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Im Tikal werden immer wieder Maya-Stätten entdeckt. Bild: AP/AP

Wissenschaftler entdecken in Guatemala riesige Maya-Stätte

Zehntausende Bauwerke, Platz für zehn Millionen Menschen: Forscher haben in Guatemala eine riesige Maya-Stätte gefunden. Möglich machte das auch eine spezielle Laser-Luftbild-Technik.

03.02.18, 21:57

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Archäologen sind im Dschungel Guatemalas auf eine Maya-Stätte enormen Ausmasses gestossen: Zehntausende bislang unentdeckte Häuser, Verteidigungsanlagen wie Gräben und Schutzwälle sowie Pyramiden, landwirtschaftlich genutzte Flächen von industriellem Ausmass und Bewässerungskanäle. Das Areal im Norden des Bezirks Petén soll insgesamt etwa 60'000 Bauten auf einer Fläche von 2100 Quadratkilometern umfassen.

Geglückt ist die Entdeckung einer Gemeinschaft von Archäologen aus den USA, Europa und Guatemala. Die Forscher nutzten dabei auch eine spezielle Lasertechnik. Sie kommt bei Luftbildaufnahmen zum Einsatz und wird LiDAR genannt. Diese Kartierungstechnik macht Konturen sichtbar, die sonst unter dem dichten Blattwerk des Dschungels verborgen sind.

Archäologen glauben, dass diese Technologie den Blick auf die Maya-Zivilisation verändern wird. «Ich denke, dies ist einer der grössten Fortschritte in mehr als 150 Jahren Maya-Archäologie», sagte Stephen Houston, Professor für Archäologie und Anthropologie an der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island, der BBC.

Eine 3d-Abbildung der Maya-Stätte von Tikal. Bild: AP/PACUNAM

«Wir können viele weitere Überraschungen erwarten», sagte Houston. Er bezeichnete die aktuelle Entdeckung als «atemberaubend» und fügte hinzu: «Ich weiss, es klingt ein wenig übertrieben, aber als ich die Bilder sah, hatte ich Tränen in den Augen.»

Sumpfige Gebiete trockengelegt

Die Wissenschaftler vermuten nun, dass einst etwa zehn Millionen Menschen in der Region lebten - etwa zwei- bis dreimal so viele wie bislang angenommen. Dies bedeute, es sei auch eine enorme Nahrungsmittelproduktion notwendig gewesen. So legen die LiDAR-Bilder den Angaben zufolge nahe, dass in einigen Regionen 95 Prozent der verfügbaren Fläche kultiviert war.

«Ihre Landwirtschaft war viel intensiver und nachhaltiger als bislang gedacht», sagte Francisco Estrada-Belli von der Tulane University in New Orleans. So hätten die Maya teilweise sogar sumpfige Gebiete trockengelegt, um sie landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Ein System an Schutzzäunen, Gräben und Bewässerungskanälen lasse zudem auf eine hochorganisierte Lebens- und Arbeitsweise schliessen.

Die Maya schufen in Mittelamerika eine der bedeutendsten Hochkulturen der Antike. Sie bauten komplexe Tempelanlagen, besassen einen hochentwickelten Kalender und waren Meister im Maisanbau. Ihre Blütezeit war zwischen 1000 vor Christus und 900 nach Christus.

«Unglaubliche Verteidigungselemente»

Die Archäologen zeigten sich nach der jüngsten Entdeckung beeindruckt von den «unglaublichen Verteidigungselementen». Dies zeige, dass die Maya mehr Ressourcen in ihre Sicherheit investiert hätten als bislang vermutet, sagte Thomas Garrison vom Ithaca College in New York.

Die Maya-Stätte in Tikal:

Video: YouTube/Planet Doc Full Documentaries

Eine andere Erkenntnis, die die Wissenschaftler überraschte, war ein komplexes Netzwerk von Dämmen, das alle Maya-Städte in der Region miteinander verband. Die erhöhten Wege erlaubten es, auch während der Regenzeit einfach von einem Ort zum anderen zu gelangen. Sie waren nach Ansicht der Archäologen auch breit genug, dass sie für den Handel genutzt werden konnten.

