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Gesellschaft: Menschenopfer halfen den Mächtigen

In vielen Gesellschaften gehörten Menschenopfer zum festen Brauchtum. Eine Analyse zeigt: Die perversen Riten nützen Herrschenden, um die Gemeinschaft zu spalten.

05.04.16, 22:57 06.04.16, 07:12


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Was treibt Menschen dazu, andere in feierlichen Zeremonien hinrichten zu lassen? Eine neue Studie erkennt politische Motivation: Menschenopfer würden Herrschern helfen, andere zu unterdrücken.

epa03803204 An undated handout photograph provided by National Institute of Anthropology and History (INAH, as in Spanish) on 27 July 2013 shows a Pre-Hispanic offering with a vessel and older cranium of a decapitate man, dated to some 500 years ago, which were found by experts of INAH in the archaeological area of in Tlatelolco, Mexico City, Mexico. EPA/MELITON TAPIA / INAH / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++

500 Jahre alter Schädel eines Menschenopfers am mexikanischen Templo Mayor.
Bild: INAH / HO

Die Analyse von 93 Gesellschaften zwischen Madagaskar und Australien zeige, dass sich in Staaten mit Opferriten eher starre Hierarchien etabliert hätten, berichtet eine Gruppe um den Psychologen Joseph Watts von der neuseeländischen Universität Auckland im Wissenschaftsmagazin Nature. Die Forscher glauben, dass die Opfer die Spaltung von Gemeinschaften beförderten.

Klassengesellschaften seien meist religiöser, schreiben die Gelehrten. Ihre Vermutung: Herrschende Klassen nutzten religiöse Riten, um ihre Macht abzusichern. Das zeremonielle Ermorden von Menschen sei politisch wirksam: Es habe geholfen, Hierarchien zu festigen, meinen die Forscher.

Rechtfertigungen für das Morden

Eine Besonderheit gab es: Führten egalitäre Gesellschaften Menschenopfer ein, entwickelten sich keine starren Schichten. Die Opferrituale halfen nur, bereits geteilte Gemeinschaften noch stärker zu spalten.

Die Forscher haben in 40 der 93 untersuchten Gesellschaften Zeugnisse von Menschenopfern gefunden – darunter in fünf der 20 egalitären Gemeinschaften, in 17 der 46 gemässigten und in 18 der 27 stark hierarchisierten Klassengesellschaften.

In den untersuchten Gesellschaften seien unterschiedliche Rechtfertigungen für Menschenopfer bekannt: Strafe für Tabubrüche, die Ernennung eines neuen Chefs oder die Weihe eines neuen Hauses. In der Logik mancher Völker seien Menschenopfer eine Notwendigkeit gewesen, um das Weiterbestehen der Schöpfung zu gewährleisten, erklären Experten.

Geopfert wurden meist Angehörige niedriger Klassen, zum Beispiel Sklaven. Ihre Verurteiler hingegen genossen gewöhnlich hohen Status, sie waren beispielsweise Priester oder Häuptlinge.

Der 1984 im Moor Lindow Moss bei Manchester gefundene Lindow-Mann lebte im 1. Jahrhundert n.Chr. Er wurde -–vielleicht als Menschenopfer – getötet und höchstwahrscheinlich nackt in einem Moorwasser-Tümpel versenkt.

Der 1984 im Moor Lindow Moss bei Manchester gefundene Lindow-Mann lebte im 1. Jahrhundert n.Chr. Er wurde wahrscheinlich als Menschenopfer getötet und nackt in einem Moorwasser-Tümpel versenkt.
Bild: Wikipedia

boj

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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