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Schmerzen die Schienbeinkanten erst einmal, dauert eine Behandlung in aller Regel bis zu sechs Wochen.  bild: shutterstock

Hast du beim Joggen manchmal Schmerzen im Schienbein? Dann solltest du unbedingt zum Arzt gehen!

Das Schienbeinkantensyndrom zählt zu den typischen Läuferkrankheiten. Doch Betroffene gehen häufig zu spät zum Orthopäden. Das Problem: Die Behandlung ist langwierig.

13.03.15, 07:09 30.03.15, 11:31


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Druckgefühl und Schmerzen im Schienbein: Wenn Läufer mit diesen Beschwerden zu Ingo Tusk kommen, dann weiss der Orthopäde, dass es mit ein paar medizinischen Handgriffen in der Regel nicht getan ist. Die Symptome sind typische Anzeichen für das Schienbeinkantensyndrom. «Diese Patienten sind schwierig zu behandeln, weil es lange dauert, bis die Beschwerden weg sind», sagt der Chefarzt der Abteilung Sportorthopädie und Endoprothetik an den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken.

Besonders Läufer haben es mit den Beschwerden zu tun, die auch Shin Splints genannt werden. «Das ist ein typisches Laufbelastungssyndrom», sagt Tusk. Das Problem: «Das ist keine Sache, bei der man eine Spritze gibt und alles ist wieder gut.»

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Meistens sprechen die Patienten von einem diffusen Druckgefühl am Unterschenkel. Es trete oft an der Innenseite des Schienbeins auf, manchmal auch aussen, sagt Patrik Reize, Ärztlicher Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Stuttgart. Zunächst kommt der Schmerz zum Beispiel nach dem Beginn eines Laufes und bleibt bis zum Ende der Belastung. Die Schmerzen können aber auch Stunden oder Tage danach noch anhalten. Irgendwann werden sie dann so stark, dass man das Training abbrechen muss.

Schmerzen die Schienbeinkanten erst einmal, dauert eine Behandlung in aller Regel bis zu sechs Wochen. Es kann aber auch mehr Zeit nötig sein, wenn der Sportler den Orthopäden erst spät aufsucht.

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Diffuse Schmerzen erschweren die richtige Diagnose

«Mit diesen Patienten muss man sich Zeit lassen», sagt Reize. Es sei wichtig, sämtliche möglichen Diagnosen und Ursachen im Gespräch mit ihnen in Betracht zu ziehen. Gerade weil die Schmerzen so diffus sind, dauere es häufig eine Weile, bis man die Diagnose Shin Splints stellen könne.

Der Schmerz liege dort, wo der Muskel an der Knochenhaut der Schienbeinkante ansetzt, erklärt Tusk. Bei manchen stehe er im Zusammenhang mit dem Fussgewölbe. Dieses wird vom hinteren Schienbeinmuskel, dem Musculus tibialis posterior, aufgespannt. «Wenn das Gewölbe zu flach ist, kann ein Ansatzschmerz am Knochen entstehen, der nur mühsam zu behandeln ist.» Alles, was knochennah ist, sei schlecht durchblutet, so Tusk. Doch auch eine sportliche Überbelastung durch zu viel Training oder einen zu geringen Fitnessgrad könne zu einer Entzündung am Ansatz der Muskelsehne am Knochen führen.

Klassisches Beispiel eines Betroffenen sei der schlecht trainierte, vielleicht übergewichtige, aber ehrgeizige 40-Jährige, der nach einer längeren Pause wieder mit dem Laufen beginne und zu schnell viel erreichen wolle, sagt Patrik Reize. «Genau das verzeiht der Körper aber häufig nicht.» Die zweite Gruppe sind laut Reize Extremsportler, die sehr häufig oder sehr lange trainieren.

Wichtig ist es, möglichst früh zum Arzt zu gehen, bevor das Syndrom chronisch wird. Genau das aber machen viele nicht, wie Reize sagt. «Die Patienten berichten, wenn sie dann mal in die Sprechstunde kommen, von irgendeiner Belastungssituation, in der es begonnen hat. Weil sich aber der Schmerz nach der Belastung meistens wieder zurückbildet, brauchen sie eine Weile, um zum Arzt zu gehen.»

Sportpause ist besonders wichtig

Um eine Verstetigung der Beschwerden zu verhindern, wird zunächst häufig Schonung, also eine Sportpause empfohlen. Das aber falle besonders jenen schwer, die gerade erst den Sport (wieder-)entdeckt haben, so Reize.

Zudem empfehlen Ärzte meist eine Physiotherapie. «Dabei kann man die Triggerpunkte behandeln», sagt Tusk. «Das muss in erfahrene Hände, denn das ist nicht ganz einfach.» Lägen die Ursachen der Schmerzen im Fussgewölbe, sei erst einmal eine Einlagenversorgung sinnvoll. «Um das Gewölbe zu schützen und eine Fussfehlstellung auszugleichen.»

Zudem sollte überprüft werden, ob der Patient in den richtigen Schuhen läuft oder vielleicht ein anderes Modell braucht. Gegebenenfalls muss auch das Training angepasst werden. Patrick Befeldt von der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung (DFLV) rät zudem, die Muskulatur am Sprunggelenk zu trainieren, um die Füsse zu stabilisieren. Auch Dehnungsübungen seien wichtig, um die Wade beweglich zu halten. Grundsätzlich sei es von Vorteil, «wenn Läufer vorbeugend ein begleitendes Kraft- und Koordinationstraining machen.»