Im Gegensatz zu anderen alten Kulturen, deren Felder, Strassen und Gebäude von nachfolgenden Generationen zerstört worden seien, habe der Dschungel, der über die verlassenen Maya-Stätten gewachsen sei, diese bewahrt - aber auch versteckt, sagte Garrison.

Insgesamt legten die LiDAR-Aufnahmen den Angaben zufolge rund 60'000 Bauten dar, darunter vier grosse Stätten für zeremonielle Anlässe - mit Plätzen und Pyramiden.

wit/AP

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 04.02.2018 09:35
    Highlight Immer wieder interessant zu sehen, wie Zivilisationen überall damit begannen, dass Menschen Steinklötze aufeinander türmten, was sehr anstrengend sein musste, dann aber mit einem spektakulären Endergebnis für all die Mühen entschädigte!
    Und, was diese Ur-Zivilisationisten noch gar nicht wissen konnten: Sie investierten damit ins zukünftige Tourismus-Geschäft ihrer Nachfahren!
    Nichts lockt mehr Touristen an, als beeindruckende Bauten aus fein behauenen Steinklötzen!
    Das unter dem Massentourismus ächzende Venedig könnte ein Liedchen davon singen, wenn es noch Lust zum Singen hätte...
    13 3 Melden
  • Domino 04.02.2018 03:24
    Highlight Tolle Sache. Nur finde ich die Zahl von 10 mio Einwohner weit übertrieben in anbetracht dass es damals noch kein Phosphordünger gab.
    Auf der Fläche vom Kt. St. Gallen 10mio Einwohner? Zum Vergleich: während dem 2WK konnte die Schweiz die 4.5mio Einwohner nur knapp selber ernähren. Heute gehen wir gegen 9mio und Phosphordünger wird gegen Ende des Jahrhunderts ausgehen...
    3 22 Melden
    • Koberto 04.02.2018 12:43
      Highlight Du vergisst, dass die Wachstumperioden sehr unterschiedlich sind. Die Mayas hatten 365 Tage für den Landbau, während es im Kanton St. Gallen Winter und Bodenfrost gibt.
      24 0 Melden
  • Tsunami90 04.02.2018 01:29
    Highlight Die Welt hält auch in der heutigen Zeit noch Entdeckungen bereit. Amazing!
    14 0 Melden
  • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 04.02.2018 01:26
    Highlight Wenn ich solche Artikel lese, muss ich automatisch daran denken, was wäre wenn die Europär diese Kultur nicht ausgelöscht hätten. Wie würde die Welt heute aussehen? Finde solche Gedanken spannend.
    38 13 Melden
    • Wald Gänger 04.02.2018 12:10
      Highlight Ähm...die Maya-Kultur wurde ganz sicher nicht von den Europäern ausgelöscht.
      22 2 Melden
    • rodolofo 04.02.2018 12:32
      Highlight Möglicherweise wären wir dann als Sklaven in die von den Mayas und Azteken neu eroberten Gebiete in Afrika und Indien verfrachtet worden, nachdem die Maya-Kolonisatoren die Barbarischen Stämme Europas gegeneinander ausgespielt und aufeinander losgehetzt hätten...
      17 2 Melden
    • rodolofo 04.02.2018 16:48
      Highlight "Wir" ist ja ziemlich unrealistisch gesagt...
      Erstens lebte ich damals ja gar nicht, weder in Europa, noch sonstwo auf der Welt, und zweitens gäbe es "uns" auch heute nicht, da wir nur mit diesem Geschichtlichen Verlauf möglich wurden.
      Also lieber nicht fragen, was wäre wenn!
      Denn dann könnten wir ja gar nicht fragen...
      9 2 Melden
    • Wald Gänger 04.02.2018 19:23
      Highlight Echt jetzt? Rodololfo steigt auch noch auf diesen sonderbaren Kommentar ein? Hat hier eigentlich irgendjemand eine Ahnung von Geschichte? Als die Mayakultur sang- und klanglos verschwand, hatten allerhöchstens ein paar namenlose Wikinger ihre Patschefüsschen auf amerikanischen Boden gesetzt. Europa hatte rein gar nichts mit dem Verschwinden dieser Kultur zu tun.
      Kann die Sehnsucht danach, an allem schuld zu sein, wirklich so gross werden?
      24 0 Melden

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