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Offene Schuhe sind besser als ihr Ruf. Bild: AP

Flipflops und Sandalen sind schlecht für die Füsse? Quatsch! Hier kommen 5 Irrtümer Zum Thema offene Schuhe

Endlich ist es warm genug für offene Schuhe. Doch drohen durch das Tragen von Flipflops und Sandalen Plattfüsse oder Fehlstellungen? Nein, alles halb so wild. Die grössten Mythen über offene Schuhe.

23.06.15, 07:08


Ein Artikel von

Irrtum 1: Flipflops schaden den Füssen

Keine Dämpfung, kein Fussbett, keine Stütze für den Fuss: Oft wird behauptet, Flipflops seien gesundheitsschädigend. Hartmut Stinus, Orthopädie-Schumacher und Facharzt für Orthopädie aus Northeim, sieht das gelassener: «Flipflops sind ordentliches Schuhwerk – für gesunde Füsse.» Natürlich braucht die Umgewöhnung vom geschlossenen zum offenen Schuh etwas Zeit. Und wer generell Probleme mit seinen Füssen hat, kann schnell Schmerzen in den Strandsandalen bekommen.

Auch die richtige Passform kommt es an. Bild: AP

Um Beschwerden zu vermeiden, sollte man darauf achten, dass die Flipflops passen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber Orthopäden kennen das Problem auch beim geschlossenen Schuh. «Ich erlebe es immer wieder, dass die Leute beim Schuhkauf weder auf die Weite noch auf die Länge achten», sagt Stinus. Es werde lediglich nach Schuhgrösse gekauft. Doch die Angaben der einzelnen Hersteller unterscheiden sich sehr stark. Laut einer österreichischen Studie tragen 87 Prozent der Kinder zu kleine Schuhe.

Bei Flipflops sollten die Zehen nicht vorne überragen und die Riemen eng am Fuss anliegen. Hängen die Riemen zu locker, besteht die Gefahr, dass man beim Gehen den Fuss nicht auf natürliche Weise abrollt, sondern damit beschäftigt ist, die Sandalen mit den Zehen festzukrallen. Das kann zu muskulärer Überlastung führen. Aber: Flipflops sind per se kein Flop. Sie müssen nur zum Fuss passen.

Irrtum 2: Ohne Dämpfung verletzt man sich leichter

Offene Schuhe sind meist minimalistisch und weisen weder eine dicke noch eine weiche Sohle auf. Manche argumentieren, das schade den Gelenken, da die Stossbelastung zu hoch sei für den Körper.

Biomechaniker Benno Nigg von der University of Calgary kommt auf Basis verschiedener Studien zum Schluss, dass die Gefahr von Einwirkkräften auf den Fuss überschätzt wird. Auf dem Laufschuhsymposium bei der ISPO-Sportartikelmesse in München betonte er erneut, seiner Meinung nach gebe es keinen direkten Zusammenhang von harter oder weicher Dämpfung und Verletzungen.

Wer sich in flachen, offenen Schuhen wohlfühlt und keine Probleme hat, muss nicht denken, dass er seinen Füssen damit schadet. Im Gegenteil. «Ihr Körper ist kein Auto», schreibt Sportarzt Matthias Marquardt in seiner «Laufbibel». Soll heissen: Der Körper kann die Stosskräfte über den Fuss gut kompensieren, ja, er benötigt diese Belastung sogar, um funktionsfähig zu bleiben.

Mit zu weichen Schuhen riskiere man Achillessehnenentzündungen. Zu harte Schuhe aber können Stressfrakturen auslösen. Was hart oder weich bedeutet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das hängt von der gesundheitlichen Verfassung ab. Entscheidend ist, dass man sich wohlfühlt. «Komfort ist der wichtigste Faktor für verletzungsfreies, auch für schnelles Laufen», sagt Nigg.

