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kopfschmerzen

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bild: shutterstock

Leidest du unter Spannungs-Kopfschmerzen? Dann probier's doch mal mit Sport und Physiotherapie

Fast zwei Drittel aller Erwachsenen leiden unter klassischem Kopfweh – auch Spannungskopfschmerz genannt. Meist helfen Tabletten oder Entspannungstechniken. Wer aber zu oft Pillen schluckt, riskiert eine Verschlimmerung. 

Irene Habich / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Beengende, drückende Schmerzen sind typisch für den Kopfschmerz vom Spannungstyp. Manche beschreiben das Gefühl so, als hätte man einen zu engen Hut auf, oder als sei der Kopf in etwas Unsichtbares hineingezwängt. Die Schmerzen sind stark bis mittelstark und können für Minuten, Stunden, aber auch tagelang anhalten. Der Kopfschmerz vom Spannungstyp wird manchmal mit der Migräne verwechselt.

Während Migräne oft einseitig auftritt, ist er beidseitig spürbar. Er fühlt sich drückend an, die Migräne eher pulsierend. Anders als bei der Migräne tritt Lichtempfindlichkeit eher selten auf, Erbrechen oder Übelkeit sind ebenfalls untypisch. Die Schmerzen verstärken sich auch nicht durch Bewegung. Im Gegenteil: Bewegung an der frischen Luft kann sie sogar teilweise lindern.

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Bei Frauen häufiger als bei Männern

Neben der Migräne gehört Kopfschmerz vom Spannungstyp zu den häufigsten Kopfschmerzarten. Einer Übersichtsstudie zufolge leiden im Laufe eines Jahres mehr als 60 Prozent der erwachsenen Europäer daran. Kinder und Jugendliche sind deutlich seltener betroffen, Frauen etwas öfter als Männer. Mehr als zwei Drittel der chronischen Patienten haben zusätzlich eine psychische Krankheit, am häufigsten eine Depression oder Panikerkrankung.

Wie der Kopfschmerz vom Spannungstyp entsteht, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt, vermutet wird aber eine Störung der körpereigenen Schmerzregulation. Unter Stress und Anspannung werden viele Schmerzreize vom Körper abgewehrt: Wer beispielsweise unter Zeitdruck am Computer arbeitet, bemerkt dabei kaum, wenn sich seine Muskulatur verspannt.

Erst durch Ruhe kehrt die Schmerzabwehr zurück

Dabei werden jedoch körpereigene Botenstoffe wie das Serotonin verbraucht. Passiert das über einen längeren Zeitraum hinweg, fehlen diese Botenstoffe, und die körpereigene Schmerzabwehr ist erschöpft. Reize werden nun im Gegenteil besonders intensiv wahrgenommen, wodurch es zu den Schmerzen kommen kann.

Erst wenn Ruhe und Entspannung eintreten, werden neue Botenstoffe gebildet und die Schmerzabwehr funktioniert wieder. Tritt der Schmerz innerhalb von drei Monaten an durchschnittlich mindestens 15 Tagen pro Monat auf, gilt er als chronisch, die Regulation ist dann dauerhaft gestört.

Akute Schmerzen lassen sich mit den gängigen, rezeptfreien Kopfschmerzmitteln aus der Apotheke lindern. Allerdings sollten vor allem chronische Patienten darauf achten, die Mittel nicht zu oft einzunehmen – sonst kann sich das Leiden verschlimmern: Es droht ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz.

Vorbeugung durch Ausdauersport?

Zur langfristigen Therapie werden Medikamente eingesetzt, mit denen sonst Depressionen behandelt werden. Die Antidepressiva bewirken eine Anreicherung von Botenstoffen wie Serotonin, die für die Regulation der Schmerzfilter wichtig sind.

Um Kopfschmerzen vom Spannungstyp vorzubeugen, wird dazu geraten, zwei- bis dreimal wöchentlich Ausdauersport zu treiben wie Schwimmen, Joggen oder Fahrradfahren. Empfohlen werden auch Stressbewältigungstrainings oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Einer Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zufolge gibt es jedoch kaum Beweise dafür, dass diese Massnahmen allein wirksam sind.

Etwas besser belegt ist demnach, dass eine Physiotherapie, bei der Hals- und Schultermuskulatur trainiert werden, chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp lindern kann. Oder ein sogenanntes Biofeedback, ein Training, bei dem Patienten lernen, die Muskulatur zu entspannen. Der Lernprozess wird dadurch gestützt, dass während des Trainings die Muskelanspannung gemessen wird, was auf einem Bildschirm für die Patienten sichtbar ist.

Die DGN empfiehlt bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp eine Therapie, die Medikamente mit Entspannungsmassnahmen oder Sport kombiniert.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Bei häufigen oder starken Kopfschmerzen ist es wichtig, dass ein Arzt die richtige Diagnose stellt, am besten ein Schmerzspezialist. Nur so lässt sich die passende Therapie finden und ausschliessen, dass sich eine andere Krankheit dahinter verbirgt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 12.08.2015 10:43
    Highlight Highlight Wir sollten es nicht komplizieren. Stress wirkt als Verspannung auf den Körper, reduziert das Immunsystem und kann viele somatische Effekte hervorbringen. Alles was entspannt hilft da schon grundsätzlich. Ein Methodenstreit ist zu vermeiden, den jeder entspannt auf seine Weise. Atmung und Pulsfrequenz sind schon wichtige Treiber bei der Entspannung und werden bei moderatem Sport (exessiver Sport = Stress), Massagen oder Entspannungsübungen (von Yoga bis ...) synchronisiert. Bewusstes Atmen, Bewegen und Leben innerhalb einer Anspruchsgesellschaft ist eine Herausforderungen. Manchmal gelingts.
  • Michael Buholzer (1) 12.08.2015 07:52
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