Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Skelett gefunden: Wie ein osmanisches Kamel bis vor Wien kam

02.04.15, 06:37 02.04.15, 08:34


1683 hielt das Abendland den Atem an: Die Türken standen vor Wien. Die zweite Belagerung der kaiserlichen Residenzstadt durch ein osmanisches Heer nach 1529 dauerte vom 14. Juli bis 12. September. Fast gelang es den Osmanen, die Stadt zu erobern. Erst als ein Ertsatzheer eintraf, zogen sie sich zurück. 

Und die Türken liessen so einiges zurück, wie sich jetzt zeigt: Bei Erdarbeiten für ein Einkaufszentrum in Tulln in Niederösterreich ist ein vollständiges Kamel-Skelett entdeckt worden. Eine kleine, verblüffende Spur der welthistorischen Schlacht, versteckt seit dem 17. Jahrhundert in einem uralten Keller. 

Belagerung Wiens durch die Osmanen: Auch Kamele waren dabei.  Bild: Wikipedia

Der Fund sei einzigartig, berichten Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Online-Fachjournal «Plos One». Bisher habe man nur Teile von Kamelen gefunden, denn meist wurden die Tiere nach dem Verenden zerlegt und zumindest teilweise gegessen. Das in Tulln ausgegrabene Exemplar ist laut Studienautor Alfred Galik vom Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie das erste vollständig erhaltene Kamel, das bisher in Mitteleuropa entdeckt wurde.

Das Skelett war bereits 2006 in einem ehemaligen Keller in Tulln gefunden worden und wurde seither eingehend unter die Lupe genommen. 2012 war es schon im Rahmen einer Sonderausstellung im Tullner Römermuseum zu sehen.

Reit-Kamel

«Das Kamel war wohl eher ein Reit- als ein Lasttier», sagte Galik mit Verweis auf die geringen Verformungen der Knochen. Berichte aus jener Zeit sowie weitere Fund legten nahe, dass die Osmanen damals auch das nahe bei Wien gelegene Tulln belagert hätten. Doch die Gegnerschaft sei wohl nicht besonders ausgeprägt gewesen, wie ein Gefangenenaustausch belege.

Jedenfalls könne das Kamel als exotische Kuriosität in die Stadt an der Donau gelangt und dort später «aufgrund unsachgemässer Behandlung» gestorben sein, erklärte Galik. Zusammen mit Müll wurde es vor fast 333 Jahren im Keller eines zerstörten Gebäudes verscharrt.

Das männliche, mindestens sieben Jahre alte Kamel sei streng genommen ein Tulu, eine Kreuzung aus Dromedar und Trampeltier, sagte der Wissenschaftler unter Berufung auf DNA-Analysen. Die Öffentlichkeit werde wohl keinen Blick auf das Skelett werfen können. Die Knochen wandern nach den Untersuchungen in ein Lager. (dhr/sda/dpa)

Kein Aprilscherz

Der Fund sei kein Aprilscherz, betonte Galik. Dass die Studie ausgerechnet am 1. April erschienen sei, habe zu einiger Verwirrung geführt, erzählte er dem österreichischen Wissenschaftsportal Science.orf.at. Er sei ständig gefragt worden, ob es sich dabei um einen Scherz handle. Galik: «Ich habe selbst auch sehr lachen müssen, als ich das Datum der Publikation erfahren habe.»

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Als muslimische Piraten Europäer zu Sklaven machten 

Dass Europäer rund 12 Millionen Bewohner Afrikas versklavten und über den Atlantik nach Amerika verschifften, weiss man. Eher unbekannt ist die Geschichte der Korsaren, die drei Jahrhunderte lang europäische Handelsschiffe kaperten und zehntausende Menschen nach Nordafrika verschleppten.

Als Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón mit ihrer Heirat auch ihre Königreiche vereinen, leisten sie den heiligen Schwur, ganz Spanien von den «Moros» (Mauren) zu befreien. Seit dem Jahr 711 besetzen diese die Iberische Halbinsel. Córdoba und Sevilla sind bereits wieder in spanischer Hand – und 1492, sieben Monate bevor Christoph Kolumbus Amerika entdeckt, fällt auch die letzte muslimische Bastion Granada an die Katholischen Könige. 

Die Reconquista ist vollendet – und …

Artikel lesen