Irrtum 3: Offene Schuhe müssen ein Fussbett haben

Ab und zu barfuss laufen, tut dem Fuss gut. Bild: KEYSTONE

Für den gesunden Fuss ist ein ordentliches Fussbett in einem offenen Schuh meist angenehm. Aber nicht jeder Fuss benötigt es. Genauso wenig passt das eingearbeitete Fussbett zu jedem Fuss. Mittlerweile bieten Hersteller das Beste aus beiden Welten an. So gibt es Flipflops, die man sich mit individuellem Fussbett anfertigen lassen kann. Eine Art Einlage für die Strandsandale.

Funktionieren die Fussmuskeln aber gut, braucht man weder ein Standard-Fussbett noch eine Einlage vom Orthopäden. Viel entscheidender ist – auch für Menschen mit Einlagen – , dass man öfter mal die Schuhe wechselt, um dem Fuss neue Reize zu gönnen und die vernachlässigten Muskeln wieder aufzubauen. So werden die Flipflops zu einer Art Trainingsgerät.

«Am besten ist es, auch mal barfuss zu gehen», sagt Hartmut Stinus. Das stimuliere und kräftige den Fuss und verbessere die Haltung und den Gang. Dabei sollte man beachten, sich langsam zu steigern und auf natürlichen Böden wie Rasen oder Sand gehen. Asphalt ist zu rau und hart. «Den Fuss fordern, aber nicht überfordern lautet die Devise.»

Irrtum 4: In Sandalen kann man nicht laufen

Schnelleres Gehen in offenen Schuhen, joggen, traben ist unmöglich – oder? Ein Volk aus Mexiko zeigt, dass es doch geht. Die Tarahumaras, bekannt geworden aus dem Laufbuch-Klassiker «Born to Run», legen mühelos Ultramarathonstrecken in Wüsten und Berggegenden zurück. Sie rennen Hunderte von Kilometern am Stück in «Huaraches», selbstgemachten Sandalen.

Auch in Flipflops kann man rennen. Bild: KEYSTONE

Irrtum 5: Die Schuhwahl ist entscheidend für die Gesundheit des Fusses

Da unsere Umwelt zumeist aus Asphaltstrassen besteht, benötigen wir Schuhe, beziehungsweise dämpfendes Material zwischen Fuss und dem harten Boden. Gerade im Sommer sollten wir die Möglichkeit nutzen, die Füsse von Socken- und Schuhmief zu erlösen.

«Der Fuss wird den ganzen Herbst und Winter wie in einem Gefängnis in geschlossene Schuhe eingesperrt», sagt Hartmut Stinus. «Wenn man kann, sollte man den Fuss befreien und ihm etwas frische Luft gönnen.»

Statt unendlich viel Energie für den Schuhkauf zu verschwenden, ist es ratsam, mehr Zeit darauf zu verwenden, den Fuss zu stärken. Barfusslaufen oder Gehen in offenen Schuhen, die ein ähnliches, natürliches Abrollverhalten gewähren, sind Kräftigungsübungen und Fussgymnastik in einem und nutzen dem Fuss mehr als Fussbett und Dämpfungssystem. Wir sollten im wahrsten Sinne des Wortes wieder bodenständiger werden. (Frank Joung)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Thanatos 23.06.2015 12:57
    Highlight Wenn Flipflops schädlich wären, dann müsste es ja noch gefährlich sein, barfuss zu laufen ^^
    6 2 Melden

«Wer sich nicht konzentrieren kann, wird in 20 Jahren arm sein»

Sebastian Berger hat an der Universität Bern eine Studie über den Zusammenhang zwischen Selbstkontrolle und Smartphone-Gebrauch verfasst. Sein Fazit: Je geringer die Selbstkontrolle, desto schneller der Griff zum Handy. Im Interview verrät er, warum die Konzentration im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie die entscheidende Kompetenz ist.

Herr Berger, haben Sie auf Ihrem Smartphone Push-Meldungen installiert?Sebastian Berger: Nein, keine, ich checke auch meine Mails nur zweimal täglich: am Morgen und am Abend.

Ich habe vorhin versucht, Sie telefonisch zu erreichen, das hat nicht geklappt. Dann habe ich ein Mail geschrieben. Sie haben es offenbar gelesen.Gut, ja, ich war vorhin mit meinem Sohn spazieren und habe da kurz in meinen Posteingang geschaut.

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