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Ein feuchter Kuss mit Zunge hat's in sich. Bild: shutterstock

Kussexperiment

Mmmmh, fein! So viele Bakterien übertragen wir beim Knutschen

21 Paare, jeder Kuss musste mindestens zehn Sekunden dauern: Forscher haben mit einem Knutschexperiment die Verbreitung von Mundbakterien untersucht. Die übertragene Menge ist enorm.

17.11.14, 12:27 17.11.14, 14:36

Kristin Hüttmann / spiegel online

Ein Artikel von

Ein Kuss ist nur ein Kuss? Glaubt man Remco Kort, ist intensives Knutschen vor allem eins: eine sehr effektive Methode, um 80 Millionen Bakterien zu übertragen. Mit Romantik hat die Forschung des Mikrobiologen vom Amsterdam Institute for Molecules, Medicine and Systems wenig zu tun. In einer wissenschaftlichen Studie untersuchten er und seine Kollegen, wie ähnlich sich die Bakteriengemeinschaft im Mund von Paaren ist.

Die Mikrobiologen machten ein kontrolliertes Knutschexperiment. Sie versammelten 21 küsswillige Paare, gleich- und gemischtgeschlechtliche. Vor jedem Kuss musste die Hälfte der Probanden einen probiotischen Drink schlürfen, der einen bestimmten Bakteriencocktail enthielt. Jeder Kuss musste mindestens zehn Sekunden dauern. Das Ergebnis: Nach dem Kuss stieg die Zahl der Bakterien im Speichel des Kussempfängers sprunghaft an – um das Dreifache, berichten die Forscher im Fachmagazin «Microbiome».

«Intimes Küssen ist ein rein menschliches Verhalten», sagt Kort. «Es stärkt die Bindung und führt auch dazu, dass enge Partner eine sehr ähnliche Mundflora haben.»

Männer küssen öfter

Zusätzlich zu ihrem kleinen Kussexperiment verteilten die Forscher Fragebögen an ihre Probanden. Sie wollten von ihnen beispielsweise wissen, wann sie das letzte Mal geküsst hatten oder wie oft sie küssen. Dabei entdeckten die Wissenschaftler eine kleine Diskrepanz in den Antworten: 74 Prozent der befragten Männer gaben sehr viel höhere Küssfrequenzen an als ihre Partnerinnen. So sagten viele der Männer, sie würden im Durchschnitt zehnmal pro Tag küssen, während ihre Partnerinnen nur fünfmal angaben. Was das bedeutet, haben die Forscher allerdings nicht weiter untersucht.

«Wir wollten vor allem herausfinden, in welchem Umfang Partner ihre Mundbakteriengemeinschaft teilen», sagt Kort. «Und es sieht so aus: Je öfter sich ein Paar küsst, desto ähnlicher ist auch seine Bakterienzusammensetzung im Speichel.»

Eine Bakteriengemeinschaft fürs Leben

Die Mundflora ist Teil des gesamten menschlichen Mikrobioms. Jeder hat ein ganz eigenes. «Das gesamte Mikrobiom des Menschen muss man sich wie eine Landschaft vorstellen», sagt Kort. «Und je nachdem, ob man im Dschungel oder in der Wüste ist, ist es eben auch sehr unterschiedlich.» Wobei Kort Mund und Genitalbereich eher dem Dschungel zuordnet.

«Wir sollten vor allem eine möglichst vielfältige Bakteriengemeinschaft haben», sagt Kort. Dafür könne es auch sinnvoll sein, viel zu küssen. «Zumindest solche Partner, die eine gesunde Mundflora haben.» Denn längst nicht alle Bakterien machen krank – auf der Haut und den Schleimhäuten schützt uns die Gemeinschaft sogar vor Krankheiten.

Angst müssen wir nicht haben, dass unser Mikrobiom sich kurzfristig ändert, nur weil wir an Karneval einen fremden Frosch küssen. «Unser Mikrobiom ist sehr robust», sagt Jack Gilbert, Mikrobiologe an der University of Chicago. «Die Bakterien für unser persönliches Mikrobiom rekrutieren wir in frühester Kindheit aus unserem Zuhause und unserer Umgebung.» Und im Gegensatz zu den Karnevalsprinzen sind sie sehr treu – so fand Gilbert kürzlich heraus, dass wir mit unserer Bakteriengemeinschaft sogar umziehen.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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