Das Schwierigste bei einem Schienbeinkantensyndrom sei jedoch, «die Leute auszubremsen», sagt Befeldt. «Ganz entscheidend ist: Es muss ausheilen.» Das Laufen sollte man also erst einmal sein lassen – das scheitert aber manchmal am Ehrgeiz.

Um solche Beschwerden von vornherein zu verhindern, sei es sinnvoll, nicht einfach loszulaufen, sagt Befeldt. «Man sollte langsam und systematisch anfangen zu laufen und sich für das Training möglichst einen Plan von einem Spezialisten machen lassen.» Dann sei die Verletzungsgefahr deutlich geringer. (Matthias Jung, dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • loadmaster 14.03.2015 17:53
    Highlight Sehr interessant! Hatte lange Zeit genau dasselbe Problem, mein "Arzt" konnte mir damals nicht weiterhelfen und hat mich quasi als Simulant abgestempelt, da man scheinbar auch beim Ultraschall nichts sah. Habe dann irgendwann aufgrund der dauernden Schmerzen mehr oder weniger mit dem Fussballspielen aufgehört. Trotzdem sehr interessant zu lesen mit manchem "Aha"-Erlebnis :-)
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  • KKGang 13.03.2015 14:18
    Highlight Hatte das selbe Problem auch als Leichtathlet ebenso mehrere in der Trainingsgruppe. Pausen habe ich nie gemacht, der Trainer ist auch Physiotherapeut. Als ich neue Schuhe mit der richtigen Stützung gekauft habe gingen die Schmerzen schnell und dauerhaft weg.
    3 0 Melden
  • Peter Mafua 13.03.2015 12:28
    Highlight Als ich noch ca. 10kg übergewicht auf den Rippen hatte oder mal für ne sehr lange zeit nichts Sportliches unternahm, hatte ich die selben Schmerzen. Meine Lösung: regelmässiger Sport, gesunde Ernährung, viel Wasser und Mineralstoffe, sowie Gewichtsabnahme liessen die Beschwerden verschwinden. Aber ganz klar: Regeneration ist auch sau wichtig. Meine Divse: 1x pro Monat für 5-7 Tagen Pause.
    3 1 Melden
  • droelfmalbumst 13.03.2015 11:44
    Highlight das hatte ich ab und zu als ich noch im FC war... weiss nicht ganz genau aber etwa 1-2x pro saison hatte ich genau das problem wärend den trainings.. wenn ich mich noch erinnern mag war es immer nach der sommerpause... evtl. weil da die belastung am höchsten war? als würde jeder moment das schienbein brechen... unser physio meinte da immer, die schleimhäute könnten entzündet sein... im nächsten training war es dann aber meist wieder weg...
    2 0 Melden
  • Sarah Ackermann 13.03.2015 10:26
    Highlight Ich habe dieses Problem seit nun etwa 2 Jahren. Das Laufen und allgemein Sport, bei dem man rennen muss, machen keinen Spass, da nach etwa 5 Minuten die Schmerzen einsetzen. Ich habe nun etwa 40 Stunden Physiotherapie wegen diesem Problem hinter mir, und es wird einfach nicht besser..
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  • Nosgar 13.03.2015 10:00
    Highlight Ich habe so eine ähnliches Problem seit über 15 Jahren. Wenn ich schnell gehe oder gar jogge, so setzt oft inner kurzer Zeit in beiden Schienbeinen ein starker, brennender Schmerz ein. Es ist mir dann auch nicht mehr möglich, den Fuss gegen oben zu ziehen. Stoppe ich, so verschwindet der Schmerz ziemlich schnell. Keine Ahnung, ob es das hier beschriebene ist, aber auf jeden Fall ähnlich und ziemlich lästig.
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    • Tscheggsch? 13.03.2015 11:47
      Highlight Jep, genau dasselbe hier... Lustig ist, dass diese Schmerzen vor allem bei schnellem Gehen auftauchen. Renne ich dann aber leicht, so verschwinden die Schmerzen sofort, genau gleich wie wenn ich kurz stehenbleiben würde.
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  • swissda 13.03.2015 09:10
    Highlight Hatte dasselbe Problem, habe es nun aber ziemlich schnell selbst in den Griff gekriegt. Bin zwar nicht der Tabletten-Freund, aber Entzündungshemmende Mittel haben bei mir echte Wunder gewirkt! Mit Salben kommt man nämlich leider kaum an die gewünschte Stelle ran...
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  • Habicht 13.03.2015 08:03
    Highlight Wenn Schmerzen im Schienbein während dem Rennen auftauchen, kann es auch sein, dass die Schuhe zu eng gebunden sind. Schuhe sofort weniger eng binden und wenn das nicht hilft (sollte sofort helfen) kann man immer noch zum Orthopäden.
    8 0 Melden
    • droelfmalbumst 13.03.2015 11:56
      Highlight ich hatte auch paar mal das problem dass meine füsse KOMPLETT eingeschlafen sind während dem fussball match! zuerst dachte ich, ok zu fest gebunden? locker gemacht... trotzdem total eingeschlafen.. der komplette fuss kribbelte extrem und ich dachte er wäre doppelt so breit wie normal..lol
      das war vor allem wenn der platz eher tief war... lag wohl irgendwie trotzdem an den schuhen... anderst kann ich es mir nicht erklären :-/
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