sein. Letztere werden DCIS genannt (ductales Carcinoma in situ).

Was können die einzelnen bildgebenden Verfahren erkennen, was nicht? Ein Überblick:

Röntgen-Mammografie

Bild: shutterstock

Bei geringer Dichte des Brustdrüsengewebes werden alle soliden Tumore (solche mit festem Gewebe) erkannt. Bei relativ dichtem Brustgewebe sinkt diese Sicherheit auf 70 Prozent und bei sehr dichtem Brustgewebe sogar auf 30 Prozent der bösartigen Tumore. Das erklärt laut Kuhl, warum es eine relativ hohe Rate an Karzinomen gibt, die in einer Mammografie-Untersuchung nicht erkannt werden, dann aber so schnell wachsen, dass sie noch vor der nächsten Screening-Untersuchung (Abstand meist zwei Jahre) auffallen. Für Frauen mit lokalen Gewebsverdichtungen empfiehlt sich deshalb eine zusätzliche Untersuchung mit Ultraschall oder MRT.

Die Röntgen-Mammografie sieht Mikrokalk und jene eher harmlosen 10 bis 15 Prozent der DCIS mit Mikrokalk auch bei sehr dichtem Brustgewebe. «Die Entdeckung des Mikrokalks führt jedoch zu vielen unnötigen Biopsien, denn nur in einem von vier Fällen handelt es sich um Brustkrebs oder eine Vorstufe», sagt der Radiologe Benjamin Wiesinger vom Universitätsklinikum Tübingen. Die gefährlichen Hochrisiko-DCIS aber kann eine Röntgen-Mammografie nicht erkennen – genauso wenig wie schnell wachsende Karzinome. Letztere sehen auf Röntgenbildern nämlich aus wie harmlose Strukturen.

Ultraschalluntersuchung

Bild: shutterstock

Ultraschall kommt mit dichtem Brustgewebe gut klar. «Eine sehr fettreiche Brust oder eine übergrosse Brust können dagegen für den Brust-Ultraschall schwierig zu beurteilen sein», sagt Jens-Uwe Blohmer von der Charité Berlin. Bei dichtem Brustgewebe ist es deshalb immer ratsam, die Röntgen-Mammografie und den Brust-Ultraschall als sich ergänzende Verfahren zu kombinieren.

Der Ultraschall sieht solide Tumore und kann sie von flüssigkeitsgefüllten Zysten unterscheiden. DCIS ist nicht zuverlässig feststellbar. Falsch-positive Befunde, bei denen fälschlicherweise ein Tumor gesehen wird, wo keiner ist, sind beim Brust-Ultraschall keine Seltenheit. Die Leitlinien zum Mammakarzinom (2012) sowie zur Früherkennung von Brustkrebs (2008) in Deutschland empfehlen den Brust-Ultraschall insbesondere bei dichtem Brustgewebe als ergänzende Massnahme zur Mammografie.

Brust-MRT

Bild: shutterstock

Für die Leistungsfähigkeit des Brust-MRT spielt die Dichte des Drüsengewebes keine Rolle. Aber es muss ein Kontrastmittel injiziert werden, das sich dann in den Blutgefässen – insbesondere auch schnell wachsender – bösartiger Tumore anreichert und sie sichtbar macht.

DCIS-, insbesondere auch Hochrisiko-DCIS-, invasive Karzinome und schnell wachsende Karzinome werden mit einem MRT «zuverlässig erkannt», sagt Kuhl. Deshalb würden bei Frauen, die eine MRT zur Früherkennung erhalten, kaum noch Intervallkarzinome mehr auftreten. Ein Nachteil ist jedoch, dass auch gutartige Veränderungen Kontrastmittel aufnehmen. Das kann zu unnötigen Biopsien führen.

Ein weiteres Risiko: Gadolinium-haltige Kontrastmittel können manchmal allergische Reaktionen verursachen. Nicht bei allen, aber bei einigen Kontrastmitteln kann sich das darin enthaltene Metall Gadolinium zudem von seiner Trägersubstanz ablösen und dann über die Blutbahn bis in das Gehirn gelangen. Eine schädliche Wirkung ist allerdings noch nicht nachgewiesen.

Trotz allem halten die Radiologen Wiesinger und Kuhl die Brust-MRT für die beste Methode zur Früherkennung. Sie biete selbst Frauen mit normalem Brustkrebsrisiko im Vergleich zur Röntgen-Mammografie eine fast verdreifachte Empfindlichkeit, sagt Kuhl.

Für ein Massenscreening eignet sich das MRT trotz seiner Vorzüge jedoch derzeit nicht. Das liegt zum einen an den aktuell immer noch vergleichsweise hohen Kosten. Zum anderen aber mangelt es auch an Radiologen, die genug Erfahrung haben, um eine Brust-MRT beurteilen zu können.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • chabacha 01.04.2017 23:04
    Highlight So gesehen werden die Vorteile, die ein Brustkrebsscreening bringt massiv überschätzt. Quelle: Gigerenzer, Kuoni, Ritschard (2015). Was Ärzte wissen müssen. Swiss Medical Forum. 2015/36.

    Zum Unsinn der Mammographie:
    https://www.harding-center.mpg.de/de/gesundheitsinformationen/faktenboxen/massnahmen-der-krebs-frueherkennung/brustkrebs-frueherkennung
    http://nordic.cochrane.org/screening-f%C3%BCr-brustkrebs-mit-mammographie
    http://www.cochrane.org/de/CD001877/screening-fuer-brustkrebs-mittels-mammographie
    3 0 Melden
  • chabacha 01.04.2017 23:04
    Highlight Der Nutzen der Brustkrebs-Früherkennung (Mammografie-Screening) kann man als 20 % relative Risikoreduktion beziffern. Das klingt nach viel. Effektiv sterben mit dem Screening nur 4 statt 5 von 1'000 Frauen an Brustkrebs (4/5=0,8). Die absolute Risikoreduktion (1/1'000) beträgt aber nur 0,1 %. Bemerkenswerterweise ändert sich die Gesamtkrebssterblichkeit (21/1'000) aber nicht. Denkbar, aber nicht belegt, wäre eine kanzerogene Wirkung der Mammografie. Das Screening bringt noch zusätzliche Nachteile wie Fehldiagnosen (100/1'000) und unnötige Operationen (5/1'000) mit sich.
    4 0 Melden
  • atomschlaf 01.04.2017 18:35
    Highlight Und die Strahlenbelastung bei der Röntgen-Mammografie ist kein Thema?
    12 2 Melden
    • Gulasch 02.04.2017 02:55
      Highlight Sicher, und zu vernachlässigen ist diese nicht! Sie entspricht ca. 1 mSv (milli-Siewert). Dies wiederum sind ca. 3x eine Röntgenaufnahme des Brustkastens, oder ca. 100h Flugzeit. Die jährliche natürliche Strahlenbelastung ist ca. 2.4 mSv!
      Aufgrund der kosmischen und terrestrischen Strahlung kann die Mammographie alle 2-3 Jahre toleriert werden!
      3 0 Melden
  • mueggy 01.04.2017 18:29
    Highlight Denkt daran, Brustkrebs ist nicht nur eine "Frauenkrankheit", auch Männer können betroffen sein,auch wenn die Zahl der Diagnostizierten vergleichsweise gering ist.
    10 0 Melden

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