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«Es ist ein wenig, als würde sich ein Vakuum bilden», so die Forscher. bild: reuters

Was passiert, wenn die Finger knacken? Endlich haben Forscher das Rätsel gelöst

Warum knacken Finger? Bisher stritten Forscher über die Antwort, stellten Theorien auf und verwarfen sie. Nach über 50 Jahren Rätselraten haben sie die Vorgänge im Gelenk jetzt aufgeklärt.

16.04.15, 10:20 16.04.15, 10:45

Irene Berres / spiegel online

Ein Artikel von

Das Fingerknacken spaltet die Menschheit seit jeher in zwei Lager: Die Knacker und die Nichtknacker. Während die einen den kleinen Knall als Entspannung empfinden, kämpfen die anderen schon beim Hören des Geräusches gegen eine Gänsehaut.

So sehr bei Freunden und Angehörigen die Meinung über das Knacken auseinandergeht, so uneinig waren sich bisher auch Forscher über die Ursache des Knackens. Eine neue Untersuchung könnte das Rätsel nun endgültig gelöst haben.

Gelenke sind die Verbindung zwischen zwei oder mehreren Knochen und sorgen dafür, dass wir unsere Hüften kreisen lassen und unsere Knie anwinkeln können. Damit das funktioniert, bestehen sie aus drei Teilen:

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Klarheit herrschte beim Fingerknacken bisher nur in einem Punkt: Die Gelenke knacken, wenn man sie auseinanderzieht. Dabei kann sich der Spalt zwischen den Knochen auf das bis zu Dreifache vergrössern. Was genau dabei das Geräusch erzeugt, ob Kapsel, Flüssigkeit oder die Knochen selbst, war fraglich.

Blasen, einschnappen, platzen: Orakeln seit 1947

Eine erste Theorie lieferten zwei britische Wissenschaftler bereits 1947: Sie röntgten Finger vor und nach dem Knacken. Auf den Bildern entdeckten sie nach dem Knacken eine Gasblase im Spalt zwischen den Gelenken, die zuvor nicht da gewesen war. Das Geräusch, spekulierten sie, entstehe, wenn sich diese Blase beim Auseinanderziehen der Finger aufplustere.

Die Theorie der beiden hielt knapp 25 Jahre, dann warteten weitere Forscher mit einer zweiten Hypothese auf: Das Knacken entstehe nicht, wenn sich die Blasen bilden, sondern wenn sie platzen, orakelten die drei Wissenschaftler von der University of Leeds. Zu diesem Zeitpunkt waren kollabierende Gasblasen ein grosses Forschungsthema, da sie als Ursache für Geräteschäden bei der Marine ausfindig gemacht worden waren.

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Direkte Belege für ihre Platz-Hypothese fehlten allerdings. So blieb bis heute unklar, ob und wie die Gasblasen lärmen – oder ob nicht etwas ganz anderes, etwa eine einschnappende Kapsel, für das Knacken verantwortlich war. Um dem Rätseln für alle Zeit ein Ende zu bereiten, holte ein internationales Forscherteam jetzt nach, was die Technik den britischen Forschern 1947 noch nicht ermöglicht hatte.

Live-MRT und eine spezielle Knackvorrichtung

Gregory Kawchuk und sein Team von der University of Alberta in Kanada filmten, was im Gelenk passiert, während es knackt. Als Versuchsperson diente ihnen einer der Studienautoren, der alle zehn Finger durch Ziehen zum Knacken bringen konnte. Um zu beobachten, was dabei passiert, legte sich der Chiropraktiker auf den Bauch, streckte seine Hand vor sich aus und liess sich so in die Röhre eines MRT fahren.

Ausserdem bastelten die Forscher eine Vorrichtung, um die Gelenke zum Knacken zu bringen, ohne sie zu verdecken. Dafür befestigten sie je einen Finger in einer Art Gummischlauch, an dessen Ende sie zogen, bis das Knacken ertönte. Während der ganzen Prozedur machte das MRT-Gerät 3.6 Aufnahmen pro Sekunde und hielt fest, was im Gelenk vor sich ging.

Begannen die Forscher zu ziehen, tat sich erst einmal gar nichts. Die Schmiere hielt die Gelenkflächen zusammen. Zogen die Forscher aber kräftiger, schnellte das Gelenk auf einmal auseinander, wie sie im Fachjournal «Plos One» berichten.

Dabei vergrösserte sich der Spalt innerhalb kürzester Zeit von durchschnittlich 2.3 auf 4.5 Millimeter, es tat sich eine Blase auf – und es knackte. Erst nach dem Loslassen des Gelenks bildete sich die Blase zurück, leise, unbemerkt. Die Ergebnisse zeigen, dass schon die Briten 1947 mit ihrer Hypothese tatsächlich recht hatten.

«Es ist ein wenig, als würde sich ein Vakuum bilden», sagt Kawchuk in einer Mitteilung. «Als sich die Gelenkflächen plötzlich voneinander wegbewegen, ist keine Flüssigkeit mehr da, um das immer grösser werdende Volumen zu füllen. So kommt es zu dem Hohlraum, und dieses Ereignis ist mit dem Geräusch verbunden.» Weitere Untersuchungen müssen jetzt zeigen, ob sich die Ergebnisse von dem einen auf alle Fingerknacker übertragen lassen.

Kawchuk hofft ausserdem, mit dem Ansatz irgendwann noch ein weiteres Rätsel des Knackens lösen zu können: Berechnungen zeigen, dass die Energie beim Knacken den Gelenken eigentlich schaden müsste. In der Praxis allerdings haben Knacker genauso gesunde Hände wie Nichtknacker. Zum Glück. Nur, wie ist das möglich? Die Fingerknackstudien, sie gehen weiter.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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